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Dead Rising: Endgame

Originaltitel: Dead Rising: Endgame__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Pat Williams__Darsteller: Jesse Metcalfe, Keegan Connor Tracy, Jessica Harmon, Dennis Haysbert, Marie Avgeropoulos, Teach Grant, Dakota Guppy, Stephen Lobo, Curtis Lum u.a.
Dead Rising: Endgame

“Dead Rising: Endgame” setzt die mit “Watchtower” gestartete filmische Umsetzung einer berüchtigten Videospielreihe fort.

2015 erwies sich das Zombie-Gemetzel „Dead Rising: Watchtower“, das auf den berühmt berüchtigten „Dead Rising“-Videospielen aufsetzte, als sehr unterhaltsamer Zeitvertreib, der gegen Ende dank einiger offener Fragen förmlich nach einer Fortsetzung schrie. Diese liegt nun unter dem Titel „Dead Rising: Endgame“ vor und… kann dem Vorgänger leider nicht das Wasser reichen.

Wie im ersten Teil schon angedeutet, hat das Militär im „Dead Rising“-Filmuniversum eine sinistre Rolle inne. So soll es zu Beginn von „Dead Rising: Endgame“ in Drogenschmuggel und Menschenhandel in der in Teil 1 geschaffenen Quarantäne-Zone verstrickt sein. Dem versucht der Online-Journalist Chase auf den Grund zu gehen. Immer und immer wieder dringt er darum in das Sperrgebiet ein, um hier Beweise zu sammeln und eventuell nebenbei den Verbleib seiner Kollegin Jordan zu klären. Die verschwand am Ende von Teil 1 nämlich spurlos.

Dass das Militär in weit mehr verstrickt zu sein scheint, dämmert Chase, als ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma Phenotrans an ihn herantritt. Diese stellt das Mittel Zombrex her, das bei Millionen infizierten Menschen, die sich irgendwann mit dem Zombie-Virus angesteckt haben, den finalen Ausbruch der „Krankheit“ verhindert. Gemeinsam mit dem Militär entwickelte Phenotrans einen Chip, der unter die Haut implantiert wird und in regelmäßigen Abständen winzige Dosen des Heilmittels an die Patienten abgibt.

Genau diesen Chip will das Militär so manipulieren, dass er auf einen Schlag alles Zombrex an den Träger abgibt und ihm so eine tödliche Überdosis verpasst. Mit einem Schlag wäre die Zombie-Gefahr vollständig gebannt. Chase muss nun alles daran setzen, diese Operation „Afterlife“ zu sabotieren. Immerhin ist seine aktuelle Freundin eine Trägerin des Chips. Von 1,5 Millionen weiteren Trägern ganz zu schweigen. Todesmutig dringt er ein letztes Mal in die Quarantäne-Zone ein, von der aus der Genozid gesteuert werden soll…

„Dead Rising: Endgame“ kommt leider nur schleppend in Gang. Obwohl alle wichtigen Figuren in Teil 1 installiert wurden, kommt der Film aus dem Erzählen gar nicht heraus. Dabei scheint sich das Drehbuch selbst derart in seine „Afterlife“-Story verliebt zu haben, dass es dem Zuschauer das ganze Konstrukt gefühlte fünfmal erklärt. Während in „Dead Rising: Watchtower“ die Story quasi parallel zum Zombie-Geschnetzel hektisch mit erzählt wurde, nimmt sie in der Fortsetzung wirklich viel zu viel Raum ein.

Die Folge ist ein echtes Tempoloch gleich zu Beginn des Filmes. In den ersten 45 Minuten passiert infolgedessen so gut wie gar nichts. Weder bekommt man Zombies in großen Stückzahlen zu sehen noch wird das „Afterlife“-Konstrukt aufgrund der vielen Wiederholungen interessanter. Da freut man sich direkt, wenn das Missionsbriefing der Filmhelden an ein entsprechendes Briefing in Shootern und Co. erinnert. Insgesamt ist das aber wirklich ein bisschen wenig Grund zur Freude. Erst in den zweiten 45 Minuten nimmt der Film dann endlich Fahrt auf und präsentiert das, was den ersten Teil so unterhaltsam machte: Amtliches Zombie-Gekille.

Dead Rising: Endgame

Chase beim Zombie-Killen…

Dem Modus-Operandi der Spiele folgend, dürfen die Helden wieder interessante Zombie-Bekämpfungswaffen zusammenfrickeln. Da werden Baseballschläger modifiziert, Besenstiele zu tödlichen Waffen umfunktioniert, Nagelpistolen ersetzen Schusswaffen und Sägeblätter runden so gut wie jede Hiebwaffe ab. Zudem wird auch die Umgebung nur zu gerne zum Zombie-Killen eingesetzt. Ob Rohre oder Stuhlbeine, in „Dead Rising: Endgame“ kann alles zur effektiven Waffe werden.

