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Deathcember – 24 Doors to Hell

Originaltitel: Deathcember – 24 Doors to Hell__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Lucky McKee, Julian Richards, John Cook Lynch, Steve De Roover, Ruggero Deodato u.a.__Produktion: Ralf Möller u.a.__Darsteller: Sean Bridgers, Barbara Crampton, Stefan Kapicic, Tiffany Shepis, Daniel Plotner, Steven E. de Souza, AJ Bowen, Richard Glover u.a.
Filmischer Adventskalender: Deathcember - 24 Dorrs to Hell

“Deatcember – 24 Doors to Hell” ist ein filmischer Advenstkalender.

„Deathcember“ erhebt den Anspruch, der erste filmische Adventskalender zu sein. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von den Frankfurter Filmemachern Dominic Saxl, Ivo Scheloske und Frank Vogt. Die finanziellen Mittel wurden unter anderem mittels einer Crowdfunding Kampagne und der – man höre und staune – Landesfilmförderung der HessenFilm aufgebracht. Als die Finanzierung stand, richteten sich die Initiatoren an Kreative in der ganzen Welt.

Und die bissen zahlreich an. Lucky McKee („All Cheerleaders Die“) Julian Richards („Reborn“) und Ruggero Deodato („Cannibal Holocaust“) sind definitiv die bekanntesten Namen. Doch auch frisches Blut durfte seinen Beitrag zu der Anthologie leisten. Und mit Pollyanna McIntosh („Let us prey“) biss auch eine bekannte Genre-Darstellerin an, um als Regisseurin eine Story auf den Weg zu bringen.

Die Vorgaben für die anvisierten Kurzfilme von maximal fünf Minuten Laufzeit waren nicht sonderlich eng gesteckt. Ziel war höchste künstlerische Freiheit – inhaltlich wie technisch. Und dieser Idee gingen die Macher offensichtlich mit Begeisterung nach. Die zumeist schwarzhumorig angehauchten Geschichten im Fahrwasser der „Tales from the Crypt“ entstammen unter anderem dem Science-Fiction-, dem Horror-, dem Animations-, dem Heist-Movie- und sogar dem Western-Genre.

Schaut in die Kurzfilmsammlung hinein

Verschiedene Genres und verschiedenste Techniken

Es geht um verfressene böse Kinder, blutig eskalierende Weihnachtspranks, tödliche ausufernde Juwelierüberfälle, Santa auf der Jagd nach einem entführten Rentier, eine alles auslöschende Seuche in der Zukunft, fiese Geschwister-Nichtliebe und vieles mehr. Alles entweder ganz offensiv auf Weihnachten abgestimmt oder nur mittels einer Dialogzeile auf die Feiertage zugeschnitten.

Präsentiert wird all das als Hommage an den Stummfilm, im Musical-Stil, als Knetanimation, im 4:3-Format, in Widescreen, als Einpersonenstück oder als wuseliges Ensemblestück – mal bunt, mal schwarzweiß. Hier durften sich die Macher richtig austoben. Als verbindendes Element dient eine computeranimierte Kamerafahrt durch ein Zimmer. Dabei stoppt die Kamera immer an einem Gegenstand, der für die kommende Geschichte wesentlich sein wird, ein Fensterchen im Adventskalenderstil entsteht, es öffnet sich und die Kamera fliegt in die Szenerie. Funfact: Das Kapitel-Menü der DVD/Blu-ray ist ebenfalls im Adventskalenderstil aufgemacht.

Crappy Christmas aus Deathcember

Eine Highlight-Episode: “Crappy Christmas” im Knetanimationsstil.

Die Fassungslage von „Deathcember – 24 Doors to Hell“

Kurzum: Die Idee vom filmischen Weihnachtskalender verfängt ebenso wie der Ansatz, 24 kreative Menschen einfach mal ihr Ding machen zu lassen. Um genau zu sein: Schon bei der 2020 veröffentlichten Ursprungsfassung gab es im ewig langen Abspann zwei Bonusfilme zu bestaunen. In diesem Jahr erschien nun zudem eine Special Edition, die noch einmal sechs neue Kurzfilme bereithält und bereits bekannte Episoden erweitert/ändert.

Auch diese Version erhielt die FSK 18. Wobei erwähnt werden muss, das ebenjene Freigabe der ursprünglichen Veröffentlichung zunächst verweigert wurde. Erst als Busch Media in die Berufung ging, schaffte es der filmische Adventskalender uncut in die Läden. Was schon ungefähr erahnen lässt, was in den einzelnen Filmen so abgeht. In den USA stieß der schwärzeste Beitrag rund um Kindesmissbrauch durch kirchliche Würdenträger derart auf, dass die liebevoll mittels Knetanimation erstellte Episode „Crappy Christmas“ aus der amerikanischen Veröffentlichung getilgt wurde.

