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Escape Plan 2: Hades

Originaltitel: Escape Plan 2: Hades__Herstellungsland: China, USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Steven C. Miller__Darsteller: Sylvester Stallone, Dave Bautista, Jaime King, 50 Cent, Jesse Metcalfe, Wes Chatham, Lydia Hull, Baylee Curran, Vincent Young, Ashley Cusato, Huang Xiaoming u.a.
Escape Plan 2: Hades

Sylvester Stallone und Dave Bautista haben in “Escape Plan 2: Hades” eher kleinere Rollen inne.

Escape Plan“ war bestimmt kein Film für die Unendlichkeit. Aber bei Actionfans wird der Film aufgrund des Gipfeltreffens der Genre-Ikonen Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone auf ewig ein Stein im Brett haben. Bei den Chinesen lief der Film rund um einen coolen Superknast so gut, dass sich direkt Investoren für gleich zwei Fortsetzungen fanden. Wie die allerdings auf die Idee kamen, Steven C. Miller die Regie zu überantworten, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest bäckt der keine kleinen Brötchen, schwebte ihm doch ein Film a la „Blade Runner“ oder „Aliens“ vor…

Nach den Ereignissen rund um „The Tomb“ hat Ray Breslin sein Team aus Ausbruchsexperten deutlich aufgestockt. Inzwischen sind seine Mannen sogar rund um den Erdball unterwegs, um gezielt Gefangene beispielsweise aus den Händen von Terroristen zu befreien. Sein talentiertester Mitstreiter ist Shu, der nach einem missglückten Einsatz von Ray den Befehl erhält, mal für eine Weile abzuschalten und sich Strategien zu überlegen, wie er seine Leute zu einem Team umformen kann.

Kurz vor Ende des Zwangsurlaubes erklärt sich Shu auf Bitten seiner Cousine bereit, in Thailand auf deren Bruder aufzupassen. Das Technikgenie stünde aufgrund seiner alles umwälzenden Ideen auf der Abschussliste hochrangiger Techno-Lumpen. Tatsächlich werden Shu und sein Cousin attackiert. Shu kann zwar die meisten Angreifer ausschalten, doch ein Stromstoß aus einem Betäubungsgewehr setzt seinem Widerstand dann doch ein Ende. Als Shu wieder zu sich kommt, erklärt ihm eine elektronische Stimme, dass er Gefangener in dem Supergefängnis Hades sei.

In dem gilt es, in immer neuen Fights gegen andere Inhaftierte anzutreten und sich so Vergünstigungen wie Essen zu erkämpfen. Shu hat sehr schnell die Schnauze voll von dem Knast. Zumal er erfährt, dass sein Cousin irgendwo in dem Gemäuer dauergefoltert wird, weil man ihm den Inhalt eines bestimmten Patentes entlocken will. Da erfährt Shu, dass ein ehemaliger Kollege unter den Gefangenen weile. Zudem landet ein weiterer Kollege wegen seinen Nachforschungen rund um Shus Verbleib in dem Knast. Und natürlich ist auch Ray extrem neugierig, was seinem besten Mitarbeiter widerfahren ist…

Schaut in “Escape Plan 2: Hades” mit Sylvester Stallone hinein

Um direkt so mancher Enttäuschung vorzubeugen: Sylvester Stallone hat in „Escape Plan 2: Hades“ keine wirkliche Hauptrolle. Aufgrund gut über den Film verteilter, teils arg kurzer Auftritte wirkt er zwar omnipräsent, den Hauptanteil der Handlung schultert allerdings Xiaoming Huang als Shu. Und der füllt seine Rolle eigentlich ziemlich gut aus. Kommt charismatisch rüber, kann amtlich hinlangen und geriert sich auch nicht als strahlend weißer Ritter.

Rund um ihn lanciert „Escape Plan 2: Hades“ einen recht jungen Cast. Fast wie eine Art Kontrapunkt zur doch eher betagten Besetzung des Vorgängers. Leider haben Jesse Metcalfe („Dead Rising: Endgame“) und Wes Chatham („The Philly Kid – Never Back Down“) nicht halb so viel Ausstrahlung wie Xiaoming Huang, dem so das Arnold-Schwarzenegger-Gegenstück fehlt, dass Sly im Vorgänger hatte. Stallone selbst greift erst 30 Minuten vor Schluss aktiv mit ins Geschehen ein und walzt dann mit seiner Performance eigentlich alles und jeden platt.

Dabei hat Sylvester Stallone („Creed“) auch ein paar coole Szenen abbekommen. In einer rüden Ballerei darf er diverse Lumpen umnieten und in einem coolen Fight einen Gegner „kreuzigen“. Sylvester Stallone macht so eindeutig klar, dass obschon seine Rolle eher klein ausgefallen ist, er in „seinem Franchise“ immer noch die Hosen anhat . Leider bietet das Franchise storytechnisch in Teil zwei leider kaum mehr als einen neuerlichen Aufguss des Vorgängers.

Dabei versucht „Escape Plan 2: Hades“ einen ähnlich coolen Kniff um den Knast an sich zu etablieren, wie es dem Vorgänger recht eindrucksvoll gelang. Doch weder macht dieser Kniff Sinn noch wird auch nur ansatzweise einmal präsentiert, wie dieser funktionieren / in der Praxis aussehen soll. Das „Warum?“ für diesen Kniff wird einem obendrein ebenso wenig präsentiert wie das „Warum?“ hinter der gesamten Story von „Escape Plan 2: Hades“. Was die Lumpen hinter all den Vorgängen antreibt, man weiß es nicht. Zumindest wird angedeutet, dass in „Escape Plan 3“ genau das mehr Raum einnehmen soll.

