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Cagefighter: Worlds Collide

Originaltitel: Cagefighter: Worlds Collide__Herstellungsland: Großbritannien, Kanada__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Jesse Quinones __Darsteller: Alex Montagnani, Elijah Baker, Georgia Bradner, Jonathan Good, Jay Reso, Luke Rockhold, Chuck Liddell, Gina Gershon, Brenna Coates, Leo Fafard, Lowell Dean u.a.
Cagefighter: Worlds Collide DVD Cover

John Moxley spielt den Wrestling-Underdog in “Cagefighter: Worlds Collide”.

2015 gab Jonathan Good sein Schauspieldebüt in „Zwölf Runden 3: Lockdown“. Damals arbeitete Good noch für die WWE und war als Dean Ambrose ein unumstrittener Publikumsliebling. Ein kleines Cameo legte er noch in der WWE-Studios-Produktion „Countdown“ hin, die 2016 veröffentlicht wurde. In den Folgejahren begann sich das Gimmick um Dean Ambrose abzunutzen. Den Drehbüchern der WWE fielen keine glaubwürdigen Entwicklungen mehr um den Raufbold der Wrestling-Liga ein.

Also zog Good den Stecker. Und er heuerte bei der augenblicklich größten Konkurrenz der WWE an: Als John Moxley gibt er auch bei All Elite Wrestling (AEW) den Superbrawler und legt sich ausnahmslos mit jedem an. Das klappte erneut so eindrücklich, dass er sich für den Streifen „Cagefighter: Worlds Collide“ empfahl und als Antipode für den Helden gecastet wurde. Good alias John Moxley nutzt die Gelegenheit und rührt in dem Streifen ordentlich die Werbetrommel für AEW.

Dabei dreht sich alles um den MMA-Fighter Reiss Gibbons. Der hat in der Liga „Legends“ alle Preise gewonnen, die man gewinnen kann, und fünf Jahre lang mit all seinen Gegnern den Boden gewischt. Das hat freilich auch Auswirkungen auf die Quoten und die Pay-per-View-Zahlen – keine positiven. Deshalb will Max Black, die Promoterin der Liga, etwas Neues wagen.

Sie will den Champ ihrer Liga gegen den Superstar der Pro-Wrestling-Welt antreten lassen. Denn, so ihre Hoffnung, ein Kampf von Reiss gegen den AEW-Champ Randy Stone würde die Fans beider Ligen anlocken und wenn Reiss Stone ordentlich verprügelt, könnte er neues Zahlvieh unter den Wrestling-Anhängern gewinnen.

Der Kampf wird im Vorfeld medial ordentlich ausgeschlachtet und zumeist belächelt. Zwar müht sich Randy Stone nach Leibeskräften, als Fighter ernst genommen zu werden, doch niemand traut ihm zu, auch nur die erste Runde zu überstehen – auch Reiss nicht. Bei dem Fight kommt es dann ganz anders…

Schaut in „Cagefighter: Worlds Collide“ mit John Moxley hinein

Von seinem Aufbau her erinnert „Cagefighter: Worlds Collide“ stark an „Rocky III“, wenn der vom Erfolg satte Rocky seinen nächsten Gegner Clubber Lang total unterschätzt und dafür eine krachende Niederlage kassiert. Es folgt der Weg durchs Tal der Tränen und der allmähliche Wiederaufbau des arg gebeutelten Selbstvertrauens, um sich hernach erneut der ultimativen Nemesis zu stellen. Und was in „Rocky III“ funktionierte, geht auch für „Cagefighter: Worlds Collide“ absolut klar. Zumal der Film die Vorgaben des Stallone-Box-Klassikers stimmig adaptiert und sogar anreichert.

Denn das Element um die „Worlds Collide“ ist schon sehr faszinierend geraten. Als Wrestling Fan weiß man von Wrestlern, die vom MMA ins Wrestling wechseln. Hier müssen dann gefühlt immer wieder die Drehbuchautoren dafür sorgen, dass die MMA-Fighter nicht zu stark rüberkommen. Andererseits weiß man auch von Wrestlern, die Ausflüge in Richtung MMA wagen. Und irgendwie kann man sich da nie vorstellen, dass das funktionieren kann. Gleichzeitig fragt man sich immer wieder, wieso eigentlich? Denn die meisten Wrestler haben ja einen echten Kampfsporthintergrund. Und genau bei diesem Klischee-Denken bedient sich „Cagefighter: Worlds Collide“ reichlich.

Cagefighter: Worlds Collide mit John Moxley

Randy Stone hat Reiss im Schwitzkasten.

Immer wieder wird Randy Stone belächelt und als Schauspieler abgetan, der nur nach Drehbuch kämpfen und sprechen kann. Doch Randy Stone deutet immer wieder an, dass er ein Sportler ist, der etwas auf dem Kasten und richtig Power hat. Wenn er dann den MMA-Champ brutal mit Schlägen eindeckt, kann man sich richtig vorstellen, wie Wrestling-Nerds (wie der Autor dieser Zeilen) auf ihrem Sofa hocken und nur „Yes“ bei sich denken.

