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Deep Red

Der fürs Fernsehen produzierte „Deep Red“ mischt Film Noir und Sci-Fi-Thriller. Unter der Regie von Craig R. Baxley spielt Michael Biehn den Privatdetektiv Joe Keyes, der in einen eigenwilligen Fall hineingezogen wird: Alienpartikel haben mehrere Menschen auf der Ende verändert, die nun besondere Kräfte haben, aber nicht alle davon nutzen sie für Gutes.

Originaltitel: Deep Red__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1994__Regie: Craig R. Baxley__Darsteller: Michael Biehn, Joanna Pacula, Tobin Bell, Lindsey Haun, Daniel W. Barringer, John Alden, John de Lancie, Lisa Collins, John Kapelos, Steven Williams, Chayse Dacoda, Michael Des Barres, Kevin Page u.a.
Deep Red

Ein Science-Fiction-Thriller von Craig R. Baxley mit Michael Biehn in der Hauptrolle: “Deep Red”

„The Hidden“, „Dark Angel“, „Peacemaker“ – in den späten 1980ern und frühen 1990ern kamen so einige Großstadtthriller und -actionfilme mit Alieneinschlag daher, sodass man Science-Fiction mehr oder weniger kostengünstig in irdischen Gefilden umsetzen konnte. Eine besondere Sparversion stellt dabei der TV-Film „Deep Red“ dar, für den man immerhin den kompetenten Actionhandwerker Craig R. Baxley („Action Jackson“) anheuerte.

Dessen Werk zitiert mit einer frühen Einstellung, ein Schwenk von einer Baumgruppe auf den Großstadtdschungel, den wohl teuersten Alien-Randale-auf-der-Erde-Film der Ära, „Predator 2“. Allerdings macht der Auftakt auch schmerzlich klar, dass „Deep Red“ weitaus weniger budgetiert und ambitioniert ist, wenn man den Beschuss eines Alienschiffs durch ein anderes sieht und die CGI-Effekte nur etwas besser als ein PC-Spiel aus jener Ära ausschauen. Jedenfalls gehen Bruchstücke des verfolgten Alienflugobjekts über der Erde nieder und ein Splitter trifft die kleine Gracie Rickman (Lindsey Haun) in die Hand.

Danach switcht „Deep Red“ zu seinem Protagonisten, dem Privatdetektiv Joe Keyes (Michael Biehn) und geht komplett in den Film-Noir-Modus. Nicht nur, dass Joe raucht wie Schlot, grübelnd in seinem Büro rumhängt und Stimmen aus dem Off hört, man wird auch durch Rückblenden auf den neuesten Stand gebracht: Joe nahm den Auftrag einer verzweifelten Mutter an, sollte deren Ehemann Warren (Tobin Bell) finden, beschützen und diesem sogar bei einem Mordauftrag helfen, doch das Ganze erwies sich als Falle: Der zu ermordende Schurke Thomas Newmeyer (John de Lancie) war Joe gefolgt, tötete Warren und hängte Joe den Mord an.

Da es Newmeyer danach auch Gracie und ihre Mutter (Lisa Collins), Joes Auftraggeberin, aufspüren möchte, bringt Joe diese in Sicherheit, wobei er die Hilfe seiner Ex Monica Quik (Joanna Pacula) in Anspruch nimmt. Ein Detail lässt ihm allerdings trotz aller Hektik keine Ruhe: Newmeyer und seine Handlanger scheinen unverwundbar zu sein…

Deep Red

Joe Keyes (Michael Biehn) ist ein Private Eye nach Noir-Art

Was Joe ein Rätsel sondergleichen ist, ist für den Zuschauer schon längst klar, schließlich hat er ja die Auftaktsequenz gesehen, kennt das Genre des Films und kann dementsprechend auch Warrens Ausführungen kurz vor dessen Ermordung folgen, die für Joe aber erst einmal kryptisch bleiben. Allerdings ist „Deep Red“ auch ziemlich vorhersehbares Entertainment aus dem Bereich der Billig-Sci-Fi, angereichert mit diversen Motiven und Klischees des Film Noir: Joe hat andauernd eine Fluppe im Mund, in seiner Vergangenheit findet sich ein traumatisches Erlebnis, welches das Scheitern seiner Beziehung zu Monika, seinen heruntergekommen Zustand und seine Feindschaft zu dem Polizisten Mack Waters (John Kapelos) erklärt, während er mit Eldon James (Steven Williams) noch einen Kumpel bei den Boys in Blue hat usw.

