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Deathline

Originaltitel: Redline__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Tibor Takacs__Darsteller: Rutger Hauer, Mark Dacascos, Yvonne Scio, Patrick Dreikauss, Randall William Cook, Michael Mehlmann, Gabor Peter Vincze, Roger La Page u.a.
Deathline aka Redline

Mark Dacascos und Rutger Hauer in “Deathline”

Wade und sein Kumpan Merrick haben gerade einen Deal durchgezogen, der ihr Leben verändern soll. Dumm nur, dass sie auf der Zielgeraden vom russischen Militär aufgebracht werden und obendrein Merrick seinen Kumpel Wade hintergeht. Merrick jagt Wade eine Kugel in den Kopf und weil’s so schön ist, Wades Freundin gleich mit. Merrick flieht und Wades toter Körper gelangt in die Hände zwielichtiger russischer Wissenschaftler. Diese erwecken ihn einfach so wieder zum Leben! Der wiedererstarkte Wade ergreift schnellstmöglich eine sich ihm bietende Gelegenheit und flieht. Angetrieben von seiner Gier nach Rache, stapft er durch das heruntergekommene Russland und setzt alles daran, Merrick, der gerade im Begriff ist, die kriminelle Karriereleiter nach oben zu fallen, auszuschalten …

“Deathline” ist vor “Scorcher” und “Jagd auf Eagle One” das erste Projekt, in dem Rutger Hauer und Mark Dacascos gemeinsam auftraten. Ebenfalls eines von drei Projekten ist “Deathline” auf die Zusammenarbeit von Mark Dacascos und Tibor Takàcs heruntergebrochen. Nach dem großartigen “Sabotage” – und vor dem handlungstechnisch etwas verquasten, aber absolut soliden “Sanctuary” – erwartete man großes von dem erneuten Zusammenwirken von Tibor Takàcs und Kickerderwisch Mark Dacascos. Leider wird der Film diesen Erwartungen niemals komplett gerecht. Einer der Hauptgründe ist die wirklich absolut nicht vorhandene Geschichte, durch die ein etwas müde wirkender Rutger Hauer hier stapfen muss.

Deathline

Mark Dacascos als Bösewicht in “Deathline”

Zwar versucht Takàcs hier und da ein paar Überraschungen einzubauen und Allianzen anzudeuten, die so etwas wie Komplexität vorgaukeln sollen, nur leider ist das dem Zuschauer recht schnell ziemlich egal, da man mit dem Figureninterieur nie so richtig warm wird. Irgendwann resigniert man schlicht und ergreifend vor dem Fakt, dass hier einfach jeder jeden verarscht und man kaum eine der Figuren richtig einordnen kann. Dementsprechend ist man schnell versucht, sich zurückzulehnen und einfach nur die Action zu genießen.

Doch diese geht in viel zu geringen Dosen auf den Zuschauer nieder, um ihn auch nur ansatzweise von dem Nichts an Geschichte abzulenken! Schade, denn sobald Action aufkommt, ist sie wirklich sehr profund und gekonnt inszeniert und hat auch einige echte Härten an Bord. Alle Shootouts sind schön blutig, die Getroffenen segeln gerne durch Glasscheiben und werden von der Trefferwirkung schön durch die Kante geschleudert. Das macht wirklich Laune, schaut vor allem ziemlich cool aus und hat auch ein paar herrlich kaputte Einlagen an Bord. Etwa wenn Rutger Hauer von zwei splitternackten Frauen angegriffen wird und sich nur knapp dieser beiden Furien entledigen kann.

