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Enter the Blood Ring

Originaltitel: Enter the Blood Ring__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1995__Regie: Tom Oliver__Darsteller: John Gumboc, Ben Maccabee, Rigan Machado, Deron McBee, T.J. Storm, Robert Z’Dar, Sheila Meldoy, Wendy Pitts u.a.
Enter the Blood Ring

Das freche Cover von “Enter the Blood Ring” behauptet, der Hauptdarsteller des tollen “Knock Out” spiele hier mit (2.v.l.). Der war damals vermutlich noch nicht einmal im Kindergarten.

Luke führt ein sehr unstetes Leben. Er zieht immer in die Stadt, in der er mit seinen Fähigkeiten als Kampfsportler das meiste Geld machen kann. Denn Luke ist auch Vater und sein Sohnemann ist schwer erkrankt. Eine experimentelle Operationsart könnte Abhilfe schaffen, doch selbige ist in den USA noch nicht zugelassen. Wie Luke herausgefunden hat, wird die Operation jedoch in Sydney bereits durchgeführt. Doch Australien kann er sich für sich und seinen Sohn Adam nicht leisten.

Dementsprechend nimmt er jede Chance wahr, den eigenen Kontostand zu erhöhen und die notwendige Summe schnellstmöglich anzusparen. Aktuell gastiert er sozusagen in Los Angeles. Hier arbeitet er tagsüber als Taxifahrer und zimmert in der Nacht in einer üblen Spelunke anderen Fightern eine vors Fressbrett. Der Leiter des Nachtclubs gerät eines Tages bei einem Pokerspiel mit einem anderen Glücksritter aneinander und man beschließt eine Großwette um eine Million Dollar.

Wessen Fighter bei einem Turnier am Ende noch steht, der bekommt den ganzen Wett-Pott. Des Weiteren loben sie 500.000 Dollar für den siegreichen Fighter aus. Natürlich erkennt Luke die sich bietende Chance und wird Teil des Turniers.

Egale Story trifft viel Gehaue

So bekannt die Story klingt, so egal ist sie letzten Endes auch. „Enter the Blood Ring“ gibt selbst keinen Pfifferling auf selbige. Stattdessen lässt er sich und seine Figuren gefühlt durch die Nächte von Los Angeles treiben. Bis die Idee rund um das Turnier aufkommt, ist über die Hälfte des Filmes bereits gelaufen. Bis dahin bekommen wir Luke vorgestellt, lauschen seinen trüben Gedanken, wenn er mit dem Taxi durch L.A. cruist, und kriegen zig nichtssagende Fights auf die Netzhaut gebrannt. Fights, bei denen lange Zeit weder Luke noch dessen vermeintlicher Endgegner irgendeine Rolle spielen.

Und trotzdem wird der irre billig aussehende Actionfilm nicht langweilig. Auch dank schöner Musik verfängt die melancholische Grundnote von „Enter the Blood Ring“ echt gut. Luke-Darsteller Ben Maccabee („Beyond the Trophy“), der in den Credits als Benjamin Kobby geführt wird und auch mit an der Story herumschraubte, kommt zudem sehr sympathisch rüber und verfängt beim Zuschauer. Die grundlegende Situation ist zwar Klischee pur, fühlt sich aber auch angenehm vertraut an. Eine gewisse Ereignislosigkeit kann man dem Film aber nie absprechen, auch wenn gute 50 Prozent der 90 Minuten Laufzeit aus reinem Fratzengeballer bestehen.

Da in jenen aber dem Zuschauer nichtssagende Figuren aufeinander einkloppen, hält sich das Involvement und die Spannung in Grenzen. Allerdings sind in diesen Szenen Männer am Wirken, die einerseits wissen, was sie da machen, und die andererseits auch versuchen, verschiedene Stile zu präsentieren. Was dann zumindest für den einen oder anderen aufmerksamkeitsheischenden Moment sorgt, vor allem, wenn man mit Kampfsport im Film etwas anzufangen weiß. Zudem sieht man in einigen Einstellungen einfach, dass die sich hier teils richtig derbe eine einschwenken.

