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Death Race 2050

Originaltitel: Death Race 2050__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: G.J. Echternkamp__Darsteller: Manu Bennett, Malcolm McDowell, Marci Miller, Burt Grinstead, Folake Olowofoyeku, Anessa Ramsey, Yancy Butler, Charlie Farrell, Shanna Olson u.a.
Death Race 2050

Roger Corman produzierte ein Remake seines Kultstreifens “Death Race 2000”: “Death Race 2050”

Unlängst verkaufte Produzenten-Legende Roger Corman („Sharktopus“) die Rechte an seinem Kultklassiker „Death Race 2000“, der in deutschen Breiten auch als „Frankensteins Todesrennen“ vermarktet wurde, an Universal und schlug jenen vor, ein Remake zu diesem Film in die Wege zu leiten. Universal sagte ja, Corman übernahm die Produktion und das Baby war geschaukelt. Das Ergebnis hat mit den hyperschnellen Neuauflagen rund um Jason Statham bzw. Luke Goss gar nichts gemein, erreicht aber auch nur selten den Partyfaktor des Klassikers mit David Carradine und Sylvester Stallone.

Freiheit, Gleichheit, Blutrünstigkeit!

Die Welt des Jahres 2050 liegt in ihren letzten Zügen. Aus den Vereinigten Staaten von Amerika wurden die Vereinigten Konzerne von Amerika. Die haben nicht nur mit ihrem Geschäftsgebaren Asien, Europa und alle anderen Kontinente platt gemacht und hernach das eigene Land bis zum Anschlag ausgeblutet.

Die Menschen wurden in diesem Zuge in den Fabriken der Konzerne komplett von Maschinen ersetzt. Bar jeder Beschäftigungsmöglichkeiten hocken sie in ihren verfallenen Buden und tauchen mittels Virtual Reality in die Welten ein, die ihnen das Fernsehen der Zukunft zur Weltenflucht anbietet. Das erfolgreichste Format: „Death Race“. Ein Auto-Wettrennen quer durch Amerika, bei dem derjenige gewinnt, der den heißesten Reifen fährt und nebenbei so viele Passanten wie möglich killt.

Der Star dieser Show heißt Frankenstein. Ein zu weiten Teilen mit Maschinenteilen gepimpter Einzelgänger, der bei dem neuesten Rennen in ein weitreichendes Komplott gerät. Sowohl der florierende Widerstand gegen das herrschende System als auch der Chef der Vereinigten Konzerne von Amerika wollen ihn für ihre Zwecke einspannen. Blöd nur, dass Frankenstein darauf so gar keinen Bock hat…

Was der Widerstand eigentlich von Frankenstein will? *Schulterzucken* Warum der Chef der Vereinigten Konzerne von Amerika den Fahrer tot sehen will? *Schulterzucken* Was der haarsträubende Twist gegen Ende soll? *Schulterzucken* Was „Death Race 2050“ uns eigentlich erzählen will? Ich könnte jetzt wieder mit den Schultern zucken, aber meine Muskeln machen gerade zu. Muss wohl mal mehr die Schulterpartien trainieren. Glücklicherweise tut „Death Race 2050“ auch nie wirklich so, als hätte er irgendeine Geschichte zu erzählen. Sonst wäre man ihm vermutlich von Minute eins an nicht sonderlich wohl gesonnen.

Und so geraten nur ein paar Momente im Mittelteil seltsam grotesk, weil diese andeuten, dass irgendwer die Story für ein paar Augenblicke zu ernst genommen hat. Plötzlich wird es gefühlig. Frankenstein soll als Mensch gezeichnet werden. Der Film einen Sinn bekommen. Gott sei’s gedankt, dass der Verfasser dieser wenigen Drehbuch-Zeilen entweder den Federhalter entwendet bekam oder einfach gefeuert wurde.

Death Race 2050

Frankenstein ist der Star von “Death Race”. Man achte auf die üble Maske… und die coole Flagge.

So bleibt für den geneigten Zuschauer ein vollkommen überdrehter, absolut sinnloser Comicstrip mit einem ins Groteske verzerrten Figuren-Interieur, das einem in seiner overactenden und hysterisch dahin labernden Art und Weise irgendwann nur noch auf die Eier geht. Erstaunlicherweise finden trotz des eigentlichen Story-Unterbaus Rennszenen im eigentlichen Sinne so gut wie nie statt. Die Duelle zwischen den gerade einmal fünf Fahrern beschränken sich samt und sonders auf die letzten zehn Minuten, weshalb der Ansatz des Wettrennens beim Zuschauer auch nie so wirklich ankommt.

Den beschleicht stattdessen schnell das Gefühl, dass es hier nur ums Wegmetzeln der Passanten gehe. Dabei gibt sich der Film trotz wildem Gesplatters erstaunlich handzahm. Wo im Original nämlich noch alte Leute und Behinderte dran glauben mussten, darf es in unseren politisch korrekten Zeiten nur ganz normale 0815-Gesichter erwischen. Zumindest für die Behinderten hat Frankenstein einen guten Grund, würden deren Rollstühle doch den Lack seiner Karre zerkratzen. Wenigstens der verbale Humor gibt sich also manchmal angenehm schwarz, ist aber meist einfach zu drüber, um zu funktionieren.

