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Der Übergang – Rites of Passage

Originaltitel: Rites of Passage__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2012__ Regie: W. Peter Iliff__ Darsteller: Ryan Donowho, Wes Bentley, Kate Maberly, Christian Slater, Stephen Dorff, Travis Van Winkle, Briana Evigan, Ashley Hinshaw, Carly Schroeder, Guy Burnet, Daniel Cudmore, Angelic Zambrana, …

deutsches Cover der Übergang

“Der Übergang”: Das deutsche Cover-Motiv.

rites of passage dvd cover

“Rites of Passage”: Das US-DVD-Cover.

Bei „Rites of Passage“, dem 2012er Spielfilm-Regiedebüt W. Peter Iliffs – welcher zuvor „Prayer of the Rollerboys“ und „Varsity Blues“ verfasste sowie obendrein als Co-Autor an Werken wie „Point Break“, „Patriot Games“ und „Under Suspicion“ beteiligt war – handelt es sich um ein schräges kleines B-Movie, das sowohl mit einigen „vertrauten Gesichtern“ als auch einer Geschichte aufwartet, die auf eine „weitestgehend holprig“ anmutende Weise diverse unterschiedliche Subplots und Genre-Versatzstücke miteinander zu verknüpfen versucht: Leider jedoch nicht gerade übermäßig erfolgreich. Unabhängig dessen, dass einem letzteres im Zuge des Sichtens relativ rasch gewahr wird, ist diesem eigenwilligen, u.a. mit einem „bizarren Sinn für Humor“ ausgestatten Thriller ein gewisser Unterhaltungswert aber dennoch nicht abzusprechen – was ihn fast schon zu etwas in der Art eines „Guilty Pleasures“ werden lässt…

Da sich der von ihm besuchte Anthropologie-Kurs (an der Universität von Santa Barbara) derzeitig mit der Historie der aus jener Region stammenden „Chumash“-Indianer beschäftigt, lädt der eifrige Student Nathan (Ryan Donowho) seinen Professor (Stephen Dorff) mitsamt einigen seiner Kommilitonen (u.a. Guy Burnet, Travis Van Winkle, Carly Schroeder und Ashley Hinshaw) eines Tages (aktuell nun) zu einem Wochenende auf einem der Grundstücke seiner Familie ein – welches nicht nur direkt am Strand gelegen ist, sondern auf dem es (neben etlichen leer stehenden riesigen Gewächshäusern) zudem eine „nahezu unangetastete“ Begräbnisstätte eben jenes Ureinwohner-Stammes gibt. Sein Plan ist es, genau dort ein altes „Übergangsritual“ abzuhalten, da ihm das durchaus den einen oder anderen „Pluspunkt“ einbringen könnte – eventuell (bzw. nach Möglichkeit) auch bei seiner Mitschülerin Dani (Kate Maberly), welche selbst „indianisches Blut“ in sich trägt, infolge eines betrunken verursachten (tödlich ausgegangenen) Autounfalls in jüngster Vergangenheit allerdings schwer mit den entsprechenden „Erinnerungen“ und „Nachwirkungen“ zu kämpfen hat…

Gänzlich „unter sich“ sind die feierwütigen Studenten auf dem Gelände jedoch nicht – es ist nämlich so, dass gleich zwei „seltsame Gestalten“ auf dem Anwesen hausen: Zum einen Nathan´s älterer Bruder Benny (Wes Bentley), seines Zeichens ein von der „Chumash“-Kultur faszinierter sowie meist per „Jimsonweed“-Gebräu zugedröhnter Loser, zum anderen dessen „psychisch arg instabiler“ Untermieter Delgado (Christian Slater), welcher seine Familie durch einen Geisterfahrer verlor und seither massenweise (selbst vor Ort hergestelltes) „Crystal Meth“ konsumiert. Was keiner weiß: Kurz zuvor hat Benny „im Rausch-Zustand“ eine junge Frau (Briana Evigan) verschleppt – und zwar in dem Glauben, sie könne seine „indianische Braut“ werden und mit ihm „im Jenseits die Ewigkeit verbringen“. Als dieser Plan jedoch „böse misslingt“, fällt ihm stracks Dani ins Auge – dank ihrer „Herkunft“ eine „noch bessere Kandidatin“ für sein abstruses Gedankengut. Gerade sie ist es aber, deren „Alkoholfahrt“ das Leben von Delgado´s Frau und Kind beendete – weswegen der seine Chance auf Rache nun endlich gekommen sieht, während Benny sie „völlig für sich allein“ haben will: Die Lage eskaliert und so einige Menschen sterben…

