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Don’t kill it aka The Demon Hunter

Originaltitel: Don’t Kill It__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Mike Mendez__Darsteller: Dolph Lundgren, Kristina Klebe, Miles Doleac, Billy Slaughter, Jasi Cotton Lanier, Aaron McPherson, Michael Aaron Milligan, Tony Bentley, Emily Brobst, James Chalke u.a.

Am 27. August 2016 war Regisseur Mike Mendez („Big Ass Spider“) in Berlin auf dem Fantasy Film Fest, um hier seinen neuesten Film „Don’t kill it“ in einer Work-in-Progress-Version zu präsentieren. Diese entspräche etwa zu 90 Prozent dem finalen Film in Mendez’ Kopf. Einige Special Effects müssten noch hinzugefügt und ein paar finale Anpassungen im Schnitt getätigt werden, um etwa das Tempo noch straffer zu gestalten. Bevor er den Film final zur Begutachtung freigab, meinte der Regisseur mit einem schelmischen Grinsen:

I hope, you like Violence…

Don't kill it

Dolph Lundgren jagt einen Dämon in “Don’t kill it”. Das Besondere: Er darf den Unhold nicht töten! © Burning Sky Films / Archstone Pictures

Chickory Creek ist eine kleine Gemeinde in Mississippi, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und wirklich nie irgendwas passiert. Bis zu dem einen Tag, wo der Hund eines Jägers eine seltsame Phiole findet und sich nach dem Kontakt mit ihr aggressiv auf sein Herrchen stürzt. Dem gelingt es mit Mühe und Not, das Tier zu erschießen, doch sogleich scheint der Jäger selbst wie von Sinnen. Er stürmt nach Hause und richtet zu brachialer Musik und verstörend schreiend seine eigene Familie hin. Als er zu den Nachbarn stürmt und auch diese richten will, wird er vom Mann der Familie erschossen…

Doch dessen Familie ist nun längst nicht sicher. Denn plötzlich beginnt auch ihr Familienoberhaupt seltsam zu schreien und die Waffe gegen die eigenen Kinder zu richten. Schwarzblende. Titel-Einblendung. Applaus im Saal. Mendez’ Film schlägt direkt zu Beginn voll ein. Punktet mit amtlichem Splatter und purem Terror. Ein Auftakt nach Maß…

Wenig später taucht in dem beschaulichen Städtchen eine FBI-Agentin auf. Die Aufgabe von Agent Evelyn Pierce ist simpel: Sie soll herausfinden, ob die immer häufiger vorkommenden Morde in dem kleinen Städtchen in irgendeiner Verbindung stehen. Die extreme Willkürlichkeit der Taten lässt Pierce diese Theorie aber bald anzweifeln. Da taucht auf einmal Jebediah Woodley in der Gemeinde auf.

Ein Hüne. Im Indiana Jones Outfit. Über und über mit Glücksbringern behangen. Der läuft Pierce recht bald über den Weg und hat alsbald einen Verdacht, was in Chickory Creek vorgehen könnte. Jebediah ist nämlich Dämonenjäger und hier scheint ein besonders gefährlicher Dämon zu wirken. Obendrein einer, den Jebediah nur zu gut kennt.

Natürlich glaubt Pierce dem Dämonenjäger kein Wort. Vor allem, als der berichtet, der Dämon gehe im Augenblick des Todes seines Wirtskörpers auf denjenigen über, der den Wirtskörper umgebracht habe. Doch je mehr Zeit sie notgedrungen mit Jebediah verbringt, umso mehr ist die Agentin von der Wahrheit seiner Worte überzeugt. Doch wie kann man einen Dämon überhaupt besiegen?

Schaut in den Dämonenspaß „Don’t kill it“ mit Dolph Lundgren hinein

Indiana Jones trifft den Exorzisten. So könnte man „Don’t kill it“ ganz gut zusammenfassen. Das trifft auch den grundsätzlichen Ton des Filmes verdammt gut, denn Mike Mendez nimmt seinen Film offenkundig keine Sekunde ernst. Rückt ihn mit zunehmender Laufzeit immer mehr in Richtung Funsplatter und zehrt von der einnehmenden Performance seines Hauptdarstellers Dolph Lundgren („Joshua Tree“), der mit präzisem Timing und grandios trockenem Humor eine Figur entwirft, bei der man sich förmlich wünscht, dass dieser Film nicht ihr letzter Auftritt sein möge.

