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Die erste Todsünde

Originaltitel: The First Deadly Sin__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1980__Regie: Brian G. Hutton__Darsteller: Frank Sinatra, Faye Dunaway, David Dukes, Joe Spinell, James Whitmore, Jeffrey DeMunn, Bruce Willis u.a.
Die erste Todsünde

Einer der letzten Filme Frank Sinatras war für Bruce Willis einer der ersten: „Die erste Todsünde“

Ein Star war Frank Sinatra klar, filmgeschichtlich aber fast ein Loser: Erst schlug er „Dirty Harry“ aus, später den ursprünglich als Fortsetzung zum Sinatra-Vehikel „The Detective“ konzipierten „Die Hard“, der dann in abgewandelter Form zum Welterfolg und Karrieresprungbrett Bruce Willis‘ wurde. Vielleicht widmete er Sinatra deshalb eine Hommage in „Stirb langsam 5“, vielleicht aber auch, weil er seine erste Filmrolle in dem Sinatra-Vehikel „The First Deadly Sin“ hatte.

Besagter Copkrimi beginnt mit einer Parallelmontage: Zum einen ist da ein Mann, der suchend durch die Straßen schreitet – bis er ein Opfer trifft, einen Eishammer herausholt und den anderen mit dem Bergsteigerutensil totschlägt. In Gegenschnitten wird immer wieder eine OP gezeigt, es fließt Blut und die Operation scheint nicht glatt zu laufen. Auf dem Tisch und unter dem Messer der Ärzte: Barbara Delaney (Faye Dunaway). Blut und Lebensgefahr also überall, egal ob Schaden intendiert ist oder nicht, ein durchaus gelungener Einstieg für einen Serienkillerfilm.

Beide Handlungsstränge sind durch Edward (Frank Sinatra) verbunden: Der ist nicht nur Barbaras Ehemann, sondern auch Polizist kurz vor der Rente, der mit dem Mordfall betraut wird. Bald fällt ihm auf, dass der Getötete nicht der erste ist, der auf diese Weise zu Tode kam…

„The First Deadly Sin“ ist ein Film über einen Serienkiller aus einer Zeit bevor der große Run auf derartige Psychopathen losging. Und gleichzeitig auch das Portrait eines alternden Bullen, der mit dem Stress im Job, dem brutalen Verbrechen auf der Straße und inkompetenten Vorgesetzten umgehen kann, angesichts des Gesundheitszustandes seiner Frau aber hilflos ist. Hier schwankt der Film allerdings qualitativ: Während die Endszene bewegend ist, so driftet manches Gespräch am Krankenbett in die Untiefen des üblen Schmalzes ab und der Ausraster Delaneys einem behandelden Arzt gegenüber wirkt auch eher unfreiwillig komisch.

Die erste Todsünde

Der alternde Cop Edward Delaney (Frank Sinatra) und der Gerichtsmediziner

Das liegt auch an Sinatras Performance: Der Mann ist kein Charakterdarsteller und schlägt sich dafür gar nicht mal schlecht, aber im Vergleich zu dem, was Leute wie Paul Newman oder Clint Eastwood aus vergleichbaren Rollen herausgeholt haben, ist er nun eine kleine Leuchte. So hat er schauspielerisch starke Momente, aber auch immer wieder Szenen, in denen er klar schwächelt, weil seine Dialoge auswendig gelernt und aufgesagt erscheinen. Faye Dunaway liegt mehr oder minder den ganzen Film im Bett herum. Annehmbar ist David Dukes als Killer, auch wenn er gegen Ende unschön ins Overacting-Kasperletheater schalten muss. Und Bruce Willis? Der betritt als Statist gegen Ende ein Restaurant, das Sinatra gerade verlässt, die Mütze tief ins Gesicht gezogen.

Die erste Todsünde

Die Mütze ist zwar tief ins Gesicht gezogen, aber an der Mundpartie erkennt man ihn: Bruce Willis in einer Minirolle

Größtes Problem an „The First Deadly Sin“ ist allerdings die Tatsache, dass er weder Fisch noch Fleisch ist. Für ein Cop-Psychogramm bleibt er zu sehr an der Oberfläche, für einen spannenden Thriller bremsen die Szenen des Ehepaares den Film zu sehr aus, während Delaney dann auch für rund 112 Minuten Film etwas wenig Ermittlungsarbeit leistet. Die Schritte bis zur Enttarnung des Täters (den der Zuschauer freilich bereits kennt) sind logisch nachvollziehbar, doch es sind einfache Schlüsse, klare Hinweise, denen Delaney einfach recht lahm- und breitärschig nachgehen darf, ehe dann das Finale kommt und so hat Vieles hier Lückenfüllerfunktion.

Brian G. Hutton, immerhin Regisseur der Eastwood-Knaller „Agenten sterben einsam“ und „Stoßtrupp Gold“, inszeniert das Ganze auch meist unschön bieder, die Qualität der Eröffnungsszene erreicht der Film bestenfalls wieder im Finale, etwa bei einer Beschattung des Killers oder jener Szene, in der Delaney still eine Entscheidung trifft, wie er mit dem Killer verfahren soll. Leider muss dieser vorher noch geifernd einen unfreiwillig komischen Monolog ablassen, der seine Motive nicht wirklich erklärt, sondern eher die Unzulänglichkeiten des Drehbuchs offeriert: Der Mörder hat halt nicht alle Latten am Zaun, glaubt durch die Morde eine besondere Liebesbeziehung zu seinen Opfern zu haben, das war es dann auch. Keine plausiblen Gründe, keine Ursachenforschung.

So hat „The First Deadly Sin“ durchaus seine Momente, gerade zu Anfang und Ende des Films, doch insgesamt ist das hier einfach zu biedere, behäbige Krimikost, die einfach nicht zu Potte kommt und genauso Stangenware ist wie manch späterer Serienkillerfilm, obwohl er vor der großen Welle entstand. Eher was für Sinatra-Fans und Willis-Komplettisten.

Die deutsche DVD von Warner ist ungeschnitten, enthält aber nur den Film in der deutschen Synchro und der Originalsprache, keine Extras, noch nicht einmal ein Kapitelmenü.

© Nils Bothmann (McClane)

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