Am Anfang von „Rites of Passage“ wird dem Zuschauer (in Form einer Texteinblendung) mitgeteilt, dass die betreffende Uni „an vierter Stelle“ einer „nationalen Party-Campus-Rangliste“ steht – und so erhält man im Anschluss dann auch erst einmal prompt (quasi als „Bekräftigung“ jener Info) veranschaulicht, dass die Studenten in dieser kalifornischen Stadt (neben dem Lernen) besonders viel Zeit mit solchen Dingen wie Surfen, Feiern, Rummachen, Saufen sowie dem Konsumieren von Drogen verbringen. Die Einführung der zentralen Protagonisten geschieht innerhalb dieses Kontexts: Nicht unbedingt wenige an der Zahl, jeder für sich in verschiedene, ihrerseits über weite Strecken hinweg (meist) parallel zueinander verlaufende Handlungsstränge eingebunden sowie keiner mit einer wirklich sympathischen Charakter-Beschaffenheit gesegnet, mutet das erste Filmdrittel recht wirr und oberflächlich gestrickt an. Zugegeben, schrittweise werden alle „Inhalts-Fäden“ zwar einigermaßen passabel zusammengeführt – im Ganzen reicht das allerdings in keiner Weise aus, um eine „vernünftig-ergiebige Verbindung“ zum Gebotenen (sprich: weder zur Story noch zu den involvierten Personen) aufzubauen…

Obgleich Nathan schon volljährig sowie ein festes Mitglied der angesagten Clique ist, fühlt er sich selbst noch immer nicht als „ein richtiger Mann“ – seiner Meinung nach fehlen ihm dazu nämlich u.a. „spezielle Lebenserfahrungen“ (hey, ein Kommilitone von ihm ist sogar mal im Kampfeinsatz angeschossen worden) sowie ein nettes Mädel an seiner Seite – weshalb er nun also den Wochenendtrip organisiert, um sowohl das überlieferte „Übergangsritual“ (von der Jugend hin zu einem Erwachsenen) durchzuführen als auch Dani gegenüber seine Gefühle zu gestehen. Im Prinzip ist er die Hauptfigur des Werks – doch wirkt der Part (nicht nur im Vergleich zu einigen anderen Beteiligten) unvorteilhaft nebensächlich und fad, wozu die durchschnittliche Performance Ryan Donowhos („Altitude“) noch ein zusätzliches Stück weit beisteuert. Genauso mittelprächtig wird sein Kumpel Hart von Travis Van Winkle („Friday the 13th“) verkörpert, was gleichermaßen für den Auftritt Daniel Cudmores (aus der „Twilight“-Saga) gilt – worüber hinaus u.a. Carly Schroeder („Forget me not“), Angelic Zambrana („Precious“) und Sharon Hinnendael („5 Nights in Hollywood“) in Nebenrollen zumindest ihren „physischen Beitrag“ zum „Eye Candy“-Anteil des Streifens leisten…

Im Vorliegenden haben wir es mit einem Film zutun, der einem ernsthaft Stephen Dorff („Blade“) als College-Professor „zu verkaufen versucht“. Nichts gegen ihn an sich – er ist ein cooler Typ und brauchbarer Schauspieler – bloß nimmt man ihm eine solche Profession einfach nicht ab, sorry. Bestenfalls mäßig engagiert bei der Sache, beweist er aber immerhin, dass er mit seinen „39 Lenzen“ weiterhin über einen prima durchtrainierten Body verfügt – was es auch glaubwürdiger macht, dass sich eine seiner Studentinnen auf eine Affäre mit ihm einlässt. Überraschenderweise scheint er es mit der wunderschönen Sandee (Ashley Hinshaw aus „Chronicle“) jedoch tatsächlich „ernst“ zu meinen, denn gleich zu Beginn fragt er sie, ob sie ihn nicht „zu einem gemeinsamen Abendessen mit den Eltern“ begleiten möchte. Sie dagegen ist von jener Idee nicht ganz so angetan – und übt zudem (ohne seinem Wissen) eine Nebenbeschäftigung als „sexy Online-Cam-Girl“ aus. Einer ihrer „netteren anonymen Klienten“ ist ausgerechnet Nathan´s Buddy Mojo, gespielt von Guy Burnett („Luster“), welcher sich im Zuge ihrer zahlreichen Shows und Chats (stetig) in sie „verliebt“ hat. Als das alles schließlich bekannt wird, verlässt Sandee den verärgerten Nash kurzerhand und wendet sich stattdessen Mojo zu, dem sie im Vorhinein aber noch nie „persönlich“ begegnet war – eine „leicht seltsame“ Verhaltensweise, wie ich finde…

