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Der Liquidator

Originaltitel: The Evil That Men Do__Herstellungsland: Großbritannien, Mexiko, USA__Erscheinungsjahr: 1984__Regie: J. Lee Thompson__Darsteller: Charles Bronson, Theresa Saldana, Joseph Maher, Antoinette Bower, René Enríquez, José Ferrer, John Glover, Raymond St. Jacques, Joe Seneca u.a.
Der Liquidator mit Charles Bronson

Charles Bronson räumt als “Der Liquidator” auf.

In Lateinamerika bietet Clement Molloch, der von Freund und Feind angsterfüllt „Der Doktor“ genannt wird, seine Folterdienste höchstbietend den Autokraten der Region an. Von den entsprechenden Regierungen geschützt, macht er sich mit seinen Fähigkeiten über alles und jeden her, der Widerworte geben könnte. Dabei gerät ihm eines Tages ein Journalist vor die Flinte. Dessen Frau will den Foltertod ihres Mannes nicht widerstandslos hinnehmen. Sie wendet sich an die CIA.

Die setzt sogleich einen ihrer besten ehemaligen Auftragskiller auf die Aufgabe an. Holland soll in Guatemala einmarschieren, Molloch ausspionieren und ihn und seine Schergen möglichst unauffällig aus dem Weg räumen. An seiner Seite: Die Frau des gekillten Journalisten. Sie soll Holland die nötige Tarnung als Tourist verschaffen. Kaum in Guatemala angekommen beginnt Holland sein durchtriebenes Spiel und treibt den Folterknecht und seine Vasallen vor sich her…

Schaut in „Der Liquidator“ mit Charles Bronson hinein

„Der Liquidator“ beruht auf dem Roman „The Evil That Man Do“ von Autor R. Lance Hill. In Szene gesetzt wurde der Actionthriller in Mexiko von J. Lee Thompson, mit dem Charles Bronson in der Folge noch einige Reißer für Cannon drehen sollte (etwa „Murphys Gesetz“ und „Das Gesetz ist der Tod“). Ursprünglich sollte „Der Liquidator“ auch für Cannon gedreht werden, aber nach Streitigkeiten um dessen Finanzierung sprang die Columbia Tri Star ein. Und die bekam genau das, was sie sich von einem Charles-Bronson-Film der damaligen Ära versprach. Einen knallharten Selbstjustizfilm.

Mit durchaus doppeltem Boden. Denn „Der Liquidator“ versucht zumindest in Ansätzen, sich kritisch mit der damaligen Doppelmoral der amerikanischen Regierung in Sachen Menschenrechtsverletzungen auseinanderzusetzen. Dafür sorgt schon die Wahl des Schauplatzes. Guatemala war zur Entstehungszeit des Filmes eine pro-amerikanische Militärdiktatur, die von der Reagan-Regierung trotz diverser Menschenrechtsverstöße wegen ihrer antikommunistischen Ausrichtung massiv unterstützt wurde.

Ein tiefgreifendes Pamphlet gegen derartige politische Entwicklungen und Entscheidungen darf man sich von „Der Liquidator“ aber nicht erwarten. Er streift das Thema im Vorbeigehen, im Grunde seines Herzens ist er aber ein reinrassiger Rachefilm, in dem sich der Held nach begangenem Unrecht reichlich brutal durch die Schergen des Fieslings fräst. Dabei gefällt vor allem die sehr drückende Atmosphäre des Streifens, die auch so manches Spannungsloch aufzufangen vermag.

Denn „Der Liquidator“ braucht eine ganze Weile, um in Schwung zu kommen. Lange Zeit verhält sich Bronsons Holland extrem passiv. So manche Aktion wirkt wenig zielgerichtet. Doch mit zunehmender Laufzeit fängt sich der Film und arbeitet sich stringenter an seinem Thema ab. Ab da darf dann auch Charles Bronson derber hinlangen. Lumpen abstechen, erschießen und in Explosionen verenden lassen. Dabei darf man sich allerdings keinerlei große Actionszenerien erwarten.

