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Der 27. Tag

Originaltitel: The 27th Day__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1957__Regie: William Asher__Darsteller: Gene Barry, Valerie French, George Voskovec, Arnold Moss, Stefan Schnabel u.a.

Der 27. TagDer 27. Tag

Wenn es zur amerikanischen Science Fiction aus der Ära des Kalten Kriegs kommt, spitzen die Kritiker ihre Ohren. Nur zu gerne referieren sie über das „Ding“, den „Blob“ oder die „Dämonischen“, weil das Konzept einer fremdartigen Bedrohung, die sich mithilfe ausgeklügelter Tarnmechanismen unbemerkt in die amerikanische Gesellschaft einschmuggelt, so einfach zu vermitteln ist. Wo der Western die amerikanische Geschichte als Vergangenheits-Lehrstunde mit staubigen Relikten wie Colts und Pfeilen aufbereitet, da gibt es zur direkten Reaktion auf den gerade noch stattfindenden Konflikt zwischen dem kapitalistischen Westen und dem kommunistischen Osten keine schönere Märchensammlung als diejenige über fliegende Untertassen, die auf der Erde landen, um dem Menschen unmittelbar einen Spiegel vorzuhalten.

Die großen Namen des Genres decken in der Summe wahrscheinlich so ziemlich alles Wissenswerte ab, was es über das protektionistische Alien-Invasionskino der 50er zu sagen gibt; gleichwohl schlummern immer noch unzählige B-Movies auf vergessenem Grund, in denen sich zumindest noch vereinzelte Kuriositäten entdecken lassen, die es bei den berühmteren Vorbildern in der Form nicht gab.

“Der 27. Tag” ist ein solcher Fall, obwohl sich seine Anlage nur wenig von einem „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951) unterscheidet. Es ist ein äußerst actionarmer, dafür sehr dialoglastiger Film; und wenn doch einmal ein UFO durchs Bild schwirrt, handelt es sich dabei auch noch um Stock Footage einer Ray-Harryhausen-Arbeit aus „Fliegende Untertassen greifen an“ (1956).

Mit dem hohen Dialogaufwand wird vor allem ein erwachsenes Problemlösungsverhalten zu demonstrieren versucht, was man für die schwierige Kommunikation durch den Eisernen Vorhang hindurch als archetypisch bezeichnen kann. Ferner bereitet man damit den Aufhänger vor, der in seiner kindlichen Einfachheit ebenso radikal wie wirkungsvoll ist: Einer scheinbar willkürlich ausgewählten Gruppe von fünf Menschen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, China und der Sowjetunion werden kleine Kapseln überreicht, die über die Macht verfügen, jegliches menschliche Leben – und nur dieses – auf der Erde zu zerstören. George Voskovec, der den deutschen Physiker Klaus Bechner spielt, dürfte diese Situation sehr bekannt vorgekommen sein, spielte er doch im gleichen Jahr in „Die 12 Geschworenen“ ebenfalls ein Individuum aus einer Gruppe, der von einer höheren Instanz (in diesem Fall der amerikanischen Justiz) große Macht in die Hände gelegt wird.

Schaut in den Science-Fiction-Streifen “Der 27. Tag” hinein

Der bunte Haufen unterschiedlicher Menschen unterstreicht zwar fröhlich alle Klischees seiner Zeit, verrät aber auch, von welchem Schlag man sich Lösungsansätze erhofft, welchen man weniger ernst nimmt und welcher eine Bedrohung sein könnte. So machen die beiden Frauen in der Gruppe ihre Waffen unmittelbar nach der Rückkehr auf die Erde bereits unschädlich (im Fall der Chinesin noch verknüpft mit einem asiatischen Kulturklischee). Aus heutigem Blickwinkel könnte man den damit demonstrierten Machtverzicht als Gabe der Vernunft loben, tatsächlich sollte es aber wohl eher die Passivität des weiblichen Geschlechts unterstreichen – zumindest unterstützt es das damalige Rollenverständnis der Frau, sich selbst als den sicheren Hafen für die Männer zu betrachten und von der Knöpfchendrückerei Abstand zu halten.

Der verunsicherte Soldat – mutmaßlich russischen Ursprungs – indes ist natürlich die instabilste Komponente. Er scheint zwar nicht von Grund auf böse zu sein, wird aber in seiner Heimat zur Waffe instrumentalisiert, während ausgerechnet der Deutsche, wenige Jahre zuvor selbst das größte Feindbild amerikanischer Kriegspropaganda, als Vertreter der Wissenschaft einen erstaunlich vertrauenswürdigen Stand genießt. Der Mad Scientism der Universal-Horror-Jahre war längst abgelöst worden gegen einen Glauben in den wissenschaftlichen Fortschritt, was letztlich oft zu der Utopie führt, dass die uns technisch überlegenen Außerirdischen einem pazifistischen Denken verbunden sind. Überlegene Technologie steht also in der naiven Weltanschauung jener Zeit für den Frieden, was angesichts des Aufrüstungswettbewerbs der Weltmächte ironisch erscheint.

Gleichwohl man sich bei “Der 27. Tag” durchaus darüber streiten kann, ob die Außerirdischen wirklich einen friedfertigen Ethos an den Tag legen. Arnold Moss ähnelt in seinem silbernen Anzug und seinem sanften Herantreten an die Erdlinge dem Alien Klaatu (Michael Rennie, „Der Tag, an dem die Erde stillstand“), präsentiert sich und sein Volk (das man nie zu Gesicht bekommt; schließlich stellt es lediglich eine theoretische Variable dar, die für die Handlung nicht von Bedeutung ist) als friedlich… und händigt doch todbringende Waffen an die Menschen aus, in der Hoffnung, ihre primitiven Instinkte damit anzustacheln. Dass man in diesem Zusammenhang auch von indirekter Gewaltanwendung sprechen könnte, wird vom Film zu keinem Zeitpunkt aufgegriffen oder gar reflektiert, so wie Reflektion überhaupt nur in einem sehr spielerischen, unverbindlichen Kontext vonstatten geht, der am Ende nach dem Gutdünken der Macher gedehnt und gebogen wird.

