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Der Söldner

Originaltitel: The Soldier__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1982__Regie: James Glickenhaus__Darsteller: Ken Wahl, Bill Anagnos, Bob Andrews, Lisa Cain, Gerald Aleck Cantor, Anthony Cecere, Al Cerullo, Shirley Cina, David Cooper, Roy Milton Davis, William De Nino u.a.
Der Söldner im Mediabook von Koch Media

Ken Wahl darf in “Der Söldner” unter den Russenlumpen dieser Welt aufräumen.

Mitten in Amerika überfallen russische Terroristen im Auftrag des KGB einen Transport mit spaltbarem Material. Mit dem erbeuteten Plutonium reichern sie eine Bombe an und platzieren sie in unmittelbarer Nähe saudi-arabischer Ölfelder. Diese soll gezündet werden, sollte sich Israel nicht schnellstens aus dem Westjordanland zurückziehen. Die Folgen wären klar: Die westliche Welt würde von ihrem Erdöl-Nachschub abgetrennt und ihre Wirtschaft ins ultimative Chaos gestürzt werden. Daraus entstehende Kriege sind mehr als absehbar.

Natürlich können die Amerikaner das nicht zulassen. Sie entsenden ihren fähigsten Mann, der nur unter dem Namen „der Söldner“ bekannt ist. Mit seinem schlagkräftigen Team reist er um den halben Erdball, um herauszufinden, wer die Bombe wo platziert hat. Es ist an ihm, das Schlimmste zu verhindern.

Nachdem sein zweiter unabhängig produzierter Streifen „The Exterminator“ erstaunlich gut an den Kinokassen funktionierte, kam ein Investor mit einem Angebot auf James Glickenhaus („McBain“) zu. Wenn er ein Drehbuch für einen Film schreiben würde, der in Teilen in Deutschland spielt, würde er ihm das Projekt vollkommen finanzieren. Egal, worum es in dem Film auch gehen würde. Also entwarf Glickenhaus seinen ganz eigenen Bond-Film: Internationale Schauplätze, Spione, knallige Action und ein cooler Held in einem Weltuntergangsszenario.

Schaut in den Actionfilm von James Glickenhaus mit Ken Wahl hinein

Doch dann entpuppte sich der Investor als Spinner. Es gab gar kein Geld. Doch Glickenhaus war von seiner Vision überzeugt. So gelang es ihm, die Investoren, die mit ihm „The Exterminator“ auf den Weg gebracht hatten, von „Der Söldner“ zu überzeugen. Sie schossen das Geld vor und Glickenhaus konnte mit einem Budget von rund fünf Millionen Dollar einen erstaunlich aufwändigen Actioner in Szene setzen.

Der steigt mit einer schockierenden Szene ein. In der rast ein offensichtliches Regierungsfahrzeug, ohne auch nur ansatzweise zu stoppen, auf eine Frau mit einem Kinderwagen zu und nietet sie um. Augenzeugen eilen herbei, sehen nach der Frau. Plötzlich greifen sie zu in dem Kinderwagen versteckten Waffen und eröffnen das Feuer. Gleichzeitig brechen Schüsse aus einer anderen Richtung. Die jetzt bewaffneten Augenzeugen werden in Zeitlupe von Kugeln durchsiebt. Gegenschnitt auf eine Abordnung Männer, offensichtlich eine Spezialeinheit, die auf einer Treppe aufgereiht steht und feuert.

Ken Wahl in der Söldner mit Spezialeinheit

Der Söldner (links) mitten im Einsatz.

Nachdem die Augenzeugen ins Gras gebissen haben, landet ein Hubschrauber inmitten der Szenerie. Mit schnellen Handgriffen schafft die Spezialeinheit die Leichen beiseite und lässt sämtliche Spuren der Ballerei mit geübten Handgriffen verschwinden. Dann steigen alle in den Hubschrauber, der am Horizont entschwindet. Ein Auftakt nach Maß: Blutig, brutal, schnell getaktet.

Leider geht es so nicht weiter. Wobei die nächsten Minuten ebenfalls zu gefallen wissen, denn der Überfall auf den Plutonium-Transport wartet mit fetten Explosionen und einem ultragory Bauchschuss auf. Dazu zahlreiche Zeitlupen-Sequenzen, brennende Menschen und noch mehr Explosionen. Eilig wird kurz darauf die Bombe in Saudi-Arabien deponiert und die weitere Marschrichtung ist klar: Spezialeinheit aktivieren. Spezialeinheit losholzen lassen.

Doch genau dieser Übergang wird immer weiter hinausgezögert. Ken Wahls „der Söldner“-Figur taucht gefühlt erst nach der Hälfte des Filmes wieder in selbigem auf und wird zunächst sogar alleine entsandt, um dem Treiben der Lumpen Einhalt zu gebieten. Zudem blickt man irgendwann gar nicht mehr durch, wer hier wem an den Kragen will, auch weil die zunächst knallig eingeführten Lumpen urplötzlich keine Rolle mehr spielen.

The Soldier mit Ken Wahl und Steve James

Steve James (li.) und Joaquim de Almeida (r.) verstärken Ken Wahl (2.v.r.)