Die Action ist in „Der Liquidator“ nämlich eher eruptiver Natur. Bahnt sich kurz, aber eindrücklich ihren Weg und hält einige Nicklichkeiten bereit. Die intensiven Folterszenen stimmen dahingehend direkt zu Beginn auf den zynischen Grundton der nachfolgenden Actionmomente und deren Gewalttätigkeit ein.

Ein typischer Bronson

Ein größeres Problem hat der Film in Sachen Figurenzeichnung. Am besten kommt hierbei noch Charles Bronson weg, dessen schweigsamer Holland seinem damaligen Image mehr als nur entgegenkommt und ihn auch nicht übermäßig fordert. Doch die anderen Schauspieler haben da nicht so viel Glück. So ist Theresa Saldanas („Angel Town“) Figur der trauernden Witwe echt übel geskriptet. Alle Nase lang ändert ihre Figur ihre Einstellung zu der Mission. Will mal Blut sehen, dann am liebsten alles abbrechen, um nur kurz darauf beinahe im Alleingang loszuziehen und sich zu rächen. Den ganzen Film durch wirkt ihre Motivation unklar und ihre Figur infolgedessen höchst nervig.

Und Joseph Mahers Molloch ist abgesehen von seiner Gesinnung und seinen Folterexperimenten ein echter Waschlappen. In keinster Weise bedrohlich oder gefährlich. Ein unwürdiger Gegner. Auch seine Schergen sind durch die Bank einfach nur Fallobst. Wobei interessant ist, dass der Film ihre Sexualität sehr offenherzig anlegt. Einen zum Bisexuellen erklärt und einer Dame Homosexualität zugesteht. So sind sie, die Fieslinge. Nehmen alles mit. Davon abgesehen weiß nur John Glover („Night of the Running Man“) in einer kleinen Nebenrolle ein paar echte Akzente zu setzen.

In optischer Hinsicht ist „Der Liquidator“ ein Kind seiner Zeit. Die Einstellungen sind lang und ruhig, die Schnittfrequenz bedächtig und die Bebilderung allgemein wenig dynamisch. Nur in den kurzen Actioneinlagen lässt sich Regisseur Thompson zu einer flotteren Inszenierung hinreißen. Der Soundtrack verrichtet derweil sowohl in der Action als auch im Handlungsteil einen unauffälligen Job.

Wo das Gesetz versagt, schlägt “Der Liquidator” zu

Der Actionthriller hat durchaus ein paar starke Momente. Wenn Molloch zu Beginn vor Militärs über Folter referiert und sich nebenbei seiner Passion hingibt, ist der Kloß im Hals sichere Sache. Auch andere Einzelszenen wie das antiklimaktische Finish in einer Opal-Mine haben ihren Reiz. Aber insgesamt fehlt es „Der Liquidator“ an Action, Tempo und vor allem Spannung. Letztere wird vor allem durch das wenig glaubwürdig wirkende Figureninterieur immer mal wieder krass torpediert. Letzten Endes halten zumindest die bedrückende Atmosphäre und Charles Bronsons Ausstrahlung den Streifen nachhaltig zusammen.

05

Der in Einzelszenen durchaus harte Streifen war bis 2018 in Deutschland indiziert. Die VHS-Veröffentlichungen waren dennoch immer unzensiert und beruhten auf der R-Rated Fassung. Die DVD von Columbia Tri Star war ebenfalls ungeschnitten. Dann nahm sich Nameless Media des Filmes an und erreichte dessen Listenstreichung. Danach brachten sie auch den Unrated Cut, der in einigen Szenen Alternativmaterial zur R-Rated enthält, auf den Markt. Dieser ist sowohl auf den Blu-rays in den Mediabooks des Labels als auch auf der Amaray-Version der Blu-ray enthalten.

In diesem Sinne:
freeman

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Nameless Media__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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