Doch selbst wenn die Idee vom Turnier dann erst einmal installiert ist, startet „Enter the Blood Ring“ nicht plötzlich durch. Eher im Gegenteil. Es wird von Qualifizierungsfights gelabert, von denen man aber nichts zu sehen bekommt. Luke handelt sich zudem Ärger mit dem Jugendamt ein, er wird bestohlen und und und. Noch einmal: „Enter the Blood Ring“ lässt sich treiben. Lange. Erst in den letzten 15 Minuten steigt dann das eigentliche Turnier.

Das beginnt direkt mit einer faustdicken Überraschung und installiert mal eben im Vorbeigehen einen neuen Superbösewicht. Der darf in wenigen Minuten allen Hass auf sich ziehen. Da werden die bisherigen Supergegner Lukes innert Sekunden alle platt gemacht und Vertraute des Helden gehen über den Jordan. Wofür sich andere Martial-Arts-Filme sonst die ganze Laufzeit nehmen, dafür braucht „Enter the Bloodring“ keine fünf Minuten. Leider wird das Turnier selbst nicht spannungstechnisch gepusht.

Es gibt keine Moderatoren, keine Charaktere, die den Fortgang beschreiben oder die Dramatik betonen. Wie schon zuvor gibt es einfach amtlich Fratzengeballer, nur diesmal eben mit intensiverer Einbindung unseres Helden. Ring und Ringumgebung – beziehungsweise Zuschauermassen – passen zu dem bisherigen eher billigen Eindruck. Zumindest das tonale Geschehen aus Gejubel und Kampfgeräuschen ist atmosphärisch dicht. Leider fehlt dem Final-Fight dann ein spektakuläres Element. Etwa ein Superfinisher für den blitzschnell zum Ultrabösen aufgebauten Superfighter. Zumal der Film irgendwie reichlich harmlos rüberkommt und mit Blut und gebrochenen Knochen sichtlich haushalten muss.

Und auch die Story um die beiden Wetter verpufft etwas ungehört im Nichts. Einer von beiden wird im Übrigen von der – wortwörtlichen – Charakterfresse Robert Z’Dar („Final Sanction“) gegeben. Darstellerisch fällt er aber ebenso wenig auf, wie alle anderen „Darsteller“ im Cast. Darunter auch Kicker T.J. Storm („Black Cobra“) und Deron McBee („The Base II“), der hier mit dem schönen Künstlernamen Malibu in den Credits auftaucht.

„Enter the Blood Ring“ sieht scheiße aus, hat aber seine Qualitäten

„Enter the Blood Ring“ kann man mit Fug und Recht als Ultra-Low-Budget-Streifen bezeichnen. Alles am einzigen Film von Regisseur Tom Oliver ist einfach so richtig billig und fühlt sich auch so an. Die deutsche DVD unterstreicht das mit ihrer extrem unscharfen Optik und dem mülligen Sound nur. Und trotzdem hat der Film seine Momente.

Die melancholische Grundnote funktioniert ebenso wie der zwischen unpräsent und zupackend changierende Held. Die zahlreich aufgefahrenen Klischees werden erstaunlich solide bedient und auch wenn die Fights keinerlei echten Dramaturgie folgen, gibt es einige echt gute Einlagen zu bestaunen. Das Ergebnis ist freilich nichts für Jedermann, aber Fans amerikanischer Martial-Arts-Filme können dank der zahlreichen Fights durchaus mal einen Blick wagen und testen, ob sie von der belanglosen Handlung gecatcht werden.

4 von 10

Die deutsche DVD zum Film kommt von WMM und ist mit einer FSK 18 ungeschnitten. Deren Bildqualität passt, wie bereits erwähnt, zur billigen Gesamtanmutung des Filmes. Etwas Schärfe wäre dann aber trotzdem nicht verkehrt gewesen. Aber die war aus der VHS-Vorlage bereits gewichen, wie es scheint.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: WMM__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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