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Code of Honor

Originaltitel: Code of Honor__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Michael Winnick__Darsteller: Steven Seagal, Helena Mattsson, Craig Sheffer, Louis Mandylor, James Russo, Erin O’Brien, Erik Aude, Wren Barnes, Griff Furst, Crystal Udy u.a.
Code of Honor

Steven Seagal folgt dem “Code of Honor”.

Steven Seagal scheint sich auf seine alten Tage mehr und mehr aus seinen Filmen herauszunehmen, in prägnanten Nebenrollen aufzutauchen und sowohl in Handlung als auch Action jüngeren Darstellern den Vortritt zu gewähren. Was sich in Filmen wie „Mercenary: Absolution“ oder „Force of Execution“ andeutete, setzt sich nun mit „Code of Honor“ genauso fort. Diesmal darf Craig Sheffer („The Mark“) den Löwenanteil des Filmes bestreiten…

Der spielt den FBI Agenten Porter, der hinter einem ehemaligen Waffenbruder aus Militärzeiten her ist. Dieser ist seit der Ermordung seiner Familie auf einem privaten Rachefeldzug und hat sich geschworen, Amerikas Straßen von jeglichen Verbrechern zu befreien.

Diese Story beginnt zunächst angenehm geradlinig. Wir sind dabei, wie Seagals Charakter mal eben zwei Gangs zusammenschießt und die örtliche Polizei die Ermittlungen aufnimmt. Diese erhält Unterstützung durch Sheffers FBI-Agent, der deutlich mehr zu wissen scheint, als er preisgeben mag… Doch anstelle diese Ausgangssituation voranzutreiben, beginnt sich „Code of Honor“ nun zunehmend zu verrennen. Wird zu einem etwas beliebigen Mix, in dem sich planlose Ermittlungen mit den Hinrichtungen abwechseln, die Seagals Charakter vollzieht.

Zudem wird eine Stripperin installiert, deren Sinn für den Film einem nie einsichtig erscheint. Und obwohl sie mehrmals laut ausspricht, nichts zum Fall beitragen zu können, sind irgendwann alle hinter ihr her. Die Auswirkungen auf den Film tendieren gen Null, selbiger wirkt durch ihre Szenen nur gestreckt. Ein allgemeiner Eindruck, der vor allem die erste Hälfte des Streifens zäh wirken lässt. Vielen Szenen hätte eine knackigere Montage geholfen, diverse Dialoge hätten gut und gerne ordentlich eingekürzt werden können. Die um Atmosphäre kämpfenden Zeitlupenmomente in Bars und Stripclubs funktionieren ebenfalls nicht ansatzweise wie geplant und lassen den Finger immer wieder zur Vorspultaste gleiten…

Und als man schon zum Showdown vorspulen will, wird das Drehbuch von „Code of Honor“ urplötzlich mutig. Installiert einen Twist, den man aus Horrorfilmen zur Genüge kennt, der im Actiongenre allerdings so bislang nur selten zum Einsatz kam. Zwar erahnt man ihn als Zuschauer schneller als die Figuren im Film, aber so wirklich kann man eigentlich nie glauben, dass der Film genau darauf hinaus will.

Code of Honor

Steven Seagal macht, was Steven Seagal so macht: Leute killen.

Nun wird es jedoch richtig interessant, denn „Code of Honor“ beginnt tatsächlich mit genau dem Twist zu spielen! Streut Finten, die ihn wieder aufheben. Lanciert Szenen, die ihn bestätigen. Plötzlich kommt direkt Spannung auf und man beginnt sich zu fragen, wie „Code of Honor“ diese ganze Gemengelage auflösen wird. Soviel vorweg: Wirklich überzeugend gelingt ihm das nicht. Abgesehen davon, dass das Spiel mit dem Twist den Figuren schadet. Vor allem beim Helden Porter fällt dies überdeutlich auf. Hier wird „Code of Honor“ dann auch teilweise grob unlogisch.

So wirklich zu Ende gedacht ist „Code of Honor“ also nicht, aber man möchte ihm zumindest für den Mut gratulieren und staunt obendrein über einige Szenen, in denen es der Film wagt, seine beiden wichtigsten Handlungsträger komplett ambivalent anzulegen und etwa in einem coolen Dialog in einem Nachtclub Gut und Böse immer wieder auf den Kopf zu stellen.

Hier steigt im Anschluss auch die interessanteste Actionszene, in der Sheffer alias Porter an einen Stuhl „gefesselt“ ein ganzes Dutzend an Lumpen umnietet. Dabei generiert die Actionregie ein paar coole Momente und erinnert von weitem an Jackie-Chan-Hauer und ähnliche Großkaliber. Derart gewitzt kommt allerdings nur diese eine Szene daher. Die restliche Action ist eher statischer Natur. Meist ballert Seagal dabei aus der Entfernung diverse Fieswichte ins Jenseits.