Bei dem Gesplatter herrschen lachhafte CGI-Effekte vor, bei denen nichts, aber auch gar nichts funktioniert. Was noch deutlicher wird, wenn der Film auf die Folgen der Splattermomente fokussiert. Dann gibt es nämlich ausschließlich Handgemachtes zu sehen. Und das ist richtig saftend ausgefallen. Leider beschränken sich die miesen CGIs nicht nur auf die Splatterszenen: Auch diverse Stadtpanoramen, Explosionen und Actionszenen wirken ungünstig mit CGI aufgeblasen. Zumindest die Hologramm-Szenen, die andeuten, dass die Zuschauer via Virtual Reality neben den Rennfahrern sitzen und sozusagen hautnah dabei sein können, sind ANSATZWEISE gut umgesetzt. Erstaunlich grottig kommen auch die zahlreichen Rückprojektionen daher.

Death Race 2050

Frankenstein mit seiner sexy Co-Pilotin in “Death Race 2050”.

Diese dominieren die Rennszenen. Denn anstatt ganz viele halsbrecherische Fahrmanöver zu genießen, dürfen wir nur den mies in die Landschaft kopierten Hauptdarstellern Manu Bennett und Marci Miller beim Labern zugucken. Der Film selber kann so behaupten, ständig Action zu machen, immerhin fahren die beiden ja beim Labern durch die Kante, Action an und für sich sieht dann aber doch anders aus. Eine Sequenz um ein paar Ninjas oder die Auseinandersetzung Frankensteins mit dem Widerstand gehen zumindest ungefähr in die richtige Richtung. Diese Momente sind aber allesamt eher rar gesät. Wenigstens gibt es in deren Umfeld mal die eine oder andere Winz-Explosion. Für gewöhnlich rennen allerdings nur irgendwelche Deppen auf der Straße rum und werden umgemäht.

Lachhaft ist leider auch das Design der Karren, die die Rennfahrer durch die Gegend steuern. Die sehen aus, wie sich Menschen vor 30 Jahren zukünftige Autos vorgestellt haben. Zumindest da ist der Film nah dran am Original. Da sahen die Karren ähnlich beknackt aus. Für den Zuschauer von heute bedeutet das eine Handvoll an Karts gemahnende Kisten mit ganz vielen dran geklebten Pappmaché-Applikationen. Aus denen ragen unter anderem immer mal ein paar Spitzen heraus, um Leute zu meucheln. An den Autos befestigte Schusswaffen kommen seltsamerweise nicht einmal zum Einsatz.

Darstellerisch darf man sich von dem Film nix erwarten. Manu Bennett („Arrow“) wirkt immer ein wenig verloren und macht keinen sonderlich motivierten Eindruck. Dabei würde die Rolle dem Powerhouse per se richtig gut stehen. Doch Manu hat wohl schnell bemerkt, wo er hier rein geraten ist. Sein weiblicher Sidekick Marci Miller ist sexy anzuschauen und baut sich schonmal eine tödliche Apparatur in die Muschi ein, um unliebsame Kerle zu meucheln. Wen juckt da, ob sie spielen kann? Yancy Butler („Harte Ziele“) und Malcolm McDowell („Der Venedig Code“) beweisen derweil in Nebenrollen, dass sie sich schon seit langer Zeit für nichts mehr zu schade sind. Die restlichen Darsteller overacten sich um Kopf und Kragen und die Darstellerinnen halten meist ihre Hupen ins Bild. So tut jeder, was er kann… irgendwie.

Death Race 2050

Die Death-Race-Teilnehmer im trashy Look.

Am Ende ist „Death Race 2050“ einfach zu bewusst auf Trash getrimmt, um als selbiger zu überzeugen. Er wirkt einfach zu krampfig und zu bemüht, um wirklich einen richtigen Flow zu entwickeln oder gar das Party-Potential zu entfalten, welches das Original ausmachte. Dem versucht das Remake zumindest nicht zu sklavisch zu folgen, leider nicht wirklich zu seinem eigenen Vorteil. Die miesen CGIs, das gestelzte Spiel, die nervigen Figuren, die miese Musik und der eher gelangweilte Hauptdarsteller brechen dem Film dann leider vollends das Genick. „Death Race 2050“ überzeugt letzten Endes nur in zwei Sparten: Zum einen nimmt er sich selbst nicht zu ernst. Zum anderen präsentiert er „Landschaften“, die mal wirklich eine vollkommen am Ende seiende Welt präsentieren… und die stammen nicht einmal aus dem Computer! DA wird einem wirklich Angst und Bange…

4 von 10

„Death Race 2050“ kommt am 16. Februar 2017 von Universal Pictures Home Entertainment auf DVD und Blu-ray in den deutschen Handel und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Sogar ein paar Extras haben sich auf die Datenträger verirrt! Heutzutage ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja /Ja

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