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Eraser

Originaltitel: Eraser__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: Chuck Russell__Darsteller: Arnold Schwarzenegger, James Caan, Vanessa Williams, James Coburn, Robert Pastorelli, James Cromwell, Danny Nucci, Andy Romano, Nick Chinlund, Michael Papajohn, Joe Viterelli, Mark Rolston u.a.

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Cover

Arnold Schwarzenegger ist der “Eraser”

Eraser – oder man könnte auch sagen: Terminator Special Edition, inklusive Emotionschip. Der Beschützer hat jetzt ein menschliches Gewissen und damit feiert eine Legende des Actionfilms schon mal ihren vorzeitigen Abschied.

Denn “Eraser” ist der letzte große Old School-Actioner des Hünen aus der Steiermark, der auszog, die Amerikaner das Ballern von Munition und fetten Onelinern zu lehren. Man kann nur spekulieren, warum es danach nie mehr so recht klappen wollte – vielleicht war Arnie einfach inzwischen zu alt, vielleicht hat auch Michael Bays “The Rock” mit seiner neuen Mischung aus Explosionen, Pathos und Hochglanz den Tunnel mit einem tosenden Steinschlag ein für allemal versperrt, wer weiß. Ich will nicht den letzten großen Erfolg unterschlagen, doch “Terminator 3″ funktionierte eher auf der Retroschiene und war weniger eine weitere Entwicklung in die Zukunft, sondern vielmehr ein Schritt zurück. Und so sehen wir Schwarzenegger unter Chuck Russells Regie zum letzten Mal so, wie wir ihn nun, nach seiner Karriere, in Erinnerung behalten werden: in Aufsicht gefilmt, zwei Monsterguns in der Hand haltend und mit humorlosem Gesichtsausdruck schnell, aber zielgerichtet um sich ballernd.

Das Skript von Tony Puryear und Walon Green ist eine todsichere Sache gewesen, denn ihm unterliegt ein eindeutiger Parallelismus zu “Terminator”, dem größten Erfolg in Schwarzeneggers Karriere. Wieder gibt es eine Firma, die mit gefährlicher Waffentechnologie experimentiert und erneut bekommt der Österreicher die Rolle des Beschützers auf den Leib geschrieben. Der Schützling, in “Terminator 2″ noch ein hilfloser Junge, ist diesmal eine gutgläubige Frau, die dem FBI auf den Leim geht und sich plötzlich zwischen den Fronten wiederfindet. Passend besetzt mit Ex-Miss America Vanessa Williams, die erst mit diesem Film zurück in die kommerzielle Spur fand, lässt sich in dieser Beziehung und der in “T2″ kein Unterschied finden – glücklicherweise wird auch komplett auf eine mögliche Romanze verzichtet, die sich Drehbuchautoren sonst in solchen Konstellationen ja fast reflexartig aus den Fingern saugen.

In Sachen Logik und Feingliedrigkeiten sind selbstverständlich Abstriche zu machen, aber wer etwas anderes erwartet hat, sitzt ohnehin im falschen Kino. Worauf es ankommt, ist eine flotte Handlung und reichlich furiose Action, und bei Gott, die liefert Russell ebenso variabel wie gut dosiert in teilweise einmaligen Sequenzen.

Der Filmtitel an sich ist ja schon ein Versprechen, das mit der Opening Sequence sogleich eingelöst wird. “Eraser” beschreibt wie der “Terminator” wiederum einen Mann (respektive ein Objekt) der Tat, jemanden, der sich über seine Handlungen definiert – ein Zerstörer, ein Auslöscher. Schwächen, sprich einen vielschichtigen Charakter wird man damit hundertprozentig nicht erwarten. Statt dessen eine unzerstörbare Killermaschine – oder zumindest einen Mann, der auf seinem Gebiet die absolute Referenz ist. Und genau das bekommt man geboten. Verstohlen blitzen die Credits auf dem tiefschwarzen Hintergrund auf und zerren sich mit einem elektronischen Geräusch auseinander; dazu ein aufputschender Score, der einiges ankündigt. Die “Batman”-ähnliche Ausrüstungsmontage mit kurzen Close Ups von Händen, die irgendwelche Waffen am Körper befestigen, mystifizieren den Mann, der kurz darauf wie ein Schatten im schwarzen Ganzkörperanzug ein Haus betritt, wo ein paar Typen gerade dabei sind, eine Frau und eine Labertasche (Robert Pastorelli) zu foltern. Der erste der Eindringlinge stirbt per Kabel um den Hals, der zweite vor dem Kühlschrank mit einem Hühnchen im Mund. Ganz leise, bis der Anführer die Lunte riecht und die erste Schießerei – von der jeder weiß, wie sie ausgehen wird – ausbricht. Die Herren sind tot, der Mann im Samurai-Anzug zieht die Maske ab und es ist John Kruger (Schwarzenegger), der “Eraser”. Ohne Zeit zu verlieren, erfolgen wie eingeübt die weiteren Schritte: Kunstblut auf die beiden Überlebenden, Foto gemacht, zwei Leichen ins Wohnzimmer gelegt, die Polizei angerufen, die Hütte in Brand gesteckt und schon kennen wir die Arbeitsweise des Mannes, der in der folgenden Geschichte für Lee Cullens (Williams) Sicherheit verantwortlich sein wird.