Fahrt nimmt der Film erst wieder auf, wenn er in Österreich angelangt ist und die offensichtlichste Verbeugung vor dem Bond-Franchise in Form einer Actioneinlage auf Skiern auffährt. Die könnte genauso 1:1 aus einem Roger-Moore-Bond stammen. Die Kamera rast mit den Skifahrern, allesamt Olympiateilnehmer, wie das Extramaterial zur deutschen Veröffentlichung klarstellt, die Abhänge hinab. Es setzt gewaltige Sprünge. Und irgendwann wird dann auch mitten im Fahren blutigst geballert.

Doch danach sackt der Film wieder in sich zusammen. Reaktiviert wahrlich unspektakulär das Team vom Söldner und leitet etwas langatmig zum Showdown im geteilten Berlin hin. Selbiger lässt leider die blutigen Ballereien außen vor, hat dafür nur unspannende Autoaction rund um einen Porsche zu bieten. Was hier tatsächlich passiert, erschließt sich zudem erst, wenn Ken Wahl es in einer Szene noch einmal ausführlich erklärt. Ein weiteres Problem von „Der Söldner“ – er ist einfach zu maulfaul.

Sowohl was seine Charaktere als auch sein Drehbuch angeht. Manche Lücken zwischen einzelnen Szenen muss man assoziativ schließen. Zusammenhänge gerne auch mal erahnen. Das könnte reizvoll sein, ist es in diesem Falle aber nicht. Zudem beißen sich die Bond-Reminiszenzen mit dem grundlegenden Ton des Filmes. Sind etwa die Ski-Actionszenen mit vorhergehender, höchst spektakulärer Skiliftgondel-Explosion purer Eskapismus, ist der Rest von „Der Söldner“ verbissen ernst. Die steten Ortseinblendungen inklusive genauester Zeitangabe geben dem Actionthriller einen teils dokumentarischen Anstrich. Das ernste, zurückgenommene Spiel der Darsteller unterstreicht das nur.

Der Söldner mit Ken Wahl

Der Söldner raucht die Fluppe danach davor…

So ist Ken Wahl („Boomer“) beispielsweise mitnichten ein Bond-Darsteller. Dazu spielt er viel zu geerdet und vollkommen ironiebefreit auf. Er erkennt nicht einmal, wenn sich ihm eine holde Maid quasi wehrlos zu Füßen legt. Zudem mutet seine Figur des Söldners teilweise wie ein Gast im eigenen Film an. Apropos Gast: Einen ganz besonderen Gastauftritt legt Klaus Kinski („Kommando Leopard“) als Kontaktmann des CIA hin. Und wie man vom Regisseur erfährt, soll er auch an diesem Filmset viel toxische Männlichkeit versprüht haben. In kleineren Rollen tummeln sich zudem vertraute Gesichter wie Joaquim de Almeida („Killer’s Bodyguard“) und Steve James („American Fighter“).

Auch die nüchterne Optik und Glickenhaus’ Vorliebe für lange, sehr statische Einstellungen unterstreichen den teils fast schon dokumentarischen Anstrich seines Actioners. Nicht ganz so gelungen wie erhofft tönt der Soundtrack von Tangerine Dream unter den Bildern. Im Gegensatz zu ihren nachfolgenden, atmosphärisch dichten Arbeiten (etwa für Michael Mann) ist der Score hier – abgesehen von dem coolen Stück unter dem ebenfalls saucoolen Vorspann – eher sehr, ja, larifari.

„Der Söldner“ könnte unentschlossener kaum sein

Was am Ende bleibt, ist ein bereits in seinen Actionszenen etwas unentschlossen zwischen ultrahart und bond-typisch eskapistisch schwankender Actionfilm, der auch in seiner Story keine rechte Linie findet. Infolgedessen findet man nie so wirklich in die Charaktere und die Grundsituation von „Der Söldner“ hinein. Es hätte schon sehr geholfen, wenn man den Film stärker auf Ken Wahls Figur fokussiert hätte und auch den direkten Bösewichten ein wenig mehr Screentime eingeräumt hätte. Der Chose also einen persönlicheren Anstrich gegeben hätte, der gut und gerne in einem intimen Duell der beiden Antipoden hätte kulminieren dürfen (und müssen).

So bleibt der Zuschauer zu „Der Söldner“ immer seltsam distanziert. Der Film tut sich schwer, Spannung aufzubauen und nach jeder größeren Actionszene herrscht eine Menge Leerlauf vor. Langweilig wird es zwar nie, mitgerissen wird man aber auch nicht.

05 von 10

Von dem Film existieren eine R-Rated- und eine Unrated-Version. Marketing nahm sich der digitalen Veröffentlichung des Streifens in Deutschland als erstes Label an und lieferte auf einer SPIO/JK-geprüften Scheibe „nur“ die R-Rated. Inzwischen hat sich Koch Media des Filmes angenommen und präsentiert ihn mit einer Freigabe ab 16 in einem Mediabook in der ungeschnittenen Unrated-Version! Exklusiv im Koch-eigenen Versandshop. Zu der Veröffentlichung gesellen sich schöne, interessante, retrospektive Extras wie ein Audiokommentar von Regisseur James Glickenhaus, ein Audiokommentar von Filmhistoriker Jim Hemphill, Interviews mit James Glickenhaus, Production Designer William DeSeta und Casting-Director Donna DeSeta, Trailer, Bildergalerie und freilich ein ausführliches Booklet von Oliver Nöding.

In diesem Sinne:
freeman

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