An anderer Stelle setzt sich eine junge Dame zu einem völlig bekifften Mann ins Auto, den sie selbst gar nicht „direkt“ kennt – von dem sie im Prinzip nur weiß, dass er der Bruder eines Kommilitonen ist – und bittet ihn darum, sie nach Hause zu fahren: Zwar baut er keinen Unfall, doch gänzlich muss sie sich nun nicht gerade wundern, dass sie im Folgenden von ihm überwältigt und entführt wird. Briana Evigan („Mother´s Day“) verkörpert eben jene Penelope, welche fortan die meiste Zeit (halbnackt und „mit Indianerfarben bemalt“) gefesselt in einer Kühlkammer des ehemaligen Gärtnereibetriebs verbringt, da der „berauschte“ Benny sie für seine „ganz eigene Chumash-Braut“ hält. Briana war einer meiner Hauptgründe, mir den Streifen hier überhaupt anzuschauen: Sie sieht gut aus und trägt überdies auch „aktiv“ zu der besten Szene des Films mit bei – doch ist ihre Rolle eine echt banal gestrickte, was wirklich schade ist. Permanent zwischen „zugedröhnt“ und „einigermaßen bei Verstand“ schwankend, liefert Wes Bentley („the Hunger Games“) als „vom Leben ernüchterte“ sowie nach Stechapfel-Tee süchtige „Verlierer-Gestalt“ eine amüsante Vorstellung ab, die stimmig mit dem „schrägen Drumherum“ harmoniert und welche ihm selbst (offenkundig) eine „angepasst-förderliche Portion Spaß“ bereitete…

Noch „irrer“ als Bentley agiert indes Christian Slater („Broken Arrow“) als traumatisierter und drogensüchtiger Delgado – komplett mit schlechten Zähnen und einer miesen schwarzen Perücke. Getrieben von der Wut über den Verlust seiner Familie, zusätzlich verstärkt seitens der Wirkung des konsumierten „Meths“, geht Slater mit seiner Darbietung herrlich „over the Top“ – inklusive einer „lebenden Affen-Puppe“ (aus Socken-Stoff), welche früher seinem Sohn gehörte und nun quasi eine (sich u.a. am Lauf seiner Schrotflinte festklammernde) „Manifestation seines Gewissens“ markiert: Trotz der blutigen Taten ein „belustigend mit anzusehendes Schauspiel“! In keinerlei Form „witzig“ ist dagegen der Hintergrund seines Geisteszustands – schließlich hat (in erster Linie) erst der unverarbeitete Schmerz des Verlusts seiner Liebsten „das“ aus dem ehemals tollen Vater und Ehemann werden lassen. Entsprechend schwer fällt es einem dann auch, Anteilnahme für Dani (süß: Kate Maberly aus „Boogeyman 3“) zu entwickeln: Ja, sie scheint (an sich) ein netter Mensch zu sein und leidet ebenfalls unter dem Geschehenen – doch hat sie sich betrunken hinters Steuer gesetzt, zwei Menschen getötet und dafür nur eine Bewährungsstrafe erhalten! Folglich erzeugen sie und Delgado beide „weitestgehend zwiegespaltene Eindrücke“ – ein durchaus unvorteilhafter Faktor angesichts ihrer jeweiligen „Funktionen“ innerhalb des Werks…