Vor allem aber ist „Deep Red“ ein reichlich eintöniger und gleichförmiger Film, dessen Grundrezept sich wenig verändert: Joe und seine Crew verstecken sich an einem Ort, werden von Newmeyer aufgespürt, fliehen, verstecken sich wieder und derweil findet Joe nähere Infos zu den Hintergründen. Die sind allerdings nicht sonderlich komplex, die All-Beschuss-Szene dient beispielsweise nur der Einführung und wird nie aufgegriffen, und auch sonst liegen früh alle Karten auf den Tisch: Die Alienpartikel, Deep Red genannt, ermöglichen Selbstheilung, Gestaltwandel und können sogar die biologische Uhr zurückdrehen, weshalb Newmeyer dafür bereit ist über Leichen zu gehen. Einzig und allein ein, zwei Twists gegen Ende kommen nicht ganz so wie erwartet, aber das macht „Deep Red“ nun auch nicht zu einer aufregenden Angelegenheit.

Deep Red

Warren Rickman (Tobin Bell) setzt den Fall in Gang

Nun wäre das ja alles vielleicht etwas weniger dramatisch, wenn Baxley aus D. Brent Motes („Atomic Train“) nicht sonderlich aufregendem Script wenigstens einen zünftigen Genrefilm mit ordentlich Schmackes gemacht hätte, doch da hapert es ebenfalls. Das liegt freilich auch am Budget, das offensichtlich keine großen Sprünge zuließ, weshalb große Teile der Handlung in Hinterhöfen, Lagerhallen und kargen Büros stattfinden. Ein paar kurze Spektakelmomente wie einen Flammenwerfereinsatz oder die Explosion eines Autos inszeniert Baxley gewohnt solide, aber viele davon gibt es nicht. Was ihm dagegen durchweg gut gelingt, ist die Noir-Atmosphäre des Ganzen: „Deep Red“ mag zwar nur Genrestereotyp nach dem anderen abspulen, aber das Flair und die Abgeklärtheit klassischer Hard-Boiled-Stoffe kann Baxleys Film trotz aller Limitierungen gut verbreiten – aber oft waren die klassischen Vorbilder ja ebenfalls B-Pictures, die durch kreative Einfälle fehlendes Budget kompensieren mussten. An deren visuelle Extravaganz und eventuellen Ideenreichtum kann Baxley dabei nicht heranreichen, aber er setzt Bekanntes solide um.

Ein weiterer Gewinn ist Michael Biehn („The Shadow Effect“) in der Hauptrolle, dem der abgeklärte, vom Leben enttäuschte Privatschnüffler und Personenschützer hervorragend zu Gesicht steht. Mit Joanna Pacula („Zum Töten freigegeben“) hat er eine würdige Spielpartnerin, die trotz eher geringer Screentime Akzente setzen kann. John de Lancie („Crank 2“) ist trotz oberflächlich gescripteter Rolle ein durchaus charismatischer Schurke, John Kapelos („Underdog Kids“) und Steven Williams („Es“) als Cops sehr guter Support und Tobin Bell („Jigsaw“) punktet in seiner einzigen Szene im Film ebenfalls. Selbst Lindsey Haun („Das Dorf der Verdammten“) als Kinderdarstellerin in einem B-Film ist ganz okay.

Insofern bemühen sich Regie und Darsteller hier redlich und können klassisches Noir-Flair mit ebensolchen Figuren verbreiten. Dummerweise grätschen ihnen die offensichtlichen Defizite in Sachen Budget und Erzählung immer wieder dazwischen, sodass „Deep Red“ ein eher leidlich unterhaltsamer, wenig aufregender und unter seinen Möglichkeiten bleibender Hybrid aus Noir-Krimi und Science Fiction ist.

In Deutschland ist „Deep Red“ bisher nur auf VHS bei CIC/Universal erschienen, in den USA gibt es ihn auch auf DVD. Derweil hat Netflix „Deep Red“ auch im Programm. Dort ist der Film mit einer Freigabe ab 12 Jahren ausgezeichnet, aber das ist vermutlich eine von Netflix selbst gewählte Kennzeichnung, da der Film eigentlich ab 16 ist und die FSK keine Neuprüfung ausweist.

© Nils Bothmann (McClane)

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