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Candyman’s Fluch

Der erste Auftritt von Tony Todd als Horrorkultfigur Candyman. Basierend auf Clive Barkers Kurzgeschichte „The Forbidden“ legt Regisseur und Drehbuchautor Bernard Rose „Candyman’s Fluch“ als atmosphärischen, sozialkritischen Hororfilm an. Eine Studentin, die zu urbanen Legenden forscht, untersucht Morde in einem Elendsviertel und muss feststellen, dass Candyman, der Killer mit der Hakenhand, nicht nur ein Mythos ist.

Originaltitel: Candyman__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Bernard Rose__Darsteller: Virginia Madsen, Tony Todd, Xander Berkeley, Kasi Lemmons, DeJuan Guy, Vanessa Williams, Ted Raimi, Carolyn Lowery, Barbara Alston, Sarina C. Grant, Michael Culkin u.a.
Candyman's Fluch

In “Candyman’s Fluch” verkörpert Tony Todd zum ersten Mal den legendären Killer mit der Hakenhand

Aus Clive Barkers Büchern des Blutes gefiel mir die Kurzgeschichte „The Forbidden“ am besten und auch die Verfilmung „Candyman’s Fluch“ durch Bernard Rose („Frankenstein – Das Experiment“) gehört zu den besten Barker-Adaptionen.

Einige der offensichtlichsten Änderungen ist die Tatsache, dass das Geschehen von London nach Chicago verlegt wurde und die Heldin hier nicht im Bereich der Graffitikunst, sondern im Reich der urbanen Legenden forscht (also ist die Idee hinter „Düstere Legenden“ auch nicht so originell wie es manch einem scheinen mag). Es handelt sich hierbei um Helen Lyle (Virginia Madsen), die mit ihrer Freundin Bernadette Walsh (Kasi Lemmons) an einer Dissertation über das interessante Phänomen der urbanen Legenden schreibt.

Dabei stoßen sie auch auf die Legende vom Candyman, einem schwarzen Maler zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, der für seine Liebschaft mit der Tochter eines wohlhabenden Weißen gelyncht wurde. Wenn man seinen Namen nun fünfmal vor dem Spiegel ausspricht, taucht der Candyman auf und verhackstückt den Wagemutigen. So komplex war die Hintergrundgeschichte in der Kurzgeschichte nicht, aber die hätte auch für einen abendfüllenden Spielfilm nicht gereicht und so haben Bernard Rose und Clive Barker in Gemeinschaftsarbeit für stimmige, sinnvolle Zusatzinfos gesorgt, wie wunderbar passen.

Durch Zufall erfahren Helen und Bernadette von der Slumsiedlung Caprini Green, in der ein paar Morde begangen wurden, die dem Candyman zugeschrieben werden. Die beiden recherchieren und merken, dass an der Legende mehr als nur Mythos ist…

Um es gleich vorweg zu sagen: „Candyman’s Fluch“ ist intelligenter Horror, der sein Kapital aus seiner Atmosphäre schlägt und nicht durch dumpfe Blutorgien auffällt. Wer also massig brutale Morde sehen will, sollte lieber zu den dämlichen „Freitag, der 13te“-Sequels greifen, selig sind die geistig Armen. Bei „Candyman’s Fluch“ ist der Bodycount niedrig, vieles wird der Phantasie des Zuschauers überlassen, auch wenn die wenigen blutigen Momente nicht gerade zimperlich sind, aber Bernard Rose setzt einzelne Schocks wie die blutige Hakenhand des Candyman in Großaufnahme sehr effektiv ein.

Candyman's Fluch

Candyman (Tony Todd) wird gerufen, wenn man seinen Namen fünfmal in den Spiegel sagt

Auch sonst ist das Tempo eher gemächlich, weshalb „Candyman’s Fluch“ seine wahren Qualitäten erst bei mehrmaligem Ansehen entfaltet und möglichst in großer Ruhe genossen werden sollte (ähnlich ging es mir bei „Angel Heart“ und „Hellraiser“). In der ersten Hälfte beschäftigt sich „Candyman’s Fluch“ nur mit dem Mythos des gelynchten Malers, erst ungefähr zur Halbzeitmarke taucht der Candyman (Tony Todd) dann in Person auf, um die zu strafen, die seinem Mythos schaden wollen. Zwar ist dies keine Überraschung, da schon Cover und Castliste seine Existenz verraten, doch um möglichst raffinierte Twists geht es hier nicht, sondern um gutes Geschichtenerzählen.