Immerhin, die mit komplizierten Bedingungen verknüpfte Alien-Waffe, wenngleich sie bei ihrer Vorstellung etwas umständlich anmutet, sorgt im weiteren Verlauf für reizvolle strategische Abwägungen zwischen West und Ost, die von William Asher im steten Wechsel gezeigt werden. Gerade weil die Ausgangslage so simpel ist (wenn niemand seine Waffe benutzt, ist die Erde gerettet), erzeugt das Spiel mit Misstrauen gegenüber „den Anderen“ im Mittelteil eine gewisse Spannung, zumal viele Schlüsse, die eine Partei über die andere zieht, durchaus logisch erscheinen.

Im letzten Akt allerdings, am 27. Tag, da fällt die Maske des Rationalen und der Antikommunismus kommt so unverhohlen zum Vorschein wie in keinem der großen Klassiker. Dabei ist es nicht einmal hauptsächlich die comichafte Bösartigkeit, mit der die Sowjets zu Werke gehen, um ihren Feind niederzustrecken; es ist vielmehr die Enthüllung einer völlig naiven Denkweise, die Welt in Gegner und Freunde einer „freien Welt“ aufzuteilen zu wollen, ohne sich dazu überhaupt die Mühe gemacht zu haben, andere Teile der Weltbevölkerung näher zu charakterisieren.

“Der 27. Tag” ist kein besonders guter Film; weder bietet er der reinen Unterhaltung wegen Spektakel oder optische Schauwerte, noch stellt er als Gedankenspiel oder Modellsimulation eine besonders bemerkenswerte Leistung dar. Als Zeitdokument allerdings betont er noch einmal, wie fest die 50er im Klammergriff des Kalten Krieges waren und dass die Filmproduktion immer auch ein Instrument der Politik war.

5 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Der 27. Tag”

Die „Rache der Galerie des Grauens“ hat inzwischen die stolze Nummer 9 erreicht und steht damit kurz vor der Vollendung. Thematisch bleibt man diesmal nah an der Nummer 8, „Krieg im Weltenraum“, und dennoch könnte man von Ishiro Hondas Raketen-Abenteuer kaum weiter entfernt sein, was den Erzählton angeht, so dass selbst innerhalb des Genres die maximale Bandbreite abgedeckt wird.

Besonders hervorhebenswert ist in diesem Fall, dass es im deutschen Raum bisher weder eine Blu-ray noch eine DVD gegeben hat; insofern handelt es sich bei “Der 27. Tag” schon deswegen um eine sehr wichtige Veröffentlichung. Die Aufnahme in die „Galerie des Grauens“ bedeutet, dass der Film darin wie gewohnt auf beiden Formaten erhältlich ist und somit DVD- wie Blu-ray-Käufer zeitgleich anspricht. Die Amaray in Standard-DVD-Format beinhaltet beide Discs sowie ein 12-seitiges Booklet mit Produktionsdaten, Postern, Bildern und einem Text von Ingo Strecker.

Der Hauptfilm liegt in 1:89:1 und 1080p vor und bietet ein ruhiges, sauberes Bild, das auch auf größeren Bildschirmen seinen Dienst erfüllt, ohne dazu übermäßig mit HD-Schärfe brillieren zu müssen, zumal die meist wenig spektakulären Schauplätze den Fokus ohnehin eher auf die Dialoge richten. Diese ertönen im klaren DTS-HD 2.0-Mono wahlweise in Deutsch oder Englisch.

Den Kern der Extras bilden zwei Audiokommentare, einer davon mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, der andere mit Bodo Traber und Ingo Strecker. Dazu gesellt sich der übliche Anteil an Rund-um-den-Film-Extras wie der Kinotrailer (US und Dt.), alternative Titelsequenzen aus Spanien und Portugal, Werberatschläge, das Filmprogramm und eine Bildergalerie. Making Ofs oder Featurettes sind leider nicht enthalten.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “Der 27. Tag”

Der 27. Tag

Die Symbolkraft des Meeres wird vom Regisseur immer wieder gerne in Szene gesetzt.

Der 27. Tag

Könnte auch die Niststätte der Alien Queen sein, sieht aber doch um einiges hygienischer aus: Die Raumschiffzentrale des Alien (Arnold Moss).

Der 27. Tag

Die auserwählten Menschen sind von sichtbar unterschiedlicher Herkunft.

Der 27. Tag

Im Lager des Feindes geht man mit seinen Entführten auch mal etwas rabiater um; diesem Exemplar wird gleich mal auf den Zahn gefühlt.

Der 27. Tag

Der McGuffin der Begierde: Eine dreifache Kapsel mit Massenvernichtungskraft.

Der 27. Tag

Eine Karte stellt das destruktive Potenzial der außerirdischen Waffe schön bildhaft dar.

Der 27. Tag

Wie viele höhere Wesen weiß auch dieses Alien die Vorzüge des Rundfunks als Massenkommunikationsmedium zu schätzen.

Der 27. Tag

Die Recherchen der Russen machen schnelle Fortschritte.

Der 27. Tag

Doch die Amerikaner bleiben auch nicht tatenlos und experimentieren auf dem Meer.

Alle Screenshots stammen von der DVD.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Anolis Entertainment__FSK Freigabe: FSK16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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