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Craw Lake

Originaltitel: Craw Lake__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2007__ Regie: Jordan Downey__ Darsteller: Loren Haynes, Carl W. Crudup, Bella Thorne, …

Craw Lake

“Craw Lake” kann man sich (in der Originalfassung) hier anschauen!

1986 in Ohio geboren, zog Jordan Downey als Teenager nach Los Angeles, um seinen Traum zu verwirklichen, Filme zu drehen. An einem Samstag im Oktober 2005 im Publikum des dortigen “Screamfests” sitzend und sich die Beiträge der “Student Horror”-Sparte ansehend, kam ihm der feste Wunsch, in den kommenden Jahren auch mal ein Werk in jenem Rahmen aufführen zu dürfen. Als ein Undergraduate-Junior an der Loyola Marymount Universität war es für ihn einige Monate später an der Zeit, sein erstes konkretes “Praxis-Projekt” zu realisieren – also arbeiteten er und sein Kommilitone Kevin Stewart ein den an sie gestellten Anforderungen sowie ihren verfügbaren Mitteln und Möglichkeiten entsprechendes Skript aus: Eine ausführliche Version ihrer erdachten Story sowie eine verkürzte, welche ihrem damals aktuellen Vorhaben als Grundlage dienen würde…

Eine Monster-aus-‘nem-See-Geschichte in Form eines “Shorts” mit dem Titel “Craw Lake” sollte es werden. Vorgeschriebene Bedingungen für die Umsetzung: 16mm-Bildmaterial und Non-Sync-Sound (also ohne “on Location”-Audioaufnahmen). In Sachen Set wurde Downey auf der rund 30 Meilen nördlich von Hollywood in Canyon Country gelegenen Sable Ranch fündig, welches zuvor u.a. von Rob Zombie für Teile seines 2005er Streifens “the Devil´s Rejects” genutzt worden war. Er konnte eine bis auf über 30 Personen anwachsende Crew zusammenstellen – allesamt Studenten, die er in zwei Units aufsplittete – und kümmerte sich um diverse Aspekte und Bereiche der Pre-Production: Stress pur für ihn als Debütant bei einem Unterfangen mit einem solchen Umfang und Aufwand. Und dann war es endlich soweit: Im Januar 2007 ging es für drei Tage und Nächte “vor die Kameras”…

Unabhängig dessen, dass die finale Szene des ohne Credits rund neun-minütigen Kurzfilms eigentlich die erste war, die gedreht wurde, entfaltet sich die “schnörkellos-simpel” gestrickte Handlung (bis auf flüchtige Shots eines durch die Dunkelheit rennenden Mannes unmittelbar zu Beginn) in gradlinig-chronologischer Order. Als Dale (Loren Haynes) bei einem Camping-Ausflug mit seiner Tochter (Bella Thorne) zu fortgeschrittener Stunde mal aus dem Schlaf erwacht, muss er besorgt feststellen, dass Julia aus dem gemeinsamen Zelt “verschwunden” ist – worauf er sich umgehend auf die Suche nach ihr begibt. Parallel dazu hört ein in einer Hütte an einem See nahebei lebender Herr (Carl W. Crudup) einige seltsame Geräusche draußen: Nachschauend, läuft ihm das weinende, verschreckte Mädel in die Arme – welchem er sogleich drinnen Zuflucht gewährt und sich selbst eine Schrotflinte schnappt…

Als Dale dort eintrifft, findet er den Mann schwer verletzt am Boden liegend vor – direkt neben Julia´s abgerissener Kette. Ein Verdacht gegenüber dem Sterbenden keimt in ihm auf – allerdings wird er just in dem Moment von einer garstigen Kreatur angegriffen, auf die der Betrachter im Vorfeld bereits einen ersten Blick zu werfen vermochte: Ein erbitterter Kampf entbrennt. Plötzlich werden verzweifelte Rufe Julias durchs Fenster hörbar – was bei Dale sozusagen “zusätzliche Kräfte mobilisiert”, so dass er sich losreißen und hinaus zum See zu stürmen in der Lage ist, wo er sie gerade noch panisch im Wasser mit den Armen rudernd sehen kann, bevor sie schließlich untergeht. Trotz raschem Hinüberschwimmen und Umhertauchen gelangt Dale im Folgenden allerdings nicht mehr an sie heran. Nach einer Weile kehrt er ans Ufer zurück, bewaffnet sich (voller Wut) mit einer Axt und schreitet los…

