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Der Prinz aus Zamunda 2

Originaltitel: Coming 2 America__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Craig Brewer__Darsteller: Eddie Murphy, Arsenio Hall, Jermaine Fowler, Leslie Jones, Shari Headley, John Amos, Tracy Morgan, Wesley Snipes, James Earl Jones, Louie Anderson, Vanessa Bell Calloway, Rick Ross u.a.

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Der Prinz von Zamunda 2 Cover

Das Poster von “Der Prinz aus Zamunda 2”

Man muss sich schon ein wenig wundern, dass in der heutigen Zeit ausgerechnet „Der Prinz aus Zamunda“ eine Fortsetzung bekommt, eine Culture-Clash-Komödie, die in ihrem Fundament aus sexistischen und rassistischen Stereotypen voll und ganz die Achtziger lebt. Da muss wohl das Momentum ausschlaggebend gewesen sein, das Eddie Murphy und sein Regisseur Craig Brewer mit „Dolemite Is My Name“ aufgebaut haben. Bei dieser Vorlage gibt es aber nicht viel zu gewinnen: Entweder pfeift man im Sinne der Originaltreue auf Political Correctness und hofft, damit beim heutigen Publikum noch durchzukommen. Oder man berücksichtigt die durch verschobene gesellschaftliche Normen entstandenen neuen Sensibilitäten und riskiert, den Kern des Originals auszuhöhlen. Letzteres ist in der Regel bequemer und tatsächlich: Das Drehbuch scheint sich mit dieser Option arrangieren zu wollen, als es dem ehemaligen Prinzen und neu gekrönten König drei Töchter in den Stammbaum schreibt… und einen Bastard als Sohn, der im fernen Amerika unter schwierigen finanziellen Bedingungen aufwuchs. Kombiniert mit der königlichen Regel, dass nur ein männlicher Nachkomme den Vater beerben kann, ahnt man recht schnell, wo das einfältige Skript am Ende von sich glaubt, progressiv zu sein…

In Wirklichkeit hingegen ist dies der Beginn einer schrecklich einfallslosen Wiederholung sämtlicher Stationen, die der junge Eddie Murphy einst absolvierte. Das Flugzeug ist kein Miniaturmodell mehr, der Panorama-Shot auf das Königreich kein Matte Painting und der Elefant kein echter, die Bade-Gespielinnen haben oben herum etwas an und der New Yorker Stadtteil Queens hat etwas aus sich gemacht, ansonsten bietet die Fortsetzung aber die gleiche Geschichte einfach nochmal um eine Generation versetzt. Mit Befremdung nimmt man zur Kenntnis, wie sämtliche Schlüsselmomente des Originals noch einmal neu inszeniert werden, um dem Publikum ein anerkennendes Schmunzeln zu entlocken, doch man ist kaum bereit, es dem Film zu schenken, so offensichtlich wie er sich anbiedert. Das fließende Pacing, mit dem John Landis den Prinzen nach Amerika und zurück schickte, weicht einem Stop-and-Go aus vermeintlich erinnerungswürdigen Momenten, die aus dem Kontext gerissen einfach nur wie eine schlechte Sketch-Abfolge wirken. Wer beispielsweise auf bunte Tanzchoreografien steht, wird in diversen Szenen ziemlich gut bedient, aber was hat die platte Anmoderation unzähliger Gastmusiker-Auftritte noch mit der Handlung zu tun, geschweige denn mit der einen großen Aufführung des Vorgängers, mit der dem Prinzen seine versprochene Braut präsentiert wurde?

Zwar kann man an der prachtvollen Ausstattung ebenso sehr Gefallen finden wie an der beeindruckenden Rückkehr unzähliger Nebendarsteller, zumal auch noch eine beachtliche Riege an tollen Neuzugängen zu verzeichnen ist, darunter Tracy Morgan, Morgan Freeman (“Lucy“) und vor allem der in Sachen Spielfreude das gesamte Restfeld völlig ausstechende Wesley Snipes (“The Expendables 3“), der mit seiner lustvollen Diktatoren-Darbietung jeden Ballsaal erhellt, den er betritt. Doch gerät die prunkvolle Kulisse irgendwann zum langweiligen Kitsch, so dass man jedem Besuch im ranzigen Barbershop von Queens mit all den merkwürdigen Stand-Up-Comedy-Gestalten darin (inklusive doppeltem Murphy) mit Vorfreude begegnet. Doch selbst in New York glänzen nun die Hausfassaden trotz des Fokus auf die Armenviertel, während in den unbeholfen eingebauten Flashback-Sequenzen die computeranimierten Gesichtsanimationen bei den Erweiterungen selbst im Halbschatten der Kneipe entgleisen.

Schaut in den Trailer von “Der Prinz aus Zamunda 2”

Auch kann man sich streiten, ob sich Jermaine Fowler nun wirklich dazu eignet, in die großen Fußstapfen Murphys zu treten. Während Murphy selbst für ihn in den Hintergrund tritt und sein schelmisches Lächeln nur noch die Wandtapete im Raum darstellt, ist Fowler darum bemüht, als Repräsentant seiner eigenen Kultur und Generation aufzutreten und dabei noch Sympathien zu sammeln, was sich für ihn letztlich als unlösbare Aufgabe darstellt. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, man hätte seine Figur eher in Tradition der Schmierlappen-Rolle von Eriq La Salle gehalten, zumal der selbst nicht mehr an Bord ist. Darin wäre Fowler zumindest glaubwürdiger gewesen und man wäre nicht ganz so offensichtlich dem Pfad der Vergangenheit gefolgt.

Wer sich nun nicht ganz sicher ist, ob „Der Prinz aus Zamunda 2“ als späte Fortsetzung gelungen ist oder nicht, der findet praktischerweise mitten im Film einen Indikator, der bei der Einordnung helfen könnte. Da heißt es in einem Gespräch, Hollywood falle ohnehin nichts besseres mehr ein als Superheldenfilme, Remakes und Fortsetzungen zu uralten Filmen. Wer gemeinsam mit dem Film über diesen Anflug selbstironischer Einordnung lachen kann, der darf sich zu einem schönen Filmabend beglückwünschen. Wessen Miene dabei jedoch steinern bleibt, wer womöglich sogar ein wenig Fremdscham verspürt, der soll wissen: Dafür gibt es gute Gründe.

3 von 10

“Der Prinz aus Zamunda 2” ist bereits seit rund einem Jahr über Amazon Prime abrufbar. Am 28. April erscheint die Komödie über Paramount / Universal auch auf Blu-ray und DVD. Als Bonusmaterial angekündigt ist die Featurette “Von Queens nach Zamunda” sowie ein Audiokommentar von Regisseur Craig Brewer.

Bildergalerie

Der Prinz aus Zamunda 2

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