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DNA – Experiment des Wahnsinns

Originaltitel: Island of Dr. Moreau, The__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: John Frankenheimer__Darsteller: David Thewlis, Fairuza Balk, Ron Perlman, Marlon Brando, Val Kilmer, Mark Dacascos, Marco Hofschneider, Temuera Morrison, William Hootkins, Daniel Rigney u.a.
DNA

Mark Dacascos in “DNA – Experiment des Wahnsinns”

“DNA – Experiment des Wahnsinns” ist das Remake eines Remakes eines Films aus den 30ern, den ich bisher noch nicht sehen konnte. Er muss aber verdammt gut sein, wenn er zwei Remakes nach sich zieht: eines aus den 70ern (dümmliche Halloween-Inselparade) und das vorliegende von 1996 (schon vorweg: belanglose SFX-Orgie). Man könnte fast meinen, John Frankenheimer habe den Vorgänger gesehen und wolle es mit seinem eigenen Versuch nun besser machen und dem Original endlich mal gerecht werden. Dabei wird von Beginn an deutlich, dass sämtliche Kräfte auf das Erstellen besonders sauberer Creature Designs konzentriert wurden. Die Masken- und MakeUp-Leute stehen hier im Vordergrund, nicht die Story.

Um die Zuschauer zu ködern (und einen anderen Grund kann ich einfach nicht finden), wurde der “Pate” höchstpersönlich verpflichtet. Marlon Brando spielt den ausschlaggebenden “Mad Scientist” Dr. Moreau. Leider lassen sich Parallelen zu seiner absolut überflüssigen Rolle in “The Score” nicht leugnen. Schwitzend und gelangweilt quält sich ein Mann durch den Dschungel, der mal als bester Schauspieler seiner Generation galt, was man in Anbetracht seiner vorliegenden Rolle kaum glauben mag. Bei seinem ersten Auftritt soll er mysteriös erscheinen, treibt die Lächerlichkeit stattdessen aber, eingedeckt in Sonnenschutzfaktor 10, in ganz neue Sphären. Brando ist schlichtweg fehlbesetzt und nimmt einzig und allein zum Selbstzweck an dem Film teil; eben, damit man “Marlon Brando” aufs Kinoplakat drucken kann.

Die übrige Darstellerriege – und damit wäre der Film auch schon verschenkt – ist ebenfalls ziemlich fehlbesetzt. Als einziger Promi neben Brando fungiert Val Kilmer als dessen Gehilfe. Er durfte im gleichen Jahr schon in “Der Geist und die Dunkelheit” gegen Raubtiere antreten und machte dort seine Sache auch besser. Hier spielt er seinen Charakter unglaubwürdig und teilnahmslos. Zwar weiß man, wie es das Skript verlangt, nicht, was man von seinem Charakter halten soll; mysteriös oder gar bedrohlich wirkt Kilmer dafür trotzdem noch lange nicht. Im späteren Verlauf wird seine Figur psychologische Tiefe erfordern, die Kilmer ihr einfach nicht geben kann.

Als Hauptdarsteller wurde hingegen ein Schauspieler verpflichtet, der stets so scheint, als passe er besser ins Theater. Bislang prinzipiell nur in “Dragonheart” aufgefallen, versucht sich David Thewlis diesmal als Gestrandeter, der bei seinem Zwangsaufenthalt auf einer Insel auf das grausame Geheimnis des Dr. Moreau stößt. Thewlis vermag es nicht, den Film zu tragen oder an sich zu reißen. Auch deswegen geraten die Kreaturen zum Hauptzweck des Films. Frankenheimer hätte es allerdings auch schlechter treffen können, denn rein körperlich passt der hagere, aber zähe Thewlis optimal in seine Rolle. Nur verliert er sich stets im Overacting. Alleine sein Wutausbruch beim Essen mit Moreau wirkt vollkommen übertrieben.

Ron Perlman und Mark Dacascos muss man schauspieltechnisch außen vor lassen, da sie unter Ganzkörperanzügen, Masken und Make Up bis zur Unkenntlichkeit verborgen sind. Ironischerweise funktionieren diese beiden Rollen dabei noch am besten in dieser schauspielerischen Nullnummer; Dacascos glänzt mit animalischer Akrobatik, und das, obwohl sein handgefertigter Body Suit und die aufwändige Maske täglich vier Stunden verschlangen. Nicht anders bei Perlman: Er wurde deutlich auf Hünenhaftigkeit getrimmt und verströmt damit eine ganz andere Art von Ausdrucksstärke als Dacascos, die aber ebenso effektiv ist. Ansonsten ist Fairuza Balk (“Waterboy”) die einzige, die wirklich auf ihre Rolle passt. Durch ihre animalische Art füllt sie ihre Screentime mit Mystik und Exotik.

