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Death Wish 5 – Antlitz des Todes

Originaltitel: Death Wish 5 – The Face of Death__Herstellungsland: Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 1994__Regie: Allan A. Goldstein__Darsteller: Charles Bronson, Lesley-Anne Down, Michael Parks, Chuck Shamata, Kevin Lund, Robert Joy, Saul Rubinek, Miguel Sandoval, Kenneth Welsh, Lisa Inouye u.a.
Death Wish 5 mit Charles Bronson DVD Cover

Charles Bronson räumt auch in “Death Wish 5 – Antlitz des Todes” ordentlich auf.

„Death Wish 5“, der in Deutschland den hübschen Beititel „Antlitz des Todes“ erhielt, ist nicht nur der letzte Teil der sehr kontrovers aufgenommenen „Death Wish“-Reihe, sondern auch Charles Bronsons letzter Kinofilm. Er drehte danach nur noch drei TV-Filme, bevor er sich aufgrund einer Alzheimer-Erkrankung vollkommen aus dem Filmbusiness verabschiedete. Sowohl die zur Gewaltgroteske verkommene Filmreihe als auch ihr Star hätten einen würdigeren Abschied verdient.

Wir erinnern uns: Am Ende von „Death Wish 4“ stand Paul Kersey mal wieder alleine da. Für seinen Amoklauf gegen fiese Drogendealer erhielt er vom Staatsanwalt eine Tarnidentität, um sich ein neues, unbelastetes Leben aufbauen zu können. Und Kersey ist wieder glücklich. In der Modedesignerin Olivia Regent und deren Tochter hat er eine neue, ihn liebende Familie gefunden.

Blöderweise ist der Ex-Mann von Olivia ein ziemliches Arschloch, der deren Geschäft und allgemein das Modebusiness der Stadt unterwandert hat und es zur Geldwäsche nutzt. Als Olivia nach einem Gewaltexzess ihres Ex’ androht, gegen ihn auszusagen, macht der Nägel mit Köpfen. Er lässt Olivia meucheln und sichert sich obendrein dank korrupter Anwälte das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Man kann sich denken, was das auslöst. Richtig: Paul Kersey sieht rot.

Schaut in den Actionfilm mit Charles Bronson hinein

Sieben Jahre nach „Death Wish 4“ schickte Menahem Golan mit der 20th Century Fox, die Cannon-Studios gab es längst nicht mehr, seinen verlässlichsten Star auf dessen letzte Mission. Der hatte 1991 in „Indian Runner“ noch einmal bewiesen, was für ein feiner Schauspieler eigentlich in ihm steckte, doch das interessierte Golan herzlich wenig. Bronson war nach wie vor ein Star, der vor allem in den Videotheken funktionierte. Dementsprechend war es Golan sogar ziemlich egal, dass „Death Wish 5“ 1994 an den Kinokassen kläglich absoff. Fünf Millionen Budget standen gerade einmal 3,4 Millionen weltweites Einspiel gegenüber.

Lump: Machen Waffen Sie nervös?
Kersey: Nein, eigentlich nicht. Nur wenn Idioten sie benutzen, machen sie mich nervös.

Das Hauptproblem: „Death Wish 5“, sein Drehbuch, seine Macher und sein Star wurden gnadenlos von der Zeit überrollt. „Terminator 2“ hatte drei Jahre zuvor das Actionkino neu definiert. Dessen Star Arnold Schwarzenegger feierte im Erscheinungsjahr von „Death Wish 5“ einen Riesenhit mit „True Lies“ und Actioner wie „Speed“, „The Crow“ oder „Stargate“ zeigten auf, wie Action der 90er auszusehen hatte. Dem hatte der anachronistische Charles Bronson Streifen nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen.

Der tat sich auch keinen großen Gefallen damit, einfach die altbekannte Story aufzuwärmen. Erneut wird Kersey seiner Lieben beraubt, erneut nimmt er dafür Rache. Der einzige Unterschied zu den Vorgängern: Diesmal spielt alles in der Modebranche. Ohne dass diese einen echten Impact auf die Handlung hätte. Auch schafft es das Drehbuch nie, dem Film richtig Tempo oder Spannung einzuhauchen. So hängt der Actionthriller spätestens zur Filmmitte heftigst in den Seilen – und berappelt sich auch erst in Richtung Finale.

In dem räumt Bronson wie gewohnt unter den Lumpen auf. Das war für Deutschland zur damaligen Zeit viel zu brutal. Weshalb man für die FSK 18 Fassung einige Szenen entfernte. Heute ist das wilde Treiben ungeschnitten ab 16 freigegeben. Eine weitaus passigere Einstufung, denn prinzipiell hat der Film nicht einmal seinen Cannon-Vorgängern wirklich etwas entgegenzusetzen. Deren Action war aufwändiger, knalliger, bodycount-intensiver und brutaler.

Zumindest kommt der bei den Dreharbeiten über 70 Jahre alte Charles Bronson („Ein stahlharter Mann“) in seinem letzten Kinofilm noch erstaunlich fit rüber. Wenngleich man seiner Figur, dem Alter entsprechend, auch nicht zu dynamische Actionszenen zumutet. Darstellerisch ist diese Rolle nichts, was Bronson irgendwie fordern würde. Zumal es auch hier nicht gilt, angesichts brutalster Verluste irgendwelche Emotionen zu zeigen. An Bronsons Seite agiert Lesley-Anne Down („Nomads“), die einem aufgrund ihrer unpräzise gezeichneten, viel zu schnell viel zu egal werdenden Rolle schlichtweg nur leid tun kann und sicherlich froh war, sich schnell aus dem Film verabschieden zu dürfen.

Und damit wären wir bei den Lumpen des Filmes. Diese agieren so sadistisch, so überzogen menschenfeindlich, dass sie quasi im Alleingang das negative Image des Filmes zementieren. Der wurde nämlich nicht nur zeitgenössisch sehr „verhalten“ besprochen. Als Dicke mobbende, rassistische, Wehrlose drangsalierende und in einem Fall sogar Frauenkleider tragende Vollidioten verkommen sie sehr schnell zu bloßen Karikaturen. Diese kann man nicht für eine Sekunde ernstnehmen und letzten Endes sind deren Tode sogar noch viel zu nett geraten. Angeführt werden sie von Michael Parks („Blood Father“), der sich hier wahrlich nicht mit Ruhm bekleckerte und zu sehr von seinen Fieswichtkollegen-Darstellern mitreißen und zum Overacting verleiten lässt. Von denen weiß eigentlich nur Robert Joy („Aliens vs. Predator 2“) zu überzeugen.

„Death Wish 5 – Antlitz des Todes“ ist schon tot, er weiß es nur nicht

„Death Wish 5 – Antlitz des Todes“ wirkt in wahrlich allen Belangen – auch den technischen –, als sei er in den 80ern hängengeblieben. In denen hätte er vielleicht sogar ein wenig besser funktioniert, aber zu seiner Entstehungszeit war der Film kaum mehr als eine filmische Totgeburt. Eine Totgeburt, die den eigenen Mythos zu Tode ritt und ihren Star eigentlich grundlos verheizte. Zumindest der reaktionäre Showdown des Streifens ist so platt, dass er schon wieder Spaß macht. Das war es dann aber auch schon.

03 von 10

Zuletzt bescherte NSM Records dem Streifen eine deutsche DVD / Blu-ray. Ungeschnitten, neu geprüft und mit einer FSK 16 versehen. Die Bildqualität überzeugt, der Ton wirkt hier und da blechern.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: NSM Records__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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