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Delta Force 3 – The Killing Game

Originaltitel: Delta Force 3 – The Killing Game__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: Sam Firstenberg__Darsteller: Nick Cassavetes, Eric Douglas, Mike Norris, Matthew Penn, John Ryan, Hana Azoulay-Hasfari, Gregory Tal, Mark Ivanir, Candace Brecker, Dan Turgeman u.a.
Delta Force 3 mit Mike Norris

“Delta Force 3” ist einer von Sam Firstenbergs teuersten Filmen.

Nachdem zwischen dem Chuck-Norris-Klassiker „Delta Force“ und dessen Fortsetzung ganze vier Jahre ins Land gezogen waren, wurde Teil 3 deutlich schneller nachgeschoben. Nur ein Jahr nach „Delta Force 2 – The Colombian Connection“ hieß es „Delta Force 3 – The Killing Game“. Diesmal war statt Chuck Norris dessen Sohn Mike Bestandteil der namensgebenden Spezialeinheit. Im Regiestuhl nahm der versierte Cannon-Auftragsregisseur Sam Firstenberg Platz.

Der teilte in dem großartigen Buch „Stories From The Trenches: Adventures in Making High Octane Hollywood Movies with Cannon Veteran Sam Firstenberg“ auch seine Erinnerungen an diesen B-Kracher. Für ihn war „Delta Force 3“ nicht mehr als eine Auftragsarbeit. Als er am Set ankam, wurde bereits gedreht und er kannte nicht einmal das Drehbuch. Er durfte an selbigem auch nichts mehr ändern – einzig in der Gestaltung der Action und kleinerer Details war er frei.

Dafür war „Delta Force 3“ einer seiner best-budgetierten Streifen und er konnte in großem Umfang auf die Dienste der israelischen Armee zurückgreifen. Einen der Hauptdarsteller, Mike Norris („Death Ring“), kannte er schon von „American Fighter“, da Mike dafür in Betracht gezogen worden war.

Zudem wäre Sam Firstenberg am Set beinahe umgekommen, da eine Rakete, die im Film zur Räumung eines Minenfeldes abgeschossen wird, von einer Düne abprallte und daraufhin die Richtung wechselte. Die tatsächlich echte Rakete!!! raste daraufhin auf Firstenbergs Regie-Sessel zu, doch der Filmemacher konnte gerade noch so aus dem Stuhl hechten. Glücklicherweise ist dem Regisseur dabei nichts passiert. Es wäre auch höchst tragisch gewesen, für eine filmische Krampe wie „Delta Force 3“ sein Leben zu lassen. Aber ich greife vor. Worum geht es denn nun eigentlich in dem Actioner?

Ein Typ namens Kadal gedenkt, seine Heimat von jeglichen amerikanischen Einflüssen zu befreien. Dementsprechend setzt er dem amerikanischen Präsidenten ein einwöchiges Ultimatum. Alle amerikanischen Truppen sollen aus Kadals Heimat abgezogen und die Einflussnahmen auf die Geschicke des Landes beendet werden. Passiere dies nicht, würden seine Handlanger einen gewaltigen Big Bang auf amerikanischem Boden zünden.

Die Amerikaner sind sofort alarmiert und ziehen Delta Force hinzu. Die soll Kadal lebend fassend, damit dieser seine Handlanger in Amerika davon überzeugen kann, die Bombe nicht zu zünden. Und da aus unerfindlichen Gründen auch die Russen ein Interesse an Kadal haben, muss Delta Force mit einer Truppe russischer Soldaten zusammenarbeiten. Währenddessen bereitet ein treuer Gefolgsmann von Kadal unbeirrt einen Atomschlag in einer amerikanischen Großstadt vor.

Schaut in den Actionfilm von Sam Firstenberg hinein

httpv://www.youtube.com/watch?v=Xz5eKIo0gdU

Wie eingangs angedeutet, durfte Sam Firstenberg am Drehbuch zu „Delta Force 3“ nicht mehr viel ändern. Was demselben aber vermutlich gut getan hätte. Denn insgesamt funktioniert es nicht sonderlich gut, hat aber zumindest ein paar interessante Ansätze. Die klingen heute altbekannt, ABER zur Zeit der Entstehung von „Delta Force 3“ waren sie noch relativ neu.

Etwa dass amerikanische und russische Truppen zusammenarbeiten. Und dass beide Nationen gemeinsam gegen Terroristen kämpfen, die den Terror unmittelbar in die Urbanität der westlichen Welt bringen wollen. Dass die Lumpen dafür obendrein auf einen maximalen medialen Effekt schielen, war auch reichlich neu. Hier erweist sich das Drehbuch beinahe als ein wenig prophetisch, kann aber aus diesen neuen Ansätzen kaum etwas machen.

Nach knalligem Beginn rund um eine Selbstmordattentäterin wird die Story zwar schnell angeschoben und mittels einer Trainingseinheit der Delta Force und der Russen noch einmal mit Action unterfüttert, doch danach geht es steil bergab. Drehbuch und Regie finden keinen Weg, Spannung zu erzeugen, die Story plausibel voranzutreiben und das Tempo oben zu halten. In Kadals Heimat gelandet, sitzen die Spezialeinheiten nur noch dämlich vor oder in Höhlen herum, werden in lächerlich konstruierte Hinterhalte gelockt und verbrüdern sich in ekelhaft schlecht geskripteten „Charaktermomenten“, aufgrund derer direkt klar wird, wer hier wohl die Mission nicht überleben wird.