Auf erzählerischer Weise überzeugt „Candyman’s Fluch“ auch voll und ganz: Langsam, aber sicher bricht die Welt um Helen zusammen und sie weiß nicht mehr genau, was Realität und Phantasie ist. Das erinnert leicht an „Nightmare on Elm Street“, aber nur leicht, da Traumszenen in „Candyman’s Fluch“ sehr sparsam eingesetzt werden. Zudem ist der Candyman eine düstere, mythische Gestalt, die zwar auch ein paar markige Sätze ähnlich wie die Cenobiten in „Hellraiser“ spricht, jedoch nie zu einem Sprücheklopfer wie Freddy Krüger wird. Stattdessen ist er ehrfurchtgebietend, aufgrund seiner Hintergrundgeschichte ein wenig tragisch und beinahe sympathisch, denn seine Racheaktionen sind teilweise verständlich (Helen wirft er z.B. vor, sie habe den Glauben an ihn in „seiner Gemeinde“ geschwächt).

Candyman's Fluch

Helen Lyle (Virginia Madsen) muss feststelllen, dass der Candyman nicht nur eine urbane Legende ist

Wenn man „Candyman’s Fluch“ etwas vorwerfen will, dann nur die Tatsache, dass Barker und Rose die Fäden zum Ende hin etwas aus den Fingern gleiten. Das Finale mit dem Holzhaufen schlägt zwar wieder zur Verbindung zur Kurzgeschichte, aber bis dahin ist die Story leider leicht wirr geworden und logisch nicht komplett nachzuvollziehen (z.B. ob der Candyman sterben kann, ob Helen irgendwie besessen ist oder ob Helen eine Reinkarnation seiner damaligen Liebschaft ist). Dafür ist die Schlusspointe sehr stimmig und nicht so gewollt oder aufgesetzt wie bei anderen Horrorfilmen.

Virginia Madsen („Ambushed“) spielt die Hauptrolle zudem sehr überzeugend und vermeidet die üblichen Scream-Queen-Klischees: Ihr Helen ist patent, verhält sich nur in Ausnahmesituationen hysterisch und schreit nicht dauernd um Hilfe. Doch einer stiehlt ihr noch die Show: Tony Todd („Sabotage – Dark Assassin“) als ruhiger, unnahbarer Candyman, der noch cooler als die Figur in der Vorlage rüberkommt (dort war es im wahrsten Sinne des Wortes eine bonbonbunte Gestalt, was doch etwas albern gewirkt hätte). Vor allem seine markante Stimme ist ein Genuss, denn die deutsche Synchro leider nur begrenzt nachmachen konnte. Ansonsten überzeugen im Bereich Supportcast noch Vanessa Williams („New Jack City“), Xander Berkeley („Proud Mary“) und Kasi Lemmons („Harte Ziele“).

„Candyman’s Fluch“ ist ein ruhiger, aber faszinierender Horrorfilm, der bei mehrmaligem Ansehen seine atmosphärischen Qualitäten erst so richtig entfaltet. Nichts für Gorefans oder fanatische Anhänger total vertrackter Plots, aber eine durchweg stimmige Angelegenheit mit viel Flair, einem coolen Todesengel und gut platzierten Blutszenen, auch wenn die Story gegen Ende leicht aus dem Ruder läuft.

„Candyman’s Fluch“ war in Deutschland immer ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Auf VHS von Columbia Tristar handelte es sich dabei um die Unrated-Fassung, die ein paar unterschiedliche Einstellungen beim Mord an dem Psychologen enthält, die spätere DVD-Veröffentlichung des Studios enthielt dagegen die R-Rated-Fassung. Als Bonusmaterial gab es Künstlerprofile und den Trailer zum Hauptfilm. Fassungstechnisch bot auch die Blu-Ray von Meteor Film/Sony nur die R-Rated-Fassung. Turbine Medien hat inzwischen Abhilfe geschaffen und die Unrated auf DVD, Blu-Ray und als Mediabook mit beiden Medien veröffentlicht. Auch das Bonusmaterial ist dort üppiger: Es gibt zwei (DVD) bzw. drei Audiokommentare (Blu-Ray), sieben (DVD) bzw. neun Interview-Features (Blu-Ray), Trailer und Storyboards.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Columbia Tristar/Turbine Medien__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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