Schaut in den Trailer zu “Eraser”

Dann folgt ein wenig Handlung und Charaktereinführung, damit das folgende Wechselspiel aus Action und Storywende seinen Lauf nehmen kann. Dabei ist auffällig, dass die Actionsequenzen wie Höhepunkte extra vorbereitet werden und damit genaugenommen isoliert vom Rest ihren Lauf nehmen. Doch das stört deswegen nicht, weil jede dieser Szenen wie ein Storytwist funktioniert, der eine neue Zielausrichtung zur Folge hat. Beim ersten Angriff auf Lees Leben gewinnt die Zeugin erstmals Vertrauen zu Kruger; beim Einsatz im Heim einer anderen Zeugin wird der Maulwurf aus dem Zeugenschutzprogramm entlarvt.

Bemerkenswert dabei ist der ungemeine Einfallsreichtum in Anordnung und Ausführung der Action. Man mag sich über mäßig animierte (für 1996 aber noch passable) CGI-Krokodile aufregen können oder die absurde Überzogenheit des Fallschirmsprungs, doch gerade letzterer ist das den Film selbst überdauernde Actionhighlight der kompletten Neunziger Jahre. Dass die Überlebenswahrscheinlichkeit dermaßen auf die Probe gestellt wird, ist nicht per se eine Neuheit; die Handschrift ist an dieser Stelle klar und deutlich die von James Bond. Dem fehlte allerdings die Griffigkeit und Over-the-Top-Attitüde, die Schwarzeneggers Sprung ins Nichts vorweisen kann. Technisch ist die Sequenz zwar nicht unbedingt perfekt, aber begonnen beim Storyboard bis zur Konsequenz bei der Umsetzung wirkt die Fallschirmszene wie eine Adrenalinkapsel, die direkt in die Hauptschlagader gepumpt wird. Die Schnittmontage gerade kurz vor der Landung ist unglaublich effektiv und muss sich vor der entsprechenden Szene in “Gefährliche Brandung” nicht verstecken. Sie wird dann – auch das ist typisch Schwarzenegger – auf dem sicheren Boden mit erleichterndem Humor gebrochen, wenn sich zwei Kinder auf ein Tauschgeschäft “Fallschirm plus 50 Dollar gegen Daddys Auto” einlassen. Der verdutzte Gesichtsausdruck des Hauptdarstellers und die ungläubig ausgesprochene Nachfrage “50 Dollars?” mit ihrem österreichischen Akzent sind Ergebnis mehrerer Ausflüge in die Welt der Selbstironie mit Filmen wie “Last Action Hero” oder “True Lies”.

Schwarzenegger bleibt bei alledem selbstverständlich der Mann, der niemals aufgibt. Der Nervenkitzel in der Luft ist schnell verarbeitet, aber auch sonst bleibt dem Mann nichts erspart: Da bohren sich Teile eine Splitterbombe durch die Hand und ein Holzsplitter einer zusammenfallenden Lagerhalle spießt das Bein auf in einer Explizitheit, die sonst seinen härteren Filmen vorbehalten war. Doch gilt der Vorsatz “Fremdkörper aus dem Fleisch ziehen, Mund abputzen und weiter geht’s”. So groß der Schaden, so wahrscheinlich, dass es eben am Ende doch nur eine Fleischwunde bleibt. Zwar fehlt John Kruger die Emotionslosigkeit einer Maschine, doch rein physisch funktioniert er wie eine solche.

