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Cliffhanger – Nur die Starken überleben

Originaltitel: Cliffhanger__Herstellungsland: USA/Italien/Frankreich __Erscheinungsjahr: 1993__Regie: Renny Harlin__Darsteller: Sylvester Stallone, John Lithgow, Michael Rooker, Janine Turner, Rex Linn, Caroline Goodall, Leon, Craig Fairbrass, Gregory Scott Cummins, Denis Forest, Michelle Joyner, Bruce McGill u.a.
Cliffhanger

Sylvester Stallone als heroischer Bergsteiger in Renny Harlins Adrenalinbombe „Cliffhanger“

Mit „Cliffhanger“ haben sowohl Krawumm-Spezialist Renny Harlin („Stirb langsam 2“, „Deep Blue Sea“) als auch Sylvester Stallone ihren besten Film geschaffen.

Schon allein der Anfang ist Hochspannung pur: Bei einer Klettertour sitzen Hal Tucker (Michael Rooker), Mitglied der Bergwacht, und seine Freundin in den Rocky Mountain fest. Zur Rettung werden Hals Partner Gabe Walker (Sylvester Stallone), Gabes Freundin Jessie (Janine Turner) und der Hubschrauberpilot Frank geschickt. Doch die Aktion misslingt: Nach der Rettung Hals via Seil soll seine Freundin auf die gleiche Weise gerettet werden. Als das Equipment versagt, droht diese abzustürzen. Gabe versucht eine rasante Rettungsaktion, die misslingt, und Hals Freundin stürzt in die Tiefe. Bereits hier kann Harlin den Zuschauer fesseln: Nervenzerfetzende Spannung und geniale Bilder (u.a. eine lange, mit einem Hubschrauber aufgenommene Plansequenz, die Schauplatz etabliert) dominieren diese Anfangssequenz, welche den restlichen Film kennzeichnet.

Denn nach diesem Ereignis ist Gabe ein gebrochener Mann: Er kann Hal nicht mehr ins Gesicht sehen und verschwindet aus der Stadt. Doch nach einigen Monaten kehrt er zurück, um seine Sachen abzuholen. Dabei trifft er mit Jessie zusammen, der er mit seinem Weggang das Herz brach. In diesem Part wird Stallones Charakter genauer eingeführt. Seine Rolle als gebrochener Held, der keiner sein will, steht Stallone sehr gut zu Gesicht und geben ihm auch ein wenig Raum, seine schauspielerisches Talent zu zeigen, dass in vielen seiner Filme wie z.B. „Judge Dredd“ nicht zum Tragen kam.

Parallel rauben einige Gangster um Eric Qualen (John Lithgow) einige Geldkoffer der US-Zollbehörde aus einem Flugzeug. Doch einer der Agenten, welche das Geld bewachen, bringt das Flugzeug der Gangster zum Absturz, wobei auch noch die Geldkoffer verschütt gehen. Diese Actionsequenz ist extrem aufwendig und spektakulär. Positiv fällt das hohe Maß an aufwändigen Stunts in luftiger Höhe auf, während die Effekte auf ein Minimum verringert wurden (im Gegensatz zu komplett computeranimierten Szenen á la „Air Force One“).

Cliffhanger

Mehr als einmal muss sich Gabe Walker (Sylvester Stallone) in luftigen Höhen beweisen

Die Bösewichte rufen die Bergwacht zu Hilfe. Zwar macht sich Hal zur Rettung auf, aber Jessie schickt Gabe hinter ihm her. Gabe willigt widerwillig ein, obwohl er Angst hat sich der Vergangenheit auf diese Weise zu stellen. An Ort und Stelle erwartet sie jedoch ein Haufen bis an die Zähne bewaffneter Killer, welche sie zur einer unfreiwilligen Rocky-Tour zwingen: Hal und Gabe sollen sie aus den Bergen retten, zuvor aber mit ihnen die verlorenen, aber mit Peilsendern ausgestatteten Geldkoffer suchen. Bei der Bergung des ersten Koffers kann Gabe entkommen und nimmt den Kampf gegen die Gangster auf…

Diese einfache „Stirb langsam“-auf-einem-Berg-Gerüst bietet Raum für einen absolut genialen Actionfilm. Vor allem die malerisch abgefilmten Schauplätze der winterlichen Rocky Mountains (welche allerdings oft den Dolomiten gedoubelt werden) sind eine echte Augenweide. Malerische Bergpanoramen, hohe Steilwände, deren pfeifenden Wind man fast im Wohnzimmer zu spüren scheint und ähnlich stimmige Bilder serviert Harlin hier. Seine Regieleistung ist famos, was vor allem daran liegen dürfte, das er hier auf seinem Spezialgebiet, nämlich der lauten Action (gerne in winterlicher Umgebung), unterwegs ist.