X-Mas on Fire in Deathcember

X-Mas on Fire wurde von Ralf Möller produziert.

Es gibt also eine Menge zu erzählen über „Deathcember – 24 Doors to Hell“. Man könnte noch erwähnen, dass B-Scream-Queen Tiffany Shepis („Sickle“) ebenso mitspielt wie Sean Bridgers („The Whole Truth“), Richard Glover („Star Wars: Rogue One“), AJ Bowen („You’re Next“) oder Barbara Crampton („Castle Freak“). Und dass Ralf Möller („Postal“) die actionreichste Episode „X-Mas on Fire“ als ausführender Produzent begleitete, in der zudem Steven E. de Souza, Drehbuchautor von Actionklassikern wie „Stirb Langsam“, mitspielt. Doch damit genug der Informationen. Was kann „Deathcember“?

Überzeugt die Weihnachtsanthologie?

Bei der Anthologie verhält es sich wie bei ähnlichen Sammlungen: Die Qualität der Beiträge schwankt doch heftig. Vom technischen her sind alle Episoden großartig umgesetzt. Ich könnte keine Episode benennen, die mich optisch nicht angesprochen hätte oder die ihr grundlegendes Konzept nicht ordentlich umgesetzt hätte. Inhaltlich wird es dann allerdings schwierig.

Es gibt Episoden, die sind einfach großartig. Da sitzen die Pointen, der Humor und das Tempo auf den Punkt. Hier wünscht man sich fast, der jeweilige Kurzfilm würde einfach noch ewig weitergehen. Genannt seien einfach mal die Animationsepisode „Crappy Christmas“, der absolut großartige Sketch „Villancicos“ aus Mexiko, der Creature-Feature-Western „They Once had Horses“ von Lucky McKee oder Andreas Marschalls fieser „PIG“. Andere Episoden enden aber teils so kryptisch oder auch nichtssagend, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, nicht einmal die grundlegende Idee hinter dem soeben konsumierten Kurzfilm verstanden zu haben.

Sketch im filmischen Adventskalender

Wenn der Chor aufhört zu singen, stirbt der Patient. Ein großartiger Sketch aus “Deathcember”.

Komplette Rohrkrepierer habe ich dabei zwar nicht gesehen, aber ein paar insgesamt nur wenig gelungene Beiträge hat „Deathcember“ definitiv. Vor allem im Mittelteil ballen sich ein paar Filme, die sich trotz ihrer kurzen Laufzeit gefühlt ziemlich ziehen. Bei manchen Episoden findet man auch nicht richtig hinein, weil die deutsche Synchronisation nicht wirklich überzeugt und mit den Charakteren fremdeln lässt. Zudem sind die zahlreich vorkommenden Kinderdarsteller nicht in jeder Episode sattelfest.

„Deathcember – 24 Doors to Hell“ bietet für jeden etwas

Das Schöne an einer ungemein kleinteiligen, verschiedenste Genres bedienenden und in unterschiedlichsten Stilen umgesetzten Anthologie wie „Deathcember“ ist, dass im Grunde jeder Geschmack irgendwie bedient wird. Der ganz konkrete Vorteil von „Deathcember“ besteht zudem darin, dass man als Zuschauer tatsächlich 26 (plus sechs) Kurzfilme zu sehen bekommt, die sich in ihren Ideen, Handlungen und Umsetzungen nicht wiederholen.

Einen gewissen Hang zu schwarzen Humor sollte man für „Deathcember“ unbedingt mitbringen – ist dieser vorhanden, kann man mit dieser gerne mal blutigen Demontage der immer ein wenig zu süßlichen Weihnachtszeit durchaus seinen Spaß haben. Dabei sitzt nicht jede Pointe und mancher Episode scheint in ihrer Entstehung ein wenig der Sinn verloren gegangen zu sein, unterhaltsam ist das mit über zwei Stunden nicht eben kurze Happening aber allemal.

6 von 10

Busch Media hat die Ur-Version 2020 auf DVD und Blu-ray unter deutsche Weihnachtshasser gebracht. Im Oktober 2022 legte der Verleih nach und präsentierte, wie im Text bereits erwähnt, eine Special Edition im Mediabook. Beide Fassungen sind in ihrer jeweiligen Version mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Busch Media__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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