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Die Todesinsel

Originaltitel: Demon of Paradise__Herstellungsland: Philippinen, USA__Erscheinungsjahr: 1987__ Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Kathryn Witt, William Steis, Laura Banks, David Anderson, Joe Mari Avellana, Frederick Bailey, Bill Baldridge, Liza Baumann, Hero Bautista u.a.
Die Todesinsel

Fettes Cover, nix bzw. fast nix dahinter: “Die Todesinsel”

Auf Hawaii haben ein paar Schwachmaten ihre Vorliebe für das Dynamitfischen entdeckt. Dabei erwecken sie ein Ungetüm zum Leben, das fortan jedem nach dem Leben trachtet, der Schabernack mit dessen Heimatgewässern treibt. Ein Sheriff und eine Forscherin starten gemeinsam mit einem Reporter ihre Jagd auf das Akura genannte Monstrum…

Dass Cirio H. Santiago („Jungle Force“) auch ohne die Unterstützung von Roger Corman groben Schlock auf Zelluloid zu gießen vermag, beweist er mit diesem Creature Feature. Leider ist ihm selbiges kräftig misslungen. Die Gründe für dieses harsche Urteil sind Legion. Beginnen wir bei dem Offensichtlichsten: „Die Todesinsel“ ist maximal Stückwerk. Weder findet man eine plausible Story unter dieser Anhäufung von Genre-Versatzstücken (natürlich ist beispielsweise ein Kapitalist gegen die Schließung des Sees, der Touristen wegen) noch eine halbwegs funktionierende Spannungsdramaturgie.

„Die Todesinsel“ plätschert belanglos vor sich hin, versucht uns die Philippinen als hawaiianisches Eiland zu verkaufen und quält sich selbst mit absolut farblosen und untalentierten Schauspielern über die Runde. Letztere kotzen im Sekundentakt schwachsinnige Dialoge aus oder finden unglaublicherweise immer noch hirnrissigere Vorwände, um ins gefährliche Wasser zu steigen. Aus dem zerrt man sie dann mit sichtlich aufgeklebtem Wunden-Make-Up heraus und nimmt gerne in Kauf, dass selbiges aufgrund des vielen Wassers mal verrutscht.

Greift Akura an, geschieht dies immer nach demselben Schema: Akura schwimmt auf ein nusschalengroßes Boot zu. Die Insassen krakeelen um ihr Leben. Akura schwimmt näher und beginnt mit den Armen in der Luft herum zu wedeln. Dabei beschleunigt er die Luft so dolle, dass seine Opfer entweder aus der Nussschale geweht werden oder direkt im Boot verenden. Meist zieht Akura dann noch ein Opfer ins Wasser und aufgrund eines nicht näher erläuterten Naturphänomens explodiert anschließend das Boot.

Leider sieht Akura auch noch echt Panne aus. Auf einem Kinderfasching würde das Kostüm vermutlich für große Augen sorgen, abseits davon würde man vermutlich annehmen, ein Man-in-a-suit sei auf dem Weg zu den Dreharbeiten für ein neues japanisches Godzilla-Movie. Das Tolle: Wenn Akura gegen Ende an Land herumrennt und diverse Soldaten meuchelt bzw. deren Kugeln an seiner Haut abprallen lässt, erinnert er tatsächlich an den guten alten Godzilla. Leider hatte Cirio H. Santiago wohl kein Geld für kleine Papphäuser.

Leider bekommt der Mann fürs Trashige diesmal auch keinen Druck hinter seine Action. „Die Todesinsel“ ersäuft in piefiger Optik, ist behäbig montiert und präsentiert die wohl miesesten Unterwasserszenen aller Zeiten. Und wenn Santiago irgendwann die einzige heiße Ische im Cast nackt macht, wirkt das fast ein wenig wie: Ups, das hatten wir bisher ja total vergessen, also schludern wir da schnell noch ein paar Moppen hin. So richtig Freude kommt da keine auf…

Dennoch, so richtig verreißen kann man diesen Stuss auch wieder nicht. Zwar nehmen die unsagbar miesen Darsteller den Film viel zu ernst, doch Santiago selbst begeht diesen Fehler nicht. Und so hat es ein paar absolut bescheuerte Momente, die einem dann doch ein hysterisches Lachen abringen. Etwa die Szene, wenn Akura einen über seinem See schwebenden Helikopter in das Gewässer zerrt, worauf dieser – natürlich – wenig später explodiert. Oder der grandiose, bar jeder Euphorie hingenuschelte Schlussdialog zwischen Held und Heldin:

Held: Ich würd sagen, das war’s!
Heldin: Damit kehrt hier wieder Ruhe ein!

Selten fing ein Schlusssatz die Langweiligkeit des soeben beendeten Filmes pointierter ein. So bleibt ein zwischen Ödnis und Wahnsinn oszillierender Trashfilm, dessen Soundtrack in den besten Momenten wie die Vertonung blinkender Leuchtdioden in Raumschiffen von Uralt-Science-Fiction-Filmen klingt und dessen Monster-Design einen vollkommen ratlos zurücklässt. Man spürt einfach die ganze Zeit, dass das Horrorgenre nicht wirklich das Metier des Regisseurs ist. Der kann hier nämlich obendrein nicht auf die „Viel hilft viel“-Geheimwaffe seiner Actionfilme zurückgreifen, bei denen er einfach immer, wenn die Story hing, das Dauerfeuer startete. Doch um über die Langweiligkeit von „Die Todesinsel“ hinwegzutäuschen, hätte die Kreatur die ganze angebliche Hawaii-Kulisse ausradieren müssen. Und das – soviel vorweg – passiert nicht.

Die deutsche DVD zum Film erschien unlängst von Capitol Film im Vertrieb von Edel. Der harmlose Monsterschlock ist mit einer FSK 16 Freigabe – die aus heutiger Sicht arg hochgegriffen wirkt – ungeschnitten. Bild- und Tonqualität sind für einen Film von 1987 durchaus angemessen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Capitol Film__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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