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Das Alien aus der Tiefe

Originaltitel: Alien degli abissi__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Antonio Margheriti__Darsteller: Daniel Bosch, Marina Giulia Cavalli, Robert Marius, Luciano Pigozzi, Charles Napier, John Anthony Kater, Frank Wannack Dieter, Roberto Dell’Acqua, David Brass, Don Wilson u.a.
Das Alien aus der Tiefe DVD Cover

Angeblich hat sich Don Wilson in “Das Alien aus der Tiefe” versteckt. Uns ist er jedenfalls nicht aufgefallen.

Das Unternehmen E-Chem hat eine gewinnbringende Möglichkeit gefunden, radioaktive Abfälle loszuwerden. Und da die Firma dahingehend einen echten Problemlöser bereithält, fragt auch kaum jemand, wohin der Müll eigentlich verschwindet. Doch die sexy Greenpeace-Aktivistin Jane ahnt, dass auf dem Eiland von E-Chem etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugeht.

Gemeinsam mit dem Greenpeace-Kollegen Lee bewaffnet sie sich mit einer Kamera und will sich vor Ort selbst ein Auge von den Vorgängen machen. Schon auf dem Seeweg zu der Insel werden die beiden massiv bedroht. Es fallen gar Schüsse. Doch irgendwie schaffen es die beiden zu dem Eiland. Was sie hier entdecken, übertrifft ihre kühnsten Erwartungen.

E-Chem kippt die radioaktiven Unfälle einfach in einen aktiven Vulkan. Dass sie damit die gesamte Umwelt verstrahlen, juckt die Raubtierkapitalisten freilich kein Stück. Dass Jane und ihr Kollege sie filmen, ist da schon ein weitaus größerer Pain in the Ass. Also jagt man die Umweltaktivisten über die Insel, ohne zu ahnen, dass sich von ganz anderer Seite Ungemach anbahnt. Denn ein gewaltiges Alien, offenbar angelockt von der massiven Radioaktivität um den Vulkan, macht Jagd auf die Mitarbeiter von E-Chem.

Schaut in den Alienfilm hinein

Aus heutiger Sicht wirkt “Das Alien aus der Tiefe” beinahe ein wenig prophetisch: Menschlein, die die Natur bis zum Geht-Nicht-Mehr ausbeuten. All das im Rahmen eines absolut ungesunden Kapitalismusgedankens. Obendrauf eine ganze Menge Female Empowerment. Denn wenn Jane hier zu Beginn ungesichert aus fliegenden Hubschraubern hechtet, dürfte auch ein Chuck Norris beeindruckt nicken. Doch diese Aspekte lässt Regisseur Antonio Margheriti („Geheimcode Wildgänse“) recht bald wieder ungehört verhallen. Allerdings nicht zugunsten feiner Alien-Action.

Das Alien taucht nämlich erst nach 50 wenig spannenden Minuten im Film auf, in denen „The China Syndrome“ und „Silkwood“ reichlich trashy in ein Dschungelsetting verfrachtet werden. Sowohl fürs Drehbuch als auch den Regisseur scheint das spät genug zu sein, um gar nichts mehr erklären zu müssen. Woher kommt das Alien? Wofür braucht es die Radioaktivität? Who cares? Antonio Margheriti schonmal nicht, der schaltet nämlich lieber komplett in den Actionmodus und schafft es tatsächlich, bis zum Ende eine nette Kaskade an Actionmomenten zu zünden.

In seinem typischen Stil explodieren nun in gehetzter Folge diverse Miniaturabbilder größerer Sets. Mittendrin langt „Das Alien aus der Tiefe“ immer mal wieder zu und reißt Figuren aus dem Leben. Manche sterben sofort, andere mutieren munter vor sich hin. Warum das passiert und was am Ende für eine finale Form stehen würde, man weiß es nicht.

Vom Alien selbst sieht man lange Zeit nicht mehr als eine „Klaue“. Wenn man ehrlich ist, wirkt das ganze wie ein zu einer Krabbenklaue gepimpter Greifarm eines reichlich großen Baggers, weshalb so manche Konfrontation zwischen der Klaue und ihren Opfern einen für den jeweiligen Schauspieler extrem gefährlichen Eindruck macht. Vermutlich ist der Film auch deshalb insgesamt recht harmlos geraten, weil man keine Menschenleben gefährden wollte und gar nicht erst versuchte, Halbierungen und den Verlust von Körperteilen mit dieser Apparatur nachzustellen.

