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Die versunkene Stadt Z

Originaltitel: The Lost City of Z__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: James Gray__Darsteller: Charlie Hunnam, Tom Holland, Robert Pattinson, Sienna Miller, Angus Macfadyen, Daniel Huttlestone, Aleksandar Jovanovic, Edward Ashley, Bobby Smalldridge u.a.
Die verschwundene Stadt Z Deutsches DVD Cover

“Die versunkene Stadt Z” setzt dem britischen Forscher Percy Fawcett ein Denkmal.

Percy Fawcetts Leben besteht aus dem Kampf um Anerkennung. Seit sein trunk- und spielsüchtiger Vater die Reputation von Fawcetts Familie komplett zerstört hat, jagt Peter Auszeichnungen und Zuwendungen der besseren englischen Gesellschaft nach. Als ihn eines Tages die Aufgabe ereilt, für die Königliche Geographische Gesellschaft tätig zu werden, schwant ihm, dass dies sein Leben verändern könnte.

Blöderweise soll er nur die Landesgrenzen zwischen Brasilien und Bolivien genauestens vermessen und kartografieren. Eine Aufgabe, die ihm wenig ehrenvoll erscheint. Doch direkt vor Ort schlägt seine Meinung um. Er stellt sich den Gefahren des Landstriches und macht eine Entdeckung, die ihn vermuten lässt, dass in dem von ihm vermessenen Teil Amazoniens eine ehemalige Hochkultur gelebt haben könnte.

Nach England zurückkehrt, wird der Abenteurer Percy gefeiert wie ein Rockstar. Und er ist beseelt von der Idee, weitere Spuren der versunkenen Zivilisation zu finden, die er einfach nur „Z“ tauft. Immer wieder stellt er neue Expeditionen in den dichten Dschungel an und bringt sich und seine Mitstreiter ein ums andere Mal in Gefahr. In seiner Heimat droht derweil sein gerade erst aufgebauter guter Ruf ob diverser Fehlschläge Schaden zu nehmen. Viel wichtiger jedoch: Es scheint, als verliere er mehr und mehr den Anschluss an seine Familie, die er bei seinen Expeditionen teilweise für Jahre zurücklässt…

Schaut in die packende Entdecker-Geschichte „Die versunkene Stadt Z“ hinein

„Die versunkene Stadt Z“ ist eine Ode an jene Menschen, die damals für unmöglich Gehaltenes wagten: Sie gingen an Orte, an die sich sonst niemand traute, und erschlossen sie für die Menschheit. Kartografierten sie und „entrissen“ unserer Welt einiger ihrer größten Geheimnisse. Als Mittel- und Orientierungspunkt für diese Ode wählte das Drehbuch von „Die versunkene Stadt Z“ den Forscher Percy Fawcett, dessen abenteuerreiches Leben und rätselhaftes Verschwinden um 1925 die Menschen in Atem hielten.

David Grann war es, der 2009 die Geschichte Fawcetts wieder ausgrub und in seinem Bestseller „The Lost City of Z“ den Pioniergeist damaliger Zeiten wieder aufleben ließ. Regisseur James Gray („Helden der Nacht“) funktionierte den Roman zu einem Drehbuch um und macht in seiner filmischen Umsetzung die Strapazen Fawcetts bei seinen Erkundungszügen für den Zuschauer am eigenen Leibe spürbar. Die immer ins Sepiafarbene/Gelbliche kippenden Bilder und die düstere Musik drücken auf das Gemüt. Fast meint man, die Schwüle und die Hitze am eigenen Leibe zu fühlen, wenn sich Fawcett-Darsteller Charlie Hunnam in beständig durchgeschwitzten Klamotten durch den undurchdringlichen Regenwald kämpft.

Die verschwundene Stadt Z Charlie Hunnam

Percy Fawcett (Charlie Hunnam) vermisst die Landesgrenzen zwischen Bolivien und Brasilien.

