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Buffalo Boys

Originaltitel: Buffalo Boys__Herstellungsland: Indonesien, Singapur__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Mike Wiluan__Darsteller: Conan Stevens, Yoshi Sudarso, Zack Lee, Sunny Pang, Ario Bayu, Pevita Pearce, Reinout Bussemaker, Alex Abbad, Tio Pakusadewo, Daniel Adnan, Alexander Winters u.a.
Buffalo Boys deutsches DVD Cover

Eastern meets Western im indonesischen “Buffalo Boys”.

Vor allem Actionfans horchen aktuell bei neuen Filmveröffentlichungen aus Indonesien gespannt auf. Kein Wunder, haben doch Filme wie „The Raid“, „The Raid 2“, „The Night Comes For Us“ oder „Headshot“ die Messlatte für brettharte Actionfilme mehr als nur hoch gelegt. Da nimmt es wenig Wunder, dass das Regiedebüt von Mike Wiluan, der „The Night Comes For Us“ produzierte, Begehrlichkeiten bei Actionfans weckt. Und Wiluan, soviel sei verraten, liefert durchaus ab.

Im 19. Jahrhundert befindet sich Indonesien unter dem Einfluss der Kolonialmacht Holland. Die gestaltet das Land mit eiserner Hand nach ihrem Gutdünken um. Das bekommt sogar der indonesische Sultan zu spüren. Gemeuchelt von den fiesen Ausländern kann er zumindest seine beiden neugeborenen Söhne noch gerade so in die Verantwortung seines Bruder Arana übergeben. Der flieht mit beiden außer Landes.

In den USA zu stattlichen Kerlen herangewachsen, beschließen die Brüder eines Tages mit ihrem Onkel gen Indonesien zu reisen, um dort ihren ermordeten Vater zu rächen. Vor Ort begegnen ihnen nur Not und Elend. Die Holländer haben das Land brutal unter ihre Knute gezwungen. Drogen machen selbst die letzten aufständischen Gemüter handzahm.

So fällt es Suwo und Jamar nur zu leicht, an ihren Racheplänen festzuhalten. Doch mit der Ruchlosigkeit und Brutalität ihrer Gegner unter Führung des fiesen Van Trachs müssen sie erst einmal fertig werden.

Schaut in den Western-Eastern-Genremix aus Indonesien hinein

„Buffalo Boys“ ist ein Film, in dem unzählige Stilmittel des Westerns auf Elemente des Easterns treffen. Staubige Landschaften, Saloons, endlose Landschaften, braunstichige Bilder und irrwitzig schnell ziehende Revolverhelden treffen hier auf Martial-Arts- und Schwertkampf-Künste sowie asiatische Crazyness in Form von auf Büffeln reitenden Helden und fantasievoll gestalteten Feuerwaffen. Das ergibt einen Mix, an dem man sich die gesamte Laufzeit hinweg nicht sattsehen kann.

Buffalo Boys mit Yoshi Sudarso und Ario Bayu

Suwo (li.) und Jamar (re.) kehren mit ihrem Onkel Arana nach Java zurück.

Die Story kann da kein Stück mithalten. Wirkt im Vergleich zur zitatwütigen, knallbunten Optik sogar fast schon ein wenig lieblos. Und verschießt ihr Pulver viel zu früh, so dass man schnell durchschaut, wer hier wem ein Leides getan hat. Das tut dem Spannungsbogen des Filmes alles andere als gut. Vor allem im Mittelteil hängt „Buffalo Boys“ ordentlich durch. Präsentiert nur noch Grausamkeiten der Holländer um Van Trach und erlegt seinen Helden neben weitgehend im Sande verlaufenden Love-Interest-Substorys eine heftige Passivität auf.

Zumindest halten einige intelligent eingewobene Actionszenen das Tempo immer oben. So dass man sich als Actionfan auch im Mittelteil immer gut unterhalten fühlt. Dabei setzt es vornehmlich gut choreographierte Martial-Arts-Einlagen, die dank des Einsatzes von Hieb- und Stichwaffen auch die eine oder andere saftigere Gewalteinlage (Messer ins Auge, Abtrennen von Extremitäten) zur Folge haben. Im Vergleich zu den eingangs genannten Actionfilmen hält sich „Buffalo Boys“ in Sachen Gewalt aber deutlich zurück. Trägt im Vergleich zu gängiger Actionware, etwa aus den USA, ihre FSK 18 aber absolut mit Recht auf der stolz geschwellten Actionbrust.

Buffalo Boys Fieswichte um Daniel Adnan

Fiese Fieswichte überziehen Indonesien mit Tod und Terror.

