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Donnie Brasco

Originaltitel: Donnie Brasco__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1997__Regie: Mike Newell__Darsteller: Johnny Depp, Al Pacino, Michael Madsen, Bruno Kirby, James Russo, Anne Heche, Gerry Becker, Robert Miano, Brian Tarantina, Rocco Sisto, Zach Grenier, Gretchen Mol, Tim Blake Nelson, Paul Giamatti u.a.
Donnie Brasco

In Mike Newells „Donnie Brasco“ spielt Michael Madsen den Mafioso Sonny Black

Basierend auf den Memoiren des Undercovercops Joseph D. Pistone drehte der vor allem für die romantische Komödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ bekannte Mike Newell 1997 den Gangsterfilm „Donnie Brasco“.

Donnie Brasco – das ist der Deckname, mit dem Joseph Pistone (Johnny Depp) in der New Yorker Unterwelt unterwegs ist. Als vermeintlicher Diamantenexperte gewinnt er das Vertrauen des alternden Mobsters Benjamin Ruggiero (Al Pacino), auch bekannt als Lefty oder Lefty Two Guns. Man erfährt nichts über Pistones Vorgeschichte, die Etablierung seiner Identität oder Details seines Auftrags. Stattdessen beeilt sich Newell damit sein Ankommen in der Mafia zu zeigen, den Fokus auf seine Arbeit innerhalb des Mobs zu legen.

Lefty bürgt für Donnie und sorgt dafür, dass dieser auch von Sonny Black (Michael Madsen), dem Anführer von Leftys Gruppierung, ins Vertrauen gezogen wird. Doch je tiefer Donnie in die Szene gezogen wird, umso schwerer wird sein Auftrag…

Donnie Brasco

Benjamin ‘Lefty’ Ruggiero (Al Pacino) führt Joseph Pistone (Johnny Depp) alias Donnie Brasco in die Mafia ein

„Donnie Brasco“ verfügt über eine imposante Besetzung, wenngleich Johnny Depp („Lone Ranger“), wohl auch drehbuchbedingt, in erster Linie nur die Klischees der Undercoverdaseins verkörpert und nur selten wirklich gefordert erscheint – meist dann, wenn er die Linie zwischen Auftrag und freundschaftlichen Gefühlen beschreiten muss. Dagegen kann Al Pacino („Hundstage“) ganz groß aufspielen, da sein Lefty kein souveräner Gangster wie Michael Corleone ist, sondern ein Gernegroß, der vom Leben abgehängt wurde, und Pacino verkörpert diese Mischung aus Elend und Mackerattitüde hervorragend. Ebenfalls famos ist Michael Madsen („The Killing Jar“) als Lebemann und Unterboss, der in dieser dankbaren Rolle aufgeht und die Szenen förmlich an sich reißt. Eindruck schindet auch Anne Heche („Wild Card“) als Ehefrau Pistones, während die sonstigen Nebendarsteller, darunter Tim Blake Nelson („Der unglaubliche Hulk“) und Paul Giamatti („Paycheck“) in frühen Rollen, im Hintergrund überzeugenden Support leisten.

Was „Donnie Brasco“ allerdings – wahre Geschichte hin oder her – immer wieder den Atem raubt, das ist die Tatsache, dass in erster Linie zig Klischees des Films über den verdeckten Ermittler erfüllt werden: Die Entfremdung von der Familie, das Verschwimmen Tarn- und realer Identität, die Freundschaft für Zielpersonen, vor allem Lefty. Gerade die Szenen im Pistone-Heim wirken als Bremsklötze des Films, vor allem, da man über Pistone und seine Familie so gut wie gar nichts weiß, man den Ermittler fast nur in seiner prekären Rolle kennt, wodurch diesen Szenen einfach der Druck fehlt, auch wenn es natürlich tragisch ist, wenn Pistone des Jobs wegen Frau und Kinder immer wieder enttäuschen muss – eine Familie, die er als Donnie zu ihrem Schutz verschweigen muss.

So ist Lefty die wesentlich interessantere Figur: Einer, der die Regeln und Gepflogenheiten der Mafia kennt, hinter dessen hemdsärmeliger, häuslicher Fassade auch ein Killer steckt, wie man zumindest im Dialog erfährt (26 Morde gehen auf sein Konto), der aber nie in der Hierarchie aufsteigt, der vor großen Coups ausgeschlossen wird und der als eine tragische Figur erscheint, seinen Verbrechen zum Trotz. Man kann Pistones Mitleid für und Freundschaft mit dem alternden Gangster verstehen, die seinen Auftrag in Gefahr bringt. Und in einer der letzten Szenen des Films, eine in der Lefty seine Wohnung verlässt, stellen Newell und Pacino in kleinen Gesten die große Tragik Leftys dar.

Donnie Brasco

Sonny Black (Michael Madsen) hat das Sagen als Unterboss in seinem Revier

Doch diese Geschichte trägt den Film nicht allein, der als episodenhafte Aneinanderreihung von Stationen in Pistones Ermittlerkarriere erscheint. Coups in Manhattan, spätere Geschäfte in Miami, ein interner Zwist unter verschiedenen Mafiagruppierungen – alles ganz interessante und teilweise auch miteinander verwobene Teilstücke, die aber brav aberzählt werden, ohne dass Newell große Spannung aus ihnen schlagen würde. Selten ist die Gefahr des Auffliegen groß, die eine Szene, in der tatsächlich mal nach einem Verräter in den eigenen Reihen gesucht wird, sorgt auch nicht für Schweißschübe, da bereits andere Sündenböcke bereitstehen. Ein anderer Moment, in dem Pistone mit einem Abhörgerät in einem Stiefel ein japanisches Lokal mit den anderen Gangstern betritt und die Schuhe ausziehen soll, fängt auch nur ansatzweise die Gefahr der Situation ein, wird doch recht einfach gelöst, da Newell insgesamt stimmig, aber ohne den nötigen Zug inszeniert.

Das ist schade, denn „Donnie Brasco“ hat starke Momente – das Ende des Films schafft nicht nur Mitleid für Lefty, immerhin ein kaltblütiger Killer, sondern lässt auch Pistones Ehren hohl und falsch erscheinen, ein kurzes Massaker unter Mafiosi ist die einzige rauere, aber doch druckvolle Szene und auch als Bild von Mafiagepflogenheiten überzeugt „Donnie Brasco“: Die Scherze, die Rituale, der Slang der Gangster, all das wird dem Zuschauer, vor allem bei der Einführung Donnies durch Lefty, nahegebracht und sorgt für Atmosphäre.

So ist „Donnie Brasco“ einerseits stimmig in seiner Zeichnung des Mafiamilieus, gut besetzt und gerade von Pacino und Madsen eindrucksvoll gespielt. Doch es bleibt dann ein handelsüblicher Undercoverfilm, der gerne spannender sein dürfte und dessen Titelfigur zu wenig Profil gewinnt, auch wenn das Bild der Männerfreundschaft zum tragischen Lefty seine starken Momente hat, die aber eben auf das Konto der Figur des gealterten Gangsters gehen.

Starke:

Nach diversen DVD-Auflagen ohne Originalton ist der Film inzwischen bei Highlight/Constantin als hübsche DVD mit Originalton, guter Bildqualität und ein paar netten Extras (Interviews, Making Of), allerdings ohne Untertitel. In einigen Ländern ist auch ein Extended Cut des Films auf DVD erschienen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Highlight/Constantin__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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