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Die Farbe aus dem All

Originaltitel: Color Out of Space__Herstellungsland: USA/Portugal/Malaysia__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Richard Stanley__Darsteller: Nicolas Cage, Joely Richardson, Madeleine Arthur, Elliot Knight, Tommy Chong, Brendan Meyer, Julian Hilliard, Josh C. Waller, Q’orianka Kilcher, Melissa Nearman, Amanda Booth u.a.
Die Farbe aus dem All

Richard Stanley verfilmt H.P. Lovecraft: “Die Farbe aus dem All” mit Nicolas Cage

Richard Stanley begann seine Karriere mit Musikvideos und Dokumentationen, ehe er in den 1990ern mit „M.A.R.K. 13 – Hardware“ und „Dust Devil“ zwei Horrorfilme im stilistischen Mix von Videoclip, B-Picture und Horroreinflüssen drehte. Der Megaflop „DNA“, von dessen Set er nach wenigen Tagen gefeuert und durch John Frankenheimer ersetzt wurde, gab seiner Laufbahn einen Knick: Er drehte weiter Dokus und Beiträge zu Anthologien, doch seinen nächsten Spielfilm legte er erst über 20 Jahre später vor: Die Lovecraft-Adaption „Die Farbe aus dem All“.

Ähnlich wie diverse frühere Verfilmungen der gleichnamigen Story (z.B. „The Curse“ aus dem Jahr 1987) überträgt auch die Stanley-Variante die Geschichte in die Gegenwart. Handlungsort ist das ländliche New England, wo die Familie Gardner auf jener Farm wohnt, die Vater Nathan (Nicolas Cage) von seinen Eltern vermacht wurde. Nathan will dort Alpakas züchten, während Mutter Theresa (Joely Richardson) im Home Office für Klienten aus der Wirtschaft arbeitet, aber schwer von Krebs gezeichnet ist. Die Familie komplettieren der älteste Sohn Benny (Brendan Meyer), ein kiffender Slacker, Tochter Lavinia (Madeleine Arthur), die sich für Hexerei und heidnische Rituale interessiert, sowie der jüngste Filius Jack (Julian Hilliard).

Nachdem der Zuschauer die begrenzt funktionale Familie mit ihren Eigenheiten kennengelernt hat, erfolgt das Event, das in der H.P. Lovecrafts Geschichte und allen Verfilmungen zentral ist: Ein Meteor schlägt ein. Dabei etabliert „Die Farbe aus dem All“ klassische Horrortopoi: Die örtliche Polizei und ein zufällig anwesender Experte für Gewässerschutz namens Ward (Elliot Knight) können sich den Einschlagsort ansehen, alle weiteren Behörden sind dagegen viel zu weit entfernt. Und obwohl Stanleys „Die Farbe aus dem All“ in einer Welt der Handys, Computer und Pick-Up-Trucks spielt, so dies natürlich alles Dinge, die der Strahlung aus dem außerirdischen Gesteinsbrocken bald zum Opfer fallen.

Doch die Substanzen, die der Meteorit absondert, haben nicht nur Auswirkungen auf die Technik, sondern auch auf Mensch und Tier. Und so sind die Gardners bald gefangen mit dem Wahnsinn auf ihrem eigenen Anwesen…

Geht es um Lovecraft-Verfilmungen, dann gibt es immer ein Problem: Da der Mann Kurzgeschichten schrieb, reicht die Story meist nicht allein für einen Film aus. So mag „Re-Animator“ etwa ein besserer Film als „Die Farbe aus dem All“ sein, hat aber wenig mit dem Ausgangsmaterial zu tun. Stanleys Adaption ist trotz der Verlegung in die Gegenwart und diverse Ausschmückungen ziemlich werkgetreu und fokussiert sich auf das zentrale Thema der Geschichte, nämlich das Zuschlagen des Übernatürlichen an einem isolierten Ort, an dem bald Mutationen und Wahnsinn herrschen. Mit Richard Stanley hat man zudem einen Regisseur gefunden, der das andere große Problem bei Lovecraft-Verfilmungen angehen kann: Die Bebilderung des unbeschreibbaren Grauens. Die titelgebende Farbe aus dem All besteht hier vor allem aus Magenta-Tönen, doch in trippigen Bildern macht Stanley schon klar, wie auf dem Gardner-Anwesen normale Kategorien des Verstandes und der Wahrnehmung bald außer Kraft gesetzt sind.