Denn vor allem im Showdown dreht „Buffalo Boys“ schon gehörig auf. Abgetrennte Köpfe und von Stierschädeln durchbohrte Fieswichte inklusive. Im Showdown wird dann auch deutlich mehr herumgeballert. Mit vierläufigen Schrotflinten und Vorläufern mobiler Granatwerfer wird hier ordentlich Rambazamba veranstaltet und werden getroffene Kombattanten von der Wucht der Einschüsse meterweit durch die Gegend geschleudert.

Eingeleitet wird der Showdown westerntypisch ganz klassisch mit Augen-Close-ups und nervös an den Revolvern nestelnden Fingern. Dann punktet die Actioninszenierung mit enormer Dynamik, ohne dass jemals der Überblick verlorengehen würde. Und gegen Ende werden dann zwei Martial-Arts-Fights so krass parallel montiert, dass man irgendwann den Eindruck hat, ein Kombattant aus dem einen Fight würde einem Kombattanten aus dem anderen Fight eine vors Fressbrett dübeln.

Buffalo Boys mixt Eastern und Western.

Suwo lässt die Feuerwaffen sprechen.

Abseits der Action inszeniert Wiluan mit Auge für große Bilder und rückt vor allem die natürliche Schönheit Indonesiens ins rechte, ins epische Licht. Ein kleiner Geniestreich ist auch die Bebilderung der Überfahrt der rachsüchtigen Brüder von Kalifornien nach Indonesien. Mittels Hereinzoomens in animierte Szenerien wird hier in Sekunden ein halbes Jahr Reisezeit bebildert. Kleinere Problemchen machen nur ein paar CGI-Wunden und -Blutspritzer sowie ein paar durchsichtige Effekte wie eine lustig vor sich hin qualmende CGI-Lokomotive. Zum Glück alles nix, was aus dem Filmerlebnis herausreißen würde.

Darstellerisch stehen Yoshi Sudarso („Power Rangers“) als Suwo und Ario Bayu („Java Heat“) als Jamar im Mittelpunkt. Dabei wirkt Sudarsos Suwo deutlich zugänglicher als Brummelkopf Jamar. Allgemein stellt man schnell fest, dass die Wesenszüge der beiden Brüder lange Zeit gar keine Rolle spielen. Das führt spätestens bei einem überraschenden Fight zwischen beiden zu einiger Überraschung beim Zuschauer, der sich schon fragt, wo das herkommt. Abgesehen von derartigen Drehbuchnachlässigkeiten spielen beide ordentlich auf und liefern dem Zuschauer ordentlich Identifikationsmasse.

Action im indonesischen Western-Eastern-Mix

Fight!

Aus „The Raid 2“ kennt man Arana-Darsteller Tio Pakusadewo, der als Kitt zwischen Jamar und Suwo fungiert und höchst souverän den Mentor der beiden gibt. Bei den Fieswichten präsentiert der Film eine vorzügliche Mannschaft an Widerlingen. Beinahe zu viele, denn die faszinierendsten Bösewichter kommen dabei leider ein wenig zu kurz. Gemeint sind damit Reinout Bussemakers („Temmink: The Ultimate Fight“) Van Trach und dessen rechte Hand Drost, gespielt von Schauspieldebütant Daniel Adnan.

“Buffalo Boys” – Western made ein Indonesien

Was am Ende bleibt, ist ein in Teilen extrem unterhaltsamer Genremischmasch, der große Bilder mit satter Action kombiniert und dabei seine Story ein wenig zu sehr aus den Augen verliert. In der Folge zieht sich der Mittelteil des optisch faszinierenden Streifens etwas zu sehr. Zum Glück schließt daran ein Showdown an, der noch einmal so manche Kohle aus dem Feuer holt und vor allem Actionfans ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert.

„Buffalo Boys“ wird in Zukunft definitiv nicht in einem Atemzug mit den Genre-Großtaten Indonesiens/Asiens genannt werden. Aber wenn man an eine gelungene Melange aus Eastern und Western denkt, könnte „Buffalo Boys“ definitiv vor dem inneren Auge dahinreiten – auf Büffeln, natürlich.

07

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 18. Oktober 2019 von der Busch Media Group. Mit einer FSK 18 Freigabe ist der Film ungeschnitten. Dennoch lohnt sich nach dem Filmgenuss ein Blick auf den Trailer. Der deutet an, dass da noch weitaus mehr Filmmaterial belichtet wurde, welches schon früh Überraschungen aus dem späteren Filmverlauf der aktuellen Fassung gespoilert hätte. Leider wirkt die deutsche Synchronisation bei manchen Figuren etwas unpassig.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Busch Media Group__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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