Dazwischen darf Kadal viel Dünnes labern, sein Handlanger seine Atombombe basteln und hier und da steigt sogar mal Action. Teils in echt tollen Settings. Etwa in einem Höhlensystem in Israel, wo der Film gedreht wurde. Leider sind die Actioneinlagen viel zu kurz und lassen nie den Eindruck aufkommen, dass hier gerade eine Spezialeinheit am Wirken ist. Dann noch ein wenig Gefolter und fertig ist die Laube. Zunehmend desinteressierter folgt man dem Geschehen und Langeweile schlägt sich Bahn.

Nach 60 eher qualvollen Minuten legt Sam Firstenberg dann ENDLICH den Schalter um. Es folgt eine Abfolge von Actionszenen, der man ansieht, dass der Regisseur mehr Geld als üblich verbraten durfte. Alles beginnt mit ausgiebigem Geballer in einer Gefängnisanlage. Hier werden dann einzelne Räumlichkeiten weggesprengt und diverse Lumpen umgenietet. Ab und an platzen auch mal Blutbeutel. Es folgt eine starke Ballerei auf einem Markt, bei der zwar mehr Melonen als Lumpen zerballert werden, der Aufwand dahinter aber gefällt und die Treffereffekte in der Umgebung sind Legion.

Es schließt sich eine Autoverfolgungsjagd an, die für sämtliche Verfolger in Feuerbällen und Überschlägen endet, aber ein wenig konfus gereicht wirkt. Die Daueractioneinlage endet mit amtlich Geballer auf einer Wiese, wo es – was in Spezialeinheiten-Actionern nicht soooo üblich ist – auch einige Hauptfiguren erwischt. Hier wird dann auch mal ein Held von einem Sprengsatz komplett zerrissen, was die FSK 18 in Deutschland einigermaßen rechtfertigt. Ansonsten wirkt „Delta Force 3“ leider immer ein wenig zahm. Es folgt der Showdown, der leicht hirnrissig arrangiert ist, aber irgendwie schon cool umgesetzt wurde.

Firstenberg inszeniert seine Action wie gewohnt sehr ansehnlich und flott montiert. Was ein wenig fehlt, ist gute Filmmusik, die bei den beiden Vorgängern deutlich schmissiger ausgefallen war und die Action gut vorwärtstrieb. Abseits der Action versucht der Regisseur immer mal wieder, die israelischen Schauplätze und natürlichen Begebenheiten atmen zu lassen.

In Sachen Schauspiel ist hier freilich gar nichts zu holen. Beim eigentlichen Acten lässt sich hier niemand erwischen. Eher beim Overacten. Oder beim Gar-Nicht-Acten. Mit Mike Norris, Eric Douglas (Sohn von Michael Douglas), Matthew Penn (Sohn von Regisseur Arthur Penn) und Nick Cassavetes (Sohn von Regisseur John Cassavetes) haben wir hier große Nachnamen im Cast, was im Umfeld des Videostarts von „Delta Force 3“ in deutschen Videozeitschriften sogar gerne thematisiert wurde.

Mit John Ryan („American Cyborg“) ist zudem eine dieser B-Hackfressen am Start, die man irgendwie zu kennen meint, aber nie wirklich einordnen kann. Ein optisches Highlight setzt ganz klar Hanna Azoulay Hasfari („Marine Fighter“), die hier immer mal wieder sexy schwitzen darf und heiße Blicke verteilt.

„Delta Force 3“ kommt nicht aus dem Knick

Bis „Delta Force 3“ endlich in unterhaltende Gefilde aufzubrechen vermag, muss der geneigte Zuschauer beinahe 60 Minuten kompletten Leerlauf über sich ergehen lassen. Die Story mag zur Zeit ihrer Entstehung exotischere Elemente für den Actionfan bereitgehalten haben, zur Spannung tragen sie aber kaum bei. Einfach weil das Drehbuch keinen Zug in seine Geschichte bekommt und sich von einem dummen Klischee zum nächsten hangelt.

Zudem wird keine der Figuren irgendwie vertieft. Wenn die dann den pathetischen Heldentod sterben, sitzt man gelangweilt auf dem heimischen Sofa. Darf Sam Firstenberg endlich Action machen, sieht man die passigen Production Values durchaus. Was im Vergleich zu den Vorgängern aber vollkommen fehlt, sind Alleinstellungsmerkmale wie Raketenwerfermotorräder, waffenstrotzende Buggys und Hubschrauber. Sprich: Was die Delta Force zur Spezialeinheit macht, sieht man nirgends. Auch weil die Soldaten eher wenig versiert in ihrem Handwerk wirken.

Das Ergebnis rauscht einfach nur am inneren Auge des Zuschauers vorbei. Es fehlt durchweg an memorablen Szenen, an echt begeisternder Action sowie an einer vernünftigen Dramaturgie und kernigen Helden.

4 von 10

Die deutsche VHS von Warner kommt mit einer FSK 18 uncut. Diese dürfte auch die Vorlage für eine unlängst erschienene, kuriose deutsche Veröffentlichung gewesen sein. Diese enthält „Delta Force 3“ und „Delta Force One: The Lost Patrol“ auf einer Disc. „Delta Force 3“ wird ungekürzt gereicht. Die Bildqualität des beschnittenen 4:3 Formates – es deutete sich an – rangiert aber nur knapp über der einer normalen VHS. Die DVD selbst umweht aufgrund jeglicher fehlender Label-Angaben modriger Bootleg-Geruch. Nicht mal das Cannon-Logo darf vor beiden Streifen erstrahlen. Eine offizielle Code 1 DVD kommt von Warner.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: unbekannt__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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