Dementsprechend fühlt sich „Don’t kill it“ auch permanent wie der Pilot eines Franchises an. Wir erfahren gerade das Nötigste über Jebediah. Vor allem was ihn motiviert und antreibt, hebt sich Mendez eindeutig für weitere Filme mit dem Charakter auf. Die Story selbst ist dabei schnell erfasst, wenngleich sich Mendez Mühe gibt, sie immer mal wieder mit kleineren Schlenkern zu erweitern. So spannt er um die Figur der Agentin Pierce eine weitere hübsche Mythologie auf, die gut zum Film passt, aber leider ein wenig kurz kommt. Auch ein paar amoklaufende Kirchenanhänger sorgen für weitere Spannungsmomente.

The Demon Hunter

“Don’t kill it” wird in Deutschland als “The Demon Hunter” erscheinen. © Koch Media

Letzten Endes geht es Mendez aber um die pure Jagd von Pierce und Mendez auf den Dämon, der einen interessanten Modus Operandi abbekommen hat, den Mendez grandios komisch auszunutzen vermag und mit amtlich Blutgematsche umsetzt. Highlight ist dabei ein Gemetzel in einer Kirche, bei dem Arme und Beine abgetrennt, Köpfe zerschossen und Körper von Schrottkugeln zerfetzt werden. Mittendrin der Dämon, der munter von Körper zu Körper springt und Dolphs Figur vor die schier unlösbare Aufgabe stellt, den aktuellen Wirtskörper irgendwie festzusetzen – lebendig!

Es ist im Übrigen eine interessante Randnotiz, dass ausgerechnet Actionikone Lundgren als Jebediah inmitten des größten Blutrausches keine einzige Figur töten darf und ausschließlich mit nichtmortalen Waffen hantiert. Das hätte man von dem ersten Funsplatterausflug des Schweden sicherlich nicht gedacht. Der witzelt sich lieber relaxt durch den Plot und hat eine ausgezeichnete Chemie mit der Pierce-Darstellerin Kristina Klebe („The Last Heist“), die eine angenehm taffe, selbstbewusste Agentin geben darf. Derweil dürfen alle anderen Darsteller, meist Laiendarsteller oder Filmcrew-Mitglieder, mit Äxten, Wummen und sogar Kettensägen hantieren und ein ausschließlich handgemachtes Blutbad auslösen.

Optisch sieht man dem Film an, dass er in kürzester Zeit und mit limitierten Mitteln umgesetzt wurde. Er hat ein paar schöne Kamerafahrten zu bieten und ein Auge für atmosphärisch stimmige Bilder, lässt aber immer wieder auch die Trash-Vorliebe seines Machers durchscheinen. Leider kann ich über den finalen Look insofern nicht viel sagen, dass der Film eben noch nicht fertig war. Etwa das Color-Grading noch vor sich hatte. Auch waren ein paar Special Effects noch nicht fertig umgesetzt (Seilzüge beispielsweise waren noch nicht wegretuschiert). Einen glattgebügelten HD-Langweiler wird man hier aber definitiv nicht vorgesetzt bekommen. Dafür sind die Bilder definitiv zu gritty…

Was am Ende bleibt, ist ein großer Spaß, der sich, sollte Mendez nicht noch irgendwer entscheidend dazwischenfunken, äußerst unterhaltsam von Blutbad zu Blutbad hangelt, eine kurzweilige Geschichte mit nettem Humor erzählt, dank aufwühlender Musik ein paar derbe Terrormomente einzustreuen vermag und mit Dolph Lundgren einen klasse Helden aufzufahren versteht. Mäkeln kann man freilich trotzdem. So fühlt sich „Don’t kill it“ ein bisschen zu wenig wie ein eigenständiger Film an. Er wirkt eben immer wie eine Franchise-Eröffnung, die einige Fragen offen lässt. Zudem hängt die auf dem Fantasy Film Fest präsentierte Version von „Don’t kill it“ im Mittelteil immer mal wieder kurz durch. Schlussendlich wirkt so manche darstellerische Leistung nicht ganz rund. Ansonsten kann man eigentlich nur hoffen, dass Mendez Nägel mit Köpfen macht und hier tatsächlich der Grundstein für eine feine B-Reihe gelegt wurde.

7 von 10

„Don’t kill it“ tourte mit dem Fantasy Film Fest durch deutsche Lande. Die finale deutsche Version wird von Koch Media kommen und zwar am 27. April 2017 unter dem Titel “The Demon Hunter”. Aktuell ist der Film auf einigen amerikanischen Leinwänden zu sehen. Dort hat er es dank einer Crowdfunding-Aktion hin geschafft. Gleichzeitig bieten ihn in den USA einige VOD-Dienste zum Anschauen an.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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