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China Heat – Crystal Hunt

Originaltitel: Nu huo wi long__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: Hsu Hsia__Darsteller: Donnie Yen, Carrie Ng, Ken Lo, Sibelle Hu, Nadeki Fujimi, Michael Woods, John Salvitti, Tien Ching, William Ho Ka-Kui, Hsu Hsia, Tony Tam Jan-Dung u.a.
China Heat alias Crystal Hunt

Plotschwache Hongkong-Action mit Donnie Yen: “China Heat” alias “Crystal Hunt”

Der Vater von Lisa Lee ist todkrank. Nur noch die heilenden Kräfte eines sagenumwobenen goldenen Kristalls können ihn retten. Mit ihrem Bodyguard und Lover Gordon bricht sie gen Thailand auf, um den Edelstein aufzutreiben. Vorher sichert sie sich die Dienste von Professor Lau, der als Experte in Sachen Kristall gilt. Blöderweise wird dieser alsbald von den Strolchen des Oberlumps Stephen entführt. Der hat nämlich großes finanzielles Interesse an dem Kristall.

Als es Joyce, der Tochter von Professor Lau, rund um ihren Vater zu ruhig wird – von der Entführung kann sie freilich nichts ahnen –, bittet sie ihren Freund Brett seine Kontakte zu bemühen und nach dem Verbleib ihres Vaters zu forschen. Der ehemalige Hongkonger Cop, der inzwischen in Thailand als Fremdenführer arbeitet, um Joyce nahe sein zu können, spitzt die Polizistin Sally an, mit ihm nach dem Professor zu suchen. So sind alsbald drei Parteien direkt oder indirekt auf der Suche nach dem Kristall.

Schaut in den Hongkong-Actioner hinein

Bis „Crystal Hunt“, der auch unter dem Titel „China Heat“ vermarktet wurde, diese drei Parteien installiert hat, vergeht in dem Actioner eine ganze Menge Zeit. Zwar lockert Regisseur Hsu Hsia den Handlungsteil immer wieder mit Action auf, zielstrebiger oder gar geradliniger macht das „Crystal Hunt“ aber nicht. Immer wieder hockt man vor dem Film und fragt sich, wann denn nun die Jagd auf den Kristall an und für sich losgehen wird. Und wann der Film endlich sein damals recht unverbrauchtes Thailand-Setting richtig auskostet. Nun, es passiert in den letzten 20 Minuten.

Bis dahin muss man doch einiges an Leerlauf und beknackten Dialogen über sich ergehen lassen. Eine Menge Overacting inklusive, was vor allem mit dem komischen Grundton von „Crystal Hunt“ begründet wird. Ein Erzählfluss entsteht allerdings nie, Spannung oder dergleichen kommt zu keiner Sekunde auf und der Humor wirkt doch eher unglücklich – „Highlight“ ist ein Schere-Stein-Papier-Duell mit Ohrfeigen-Bestrafung in einer Disco. „Crystal Hunt“ tuckert infolgedessen ein wenig zu höhepunktlos vor sich hin.

Das gilt leider auch für die Action. Alles beginnt mit einer Einstiegsballerei, die für den weiteren Film überhaupt gar keine Rolle spielt und weder in Sachen Story Ingredienzien oder Darsteller irgendeine Schnittmenge mit den nachfolgenden Minuten hat. Dafür ist das Geballer schön blutig, zumindest jenes, das nicht von den total beknackt platzierten Opening Credits verdeckt wird.

Danach sind die Actioneinlagen eher kurzer Natur und präsentieren die beteiligten Charaktere überwiegend bei Kampfsport-Auseinandersetzungen. Alles nett anzusehen, aber reichlich belanglos umgesetzt. Nicht einmal Donnie Yen („Ip Man“) holt ein paar Kracher-Moves heraus. Interessanter wird es dann in Richtung letztes Drittel. Dabei steigt zunächst eine kleine Ballerei in einer Art Getreidelager, wo auch Donnie Yen und Stephen Darsteller John Salvitti erstmals aneinandergeraten. Hier zieht der Film endlich ein wenig an und mündet hernach in eine nette Abfolge aus diversen Martial-Arts-Duellen, in denen es sich die Hauptcharaktere teils ordentlich geben.

Überwiegend kommt es dabei zu Überzahlsituationen, bei denen zumeist zwei Helden gegen einen Strolch ran müssen. Das sorgt für viel Dynamik und generiert mühelos die besten Actionmomente im Film. Vor allem John Salvitti („Shootfighter 2“) und Michael Woods („Ultra Force 4“) als dessen rechte Hand werden ultrastark gezeichnet und dürfen ordentlich gegen Donnie Yen und dessen überwiegend weiblichen Sidekicks austeilen – wobei auch Erinnerungen an „Tiger Cage 2“ und „In the Line of Duty 4“ wach werden, bei denen alle drei männlichen Darsteller bereits beeindruckend aufeinander eindreschen durften. Die Duelle bieten ein paar fiese Finisher und allgemein ist „Crystal Hunt“ alles andere als blutleer geraten.