Etwa 30 Minuten vor Schluss wird dann auch das erste richtig geile Action-Setpiece verbraten. Hier metzelt sich Chase auf verschiedenen Ebenen einer Rolltreppenanordnung durch die Zombie-Brut. Halsbrecherische Sprünge und saftige Enthauptungen lassen den Actionfan definitiv mit der Zunge schnalzen. Getoppt wird dieser Moment im Showdown durch eine Plansequenz, in der erneut Chase gegen Dutzende Zombies ran muss und sie ohne sichtbare Schnitte in einer ausgiebig langen Enthauptungs- und Schädelspaltungsorgie zerlegen darf. Diese Plansequenz wirkt zwar nicht clean, sprich, es wirkt, als seien da in den hektischen Kamerabewegungen einige Schnitte versteckt wurden, aber die Wirkung der Sequenz ist in ihrer Dynamik und ihrem Tempo echt genial!

Dead Rising: Endgame

Die Heldenparty kurz vorm großen Geschnetzel…

Leider tendiert der Film auch in Richtung Showdown immer wieder in Richtung Geschwafel. Da wird plötzlich eine „Dr. Mengele“-Substory aus dem Hut gezaubert, die zum einen eine Evolution der Zombies ermöglicht und daher sehr interessant ist, zum anderen aber durch das Ende des Streifens weitestgehend wieder egalisiert wird. Zumindest macht Billy Zane („Alien Agent“) in der Mad-Scientist-Rolle einen guten Eindruck, so wirklich homogen will das aber alles nicht zusammengehen.

Von den logischen Bugs der eigentlichen Story ganz zu schweigen. Da kann man Projekt „Afterlife“ nicht durch eine Sprengung beenden, weil die Software dahinter sonst das Projekt auslöst. Wie macht sie das, wenn sie gesprengt wurde? Und warum kommt keiner auf die Idee, „Afterlife“ einfach zu hacken? Immerhin hat das Militär auch Zugriff von außen auf das System. Fragen über Fragen, die man nicht einmal ansatzweise irgendwie auszuräumen versucht und mit dem „Is halt so!“ Plattmacher-Argument auszuschalten hofft.

Dead Rising: Endgame

Spalt-N schaltet den ‘Schmerz ab… schnell.

Den Darstellern kann man indes keinerlei Vorwürfe machen. Jesse Metcalfe („Gegen jeden Zweifel“) gibt erneut den schneidigen Helden und verrichtet einen absolut soliden Job. Keegan Connor Tracy („Final Destination 2“) und Dennis Haysbert („Sniper: Ghost Shooter“) wiederholen ihre Rollen aus Teil 1, wobei vor allem Haysbert einen ziemlich fiesen Lump entwerfen darf, insgesamt aber ruhig noch bedrohlicher aufgestellt werden könnte. Neu hinzugestoßen ist Marie Avgeropoulos („Tracers“), die optisch äußerst ansprechend daherkommt, aber kaum etwas zur Action beiträgt und obendrein als Computerspezialistin aufgrund der von mir aufgeführten Logik-Schwächen keine allzu glaubwürdige Figur macht.

Die letzten 30 Minuten des technisch sauber umgesetzten Zombie-Actioners machen definitiv Laune. Hier hat Serien-Regisseur Pat Williams einige flotte Actioneskapaden versteckt, in denen Unmengen an Zombies umgemäht werden. Da werden Schädel im Akkord halbiert, gespalten, zermantscht und abgehackt. Das ist dank eines überzeugenden Mixes aus handgemachten und digitalen Splattereffekten schön reißerisch umgesetzt und auch die Maskeneffekte der Zombies wissen zu gefallen. Dazu gesellt sich ein angenehm reduzierter, düster pumpender Score, der für Atmosphäre sorgt. Insgesamt aber startet der Film viel zu spät durch, wirkt ungelenk angeschoben, verfällt immer wieder ins Geschwafel und macht nicht den logischsten Eindruck. Das senkt den Partyfaktor im Vergleich zum ersten Teil doch deutlich ab. Unterhaltsam ist die Chose aber allemal. Ein arg leicht weggeblinzelter Moment fungiert diesmal als Mini-Cliffhanger. Man darf gespannt sein, ob die Reihe weiter fortgesetzt werden wird…

5 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 25. November 2016 von Polyband und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Polyband__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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