Das Alien aus der Tiefe ist recht riesig geraten

Bekommt man das Alien dann endlich komplett zu sehen, beeindrucken dessen Ausmaße extrem. Vor allem, weil hier die sonst von Margheriti bevorzugten Miniaturtricks in manchen Szenen Pause haben und es den Eindruck macht, als sei hier ein „lebensgroßes“, circa 4-5 Meter hohes Modell am Set zum Einsatz gekommen. Dass ist aufgrund seiner Größe aber so unbeweglich und starr geraten, dass das Alien aus der Tiefe nur noch harmloser wirkt. Und einem fast leid tut, wenn die Menschlein mit Bulldozern immer wieder gegen seine Schienbeine deppern. Zumindest ist dessen Look als Mix aus organischen und technischen Elementen tatsächlich durchaus ansprechend geraten und Margheriti setzt es teils erstaunlich effektiv in Szene.

Dem Alien in seiner großformatigen Form darf sich natürlich auch Jane stellen. Ganz nach dem großen „Alien“-Vorbild im Ripley-Outfit. Also im knappen Slip und Tank-Top. Jane hat sich da im Übrigen längst zum langweiligen Hascherl gewandelt, von dessen anfangs zupackender Art nichts mehr vorhanden ist. Lieber schaut die Figur nun ihren männlichen Begleitern (ein schmieriger Biologe namens Bob gesellt sich noch hinzu) bei ihrem Heldendasein zu. Schade, denn Marina Giulia Cavalli ist als Jane nicht nur sehr hübsch anzusehen, sondern macht auch einen enorm sympathischen Eindruck.

Was für ihre Schauspielkollegen nun nicht zwingend gilt. Vor allem die Männer an ihrer Seite sind so farblos geraten, dass man gar nicht fassen kann, dass Jane für diese in die zweite Reihe zurücktreten muss. Als bekanntere Hackfresse darf Charles Napier („Rambo 2“) als E-Chem-Oberfieswicht durch die Kulissen granteln, wirkt in seiner beliebigen Standgas-Performance aber wenig inspiriert.

Interessant ist, dass Don Wilson („Living Target“) durch den Monsterschlock wandeln soll. Allerdings verhält sich der in der Imdb als „Scientist“ geführte Kampfsportler wie das Monster in der ersten Filmhälfte: Er zeigt sich nicht. Nur aufgrund seiner Statur könnte man vermuten, dass ein immer nur mit dem Rücken zur Kamera stehender Wissenschaftler tatsächlich Don Wilson sein könnte. Eine echte Sichtung als Beweis kann ich aber nicht bestätigen. Das tatsächliche Mitwirken wird auch durch den Film nicht bestätigt, der besitzt in seinem Abspann nämlich keine Schauspieler-Abteilung.

„Das Alien aus der Tiefe“ darf gerne in der Tiefe bleiben

Was am Ende bleibt, ist ein Monster-Film, der mit seinem grotesk groß dimensionierten Alien zu punkten vermag und in dem Moment, in dem es sich zu seiner ganzen Größe erhebt, einen durchaus wundervoll seltsamen Moment hat. Leider fehlt rund um „Das Alien aus der Tiefe“ jedweder Anflug von Mythologie. Obendrein darf es niemals wirklich befriedigend durch die umweltverschmutzenden Lumpen metzeln.

Prinzipiell wäre der von Antonio Margheriti technisch durchaus ordentlich umgesetzte und mit hübschen Inselsettings aufwartende Billig-Film aus Italien gut beraten gewesen, sich auf einen Aspekt seiner Handlung zu konzentrieren. Also entweder das zigste Alien-Rip-Off zu geben oder ein okayes Dschungel-Action-Öko-Abenteuer zu präsentieren. Beides in einen Topf geworfen sorgt hier nur dafür, dass beide Plots nicht wirklich begeistern.

Charmepunkte erhält der Heuler schon deshalb, weil er einer dieser Filme ist, auf den so mancher Videotheken-Aficionado der frühen 90er aufgrund des hübschen Cover-Artworks hereingefallen sein dürfte und der in so mancher Erinnerung hundertprozentig als brauchbarer Monster-Schlock verklärt wird. Und tatsächlich: Soooo schlecht ist der Film gar nicht gealtert. Absolut wunderbar – auch aus heutiger Sicht – sind so manche Verlegenheitstricks. Etwa wenn alle Wissenschaftler immer wieder angestrengt auf Röhren-TVs gucken, auf denen durchweg die immer gleichen Bilder von Magma – vermutlich aus einer Vulkan-Doku – laufen und alle so tun, als könnten sie aus den Bildern irgendwelche Erkenntnisse ableiten. Ohne dabei von irgendwelchen nachvollziehbaren Daten belästigt zu werden. Köstlich.

04

Der Film erschien unter anderem von Marketing Film, Laser Paradise und Starlight Film auf DVD. Diese ist ab 16 freigegeben und ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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