Leider lässt „Cagefighter: Worlds Collide“ dieses zu Beginn den Film dominierende Motiv nach dem ersten Fight zwischen Reiss und Stone komplett und ein wenig unbedacht fallen. Denn irgendwie war man wegen dieser Verkehrung des Underdog-Prinzips, das den wenig sympathischen Randy Stone ebenjene Rolle überstülpte, mehr im Geschehen drin. Heftet sich der Film dann ausschließlich an Reiss purzeln nur noch hinreichend bekannte Handlungselemente und fällt eben auf, dass „Cagefighter“ NICHT „Rocky III“ ist und ein Alex Montagnani kein Sylvester Stallone.

John Moxley als Randy Stone in Cagefighter

John Moxley gibt in “Cagefighter: Worlds Collide” den Superbrawler.

Und obschon sich Alex Montagnani, ein Profi-MMA-Fighter und Schauspieler, müht und eine gute Ausstrahlung hat, findet man kaum in seine Figur hinein. Das Drehbuch von Regisseur Jesse Quinones lässt einen einfach nicht nah genug an seine Figur ran. Auch die Figuren um Reiss brechen ihn nicht genug auf, um mit ihm mitzufühlen. Einzig Chuck Liddell („Riot – Caged to Kill“) als sein Trainer geht in diese Richtung, hat aber zu wenig Screentime abbekommen. So ist man nie richtig im Film drin und man fightet auch nie mit Reiss mit.

Was auch damit zu tun hat, dass die Fights nicht wirklich zu begeistern wissen. Immer wieder reden die Moderatoren von irgendwelcher Power, die man auf dem Bildschirm allerdings nicht zu sehen bekommt. Es fehlt eine eindrückliche Choreographie. Ein paar spektakuläre Momente. Stattdessen wird viel Blut verschmiert, was wohl roh und ungeschliffen wirken soll – häufig aber nur die Frage aufwirft, woher das ganze Blut eigentlich kommt. Zumindest wird ersichtlich, dass die Produktion versuchte, auf Realismus getrimmte Fights zu präsentieren. Nur sind das eben selten schön anzuschauende Fights. (Zur Einordnung: Fans von MMA-Fights, zu denen der Autor dieser Zeilen nicht gehört, werden das vielleicht ein wenig anders sehen.)

Reiss mit Trainer Chuck Liddell und Gina Gershon

Die Promoterin der Liga (Gina Gershon (mitte)) beobachtet Reiss’ Training mit seinem Trainer (Chuck Liddell (links)).

Zudem ist die Kamera immer recht nah am Geschehen. Präsentiert häufig die von mir nicht sonderlich gemochte POV-Perspektive, bei der Boxer gegen die Kamera kämpfen. Viel Übersicht bringt das nicht. Zumal Regisseur Quinones vor allem im Finalkampf auch Schlagwirkungen bebildern will. Was zu hektischen Reißschwenks, unschönen Zeitlupen-Sequenzen und mit Verwischungen arbeitenden Bilderfolgen führt. Das ist gut, um zu verdeutlichen, was der Fighter gerade sieht, allerdings hätte man diese Stilmittel für diesen Eindruck nicht zigfach wiederholen müssen.

Auch sonst passt die Atmosphäre bei den Fights nicht. Alles wirkt seltsam steril. Auch und vor allem die Stimmung um den Käfig. Das Publikum etwa wirkt tonal total zurück gepegelt, seine Reaktionen spielen für den Film keinerlei Rolle. Auch dass keiner der Fighter macht, was die Trainer am Rand einfordern, wirkt sehr seltsam. Und es fehlt auch an einer mitreißenden Musikuntermalung.

„Cagefighter – Worlds Collide“ bietet solide Unterhaltung

Was am Ende bleibt, ist ein solide inszenierter Kampfsportfilm im „Rocky III“-Fahrwasser, der aufgrund zu großer Distanz zu seinen Figuren nie so wirklich beim Zuschauer einschlägt und auch in seinen Kampfszenen nie mitzureißen vermag. Zumindest zeigt die „Rocky III“-Story, wie gut sie auch heute noch funktionieren kann. Langweilig wird es infolgedessen nie und dank dem eingangs sehr stark integrierten „Wrestling gegen den Rest der Welt“-Motiv kommt ein für Fans reizvolles Element hinzu.

Und Jonathan Good? Der spielt diesmal einfach seinen AEW-Charakter John Moxley, nur eben mit anderem Namen. Flankiert von echten Bildern Moxleys aus einigen AEW-Fights. Und das ist gut so, denn so wird Good von Drehbuch und Regie genauso eingesetzt, wie das sein muss. Er ist der Provokateur, der Brawler, der Pain in the Ass – und das bringt er hier richtig gut rüber. Man fragt sich dementsprechend mehrfach, ob es nicht vielleicht mutiger gewesen wäre, „Cagefighter“ um seine Figur herum zu stricken. So hätte man auch einen Charakter gehabt, an dem sich der Zuschauer richtig hätte abarbeiten können. Denn eines wird Moxley wohl nie werden: Schwiegermuttis Liebling. Genauso hatte ihn die WWE in „Zwölf Runden 3“ inszeniert – und es hat null funktioniert. „Cagefighter“ hingegen setzt Good/Moxley viel besser für sich ein.

05 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 29. Januar 2021 von dem Label Ascot Elite. Ungeschnitten, mit einer FSK 16 Freigabe und leider ohne irgendein Extra.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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