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Cold Steel – Kalt wie Stahl

Originaltitel: Cold Steel__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Dorothy Ann Puzo__Darsteller: Brad Davis, Sharon Stone, Jonathan Banks, Jay Acovone, Adam Ant, Eddie Egan, Sy Richardson, Anne Haney, Ron Karabatsos, William Lanteau, Mindy Seeger, Jesse Aragon, Anthony LaPaglia, Nick Savage u.a.
Cold Steel

Brad Davis ist kalt wie Stahl in „Cold Steel“

Talent muss nicht unbedingt in der Familie liegen. Dorothy Ann Puzo mag zwar die Tochter von Bestseller- und Drehbuchautor Mario Puzo („Der Pate“) sein, der von ihr inszenierte und mit erdachte Copactionthriller „Cold Steel“ beweist allerdings wenig Fingerspitzengefühl.

Polizist Johnny Modine (Brad Davis) ist natürlich der härteste, beste und coolste Bull des LAPD, der schon am Anfang eine halsbrecherische Autofahrt gegen die Uhr vornimmt, sämtliche Verkehrsregeln bricht und beinahe mit einem Zug kollidiert – um eine Wette zu gewinnen, die in der Weihnachtsfeier des Präsidiums inklusive Besäufnis endet. Ein echt geiler Typ also. Denkt er zumindest selbst, die Drehbuchautoren vielleicht auch, für den Zuschauer wirkt der arrogante Spacko allerdings wie ein Kotzbrocken.

Für Motivation sorgt der Mord an seinem Vater, den Schurke Isaac (Jonathan Banks), genannt Iceman, in seinem Laden filetiert. Johnny schwört natürlich Rache, ohne zu wissen an wem, und lässt das Ermitteln erst einmal sein. Stattdessen lernt er die attraktive Kathy Connors (Sharon Stone) kennen, die sich ihm auf eine Art an den Hals schmeißt, dass jeder, der die Worte Film Noir und Femme Fatale kennt, hellhörig werden dürfte. Kennt Johnny aber nicht, deshalb geht er mit ihr eine Beziehung ein.

Doch dann stößt er auf Hinweise auf den Mörder seines Vaters, der im Hintergrund nicht nur finstere Pläne für weitere Operationen schmiedet, sondern auch noch eine Rechnung mit Johnny offen hat. Auch Kathy ist in die Sache verstrickt…

Cold Steel

Der Bulle und das Mädchen: Johnny Modine (Brad Davis) und Kathy Connors (Sharon Stone)

Was Brad Davis, vor allem für die Titelrolle in Fassbinders „Querelle“ bekannt, an diesem niedrig budgetierten Stinker gereizt hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben, sonderlich überzeugend als harter Macho ist allerdings nicht, was aber auch vielleicht daran liegt, dass seine Figur als dermaßen stoisch und kalt bei kompletter Ironiefreiheit geschrieben ist, dass er darstellerisch kaum eine Chance hat. Sänger Adam Amt („Midnight Hero“) hat eine Wegwerfnebenrolle als Goon und Sharon Stone („Lovelace“) übt eher solala für die Rolle als potentiell gefährliche Verführerin, die sie später perfektionieren und prägen sollte. Einer allerdings hinterlässt Eindruck: Jonathan Banks („Blind Side“) als eiskalter Mörder mit lädiertem Sprechvermögen, eine Rolle wie auf den Leib geschrieben für den harten Knochen mit dem Killerblick und eine der rettenden Qualitäten dieser Ansammlung von Copfilmklischees.

Die Handlung tritt nämlich auf der Stelle, lässt den Helden das Offensichtlich übersehen und treibt die Auflösung des Falles kaum voran. Die Hintergründe der Fehde sind banal, der Handlungsverlauf bis ins letzte Detail vorhersehbar. Schnell ist klar, dass die arme Kathy nur ein Opfer von Manipulation ist und durch das Erkennen der Wahrheit oder die Kraft des Penis des Helden wieder auf den richtigen Weg gebracht wird. Bis es soweit ist und der obligatorische Showdown ansteht, wird die Zeit mit wenigen Actioneinlagen, ein bisschen handzahm-lustloser Bettakrobatik und vor allem vielen Belanglosigkeiten vertrödelt.

„Cold Steel“ ist eine frühe Produktion der auf kostengünstige Actionfilme und Thriller spezialisierten Produktionsfirma Cinetel, doch für einigermaßen zackige B-Ware hapert es nicht nur am dem lustlos zusammengestoppelten Script, sondern auch an handwerklichen Qualitäten. Gerade Inszenierung und Schnitt sind erschreckend wenig dynamisch, weshalb selbst aus einer Verfolgungsjagd inklusive großem Abschlusscrash auf einer Rennbahn nicht das Optimum herausgeholt wird. Der Rest der Action ist kaum der Rede wert, sieht man mal vom Standardshowdown ab, der immerhin mit einem netten Feuerstunt endet. Aber das ist schon eine schlappe Bilanz.

So bleiben die zwar suboptimal inszenierten Actionszenen (auch wenn die erwähnte Autojagd in der Mitte halbwegs aufwändig gemacht ist) und vor allem der charismatische Jonathan Banks die rettenden Qualitäten bei einem Schnarchfest erster Güte, das unter dem miesen, ziellosen Script, der unsympathischen Hauptfigur und Brad Davis‘ entsprechend lustloser Darbietung leidet. Nur etwas für beinharte Sharon-Stone-Fans oder jene, die keinen Copactionthriller der 1980er ungesehen im Videothekenregal versauern lassen können.

Die deutsche DVD von Sony unter dem Titel „Kalt wie Stahl“ ist ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Auf VHS wurde der Film noch unter dem Originaltitel vermarktet.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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