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Die Frau in Schwarz 2 – Engel des Todes

Originaltitel: The Woman in Black 2: Angel of Death__Herstellungsland: Großbritannien, USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Tom Harper__Darsteller: Helen McCrory, Jeremy Irvine, Ned Dennehy, Phoebe Fox, Adrian Rawlins, Oaklee Pendergast, Leanne Best, Jorge Leon Martinez, Leilah de Meza, Hayley Joanne Bacon u.a.
Die Frau in Schwarz 2

“Die Frau in Schwarz 2” vertieft die Geschichte des überraschend erfolgreichen Vorgängers.

London 1941: Die Stadt ächzt unter dem Dauerbombardement der Nazis. Viele Bewohner fliehen aus der Stadt. Doch einige können das nicht. Sei es, weil sie wichtige Rollen im Widerstand spielen oder weil sie die Angriffe der Nazis nicht überlebt haben. Einige Londoner Lehrer nehmen sich der Kinder dieser Menschen an und begleiten sie auf das vermeintlich sicherere Land. Eine dieser Gruppen findet Zuflucht im Eel Marsh House.

Kenner des ersten Teils wissen nun, was die Uhr geschlagen hat. Mit Ankunft der Kinder erwacht die Frau in Schwarz zu neuem Leben und versucht, ein Kind nach dem anderen aus dem Leben zu reißen. Doch die junge Lehrerin Eve Parkins denkt gar nicht daran, ihre Schutzbefohlenen kampflos aufzugeben. Sie stellt sich der finsteren Macht des Hauses…

Die Frau in Schwarz 2

Eve mit einem Schutzbefohlenen.

„Die Frau in Schwarz 2 – Engel des Todes“ spielt etwa 40 Jahre nach den Ereignissen im ersten Teil und lanciert mit dem Weltkriegsszenario einen glaubhaften Grund für die Verlagerung der Ereignisse ins Eel Marsh House. Hier geht der Film dann schnell eigene Wege. Denn wo der Vorgänger mit Harry-Potter-Star Daniel Radcliffe eher ein düsteres, beinahe dialogloses Einpersonenstück mit finsterer Entität war, kommt nun dank der Kinder ordentlich Leben in das verfallene Anwesen. Es wird deutlich mehr geredet und infolgedessen auch deutlich mehr erklärt.

Soll heißen: Der Mythos um die Frau in Schwarz wird durchaus interessant ausgeweitet, ohne dass das Geisterwesen sonderlich entzaubert werden würde. Trotz dieser Neuerungen hält der Film an den Stärken des Vorgängers fest. Dementsprechend entwickelt sich die Story schleichenden Fußes und gibt vor allem einer immer dichter werdenden Atmosphäre viel Freiraum. Leider hat der Film vor allem zu Beginn verdammt wenig zu erzählen und die Ereignisdichte ist extrem niedrig. Auch die Aufteilung der Aufmerksamkeit auf eine größere Gruppen Menschen mag nicht so recht funktionieren. Wo Radcliffe in Teil eins eindeutiges Zentrum des Filmes war, fährt Teil zwei ein paar Bezugspersonen zu viel auf.

Diese kann er nicht alle zufriedenstellend vertiefen (vor allem die Kinderfiguren leiden darunter heftig), weshalb man auch nicht mit allen wirklich warm wird. Die Aufmerksamkeit ballt sich zwar schnell auf der Figur der jungen Lehrerin Eve, doch selbst über sie will der Film nicht allzu viel verraten. Lieber verpasst er ihr noch einen Love Interest, der allerdings nie so wirklich im Film ankommt. Spannung baut der Film so mehr über seine Atmosphäre als über die Anteilnahme des Zuschauers an dem Schicksal der handelnden Figuren auf. In Sachen Atmosphäre macht dem Film dafür dann keiner etwas vor: Von plötzlich aufziehenden Nebelbänken über die vollkommene Abwesenheit von Licht und den düster morbiden Charme des Anwesens bis zu der undurchdringlichen Soundkulisse aus unheimlichen Geräuschen sowie dem effektiven Score wird hier alles aufgefahren, was einem eine wohlige Gänsehaut verpasst.