“Craw Lake” erzählt eine schlichte Geschichte, die für ein “Short” dieser Art und Lauflänge jedoch völlig ausreichend ist. Angesichts der Geschehnisse sind die Emotionen, die Dale empfindet, absolut nachvollziehbar – primär die Angst um seine Tochter sowie der erbitterte Drang nach Heimzahlung. Loren Haynes (“Eve of Destruction”) verkörpert die Hauptrolle passabel, mit Carl W. Crudup (“the Gambler”) als Einsiedler konnte ich ebenfalls leben und als Julia ist eine junge Bella Thorne (“Girl“) in einer ihrer frühsten Parts (sogar noch vor ihrer Zeit im Hause “Disney”) mit von der Partie. Zwar hat die damals Neujährige eine Szene, in der sie Crudup umarmt und zu weinen anfängt, nicht allzu überzeugend gemeistert – aber das ist jetzt nichts, auf das man ernsthaft weiter herumhacken müsste. In ähnlichen Kurzfilmen und Flicks sind die Performances weiß Gott häufig nichtmal halb so brauchbar…

Zusammen mit seinem aus seinen Kommilitonen bestehenden Team hatte der unerfahrene Downey wahrlich eine Menge zu berücksichtigen und zu bewältigen – z.B. dass sich die Story maßgeblich zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang abspielt und die Umgebungen und Sets somit vernünftig ausgeleuchtet werden mussten. Zudem regnete es in zwei der drei Nächten – was der Kontinuität wegen im Ergebnis so nicht erkennbar sein durfte – und war nicht nur der See aufgrund der niedrigen Temperaturen bitterkalt. Seitens der Location, dem Herrichten der Hütte und der Bebilderung konnte eine durchaus solide “düster-unbehagliche Atmosphäre” erzeugt werden – während die Kamera-Arbeit Kevin Stewarts (“Unfriended: Dark Web“) – seines Zeichens Director of Photography, Co-Autor und Editor in Personal-Union – erfreulicherweise nur punktuell “verwackelt” daherkommt…

Via Shaky Cam lassen sich Budget-Limitierungen bekanntlich ein Stück weit kaschieren – doch wurde im Vorliegenden eher darauf gesetzt, die Kreaturen immer bloß flüchtig sowie nie komplett zu zeigen. Die Köpfe eben jener Flusskrebs-verwandten Wesen – von denen es übrigens mehrere gibt – hatte Downey mit Hilfe eines im Internet bestellten Masken-Kits selbstgestaltet – worüber hinaus es noch einen entsprechend kreierten “Pranken”-Handschuh gab und die beiden betreffenden Akteure (Tony Wilson und Wesley Citti) ansonsten einfach nichts weiter als kräftig mit Kunstblut beschmierte Alltags-Klamotten trugen. In den Sekunden-Bruchteilen der Großaufnahmen sehen die Antlitze nicht unbedingt “glaubwürdig real” aus – allerdings wurden jene überwiegend mit lauten Jump Scares verbunden, so dass einige im Publikum dadurch eventuell etwas “abgelenkt” sind und von daher nicht so genau hinschauen…

Ein practical Effect mit einer in einem Schädel steckenden Axt wusste mir zu gefallen – genauso wie eine Julia´s verlorenen Schuh am Ufer zeigende Einstellung sowie dass der Ausklang im Morgengrauen angesiedelt wurde. Den “ungeschliffenen” Eindruck des Präsentierten erachte ich keineswegs als einen negativ anzuführenden Faktor, da er mit zum vermittelten “Gritty-Rauen” des Ganzen beiträgt. Spannung kommt indes nicht wirklich auf, Originalität sucht man vergebens und für letzten Endes knapp 16.000 Dollar hätte man im Prinzip ein wenig mehr erwarten dürfen. Jene Summe lag auch merklich über der, die Downey ursprünglich für das Projekt ausgeben wollte. Gelohnt hatte es sich für ihn trotzdem, denn er selbst war mit dem Werk zufrieden und konnte mit ihm obendrein sein anvisiertes Ziel erreichen: 2007 wurde der “Short” nämlich tatsächlich ins Programm des “Screamfests” aufgenommen…

Alles in allem ist “Craw Lake” für einen Studenten-Kurzfilm recht ordentlich geraten: Ein Old-School-Creature-Feature, das zwar keine klare Empfehlung wert ist, für gewisse Genre-Fans aber dennoch nicht uninteressant sein könnte – bspw. aus der Neugier heraus, was Downey eigentlich in den Jahren vor seinem geschätzten 2018er Fantasy-Horror-Streifen “the Head Hunter” so hinbekommen hatte…

gute7 von 10

Stefan SeidlCraw Lake

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Craw Lake

Copyright des “Craw Lake” Postermotivs und der Screenshots: In Broad Daylight Films / LMU|LA__ Freigabe: Not Rated__ DVD/BluRay: nein/nein

 

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Categorised in: Creature Feature, Horror

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