Inszenatorisch wirkt „Crystal Hunt“ trotz des internationalen Settings immer mal wieder seltsam billig. Der Score wird zumindest in der deutschen Fassung total verhunzt (wann immer Dialoge einsetzen, wird der Score massiv zurück gepegelt, in kurzen Sprechpausen wieder aufgezogen – das Ergebnis ist höchst irritierend), taugt aber eh nicht viel. Zumindest die Action wird ordentlich in Szene gesetzt. In dieser sind die „Schauspieler“ dann auch am besten. Abseits des Gekickes würde ich maximal Sally-Darstellerin Sibelle Hu so etwas wie Talent oder Engagement bescheinigen. Selbst Donnie Yen wirkt hier irre steif und seine Mimik seltsam maskenhaft. Die Bösewicht-Darsteller kann man leider nie ernst nehmen, da der Film sie teils wie ziemliche Clowns wirken lässt.

„Crystal Hunt“ auf der Jagd nach dem Höhepunkt

Was am Ende bleibt, ist ein im Ton zwischen humorig bis seltsam linkisch changierender Actionfilm, der viel zu lange braucht, um all seine Parteien in Stellung zu bringen. Ist das dann passiert, geht die eigentliche „Crystal Hunt“ viel zu schnell vorbei und mündet beinahe umgehend in einen hübschen Showdown mit einigen Martial-Arts-Keilereien. Und obschon sich die Kombattanten in den Fights sichtlich mühen, haben die Duelle denselben Makel wie der gesamte Film: Sie ziehen reichlich höhepunktlos und ohne Impact am Zuschauer vorbei. Wirken hier und da etwas lieblos umgesetzt und lassen eine gewisse Sorgfalt missen.

4 von 10

In diesem Sinne:
freeman


……


Crystal Hunt – Actionsnack für Hartgesottene

Donnie Yen im Wettstreit mit seinen schlagfertigsten Konkurrenten aus „Tiger Cage 2“ und „In the Line of Duty 4“ – das klingt vielversprechend, doch leider kann „China Heat“ das Versprechen nicht einhalten.

Dabei startet der Film mit einem Fiasko während einer Polizeiaktion, die dann ansatzweise als Hintergrund für die Hauptfigur Chin Chi Leung (Donnie Yen) herhalten könnte, es aber nicht wirklich tut und stattdessen gerade mal für ein wenig Action sorgt. Immerhin sind damit die kämpferischen Fähigkeiten Leungs etabliert, an denen man angesichts der Besetzung aber eh nicht gezweifelt hätte.

Im Hauptteil geht es dann um einen Kristall mit magischen Heilfähigkeiten, hinter dem gleich mehrere Parteien her sind, u.a. Lisa (Carrie Ng), die ihren schwerkranken Vater damit heilen will,l und der Gangsterboss Stephen (John Salvitti). Der Vater von Leungs Freundin, Professor Wong (Hsia Hsu), ist ebenfalls involviert und Leung damit auch bald…

Klingt unmotiviert zusammengeschrieben? So kann man auch das gesamte Script von „China Heat“ zusammenfassen, das einfach nur Klopperei an Klopperei reiht, denn bei der Kristalljagd sind sich die Parteien alle nicht grün und versuchen mit Erpressung, Entführung und so weiter die Konkurrenz auszuschalten. Am Ende wird der Kristall dann tatsächlich mal gesucht, was die stetigen Wemmsereien aber nur von der Stadt in den Wald verlagert und im punkto Spannung oder Zuschauerinteresse immer noch nicht viel ausmacht.

Sicher, „Tige Cage 2“ und „In the Line of Duty 4“ fielen auch nicht durch großartige Drehbücher auf, boten aber immerhin recht kohärente und mit Drive erzählte Geschichten der gradlinigen Sorte, „China Heat“ ist bloß dramaturgisches Flickwerk. Dafür gibt es in einer Tour auf die Moppe, was den Film zumindest für Actionenthusiasten einigermaßen sympathisch macht, zumal Donnie Yen mal wieder mit exzellenter Kampfakrobatik punkten kann und mit John Salvitti und Michael Woods eben jene erwähnten Topgegner früherer Werke wieder trifft. Leider ist das Budget niedriger als bei den genannten, die Regie weniger sicher, wodurch man in diversen Szenen leider deutlich erkennt, dass die Szenen langsam aufgenommen wurden und dann im Zeitraffer abgespult werden, was so mancher Kampfszene etwas den Zauber raubt.

Darstellerisch ist Yen („Ip Man 4: The Finale“) hier weniger gefordert und hinterlässt kaum Eindruck, während sich John Salvitti („Defender – Der Tod ist sein Geschäft“) und Michael Woods („Cheetah on Fire“) mal wieder munter einen zusammenchargieren. Carrie Ng („Dragon from Russia“) bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück, den Rest vom Fest hat man ebenso schnell vergessen wie den mäßigen Versuch einer Story.

So bleiben Martial Arts für Genrefans übrig, denn die Kloppereien können sich trotz gelegentlicher Inszenierungsschwächen sehen lassen, schreiberisch und schauspielerisch ist hier aber kein Jubel angesagt. Als Actionsnack für Hartgesottene okay, für alle anderen komplett uninteressant.

Auf VHS war „China Heat“ trotz FSK 18 gekürzt, im Fernsehen merklich länger, aber immer noch nicht komplett. Am 7. August 2020 ist der Film in Deutschland erstmals auf DVD von dem Label Imperial Pictures veröffentlicht wurden. Der Film kommt uncut mit einer FSK 18, einige bislang geschnittene Szenen sind untertitelt eingefügt. Als Master stand offensichtlich eine Kinorolle zur Verfügung. Aus der holte das Label ein wirklich ordentliches Bild heraus. Allerdings bleiben diverse Dropouts und Bildfehler aufgrund von Verschmutzungen oder Beinaherissen nicht aus.

© Nils Bothmann (McClane)

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