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Der Pfad des Legionärs

Originaltitel: Legionnaire’s Trail__Herstellungsland: Spanien, USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Jose Magan__Darsteller: Lee Partridge, Mickey Rourke, Joaquim de Almeida, Vladimir Kulich, Bai Ling, Maksim Matveev, Bosco Hogan, Mark Aaron, Marta Castellví, Sebastián Fernández u.a.
Der Pfad des Legionärs mit Mickey Rourke DVD Cover

“Der Pfad des Legionärs” wird auch von Mickey Rourke begangen.

Der römische General Paetus ist im Jahre 62 aufgrund verschiedenster Fehlentscheidungen seinerseits in einer aussichtslosen Lage gefangen. Inmitten der Berge von Armenien sind er und seine Legion von den Parthern eingeschlossen. Im Landesinneren haben die Skythen die Legion von allen Nachschublinien abgeschnitten. Wollen die Römer nicht einen qualvollen Hungertod sterben, müssen sie sich den Parthern ergeben – oder Hilfe herbeiholen.

Denn mehrere Tagesmärsche entfernt harrt General Corbulo der Dinge und wäre bereit, Paetus und seinen Mannen zu helfen. Doch die Parthern konnten bisher jeglichen Ausbruchsversuch römischer Botschafter verhindern. Nun soll Noreno es richten. Der junge Soldat soll einen Weg beschreiten, den die Parther niemals im Leben überwachen würden, weil er viel zu gefährlich ist. Immerhin gilt es, eine beinahe senkrecht gen Himmel aufsteigende Felswand zu erklimmen.

Noreno nimmt den Auftrag an und schafft es tatsächlich, die Felswand empor zu klettern. Doch damit hat sein beschwerlicher Auftrag gerade erst begonnen.

Schaut in den Historien-Streifen mit Mickey Rourke hinein

Und hier ist sie: Die B-Version des gefeierten Antikriegsfilmes „1917“. Hier wie dort müssen innerhalb kürzester Zeit tapfere Soldaten eine Katastrophe für eine gewaltige Anzahl anderer Soldaten abwenden. Das erreichen sie nur durch einen gefährlichen Gewaltmarsch mitten durch Feindesgebiet. Die Ansiedlung von „Der Pfad des Legionärs“ in der Zeit des römischen Reiches, Nero war gerade Kaiser, ist dabei die so ziemlich einzige Variation zur grundlegenden Story-Idee des Streifens von Sam Mendes.

Und freilich verhebt sich der Film komplett bei dem Versuch, seinem Vorbild das Wasser zu reichen. Dazu wird das Geschehen viel zu spannungsfrei gereicht, bleiben einem die Figuren viel zu egal, nerven dramaturgische Fehlentscheidungen und geraten diverse Charaktere geradezu verstörend grotesk. Allen voran General Corbulo. Der wird von Mickey Rourke („Sin City“) verkörpert, der hier wie ein schlechtes CGI-Abbild seiner selbst rüberkommt. Und obendrein mit niedlichen Zöpfchen, perfekter Maniküre und überflüssiger Augenklappe als Müll labernder Labersack amüsiert.

Der Pfad des Legionärs mit Mickey Rourke

Mickey Rourke dilettiert als General Corbulo vor sich hin.

An Mickey Rourkes Seite agiert Bai Ling („Maximum Impact“), die kurz vor Schluss urplötzlich aus dem Nichts auftaucht und Corbulos Gewissen spielen darf. So wirklich passt Frau Ling nun aber wirklich nicht in diesen Film. Egal. Auch der andere römische General im Film, Paetus, wird von einem bekanntem Gesicht gegeben: Joaquim de Almeida („Der Söldner“). Der dürfte letztlich aber kaum mehr als einen Drehtag am Set gewesen sein. Als sein Vertrauter agiert der immer gerne gesehene Vladimir Kulich („The Debt Collector 2“), der für den Film aber auch reichlich egal bleibt. Der Hauptdarsteller Lee Partridge muss einen vom Drehbuch reichlich vergessenen Marathonläufer geben. Und das klappt ganz ordentlich.

Wo „Der Pfad des Legionärs“ punktet, ist seine Optik. Schon die erste lange Kamerafahrt, die auf intelligente Weise die Lage der eingeschlossenen Römer bebildert, ist auch dank majestätischem Score einfach spitze. Während die Spielszenen im Vergleich deutlich abfallen und einen billigen Digitallook transportieren, sind die den Film dominierenden Lauf- und Rennszenen sehr wertig geraten. Zig Drohnenflüge durch die tollen Natursettings (gedreht wurde in Spanien) bereiten Gänsepelle und die kalte und abweisende Farbpalette bebildert eindrücklich, dass dieser Gewaltmarsch kein Zuckerschlecken ist.

Bruuuudale Würgeaction

In “Der Pfad des Legionärs” wird mehr gewürgt als gefochten.

Wo der Film dagegen keinerlei Punkte holt, ist seine „Action“. Wo das Cover noch aufeinanderprallende Armeen verspricht, trifft Noreno maximal mal auf drei bis vier Gegner. Diese werden in ungelenken, unbeholfenen Schwertkämpfen unspektakulär und bar jedweder Brutalitäten niedergestreckt. Ansonsten resultiert die Action im Film nur daraus, dass Noreno eben immer in Bewegung ist. Also zumindest fast immer.

„Der Pfad des Legionärs“ sieht teilweise ganz gut aus

Und das ist einer der größten Kritikpunkte am Film: Nachdem nämlich das prinzipiell gar nicht unspannende Grundszenario etabliert ist, findet Noreno immer wieder Momente, in denen er einfach pennt, sich mit Zufallsbekanntschaften Ewigkeiten unterhält, eine Liebelei mit einer Frau anfängt und gefühlt keiner gefährlichen Situation aus dem Wege geht. Dadurch verliert die Figur auch komplett den Rückhalt durch den Zuschauer. Denn der fragt sich immer wieder, wieso die Figur teilweise derart irrationale Entscheidungen trifft.

Wäre das nicht schon übel genug, nerven auch die pathetischen, platten und dummen Plattitüden, die man aufgrund zahlreicher innerer Monologe des Helden über sich ergehen lassen muss. Wenn dann auch noch die als Spannungsspitzen geplanten Actionszenen einfach nur hüftsteif und öde daherkommen, war es das mit dem Interesse auf Zuschauerseite. Zumindest liefert „Der Pfad des Legionärs“ ein paar wirklich schöne Bilder, hat einen erstaunlich wertigen Score und hält dank Mickey Rourkes Mitwirken ein paar echt derbe, unfreiwillig komische Szenen bereit.

03 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt von Sunfilm / Tiberius Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm / Tiberius Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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