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Boomer – Überfall auf Hollywood

Originaltitel: Taking of Beverly Hills, The__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: Sidney J. Furie__Darsteller: Ken Wahl, Matt Frewer, Harley Jane Kozak, Robert Davi, Lee Ving, Branscombe Richmond, Lyman Ward, Michael Bowen, William Prince, Michael Kehoe, Mark Haining u.a.
Boomer

Schön überskalierter Actionradau: “Boomer – Überfall auf Hollywood”

Beverly Hills, Stadt der Reichen und Schönen und des Überflusses. Doch eine Nacht soll das ändern… Ein Tanklastwagen mit einer chemischen Flüssigkeit rast durch die Straßen von Beverly Hills. Ein Cop verfolgt den Laster und es kommt zu einem Unfall. Der Laster rammt ein parkendes Auto, kippt um und die Chemikalie ergießt sich auf den Asphalt. Die Behörden schlagen sofort Alarm, evakuieren die Einwohner und riegeln die Stadt ab.

Doch irgendetwas stimmt hier so gar nicht. Denn die herbeigeeilten Polizisten und Mitarbeiter der Umweltbehörden kümmern sich so gar nicht um die Umweltkatastrophe. Stattdessen brechen sie in die nun leerstehenden Gebäude ein und räumen sie komplett leer! Ein gigantischer Coup, von langer Hand geplant und nur an einem Punkt fehlerhaft: Man hat beim Räumen der Stadt vergessen, den Football-Star Boomer Hayes mit zu evakuieren.

Und der spuckt den Großdieben nun so richtig in die Suppe…

Boomer

Boomer hat seine Geheimwaffe immer dabei! Nein, nicht das Handtuch, seine Frisur!

„Boomer – Überfall auf Hollywood“ ist in seinen besten Momenten Destruktionskino vom Allerfeinsten. Großformatig werden hier ganze Häuser gesprengt, knallen Autos in Fensterfronten und fliegen in Wohnhäuser und fahren Panzer mitten durch Villen und machen diverse Statussymbole platt. Das ist alles handgemachte Stuntarbeit, frei von Pixeln und Bytes. Mittendrin ein Vokuhila tragender Held, der mit einem Buddy an der Seite den „John McClane“ gibt und zu knalligen Beats von „EMF“ und „Faith No More“ den Lumpen eine Runde Saures einschenkt. Dabei gefällt vor allem, dass der Held früh zu Beginn des Filmes ein gewisses Unbehagen gegenüber Schusswaffen äußert und dieses auch nie ablegt. In der Folge nutzt er Steine, Molotow-Cocktails und Ninjasterne, um sich seiner Haut zu erwehren. Für amtlich blaue Bohnen sorgen derweil seine Gegner, die in gefühlten Hundertschaften angerückt sind und ordentlich Rabatz veranstalten. Dass Boomer trotzdem nur gefühlte drei Bäddies umnietet und in Richtung Showdown sich alle Bösewichter bis auf den Superbösewicht aufgelöst zu haben scheinen, ist nur eines der kleinen Haare in der Suppe.

Davon gibt es bei Boomer aber leider mehrere. Ein weiteres echtes Problem ist, dass „Boomer – Überfall auf Hollywood“ eben immer eher als B- denn als A-Ware veranschlagt war. Und so muss Regisseur Sidney J. Furie nach diversen großartigen Spektakelmomenten doch gehörig auf die Bremse treten. Obendrein muss er einen wenig spektakulären Nebenschauplatz aufspannen, den er zwar nutzt, um die Hintergründe hinter dem Riesenraubzug zu beleuchten, den es aber, und da kann man ruhig ehrlich sein, eigentlich nicht gebraucht hätte. Man hätte alle in der Nebenhandlung getätigten Enthüllungen auch locker in die Haupthandlung stopfen können. Und das wäre dem Film vermutlich sogar sehr gut bekommen, denn prinzipiell hat man immer den Eindruck, dass das Heldengespann aus Boomer und einem Cop immer ein wenig zu kurz kommt und sich nicht so wirklich entfalten kann. Vor allem in komischer Hinsicht hat man häufiger den Eindruck, dass da diverse Pointen ungenutzt verhallen.

Boomer

Matt Frewer wird zum besten Kumpel von Boomer.

Und hält man sich vor Augen, wie zur Mitte des Filmes explodierende, sich überschlagende und brennende Autos durch die Lüfte fliegen und unsere Helden vor gigantischen Explosionen wegrennen müssen, dann kann man den wirklich uninspirierten Showdown einfach nur als Enttäuschung werten. Ein wenig Gerangel, ein viel zu schnell gesetzter Finisher und vorbei. Kein letztes Aufbäumen des Bösewichtes, keine große Materialschlacht, nichts. Schade. Und so ist dann in Actionsachen eher der Weg das Ziel. Und dieser Weg besteht zum Glück für den Actionfan aus purer Lust an der Zerstörung.