Das Cover zeigt dann aber doch, dass sich der Mann mit den durchaus menschlichen Denkprozessen im Finale doch noch in eine Maschine verwandelt, zumindest für einige Sekunden. Bei der Maschinisierung hilft ihm die Railgun, neben dem Star am Set sicherlich die Zutat, die dem Projekt im Vorfeld eine hilfreiche Werbung war. Den Einsatz einer Technologie, “die sonst auf Kriegsschiffen montiert wird”, als Handfeuerwaffe – das ist schon sein Publikum wert und der Einsatz der Hi-Tech-Monster verspricht in Händen der Bösen wie auch des Guten nicht zu viel. Wie hochpräzise Miniraketenwerfer lässt Russell die Projektile durch die Luft wirbeln, einen (per CGI generierten) Dunst aus blauen und grünen Stoffen hinterlassend, die kurz nach Eintreffen des Blitzgeschosses wieder oxidieren. Das schaut fantastisch aus und spätestens, wenn am Ende eine ganze Halle zu Bruch geht und ein Gefecht zwischen zwei Türmen am Hafen seinen Lauf nimmt, kann sich der Actionfanatiker ein Honigkuchengrinsen nicht mehr aus dem Gesicht wischen. Auch fast 25 Jahre später muss man feststellen, dass es seitdem keine vergleichbaren Innovationen in der Schusswaffen-Action mehr gegeben hat.

Kurz zusammengefasst: Mit “Eraser” darf man zufrieden den Abschied Schwarzeneggers aus seinem klassischen Metier feiern. Ein letztes Mal darf er seinen eigenen Mythos untermauern anstatt wie kurz darauf an ihm zu nagen. Die Zutaten sind alle da und sie funktionieren damals wie heute: ein Larger-than-Life-Held, große Explosionen, bahnbrechende Actionszenen voller Variation, ein etwas plattes, aber zweckmäßiges Skript, ein (glücklicherweise nicht zu aufdringlicher) Buddy, eine hübsche Frau in Not, ein gemeiner Verräter-Fiesling und last but not least ein dicker Score, der das Gerüst beisammenhält. Faszinierend ist es, dass exakt dieser Film, würde er genauso heute gedreht werden – mit einem ebenso jungen Schwarzenegger, mit absolut den gleichen Kameraeinstellungen und allem drum und dran – vermutlich ganz anders aufgenommen worden wäre, denn im Actiongenre hat sich zu viel getan. Erstaunlich, dass man einen Film wie “Eraser” heutzutage immer noch akzeptiert, aber eben nur nach Berücksichtigung seines Entstehungsdatums und der Vita seines Stars…

7 von 10

“Eraser” lief ab August 1996 in den deutschen Kinos und wurde anschließend auf VHS veröffentlicht. Im Jahr 1999 folgte dann die DVD, die im inzwischen ausgestorbenen Warner-Brothers-Snapper Case auf den Markt gebracht wurde. Das stark gepixelte Artwork sieht nach schlechter Auflösung des Quellmaterials aus, betont aber neben dem Motiv (Schwarzenegger mit zwei Railguns und humorlosem Gesichtsausdruck) die Terminator-Parallelen. Extras werden abgesehen vom Kinotrailer und einigen Texttafeln keine geboten, dafür gibt’s massig Untertitel (21 Stück) und drei Sprachen in 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch). Im Jahr 2013 folgte dann noch eine Blu-ray mit verändertem Cover-Artwork, das sich offenbar eher an die Agententhriller-Fraktion richtet. Diesmal sind gar keine Extras dabei, dafür allerdings einige Sprachen mehr.

Bildergalerie von “Eraser”

Eraser

Vanessa Williams manövriert sich schon früh in eine missliche Lage.

Eraser

Eindeutig der Schwarzenegger aus der glorreichen Terminator-Zeit: in Aufsicht gefilmt und cool wie ein Eiszapfen.

Eraser

Agenten des Zeugenschutzprogramms buchen grundsätzlich Flüge erster Klasse.

Eraser

Drei Jahre nach Jurassic Park… wäre in Sachen Computeranimation vielleicht schon ein bisschen mehr drin gewesen.

Eraser

“Niemand verscheißert die Gewerkschaft!”

Eraser

James Caan (Alien Nation – Space Cop L.A. 1991) schüttelt das selbstgefällige Arschloch nur so aus dem Hemdsärmel.

Eraser

Die Leuchtspuren der Projektile aus den Railguns werten die Waffen-Action optisch ungemein auf.

Eraser

Der mit Abstand ikonischste Filmmoment gesellt sich ein letztes Mal zu den Sternstunden in Schwarzeneggers Karriere.

Sascha Ganser (Vince)

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