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Der letzte Samurai

Originaltitel: The Last Samurai__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: Paul Mayersberg__Darsteller: Henry Cele, Lisa Eilbacher, John Fujioka, Lance Henriksen, Arabella Holzbog, Duncan Regehr, James Ryan, John Saxon u.a.
Der letzte Samurai mit Lance Henriksen Mediabook

Lance Henriksen ist nicht “Der letzte Samurai”.

Vietnam-Veteran, Söldner und Hubschrauberpilot Johnny wird von dem japanischen Großindustriellen Endo angemietet, um ihn in einen gefährlichen Winkel von Afrika zu fliegen. Hier will Endo einen Deal rund um Grundstoffe für Computerchips unter Dach und Fach bringen. Ganz nebenbei ist der Japaner auf einer Art spirituellen Reise.

Er ist überzeugt, in seinem früheren Leben ein Samurai gewesen zu sein und er hofft, diese Wurzeln ausgerechnet in Afrika ergründen zu können. Warum auch immer.

Doch das Fleckchen Erde, in das Johnny Endo bringt, hat seinen finsteren Ruf nicht von ungefähr. Ein fieser Rebellengeneral nimmt die illustre Reiserunde als Geiseln und will mit deren Hilfe an Waffen kommen. Allerdings konnte der General nicht mit der Widerspenstigkeit Johnnys rechnen.

Der flüchtet aus dem Lager des Generals und bereitet die Befreiung seiner ehemaligen Begleiter vor.

Video: Unsere Kritik zu „Der letzte Samurai“ mit Lance Henriksen und andere Filmkritiken

„Der letzte Samurai“, der zugleich die dritte und letzte Regie-Arbeit des vor allem als Drehbuchautor („Eureka“) bekannten Filmemachers Paul Mayersberg darstellt, ist wirklich ein irres Ding. Wer schon immer mal Lance Henriksen („Flucht aus Absolom“) beim Nacktbaden oder beim krampfigen Spiel mit einem Affen erleben wollte, der ist hier absolut richtig. Doch auch Oben-Ohne-Auftritte in Windjacken sind hier ebenso drin wie Schwertgeschleife im Adamskostüm. Kurzum: Wer schon immer mal Bock auf einen enthemmten, ewig maulenden Lance Henriksen mit blondiertem Schopf hatte, der kommt an „Der letzte Samurai“ nicht vorbei.

Allerdings muss derjenige sich dann auch auf eine Wagenladung an philosophischem Nonsens und bedeutungsschweren, letztlich leeren Dialoghülsen einstellen. Genau wie auf einen Bösewicht, der zum Gärtnern eine blaue Latzhose aufträgt und ansonsten den Film mit einer irrwitzigen Folklore-Modenschau verwechselt, die von einem geschmacklosen Höhepunkt zum nächsten eilt.

Zu all diesen geschmacklichen Entgleisungen gesellt sich eine Story, die wirrer kaum sein könnte. Dass Endo ausgerechnet in Afrika zu seinen Samurai-Wurzeln finden will, macht wirklich so gar keinen Sinn und wird auch gar nicht weiter hinterfragt. Auch der Rebellengeneral handelt wider jede Vernunft. Erst will er die Truppe um Endo nicht einkassieren. Dann doch. Dann wieder nicht. Und am Ende ist genau diese Geiselnahme eigentlich wichtiger Teil eines Planes, der wohl eigentlich der Story-Vortrieb von „Der letzte Samurai“ sein sollte.

Ist aber auch alles egal, weil einen der Film nach etwa 30 Minuten eh nicht mehr die Bohne interessiert. Endo geht einem mit seinem Geseiere nur auf die Eier, die Figuren um ihn herum sind der absolute Abschuss und nur die irre Show von Lance Henriksen lässt einen halbwegs dranbleiben. Da der Film aber jedwede Form von Action, Spannung oder Dramatik vergisst, beginnt er sich mehr und mehr zu ziehen. Erst um Minute 75 fallen dem Film seine B-Wurzeln wieder ein.

Warum ist „Der letzte Samurai“ nochmal ab 18?

Dann darf Lance Henriksen die fiesen Afrikanerlumpen um den General plattmachen. Das walzt der Film jetzt nicht übermäßig auf, im Vergleich zu dem bisherigen Verlauf kommt einem das Geballer aber förmlich episch vor. Was es aber nicht ist. Dazu fehlen eine hübsche Choreografie, Härte, Aufwand und die Lust an der Zerstörung. Auch der Abgang vom Oberlump ist einfach nur lahm. Im ganzen Film platzt ein einziges Bloodpack, dass dann aber auch gleich so richtig derb. Ansonsten muss man sich schon fragen, wieso dieser Film auf dem Index landen konnte. Auch die heutige Freigabe ab 18 wirkt total überzogen.

In technischer Hinsicht überrascht der Film mit ein paar wirklich schönen Kameraflügen über dem afrikanischen Kontinent. Immer wieder ist Kameramann Sven Persson um interessante Bildkompositionen bemüht. Vor allem ein fiebrig inszenierter Alptraum macht richtig Laune. Dem Soundtrack-Maestro hingegen fällt nicht viel ein.

Darstellerisch ist „Der letzte Samurai“ Lance Henriksens Baby. Der darf hier richtig einen raushauen und hat sowohl an den schrägen Momenten seines Charakters als auch an den physischen Actionszenen sichtlichen Spaß. Interessant ist die stets angespannte Chemie mit Endo-Darsteller John Fujioka („American Fighter“), der mit einer seltsamen Synchronstimme gestraft ist, die seinen viel Stuss labernden Charakter zusätzlich schadet. John Saxon („Aftershock – Die Zeit nach dem Ende“) als Waffenhändler, James Ryan („Kickboxer 5“) als Endos Begleiter und Henry Cele („Guerilla Force“) als General liefern ordentlichen Support in ihren Nebenrollen.

Ein echt schräges Ding… schräg, aber vergeigt

Was am Ende bleibt, ist ein Streifen, der gefühlt gerne mehr gewesen wäre, als nur ein weiterer B-Film. Interessante/verrückte Anlagen hat es zuhauf, aber am Ende geht das alles nicht wirklich zusammen. Was auch an der seltsamen Story liegt, die erst ein gewaltiges Gewese um Endos früheres Leben als Samurai macht, nur um genau das dann mehr und mehr zu vergessen und spätestens im Finish von „Der letzte Samurai“ dann vollends in den Lokus zu kippen.

Doch auch die mehr und mehr in den Vordergrund drängende Story um die Geiselnahme durch den afrikanischen Rebellengeneral bringt keinen Zug und erst recht keine Spannung oder gar Action in den Film. Letztere darf erst im Finale aufkommen. Das ist durchaus nett geraten, aber wahrlich auch kein Highlight im Genre. Und vor allem rechtfertigt es nicht die langweiligen 75 Minuten Anlaufzeit.

4 von 10

Wie erwähnt war „Der letzte Samurai“ aus unerfindlichen Gründen die vollen 25 Jahre auf dem Index. Ende 2017 wurde der Film rehabilitiert und 2021 auf DVD herausgebracht. Und zwar in einem DVD Mediabook von dem Label White Pearl Movies / Daredo, ungeschnitten mit FSK 18 Freigabe. Technisch hat man sich um eine Nachbearbeitung bemüht. Dennoch rauscht es gewaltig von der Tonspur und mit dem Einsatz des Schärfefilters hat man es teilweise extrem übertrieben.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: White Pearl Movies / Daredo__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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