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Dead Mine

Originaltitel: Dead Mine__Herstellungsland: Indonesien__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Steven Sheil__Darsteller: Ario Bayu, Joe Taslim, Use Badhu, Rustam Effendi, Sam Hazeldine, Byron Hulbert, Miki Mizuno u.a.
Dead Mine

In einem Minensystem treffen Schatzsucher auf Samuraizombies

HBO, die amerikanische Produktionsschmiede, die die Wahrnehmung der Menschen hinsichtlich der Qualität von TV-Serienformaten mit Serien wie „Band of Brothers“ oder „Game of Thrones“ grundlegend veränderte, expandiert inzwischen auch in andere Länder. Etwa Asien, wo der Ableger simplerweise auf den Titel „HBO Asia“ hört. Diese Produktionsschmiede hat nun eine eigene Reihe aus dem Leben gestampft. Unter dem Label „HBO Asian Originals“ will man eine ganze Reihe von Filmen vornehmlich in Asien umsetzen und sie in den asiatischen Gefilden sogar fit für die große Leinwand machen! „Dead Mine“ ist der erste Output der „HBO Asian Originals“ und erscheint am 28. Juni 2013 in Deutschland als DVD und Blu Ray.

In „Dead Mine“ folgen wir einer kleinen Gruppe, die aus Wissenschaftlern, Söldnern und einem reichen Initiator der ganzen Aktion besteht. Dieser hofft in Indonesien in einem der zahlreichen aus dem zweiten Weltkrieg stammenden Bunkersysteme der Japaner einen Schatz unvorstellbaren Ausmaßes zu finden, ist der Geldsack sich doch sicher, dass die Japaner ihre Kriegsbeute hier eingelagert haben. Als sie einen neuen Eingang zu einem derartigen Bunker-Stollen-System gefunden haben, werden sie jedoch plötzlich angegriffen und müssen sich, ohne das Stollensystem vorher geprüft zu haben, in selbiges zurückziehen. Eine Handgranate der Angreifer verschließt den Eingang zu dem Stollen vollkommen. So muss man sich durch das Stollensystem vorantasten und einen eventuell vorhandenen anderen Ausgang suchen. Schon früh dämmert den Schatzsuchern, dass sie in dem weitläufigen Labyrinth aus Stollen nicht allein sind. Die Ahnung wird zur Gewissheit, als seltsame Wesen und Zombies in Samurairüstung die Gruppe empfindlich ausdünnen…

Dass man sich für den Start der „HBO Asian Originals“ einen Mix aus Action und Horror hergenommen hat, dürfte nicht die dümmste Entscheidung gewesen sein, denn für Filme dieses Genres wird sich auch außerhalb Asiens ein dankbares Publikum finden lassen. Um die internationale Kompatibilität von „Dead Mine“ noch zu verstärken, drehte man mit einem internationalen Cast (Japan, Indonesien, England) in Englisch und ließ obendrein einen englischen Regisseur inszenieren. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer Streifen, der unter diesen wirtschaftlichen Konsensbemühungen durchaus ein wenig zu leiden hat.

Dead Mine

Eingeschlossen in dem Minensystem geht es bald um Leben und Tod.

Zunächst allerdings läuft „Dead Mine“ richtig rund! Die grundlegende Storyprämisse ist flott installiert, die Figuren werden grob verortet und innerhalb kürzester Zeit sind die Hauptcharaktere in dem Tunnelsystem eingeschlossen. Hier kreiert Regisseur Steven Sheil („Mom & Dad“) eine wirklich dichte Atmosphäre, indem er seine Protagonisten teils wirklich sehr enge Gänge entlang laufen und kriechen lässt und immer mal wieder kleine Andeutungen macht, was den Zuschauer in Zukunft wohl erwarten könnte: Etwa wenn Schatten huschen oder bedrohliche Figuren mit riesigen Atemschutzmasken unvermittelt im Hintergrund stehen, aber nicht eingreifen. Gegen Filmmitte zieht er dann die Daumenschrauben an, teilt seine Heldenparty auf und vergrößert so den Aktionsspielraum. Nun lässt er auch die Bedrohung seines Filmes von der Kette, der im weiteren Verlauf auch eine funktionale Mythologie angedichtet wird.