Gehaltlos gezeichnete, unsympathische Charaktere, deren Schicksale einem nahezu völlig egal verbleiben, „dümmlich-triviale“ Dialoge und zu viele belanglose Subplots, aus denen sich förmlich die gesamte Story zusammensetzt: Iliff´s Skript ist sowohl reich an Ideen (selbst wenn keine wirklich originellen mit von der Partie sind) als auch arm an „Focus“ – und obgleich am Ende die meisten dieser Handlungsfäden tatsächlich halbwegs brauchbar „miteinander verschnürt“ werden, ändert das nichts am generellen Eindruck einer „überaus holprigen“ Verlaufsentfaltung. Letzteres wird obendrein dadurch verstärkt, dass der Streifen (eigentlich) vorwiegend ernst gehalten wurde, sporadisch jedoch einen bizarren Humor in die Geschehnisse mit einflechtet, wie allein schon der „imaginäre sprechende Spielzeug-Affe“ – von einzelnen unfreiwillig komischen Momenten ganz zu schweigen, vorrangig im Rahmen der „Jimsonweed“-Halluzinationen (á la knapp bekleidete, teils tanzende Indianerinnen, ferner ergänzt um „sich verformende“ Wandzeichnungen sowie Benny´s Gesicht, welches sich in das eines Bären „verwandelt“, schlichtweg weil er sich für einen „Were-Bear“ hält). Uninspiriert werden Elemente unterschiedlicher Genres miteinander vermengt, ohne dabei eine „vernünftige Balance“ zu finden – von jemandem mit Iliff´s Erfahrung im Bereich des Drehbuchschreibens hätte ich einfach eine höhere Qualität sowie „feineres Fingerspitzengefühl“ erwartet…

Dass das zur Verfügung stehende Budget nicht unbedingt hoch war, merkt man dem Streifen zwar gelegentlich (mal mehr, mal minder deutlich) an – doch aufgrund einiger ansprechend anzusehender Locations (wie z.B. ein „nettes Fleckchen Erde“ an der kalifornischen Küste oder die „stimmungsvoll heruntergekommene“ Gärtnerei-Anlage) fällt das „im Großen und Ganzen“ nicht allzu negativ ins Gewicht. Die Regie-Leistung Iliffs ist bestenfalls als „ausreichend“ zu werten – ebenso wie die Arbeit von Cinematographer Alex Nepomniaschy („Narc“) und jene des Komponisten Elia Cmiral („Wrong Turn“). Zugegeben, zu keiner Zeit kommt so etwas wie Hochspannung auf – wohingegen mir allerdings auch nie langweilig wurde. So nach den ersten (geringfügig „zu ruhigen“) 25 Minuten ist es eine rasante Verfolgungsjagd, die durch eine Reihe leer stehender Gewächshäuser entbrennt und von wo aus an ein durchaus zügiges Tempo bis hin zum Einsetzen des Abspanns aufrecht erhalten wird – inklusive einiger solider Set-Pieces „entlang des Weges“, die eindeutig ans klassische „Slasher“-Schema angelehnt wurden und im Zuge derer (u.a.) reichlich geflüchtet, gekämpft und gestorben wird. Weder sonderlich kreativ noch brutal, das Gebotene – nichtsdestotrotz jedoch (speziell im finalen Akt) keineswegs ununterhaltsam. Gern hätte ich übrigens eine Vertiefung der „Chumash“-Backstory präsentiert bekommen – jene war (bzw. ist) nämlich gar nicht mal so uninteressant…

Fazit:  „Rites of Passage“ (2012) ist ein eigenwilliges kleines B-Movie, das zwar mit einigen bekannten Darstellern aus der „zweiten Liga“ der US-amerikanischen Film-Branche, diversen hübschen Mädels in spärlichen Outfits sowie der einen oder anderen anständig dargereichten Sequenz aufwarten kann – zugleich aber auch (primär) an überwiegend antipathischen Protagonisten, einer abstrusen Geschichte und einer arg unfokussierten Herangehensweise krankt, was „unterm Strich“ eindeutig Regiedebütant und Drehbuchautor W. Peter Iliff anzukreiden ist…

 Mit viel Wohlwollen gerade noch

extrem knappe

Hierzulande ist “Rites of Passage” unter der Titel “der Übergang” auf DVD und BluRay erschienen – und zwar aus dem Hause “Universum Film”, ungeschnitten mit einer “FSK16”-Freigabe. In den USA hat “Magnet / Magnolia Home Entertainment” den Streifen veröffentlicht. Ich selbst besitze die (zufrieden stellende) holländische BluRay, als deren “Herausgeber” das Label “Bridge” zu nenen ist.   

Stefan Seidl

Rites of Passage 01

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Rites of Passage 02

Copyright der Cover und Bilder: “Universum Film” (D) und “Magnet/Magnolia Home Entertainment” (USA)__ Freigabe der dt. Veröffentlichung: FSK-16__ Geschnitten: nein__ BluRay/DVD: ja/ja

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