Cliffhanger

Gabe und Jessie (Janine Turner)

Im puncto Action bietet „Cliffhanger“ vor allem atemberaubende Stunts, extrem harte Prügeleien und temporeiche Verfolgungsjagden durch das verschneite Gebirge. Fans von Schießereien werden vielleicht ein wenig enttäuscht sein, aber trotzdem gibt es ein paar ordentliche Shoot-Outs. In den Actionszenen erreicht „Cliffhanger“ trotz eines eher niedrigen Bodycounts einen ziemlich hohen Härtegrad: Neben den erwähnten heftigen Kampfszenen gibt es einige blutige Einschüsse sowie diverse Aktionen mit Messern, verschneiten Hängen, Nietpistolen etc. Denn hier greift der Held, der eben kein pistolenschwingender Cop ist, auf jedes Utensil zurück, das er im Kampf gegen die Übelwichte nutzen kann.

Auch die Spannung kommt nicht zu kurz: Denn bei dem folgenden Katz-und-Maus-Spiel stehen bald nicht nur die Leben von Hal und Gabe auf dem Spiel, sondern auch von diversen anderen Leuten, die in den Bergen unterwegs sind. Weitere Spannungsmomente bieten die genial gemachten Klettersequenzen, die mit einer famosen Mischung aus realen Stunts und eingefügten Studioaufnahmen die Illusion von Lebensgefahr darstellen.

„Cliffhanger“ ist weniger humoristisch angelegt als ähnlich gelagerte Actionreißer der Ära; abgesehen von vereinzelten Onelinern von Gabe und der nihilistischen Art von Qualen. Doch dies schadet dem Film nicht; es passt auch zu der Rolle von Stallone und zu dem eher rohen, naturalitischen Gestus, der Harlins Bergsteigerfilm auszeichnet

Cliffhanger

Keine netten Zeitgenossen: Eric Qualen (John Lithgow) und Kristel (Caroline Goodall)

Die Bösewichte sind ein (im positiven Sinne) zusammengewürfelter Haufen verschiedener Persönlichkeiten, welcher Farbe in das Geschehen bringt. Denn im Gegensatz zur standardisierten Prügelmasse aus anderen Actionfilmen, lockert die ‚Persönlichkeit’ der Killer den Film auf, sorgt für Spannungen innerhalb ihrer Gruppe und gibt den Fieslingen so Profil – auch wenn sie sich in ihrem Sadismus gar nicht so sehr voneinander unterscheiden.

Schauspielerisch ist „Cliffhanger“ vor allem für einen Actionfilm gelungen: Auch wenn Stallone nicht das Niveau von „Rocky“, „Assassins“ oder „Cop Land“ erreicht, spielt er klasse ebenso wie der Rest der Schauspieler. Vor allem aber John Lithgow („Buckaroo Banzai“) geht in der Rolle des Psychopathen richtig auf. Seine wunderbare Verkörperung des überheblichen Nihilisten Qualen ist sehenswert und wirft die Frage auf, warum er nur so selten gute Rollen bekommt.

„Cliffhanger“ gehört zu den Actionfilmen, die uneingeschränkt zu empfehlen sind. Hochspannung und gewaltige Action bieten hervorragende Unterhaltung nicht nur für Genre-Fans, auch wenn sich Renny Harlins Adrenalinbombe mit hoher Schlagzahl natürlich vor allem an diese wendet.

„Cliffhanger“ gibt es als qualitativ sehr gute DVD von Kinowelt bzw. mittlerweile Studiocanal, die allerdings nicht alle Extras der US SE (unspektakuläre Deleted Scenes, ein netter Audiokommentar usw.) besitzt. Inzwischen wurde die Indizierung des früher mit FSK 18 bewerteten Films aufgehoben und die Freigabe auf FSK 16 heruntergestuft. Während frühere 16er Fassungen gekürzt waren, sind aktuelle 16er Fassungen wie die am 20. Juni 2013 erscheinende 20th Anniversary Edition auf DVD und Blu Ray von Studiocanal ungekürzt.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Kinowelt/Studiocanal__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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