Die Frau in Schwarz 2

Das Eel Marsh House… Wer möchte da nicht wohnen?

Einige Jump Scares treiben in regelmäßigen Abständen den Puls hoch und rumpeln zum einen brachial von der Tonspur, liefern aber immer auch optische Entsprechungen zu den akustischen Schockmomenten. Leider kommen die meisten dieser Momente irgendwie immer aus dem dramaturgischen Nichts. So fährt man zwar häufiger zusammen, fragt sich hernach aber häufiger, was die Szene dem Spannungsaufbau bringen sollte. Zudem nutzt sich der Effekt mit der Zeit extrem ab. Hier ist „Die Frau in Schwarz 2“ immer mal unangenehm nah dran am aktuellen Krachbumm-Horror moderner Prägung.

Inszenatorisch gesehen ließen sich die produzierenden Hammer-Studios nicht lumpen und liefern absolut kinotaugliche Bilder ab. Egal ob nun das zerstörte London, die gediegenen Kamerafahrten in dem großartig designten „Spukhaus“ oder die raue Natur rund um das Anwesen: „Die Frau in Schwarz 2“ ist immer stimmungsvoll und vor allem stilvoll in Szene gesetzt. Darstellerisch ragt Eve-Darstellerin Phoebe Fox mit ihrer zwischen kraftvoll und einnehmend zerbrechlich rangierenden Vorstellung weit aus dem Feld der restlichen Darsteller heraus.

Die Frau in Schwarz 2

Eve und ihrer schmucker Pilot…

Die größten Probleme hat „Die Frau in Schwarz 2“ in Richtung Finale. Denn der Übergang von dem manchmal doch arg langsamen storytechnischen Vorantasten zu den effektvollen Tatsachen fällt ziemlich rumpelig aus. In der Folge hat man den Eindruck, dass „Die Frau in Schwarz 2“ gegen Ende ein wenig zu viel in die immer mehr schwindende Laufzeit packen will. Rund um den Schauplatz eines verlassenen Rollfeldes nimmt der Film dann beinahe Actionfilmzüge an, was einfach nicht so recht zu dem Einstieg passen mag. Dafür ist der eigentliche Showdown dann wieder angenehm creepy geraten und hat ein cooles Setting, verläuft aber leider in arg vorhersehbaren Bahnen.

Kurzum: Will man „Die Frau in Schwarz 2“ mit ihrem Vorgänger vergleichen, kann man konstatieren, dass sich der Film die größten Stärken des Vorgängers (bedächtiges Storytelling, dichte Atmosphäre, angenehme Grundspannung) bewahrt hat und ansonsten etwas anders an den eigentlichen Stoff herangeht. Beispielsweise von dem Kammerspielansatz des Vorgängers weg geht und den Mythos um die Frau in Schwarz zu erweitern versucht, indem er etwa Parallelen zwischen dem wütenden Geist und der neuen Hauptfigur Eve aufspannt. Teil zwei käut also nicht nur den ersten Teil wieder und vermag durchaus eigene Akzente zu setzen. Hier und da resultieren aber genau aus dem Neuen auch einige starke Inkonsistenten, weil beispielsweise einige Ansätze schlichtweg nicht zu Ende gebracht werden oder sichtlich der Mut zur letzten Konsequenz fehlt. Das lässt den Film einiges an Wirkung verlieren.

Die deutsche DVD/Blu-ray ist seit dem 16. Juli 2015 im deutschen Handel erhältlich, kommt von Concorde Home Entertainment und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Neben Interviews und einem kurzweiligen Making Of wartet im Extras-Bereich auch eine Vorstellung der unheimlichen Drehorte auf euch.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Home Entertainment__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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