Die Farbe aus dem All

Noch ist die Welt von Nathan (Nicolas Cage) und Theresa Gardner (Joely Richardson) in Ordnung

„Die Farbe aus dem All“ ist auch ein dankbarer Stoff für den Regisseur, nicht nur allein aufgrund seiner gewohnten Visualisierung zwischen Arthouse, Acid-Trip und Videoclip. Auch die Personalsituation ist ähnlich wie seinen vorigen Filmen: Ein überschaubares Figureninventar, allein gelassen an einem einsamen Ort. Der Bodycount ist daher niedrig, auch wenn die Reihen der Charaktere überraschend ruppig gelichtet werden und niemand sicher vor dem Tod ist. Diverse Mutationsszenen erinnern an John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ (der ja auch von Lovecraft inspiriert daherkam) und die Effekte sind zwar nicht ganz so zeitlos wie in jenem Carpenter-Klassiker, in ihrer Mischung aus handgemachten Tricks und CGI aber durchaus charmant – auch wenn man das niedrige Budget des Films hin und wieder sieht.

Mehr als Gemetzel und Gore liegt Stanley allerdings die Darstellung eines Abgleitens in den Wahnsinn im Sinn. Jede Figur geht anders mit der Situation um, vom hemdsärmeligen Hantieren mit der Schrotflinte bis zur Beschwörung magischer Schutzformeln. Das ist mit Sinn für Unheimliches in Szene gesetzt und sorgt für Gänsehautmomente, auch wenn die Figuren gelegentlich im Klischee erstarren: Die Gardners entwickeln wenig Profil über ihre anfänglich vorgestellten Eigenheiten und Marotten hinaus. Das ist etwas schade, zumal Stanley durchaus geschickt mit Verweisen auf Lovecrafts weiteres Werk arbeitet: Ward trägt ein Shirt der Miskatonic-Universität, Arkham befindet sich in der Nähe des Anwesens usw.

Die Farbe aus dem All

Langsam verändert der außerirdische Einfluss die Farm im ländlichen New England

Wenn es einen Schauspieler gibt, der das Abgleiten eines Mannes in der Wahnsinn darstellen kann, dann ist das derzeit Nicolas Cage („Kill Chain“): Mit Inbrunst und gelegentlichem Overacting lässt er als Familienvater, der (nicht nur) den Verstand verliert, so richtig die Sau raus. Auch wenn er in mancher ruhigen Szene etwas drüber sein mag, so ist das immer noch eine Schau. Joely Richardson („Snowden“) spielt die creepy Veränderungen der Mutter ebenfalls eingängig und unter den Kinderdarstellern ragt Madeleine Arthur („To All the Boys I’ve Loved Before“) als pubertierende Tochter zwischen kindlichem Wunsch nach Geborgenheit und trotzigen Alleingängen heraus. In einer Gastrolle dabei: Kiffer-Comedy-Veteran Tommy Chong („Tripwire“) als Einsiedler mit Hang zu Rauchwaren.

„Die Farbe aus dem All“ wirbt damit, dass dahinter die Produzenten von „Mandy“ stehen, aber trotz ähnlich trippiger Machart kann Stanleys Film nicht ganz an die Qualitäten von Panos Cosmatos‘ Film anschließen. Eine echte Erfahrung und durchaus gruseliges, erfrischend werkgetreues Lovecraft-Entertainment ist diese Verfilmung allerdings dennoch, trotz simpler Story und unterentwickelter Charaktere. In seiner geradlinigen, ehrlichen Machart ist das wesentlich sympathischer als die verschwurbelte „Die Farbe aus dem All“-Variante „Auslöschung“ von Alex Garland.

Knappe:

„Die Farbe aus dem All“ erhielt von Koch Films am 5. März 2020 einen limitierten Start in den deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Ab dem 26. März gibt es ihn dann auf Blu-Ray, DVD und im Mediabook.

© Nils Bothmann (McClane)

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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