Dazu die beständigen Gefahren: Krankheiten, giftige Tiere, wenig gastfreundlich erscheinende Indios. „Die versunkene Stadt Z“ transportiert eindrücklich die Gefahren des Regenwaldes. Und zelebriert gleichzeitig dessen unvergleichliche Schönheit. Bricht mit Klischees. Stellt Sehgewohnheiten auf den Kopf. Am eindrücklichsten in einer wundervollen Szenenfolge in einem Dorf eines kannibalisch lebenden Stammes. Nicht nur in diesen Szenen pumpt unter den Bildern eine unterschwellige Spannung, die die Aufmerksamkeit beim Zuschauer immer oben hält, obwohl de facto gar nicht viel passiert.

Denn obschon „Die versunkene Stadt Z“ den Abenteuergeist feiert, ist der Film kein Abenteuerfilm im eskapistischen Sinne. Weder wird vor riesigen Steinkugeln weggerannt noch gibt es – abgesehen von einer längeren Actionszene im 1. Weltkriegssetting – große Action-Set-Pieces, die den Film zur filmischen Achterbahn machen. Und das ist auch gut so. Allerdings muss man sich auch darauf einlassen können, minutenlang zuzuschauen, wie die Charaktere einfach nur vor sich hin leiden und die größten Strapazen ertragen.

Die versunkene Stadt Z Floßfahrt

Fawcett und seine Begleiter erwarten unvorstellbare Strapazen in Amazonien.

Vorne weg immer Charlie Hunnam („Sons of Anarchy“) als unverrückbares Zentrum des Streifens, der als Fixpunkt von „Die versunkene Stadt Z“ schnell alle Sympathien auf sich vereint und sowohl im Dschungel Brasiliens als auch im mit Familienkonflikten aufwartenden England eine überragende Figur macht. Am meisten beeindruckt, wie subtil Hunnam das Getriebene Fawcetts darstellt. Es nie in den Vordergrund rückt, nie übertreibt oder gar overacted.

Der dank „Twilight“ auf ewig verbrannte Robert Pattinson ist dem Hauptdarsteller ein starker Partner, dem man sogar noch ein paar eindrücklichere Szenen mit Hunnam gewünscht hätte. Sehr stark agiert auch Sienna Miller („High-Rise“) als Fawcetts Ehefrau, die angenehm emanzipiert auftreten und das damalige Patriarchat und dessen überkommene Strukturen hinterfragen darf. Zudem macht Tom Holland („Spider-Man: Homecoming“) eine richtig gute Figur als Fawcetts ältester Sohn.

Die versunkene Stadt Z Robert Pattinson

Robert Pattinson gibt Fawcetts treuen Begleiter und Freund Henry Costin.

Interessant ist auch, wie sich der Film im Nachhinein in der Wahrnehmung verändert. Sogar noch wächst. Etwa war ich von dem Ende des Filmes zunächst nicht sonderlich angetan. Gray serviert hier ein Detail, das dem eigentlich sehr offenen Ende des Lebens von Fawcett eine recht konkrete Richtung gibt. Ich fand das gewählte Ende irgendwie zu romantisierend und verklärend und damit dem sehr realistischen Grundton des Filmes widersprechend. Andererseits, und das kam mir dann erst später so richtig, ist die Idee dahinter eigentlich richtig schön. Nicht nur solche eher kleinen Momente machen „Die versunkene Stadt Z“ zu einem eindrucksvollen, spannenden, bildgewaltigen, stark gespielten und packenden Streifen vor spektakulärer Kulisse, der dem Entdeckergeist des Menschen ein eindrückliches Denkmal setzt.

8 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 17. August 2017 von Studiocanal und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten. Leider sind die Extras zum Film und dabei die Blicke hinter die Kulissen der sicherlich nicht einfachen Dreharbeiten recht dünn ausgefallen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Studiocanal__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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