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Dead Man Down

Originaltitel: Dead Man Down __Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Niels Arden Oplev__Darsteller: Colin Farrell, Noomi Rapace, Dominic Cooper, Terrence Howard, Isabelle Huppert, Armand Assante, Raw Leiba, Franky G, Raymond Mamrak, Luis Da Silva Jr. u.a.
Dead Man Down

Melancholische Racheballade: “Dead Man Down”

Victor arbeitet für Alphonse, einen zwielichtigen Unterweltboss, der aktuell einen wichtigen Immobilien-Deal unter Dach und Fach bringen will. Doch Alphonse kann diesen nahenden Triumph gar nicht recht genießen, denn seit einigen Monaten schickt ihm ein Unbekannter kryptische Botschaften per Brief. Inklusive immer neuen Einzelteilen eines zerschnittenen Fotos, worauf sich Alphonse so gar keinen Reim machen kann. Um dieses Ärgernis endlich loszuwerden, schaut er bei einem Konkurrenten vorbei, den er im Verdacht hat. In einem unbedachten Moment nietet Alphonse den Konkurrenten um, was in ein ausuferndes Feuergefecht mündet. In dessen Verlauf muss Victor beherzt eingreifen, damit sein Boss nicht sein Leben verliert.

Privat lässt Victor es derweil ruhiger angehen und bandelt zart mit einer Nachbarin an. Man geht gemeinsam aus und spürt, dass da ein Knistern in der Luft liegt. Doch eine Spritztour mit der durch einen Unfall leicht entstellten Beatrice endet in einer faustdicken Überraschung für Victor. Denn Beatrice hat Victor gefilmt, wie er in seiner eigenen Wohnung ein Ziel für seinen Boss umgebracht hat. Sie werde Victor verraten, wenn er nicht den Mann tötet, der ihr ihre körperlichen und seelischen Narben bei einem Autounfall beigebracht hat. Victor willigt in den Deal ein, käme es ihm doch gar nicht gelegen, wenn ihn die Polizei jetzt in die Quere käme. Denn Victor heißt eigentlich Laszlo und hegt seinerseits ebenfalls fatale Rachegedanken – gegenüber seinem Boss Alphonse …

„Selbst ein zutiefst verletztes Herz kann geheilt werden“

Dead Man Down

In Rache vereint … Beatrice und Victor

Niels Arden Oplev, der Regisseur des großartigen schwedischen „Verblendung“ nach Vorlage von Stieg Larsson, suchte sich für sein Hollywooddebüt eine wundervoll melancholische Geschichte um zwei Menschen aus, die in ihrem gemeinsamen Streben nach Rache eine Gemeinsamkeit finden, die sie mehr als nur zusammenschweißen wird. Dabei konzentriert sich Oplev in „Dead Man Down“ vor allem auf Victor, seziert dessen Charakter bis ins Kleinste und lässt sich beinahe ewig Zeit, seine Geschichte und seine Hauptfigur atmen zu lassen. Der daraus resultierende Film ruht förmlich in sich, ist absolut elegant erzählt und transportiert durchgehend eine wundervoll entrückte, melancholische Grundstimmung, die unversehens in den Film hineinzieht. Wie nebenbei und mit unfassbarer Effizienz lanciert Oplev immer und immer wieder Spannungsspitzen, die das Interesse am Film und an dessen Fortschreiten mühelos auf einem konstant hohen Level halten. Auch spielt er mit den Erwartungen der Zuschauer, grandios vorexerziert an der wunderschönen, herrlich unkitschigen Anbahnung der Romanze zwischen Victor und Beatrice, die Oplev dann mit einer urgewaltig auftrumpfenden Noomi Rapace konterkariert und dem Zuschauer damit förmlich den Atem raubt. Und bis zum Schluss behält sich Oplev vor, Haken zu schlagen und in nicht allzu vorhersehbare Bahnen abzugleiten.

In Sachen Handlung kann man eigentlich nur bemängeln, dass Noomi Rapaces Beatrice nicht annähernd so gut funktioniert wie Colin Farrells Victor, da sich Beatrice die meiste Zeit nicht mehr weiter entwickelt und irgendwann sogar leicht unsympathische Züge bekommt, wenn sie allzu sehr auf ihrer Rache beharrt. Erstaunlicherweise kehrt der Showdown dann die Wahrnehmung ein wenig um. Denn wo Beatrice eine Katharsis durchmachen darf, die ihr die Sinnlosigkeit von Rache vor Augen führt, da darf Victor hollywoodesk so richtig knallig bei Alphonse und seinen Kompagnons durchwischen. Hier biedert sich der bis dahin eher europäisch erzählende Oplev vielleicht zu sehr an das amerikanische Kino an, gleichzeitig bietet es ihm aber auch die Möglichkeit, eine wirklich gelungene, sehr harte, mit einigem Sachschaden verbundene, durchaus spektakuläre Actionszene zu zünden, die den Film äußerst zufriedenstellend abrundet und auch die starke, sehr coole Ballerei zu Beginn des Filmes locker überbietet.