Code of Honor

Warum jagt Porter wirklich hinter Seagals Charakter Sikes her?

Diese Momente atmen theoretisch eine enorme Härte, weil Seagals Charakter keine Gefangenen macht und in alle Körperteile ballert, die sich ihm anbieten. Die allgegenwärtigen, extrem schwach getricksten CGI-Treffereffekte mit Splattereinschlag erden das Vergnügen aber enorm. Hinzu kommen üble Rückprojektionen rund um einen sich abseilenden Seagal und Agenten in einem CGI-Hubschrauber. Und bis auf eine Auto-Explosion fehlt es auch an echtem Aufwand. Zumindest versucht eine größere Explosion eines Dachgeschosses uns diesen vorzugaukeln, scheitert aber, weil die Explosion wie so oft im zeitgenössischen B-Actionfilm sichtlich aus einem preisgünstigen Animationsprogramm stammt.

Kampfsporttechnisch wird derweil nichts weiter geboten. Sheffer darf dabei beinahe mehr vollführen als Seagal, der in einigen Szenen auch gedoubelt wird. Der Fokus liegt dabei auf Messerfights, die normalerweise in einem Seagal-Film immer Grund zur Freude sind. Doch in „Code of Honor“ wirkt das sonst so koordiniert und schnell vollzogene Messerhandling des Meisters eher fuchtelig und unpräzise. Schade.

„Darstellerisch“ zieht Seagal den zuletzt von ihm gewohnten Stiefel durch. Er beschränkt sein Vokabular auf eher derbere Worte, steht am liebsten mit verschränkten Händen in der Gegend herum, pafft Zigarren oder führt ein Bandana und ein verkehrt herum getragenes Basecap spazieren. Das fällt aber gar nicht sonderlich ins Gewicht, weil Seagal wirklich nur sporadisch in dem Film auftaucht. Die meiste Last muss Craig Sheffer schultern, der den Film auch produzierte, dafür aber seltsam lustlos wirkt. Sein abgerissener Cop wirkt infolgedessen eher gelangweilt denn kaputt. Im Rahmen der Seagal-kollaboriert-mit-Jungspund-Streifen der letzten Zeit ist er definitiv der schwächste Sidekick vom Aikido-Moppel.

Code of Honor

Seagal hat den Längsten…

In einer prägnanten Nebenrolle ist auch Louis Mandylor („Daylight’s End“) dabei, der sich aber auch kein Bein raus reißt, den Film mit einer lebendigen Performance zu beglücken. Und James Russo („Cage of Glory“) wird als fieser Verbrecherkönig der Stadt vollkommen verschenkt. Die Stadt ist btw. Salt Lake City, Utah, der man aber nur wenige reizvolle Schauplätze abtrotze, bzw. wo man überwiegend in finsteren Gassen und Parkbuchten drehte. Optisch ist „Code of Honor“ auf solidem DTV-Niveau und überrascht mit einigen netten Kameraflügen durch die Stadt. Der Score macht leider erst im Abspann so richtig Druck und zeigt da auf, dass er dem Actionvergnügen definitiv zuträglich hätte sein können.

Kurzum: Theoretisch hat „Code of Honor“ alles, was man für einen knackigen B-Kracher braucht. Ordentlich Geballer, einen steilen Bodycount, derbe Brutalitäten, Explosionen, nackte Hupen und einen echten Actionstar. Nimmt man dazu noch die erstaunliche Storyführung, könnte man „Code of Honor“ ordentlich hochleben lassen. Leider mag keiner der genannten Punkte wirklich zünden. Das Geballer ist gnadenlos CGI verseucht und in den wenigsten Fällen dynamisch. Zwar beißen viele Lumpen ins Gras, das anonymisierte Abschlachten derselben durch einen Seagal, der teilweise meilenweit weg hockt, ist allerdings wenig packend. Die Brutalitäten und die Explosionen wirken größtenteils künstlich. Die nackten Hupen werden einem so lange in Zeitlupe präsentiert, dass man meint, einem Playboy-Clip des Playmate of the Years beizuwohnen. Und Seagal stolpert leider arg lustlos mit seinem Co-Star Sheffer durch die tatsächlich interessante Handlung und sorgt so dafür, dass selbige letzten Endes nach viel zu langen 105 Minuten keinen rechten Sinn ergeben will.

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 11. August 2016 von Eurovideo und kommt jeweils in feiner Bild- und Tonqualität. Extras gibt es leider keine zu bewundern.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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