Den Held dieser „Stirb Langsam“ Version gibt mit Ken Wahl ein Darsteller, den so mancher Ausgangs der 80er und Beginn der 90er als Actionstar auf der Liste hatte. Einzig der Durchbruch wollte ihm mit Filmen wie „The Wanderers“, „Ein Teufelskerl“ und „Der Söldner“ nie gelingen. In „Boomer“ nun liefert er eine solide Leistung ab, will einem aber nie rundweg sympathisch erscheinen. Auch hätten ihm ein paar coole One Liner gut gestanden. Ganz im Gegenteil zu seiner wirklich üblen Frisur. Flankiert wird Wahl von „Max Headroom“ Matt Frewer, von dem man sich als Sidekick des Helden vermutlich viel mehr komische Momente erwartet hatte. Zumindest geht es dem Zuschauer so. Der sitzt aber nur da und ist ob der vielen Richtungswechsel der Figur zu Beginn des Filmes teils vollkommen verwirrt. Und im Zusammenspiel mit Wahl will es dann einfach nicht so recht funken. Auf Seiten der Bösewichter fallen die Hauptrollen Robert Davi („The Butcher“) und Branscombe Richmond (TV Serie „Renegade“) zu. Davi wird als Bösewicht meines Erachtens vollkommen verheizt und Richmond, der für die großkalibrige Action des Filmes sorgen darf, verärgert mit grober Dummheit: Alleine, wie oft er den angeblich toten Boomer als ebensolchen deklariert, nervt schon ziemlich. Den weiblichen Love Interest gibt mit Harley Jane Kozak („Arachnophobia“) ein besonders reizloses Exemplar der Gattung Frau.

Boomer

Boooooooooom!!!

Inszenatorisch geht „Boomer – Überfall auf Hollywood“ absolut in Ordnung. Zwar wirkt so manch spektakulär gesprengtes Haus eher sehr kulissenartig und hat man ab und an das Gefühl, Sidney J. Furie („Der stählerne Adler“) hat irgendwie bei manchen Momenten den eigentlichen Money Shoot verpasst, insgesamt kann er aber so viel spektakuläre, handgemachte Zerstörungswut aufweisen, dass es eine wahre Freude ist. Abseits der Action inszeniert er allerdings arg unaufgeregt und viel zu gediegen, weshalb ihm so mancher Dialogmoment (etwa zwischen Davi und Kozak) durchaus ins Langweilige abrutscht. Musikalisch sicherte sich Furie die Dienste von „Miami Vice“ Musikmaestro Jan Hammer, der von Janet Jackson bis Sheena Easton alles auffuhr, was damals Rang und Namen hatte. Ein echt cooles Thema für den Helden vermisst man aber leider trotzdem…

Ich denke, man hat es an der Vielzahl an genannten Mängeln gemerkt: „Boomer – Überfall auf Hollywood“ ist definitiv kein Geheimtipp im Actiongenre. Allerdings ist der Film definitiv ein sehr unterschätzter Vertreter seiner Zunft. Mich wundert beispielsweise immer wieder, wie selten dieser Actionkracher bisher im deutschen Fernsehen lief. Ascot Elite schafft dem nun endlich Abhilfe und bringt uns DVD und Blu-ray zu diesem vielleicht nicht fehlerlosen, dafür sehr unterhaltsamen und teils richtiggehend spektakulären Actionspaß, der die „Stirb Langsam“ Routine souverän abspult und in gewisser Weise sogar die Handlung von „Stirb Langsam – Jetzt erst recht“ in weiten Teilen vorwegnimmt. Die Handlung ist durchaus gewitzt, das Tempo ist ordentlich und die gebotenen Schauwerte gefallen dank ihrer handgemachten Ausgestaltung und sind richtig angenehm spektakulär. Man hätte dem Film ein besseres Abschneiden gewünscht. Viel hätte es dafür nicht gebraucht: Ein coolerer Held, noch mehr Spektakel, vor allem im Showdown, präsentere Bösewichter und etwas mehr Witz – und schon wäre „Boomer – Überfall auf Hollywood“ der Klassikerstatus sicher.

Die deutsche DVD / Blu-ray kommt von Ascot Elite im Rahmen ihrer „Cinema Treasures“ Reihe, ist mit einer FSK 16 freigegeben und in der Form uncut. Die Bildqualität des HD Mediums ist im Übrigen sehr erstaunlich und lässt den Film richtig frisch wirken.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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