Die Bedrohung beginnt die Protagonisten nun auszudünnen und die Spannungskurve ist noch durchaus intakt. Diese bricht irgendwie zusammen, als ein alter Japaner in dem Bunkersystem gefunden wird, der nun den Erklärbär geben muss. Dabei wird durchaus ein wenig zuviel erklärt, was die bisherige Bedrohung ein wenig in ihrer Wirkung schwächt. Zudem wird eine zweite Bedrohung aufgebaut, die, sobald sie dann endgültig im Film auftaucht, selbigen fast ins Trashige kippen lässt. Denn der bisher mit allem Ernst vorgetragene Horrorstreifen kommt mit den etablierten Samuraizombies irgendwie so gar nicht klar. Unentschlossen, ob er sie nun richtig mit Macht eingreifen lassen soll oder sie lieber zurückhaltend inszeniert, bleiben die Auftritte der Samuraizombies irgendwo zwischen wuchtig und langweilig hängen und bringen keinerlei Zug in den Film. Und das, wo sie effektiver durchs Figureninterieur schnetzeln als die bisherigen Bösewichte.

Dead Mine

Coole Idee, schwachbrüstige Umsetzung: Samuraizombies!

Spätestens hier wünscht man sich, dass „Dead Mine“ vielleicht doch ein rein asiatisches Produkt geworden wäre. Denn die Asiaten, denen in ihren Streifen ja meist nichts heilig ist, hätten dem ganzen Unterfangen sicherlich die Prise Wahnsinn einimpfen können, die die Samuraizombies wirklich effektiv gemacht hätten. Regisseur Sheil dagegen bleibt zu brav, zu zurückhaltend, zu wenig effektiv. Vermutlich eben auch, um ein westliches Publikum nicht vollends zu überfordern. Auch das ewige Erkläre ist eher westliches Filmmerkmal als asiatisches.

Hinsichtlich der Production Values kann man sich bei „Dead Mine“ nicht beschweren. Das Minensystem ist überzeugend, die Außenaufnahmen der indonesischen Landschaften sind ganz großes Kino, die Schauwerte in der Action stimmen, die Ausstattung gefällt und die Kameraarbeit ist immer sauber und übersichtlich. Was am meisten gefällt und zur Atmosphäre ungeheuer viel beiträgt, ist der starke Soundtrack, der irgendwo zwischen themenorientiert und verstörend unmelodisch angesiedelt ist und eine ganz eigene, durchaus verstörende Qualität entwickelt.

Dead Mine

Schusswaffen bringen bei den Zombies nicht so viel …

Die Darsteller sind durch die Bank in Ordnung. Es gibt kein typisch asiatisches Overacting und keine störenden humorigen Einlagen. Die relativ unbekannten Gesichter lassen auch nicht wirklich erahnen, wer nun eigentlich das Final Girl (männlich oder weiblich) sein wird. Sam Hazeldine („The Raven“) eignet sich wohl am meisten als Identifikationsfigur, da sein Charakter schön brummig daherkommt und alles hat, um als unvorhergesehener Held zu überzeugen. Damit unterscheidet sich seine Figur auch stark von den anderen, die doch arg klischeehaft daherkommen. Interessant sind für die actionaffinen Leser sicherlich die beiden Namen Joe Taslim („The Raid“) und Ario Bayu („Java Heat“), die beide deutlich weniger präsente Auftritte haben, als in den beiden genannten Filmen, aber einen jeweils ziemlich guten Job machen.

Was bleibt ist ein „Debüt“, das nicht vollends zu überzeugen weiß. Die ersten 60 Minuten sind durchaus gelungenes Horrorkino mit einer sehr dichten Atmosphäre. Diverse Jump Scares und Attacken der Bedrohung sind effektiv inszeniert und in Verbindung mit dem starken Score sehr spannungsfördernd. Auch die eine oder andere Härte hat sich in „Dead Mine“ eingefunden: Offene Brüche, Kehlenschnitte, Durchbohrungen und Kopfschüsse sorgen für den roten Lebenssaft. Die FSK 16 Freigabe geht dabei aber absolut in Ordnung und ordnet den Härtegrad passend ein. Von technischer Seite her kann man sich auch nicht beklagen und Unhappy Endings nimmt der Horrorfan immer gerne mit. Soviel zur Habenseite. Leider gibt es aber auch einige Probleme. So nimmt „Dead Mine“ alle landläufig bekannten Horrorklischees mit. Schade ist auch, dass man mit den Figuren kaum mitfiebern mag, weil sie durch die Bank zu klischeehaft gezeichnet sind. Gegen Ende rutscht „Dead Mine“ fast ins Trashige ab und macht nichts aus den neuen Bösewichtern in Form von Samuraizombies. Ich meine: Hey, Samuraizombies!!! „Dead Mine“ traut sich spätestens hier viel zu wenig! Wird nicht zwingender, nicht schneller, nicht actionreicher, nicht wuchtiger und vor allem nicht spannender. Etwas mehr Mut beim nächsten Mal bitte!

Die deutsche DVD und Blu Ray zu „Dead Mine“ erscheint am 28. Juni 2013 im deutschen Handel, kommt von Entertainment One und ist mit einer FSK 16 uncut.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Entertainment One, WVG__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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