Aber wie gesagt, ungeachtet der Schauspieler verkommt der Film schon bald zur Karnevalsveranstaltung. Man hatte sichtlich Spaß daran, das ausgefallene Monsterdesign zu durchleuchten und sämtliche Kreuzungen und Stadien durchzugehen. Es gibt eine feine Abstufung zwischen den menschlichen und tierischen Anteilen der Kreaturen. Die menschlichsten stehen Dr. Moreau am Nächsten und sind seine Leibeigenen, darunter ein katzenhafter Michael Jackson-Verschnitt, ein löwenartiger Rasta-Butler und ein absurder Schrumpfzwerg mit mehr embryonalen denn tierischen Eigenschaften.

Bei den wirklichen Endresultaten stechen vor allem ein Leopardenhybrid (Dacascos), eine Warzenschweinkreatur und ein Hyänenmensch (Perlman) im Vordergrund. Dies eine muss man dem Film lassen: die Kreaturen sehen wirklich gut aus. Gerade Perlmans Hyäne wird mit zunehmender Laufzeit immer bedrohlicher, und als sie im Finale David Thewlis packt und sekundenlang nur Millimeter vor seine eigene hässliche Fratze hält, kann man schon Panik kriegen.

Stets werden die animalischen Triebe als nur schwer eingrenzbar dargestellt, die Versuchstiere sind tickende Zeitbomben, werden nur durch ihre Chipimplantate und ihre Beruhigungspillen von der Explosion abgehalten. Den größten Moment hat der Film dementsprechend bei der Szene im Haus, nachdem sich die abtrünnige Hyäne und sein Gefolge die Chips selbst entfernt haben. Ohne zuviel verraten zu wollen, hier knistert mal wirklich die Luft.

Aber um zumindest locker unterhalten zu können, sind die Ziele des Films einfach zu hoch gesteckt. Hintergrund ist nämlich einmal mehr die allseits beliebte Sozialkritik, diesmal in Form vom “Tier im Manne”, dem animalischen Urinstinkt des Menschen, dem Besinnen auf die Wurzeln. Das wird gerade zu Beginn deutlich, als die wenigen Überlebenden sich gegenseitig umbringen, um ihr eigenes Leben zu erhalten, und bei der Moral am Ende, bei der zur visuellen Unterstreichung Dokumentarbilder von Massenkämpfen aus dem Geschichtsarchiv gekramt wurden. Es wird also die Frage aufgeworfen, ob wir uns bei all dem technologischen Fortschritt, all der Rationalität wirklich so sehr weiterentwickelt haben, oder das Dunkle immer noch in uns brodelt. Leider passen diese anthropologischen Ambitionen nicht ins Konzept des Filmes, der doch ziemlich eindeutig auf Action und Horror ausgelegt ist.

Hätte sich der Film etwas weniger ernst genommen, wäre wohl ein sauberer, anspruchsloser Inselhorror dabei herausgekommen. Denn die Kreaturen sind definitiv gelungen und von wenigen Ausnahmen abgesehen erfreulich frei von Computereffekten.

Leider scheitert Frankenheimers dritter Aufguss an seinen eigenen Ambitionen. Hinzu gesellen sich diverse inszenatorische und dramaturgische Schwächen, denn von wenigen Höhepunkten abgesehen plätschert das Geschehen so vor sich hin und auf das obligatorische “Brennende-Hütte-auf-Insel”-Finale zu. Die (von Fairuza Balk und Ron Perlman abgesehen) schwachen Darsteller machen die Enttäuschung perfekt. Persönlich entdecke ich durch die gelungenen Kreaturen aber genug Sehwert, um “DNA – Experiment des Wahnsinns” immerhin ein gesundes Mittelmaß zu attestieren.

Die deutsche DVD von VCL/MAWA bietet den ungeschnittenen Director’s Cut.

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Copyright aller Filmbilder: VCL/Mawa__FSK Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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