Dead Man Down

Dreh- und Angelpunkt von “Dead Man Down”: Colin Farrell

Getragen wird „Dead Man Down“ von einem großartig aufspielenden Colin Farrell, dem man den rachelustigen Vigilanten ebenso abnimmt, wie den verzweifelt trauernden Menschen, dem alles genommen wurde, was er liebte. Farrell ist es, der einen vollends in den Film eintauchen lässt und die melancholische Anlage seiner Figur erinnert durchweg an großartige lonesome Killer-Figuren wie den Crying Freeman oder den Killer aus John Woos gleichnamigen Actionknaller. Wer also ein Faible für derartig melancholische Killerballaden hat, wird sich in „Dead Man Down“ hundertprozentig wohlfühlen. Flankiert wird Farrell von Oplevs „Verblendung“ Star Noomi Rapace, die hier mühelos ihre beste Leistung in einer amerikanischen Produktion abruft. Unter Oplevs Regie agiert sie ungeheuer souverän und deckt eine große Spannweite zwischen einerseits schüchtern und zerbrechlich und andererseits knallhart und fordernd ab. In den Nebenrollen dürfen Isabelle Huppert („8 Frauen“), F.Murray Abraham („Amadeus“) und Armand Assante („Schattenkommando“) in kleinen, dafür umso geschliffeneren Nebenrollen auftreten. Besondere Erwähnung verdienen allerdings Terrence Howard („Iron Man“) und Dominic Cooper („Captain America“) als Bösewichter der Chose. Wobei das vor allem auf Howard zutrifft, der eine sehr starke Performance in der nicht ganz einfachen Rolle des Alphonse hinlegt, da jene eine eigenwillige Gradwanderung aus souveränem Gangsterboss und nervlichen Wrack darstellt. Cooper derweil ist neben Farrell wohl der große Gewinner des Streifens, denn seine Figur macht durchweg so richtig Laune und amüsiert vor allem in den Momenten grandios, wenn sie sich selbst als neuen Columbo feiert. Darüber hinaus ist Coopers Figur für eine zunehmende Verdichtung der Geschehnisse und damit für diverse Spannungsmomente verantwortlich.

Dead Man Down

Die Romanze zwischen Beatrice und Victor ist so ziemlich das Romantischste, was Hollywood zuletzt hervorgebracht hat.

Inszenatorisch überzeugt Oplev nicht nur in seiner Schauspiel- und Storyführung oder bei den beiden größeren Actioneruptionen, sondern auch im erzählenden Teil seines Filmes. Sein Streifen der Halb- und Unterwelt spielt vornehmlich zu dunklen Tageszeiten. Hier arbeitet Oplev sichtbar gerne mit Komplementärfarben, um seiner Rachegeschichte einen noch entrückteren Touch zu geben. Dazu setzt er die Farben und vor allem auch die Schwarzwerte so satt wie möglich ein, was dem Film einen erstaunlich warmen Anstrich verleiht, was durch den tollen, passend melancholischen Soundtrack treffend unterstrichen wird.

Was bleibt, ist ein Film, an dem man sicherlich einiges herummäkeln könnte, der einen aber, wenn er einen packt, für 110 Minuten vollkommen aus der Realität herausreißt und dank formidabler Darsteller, einer mit diversen intelligent gesetzten Spannungsspitzen und den Erwartungen des Zuschauers spielenden Handlung und einer zupackenden, geradlinigen Regie hervorragend unterhält. Natürlich hätte man die Rolle von Noomi Rapace etwas besser ausarbeiten können, auch der Romanze zwischen den beiden „kaputten“ Hauptcharakteren hätte man mehr Raum einräumen können und vielleicht sogar sollen und im Showdown hätte man sich vermutlich eine befriedigendere Konfrontation zwischen Alphonse und Victor gewünscht. Aber ab und an gilt es auch einmal, Fünfe gerade sein zu lassen und sich einfach nur in die Stimmungen des vorliegenden Filmes fallen zu lassen. Und das gelang zumindest mir bei „Dead Man Down“ spielend! Der Streifen ist zugleich locker eine der besten Produktionen aus den inzwischen recht umtriebigen WWE Studios, die ihren Wrestler Wade Barrett als Leibwächter von Alphonse eingebaut haben.

Der Film ist ab 4. April 2013 in den deutschen Kinos zu sehen und wird von „Wild Bunch“ und „Central Film“ vertrieben.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Central Film, Wildbunch Germany__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 4. April 2013 im Kino

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