Ansonsten folgt „Escape Plan 2: Hades“ den gleichen Wegen wie das Original. Shu landet in dem Knast, versucht sich einen Eindruck von den Abläufen zu machen, Verbündete zu finden und den Aufbau des Knasts zu begreifen. Damit das nicht langweilig wird, muss er in einer Tour gegen andere Insassen in einer Art Arena kämpfen, die die Knastbosse als „den Zoo“ bezeichnen. Außerhalb des Knastes zieht Stallone mit Dave Bautista („Guardians of the Galaxy“) um die Häuser. Mit dem wird für Teil 2 zwar auch groß geworben, er hat aber noch weniger Screentime als Sly und wirkt wenig präsent. Was auch für den grandios gelangweilt wirkenden Titus Welliver („Transformers – Ära des Untergangs“) gilt.

Vielleicht machte für letzteren aber das ganze Knast-Szenario, von dem er wesentlicher Bestandteil ist, auch keinen rechten Sinn? Denn da ist nicht nur der „Kniff“, der nicht funktioniert. Genauso wenig machen die Knastroboter irgendeinen Sinn. Einer von ihnen wird optisch gar als eine Art fädenziehendes Superhirn der ganzen Anlage präsentiert, kommt aber seltsamerweise nie zum Einsatz. Die menschlichen Wärter entwickeln keinerlei Bedrohungspotential und die ganzen Superfeatures des Knastes, dargereicht in spuckigster Digital-Effekt-Form, sind einfach nur richtig übel.

Apropos Darreichung: In technischer Hinsicht ist „Escape Plan 2: Hades“ ein Spiel aus Licht und Schatten. Steven C. Miller („Arsenal“) inszeniert, wie von ihm gewohnt, in breiten Bildern. Er ist sichtlich bemüht um einen raueren Look. Er kleidet seinen Film durchweg in dunklere Bilder als das beim Vorgänger der Fall war. Neonfarbende Lichter (überwiegend Komplementärfarben) bilden dazu einen Kontrast und sollen – glaubt man dem Regisseur im Making Of – Reminiszenzen an „Blade Runner“ darstellen. Diese Analogie kam mir beim Gucken eher weniger. Viel eher wirkt „Escape Plan 2: Hades“ durch diese Beleuchtung gerne mal deutlich billiger, als er war.

In der Action dynamisiert Miller seine Bildsprache deutlich. Vor allem in den Fights geht die Schnittfrequenz doch deutlich nach oben. Gerade Xiaoming Huangs Kampfsporteinlagen wirken so durchaus ein wenig zerschnitten. Ansonsten haben die Actionszenen für eine Emmett-Furla-Oasis-Produktion neueren Datums durchaus mal wieder etwas mehr Druck unterm Pony. Die digitalen Blutspritzer nerven dabei aber genauso wie die üblen Digitalexplosionen gleich zu Beginn des Filmes. Keinerlei Vorwurf müssen sich „The Newton Brothers“ machen lassen, die für „Escape Plan 2: Hades“ einen fetten elektronischen Rumpelscore auf die Beine gestellt haben, der den des Originals locker in den Schatten stellt.

“Escape Plan 2: Hades” oder: Wer nicht vergleicht, wird nicht total enttäuscht…

Was am Ende bleibt, ist ein Film, bei dem man es tunlichst unterlassen sollte, zu viel mit dem Vorgänger zu vergleichen. Gegen die sympathische Charisma-Show der Genre-Ikonen Sly und Arnie sieht das Sequel einfach nur richtig alt aus. Richard C. Miller sucht denn auch schnell sein Heil in der Flucht nach vorne. Versucht jeglichen Leerlauf mittels Kloppereien und Ballereien zu übertünchen und schickt seinen ordentlichen Helden immer wieder ins Gefecht.

Leider stellt die belanglose Story sowohl Regisseur als auch Hauptdarsteller mehr als einmal ein Bein. Die Tatsache, dass die finale, vollumfängliche Auflösung des Ganzen in die nächste Fortsetzung verschoben wird, hilft da auch nicht wirklich weiter. Man darf zudem gespannt sein, inwiefern die Story-Reste aus der zwei einen ganzen weiteren Film füllen sollen. Dazu gesellen sich miese Digitaltricks, unlogische Momente, hohle Dialoge und einige schwache Darsteller.

Dennoch kann man mit „Escape Plan 2: Hades“ durchaus auch ein paar amüsante Momente verleben. Richtig langweilig wird es nie und das Tempo ist stimmig. Die ordentlich über den Film verteilte Action ist nett in Szene gesetzt und vor allem Sylvester Stallone macht in seiner Rolle einfach richtig Laune.

4 von 10

In Deutschland hat sich KSM des Filmes angenommen und diesen bereits von der FSK prüfen lassen. Dabei kam eine sehr passige FSK 16 heraus. Eine VÖ noch in diesem Jahr scheint also wahrscheinlich. Das Review basiert auf der Code 1 DVD von Lionsgate. Diese hat wie die Blu-ray auch ein paar Extras zu den Dreharbeiten an Bord. Darunter ein Special zur Entstehung der für den Film vollkommen sinnlosen Roboter. Ein schönes Beispiel für das Setzen falscher Prioritäten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der US-VÖ: Lionsgate__Freigabe: Rated R__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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