Deathline

Rutger Hauer jagt Mark Dacascos

Darstellerisch sieht es in “Deathline” eher trostlos aus. Rutger Hauer wirkt wie bereits erwähnt müde und schlafwandelt mit ein und demselben Gesichtsausdruck durch die Kulissen. Einzig in den Actioneinlagen wirkt er deutlich agiler und beweglicher. Er lässt – wie so oft in diversen schlichten B-Gelagen – schlicht und ergreifend sein Charisma wirken und das reicht für “Deathline” vollkommen aus. Mark Dacascos darf in “Deathline” mal einen richtig fiesen Zeitgenossen geben. Da hackt er einem Typ schon mal mit einem Schwert die Finger ab, um diese dann dem Kerl in den Mund zu stopfen und ihm so seine Argumentation besser näher zu bringen. Auch sonst hat der Mark in diesem Streifen als Merrick einen sehr nervösen Abzugsfinger und überleben die Leute, die Szenen mit ihm haben, selbige nur selten. Nur beim Schauspielern lässt sich Mark hier nicht erwischen. Er versteckt sich hinter der selben Gesichtsfotze, die er in dem Streifen “Boogie Boy (aka Hard Proof)” vor sich hertragen musste, amüsiert im Original mit coolem russischem Akzent und kneift seine Augen schießschartenartig zusammen. Fertig ist der wenig subtile Bösewicht. Unterfordert wäre ergo fast schon geprahlt. Sehr zu überzeugen weiß Yvonne Scio. Weniger wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten als vielmehr aufgrund ihrer offen zu Markte getragenen Kleidungsallergie. Es vergehen kaum fünf Minuten, in denen sie als Love Interest von Wade nicht nackt durch die Kulissen springt und selbst in einem Catfight gegen eine andere heiße Russin bekommt der Zuschauer animegleiche Einblicke in die Unterwäscheausstattung der italienischen Hauptdarstellerin. Sehr geil. LOL.

Deathline

Der böse Mark und sein fieser Bart …

Das größte Plus an “Deathline” ist Regisseur Tibor Takàcs. Dieser lässt seiner negativen Utopie (Dystopie verwende ich mal nicht) einen herrlich kaputten Look angedeihen und weiß das Ambiente der abgerissenen russischen Schauplätze absolut zu seinem Vorteil zu nutzen. Die Clubs, die gigantischen, kaputten und verfallenen Gebäude und die Badehäuser, in denen “Deathline” bevorzugt spielt, strahlen eine absolut faszinierende Aura aus und machen es extrem einfach, zu glauben, das Ganze spiele in einer vollkommen kaputten Zukunft, in der die Wirtschaft komplett zusammengebrochen ist und die Menschen nur friedliche Zuflucht in Cyberträumen finden. Und dazu musste Tibor Takàcs im Grunde nicht mal viel verändern. Einfach Kamera drauf und Action. Sehr krass. Doch auch die Ausstattung passt. Alles hat einen technophilen Anstrich. Die Menschen laufen weitgehend in Lack und Leder herum, aus ihren Köpfen ragen Anschlüsse für verschiedenste Vorrichtungen, die man hier anschließen kann, und sogar die wenigen CGI Effekte wissen absolut zu überzeugen. Obendrein arbeitet Takàcs mit vielen Farbfiltern und gibt seinem Film so einen permanent sehr entrückten, immer an der Grenze zum Trash lavierenden Anstrich und empfiehlt sich damit als eine Art Albert Pyun Nachfolger … Obendrein hat er ein paar herrlich seltsame Ideen in den Film eingebracht. Beispielsweise eine sehr trashige Neubebilderung der berühmten Treppensequenz aus “Panzerkreuzer Potemkin” (respektive deren Neuinterpretation in “The Untouchables”), die er im Rahmen einer “Aktenzeichen XY” Sendung im TV ablaufen lässt! Kurzum: Sein “Deathline” atmet ordentlich Atmosphäre.

Doch die kann nicht überspielen, dass “Deathline” keine echte Handlung hat und an einem chronischen Mangel an Action leidet, die allerdings stark inszeniert ist. Zusammen mit einem gelangweilten Hauer und einem viel zu kurz kommenden Mark Dacascos bleiben so maximal:

Die deutsche FSK 18 von Splendid hat es ganz übel erwischt. Finger weg! Uncut gibt es den Streifen unter dem Titel “Armageddon” in UK von dem Label Quantum Leap …

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder: Quantum Leap__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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