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Extraction

Originaltitel: Extraction__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Steven C. Miller__Darsteller: Bruce Willis, Gina Carano, Kellan Lutz, Harry Turner, Summer Altice, D.B. Sweeney, Dan Bilzerian, Joshua Mikel, Lydia Hull, Nikki BreAnne Wells, Steve Coulter u.a.
Extraction

“Extraction”: Bruce Willis’ nächster Eintrag in eine ganze Serie von B-Film-Nebenrollen für den schnellen Paycheck…

Leonard Turner steckt in der Klemme. Seine Tarnung ist aufgeflogen und ein Killerkommando ist auf dem Weg zu seiner Familie, um selbige hinzurichten. Zwar kann sich Leonard selbst aus seiner misslichen Lage befreien, doch zumindest für seine Ehefrau kommt jede herbeigerufene Hilfe zu spät. Sie wird vor den Augen des gemeinsamen Sohnes Harry umgebracht.

Harry bereitet sich ab diesem Tag exzessiv darauf vor, ein CIA-Agent wie sein Vater zu werden. Er will Gutes tun und anderen Menschen helfen. Jahre später werden seine Gesuche auf Feldeinsätze für die CIA immer wieder abgelehnt. Man brauche ihn als Bürohocker. Was ihm freilich gar nicht schmeckt. Da ereilt ihn und seine Vorgesetzten die Nachricht, dass sein Vater Leonard schon wieder enttarnt worden und ein paar Terroristen in die Hände gefallen sei.

Mit ihm haben die Terroristen die Steuerungseinheit für ein Programm namens „Condor“ erbeutet, welches, einmal ins Netz hochgeladen, die Kontrolle über jedwede Telekommunikation erlaubt. Mit Leonard als Druckmittel wollen die Terroristen den Aktivierungsschlüssel für das Programm erpressen. Harry sieht derweil seine Stunde gekommen. Entgegen aller Befehle bricht er auf, um seinen Vater zu befreien. Dabei kreuzt er die Wege von CIA-Agentin Victoria, die zum einen wirklich auf den Fall angesetzt ist und zum anderen eine gemeinsame Vergangenheit mit Harry hat. Gemeinsam will man Leonard befreien…

Die sich daraus entwickelnde Story ist hinlänglich bekannt und in Klischees erstarrt: Man hangelt sich von Hinweis zu Hinweis, lässt sich von Freund Zufall unter die Arme greifen und macht immer mal ein Päuschen, um irgendwem aus irgendeinem nichtigen Grund eine zu dübeln. Regisseur Steven C. Miller („Silent Night“) etabliert dafür ein passiges Tempo und dreht seinen Stiefel äußerst routiniert runter. Nur in den Momenten rund um „Condor“ verzetteln sich Regisseur und Drehbuch immer wieder.

Es wird schnell klar, dass dieser sogenannte Super-Hack kaum mehr ist, als ein Vorwand, um die Handlung kurzerhand noch etwas größer zu machen. Von der persönlichen Schiene runter zu kommen und mal eben die ganze Welt zu bedrohen. Das ist prinzipiell nur recht und billig. Macht hier aber teilweise so gar keinen Sinn und führt sogar zu groben logischen Schnitzern (etwa wenn die Entführer bei Nichterfüllung ihrer Forderungen mit einer Aktion drohen, die sie mittels Condor nur dann durchführen könnten, wenn ihre Forderungen erfüllt werden). Auf diesen Storystrang sollte man wirklich gar nichts geben.

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CIA-Agent Leonard lässt sich gerne mal enttarnen…

Etwas mehr Aufmerksamkeit sollte man dafür der leider nur sporadisch aufkommenden, dann aber sehr kompetent umgesetzten Action widmen. Dabei steht vor allem Hauptdarsteller Kellan Lutz („The Expendables 3“) in seiner Rolle als Harry im Fokus. Denn der bekommt vom Fight-Choreographen Simon Rhee (Bruder von B-Mime Phillip Rhee („Karate Tiger 4“) und versierter Stuntman der Traumfabrik), ein paar richtig fette Fights auf den muskulösen Körper gezimmert. Dabei ragt ein top choreographierter, extrem schneller und effektiver Kampf gegen einen Asiaten auf einer Disco-Toilette weit aus dem Rest heraus. Hier lässt Rhee Lutz richtig glänzen!

Doch auch in den restlichen Fights – Lutz lässt mehr die Fäuste kreisen anstatt zu ballern – macht der Mime eine großartige Figur und empfiehlt sich nachhaltig für weitere schnelle B-Actioner. Zudem kommt er in seiner Rolle durchaus sympathisch rüber, was auch daran liegt, dass die Chemie zwischen ihm und seinen Co-Stars Bruce Willis und Gina Carano („Deadpool“) ziemlich stimmig ist. Vor allem letztere darf aber von ihren Skills nur erstaunlich wenig zeigen. Es wirkt fast, als habe Regisseur Miller gar keine Ahnung, wenn er hier vor der Kamera stehen hat…

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Kellan Lutz wird vom Actionregisseur des Streifens top in Szene gesetzt!

Bruce Willis („Vice“) wirkt dafür deutlich besser eingespannt. Zwar hat er nur eine größere Nebenrolle, doch diese scheint ihm durchaus Spaß gemacht zu haben. Er ist sogar mal wieder richtig in Action zu erleben und lässt auch den einen oder anderen netten Spruch vom Stapel. Er ist dann auch Teil des schlussendlichen Twistes von „Extraction“, der die Handlung vielleicht nicht unbedingt aufwertet, zumindest aber die Condor-Albernheiten ein Stück weit vergessen macht.

Was „Extraction“ leider fehlt, ist etwas Aufwand. Vor allem in der Action. Explodieren will hier einfach nichts. Autoverfolgungsjagden werden dank seltsamer Vorwände umgangen. Und der Showdown wirkt viel zu kleinteilig. Auch ist das Ganze ein wenig blutleer geraten, sieht man mal von einigen wenigen Kopfschüssen ab. Zumindest lässt sich Steven C. Miller in Sachen Optik nicht lumpen. Er hat ein spürbares Faible für Komplementärfarben, allgemein stark farbkorrigierte Bilder und Lense-Flare-Effekte. Er bemüht sich um ansprechende Schauplätze und sorgt in der Action für ordentlich Tempo und schnelle Schnitte. Der absolute Burner aber ist der treibende, elektronische Score, der den Film förmlich vor sich her peitscht und nicht zur Ruhe kommen lässt.

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Zwischen Lutz und Carano stimmt die Chemie. Dafür sind die Versuche der Regie, Carano sexy wirken zu lachen, meist eher lächerlich.

Was am Ende bleibt, ist ein netter kleiner B-Kracher, der sich vor allem in Kellan Lutz’ Actionhelden-Vita gut macht und ihn mehr als nur einmal richtig gut aussehen lässt. Dabei stolpert der Mime durch eine 0815-Handlung, die erst gegen Ende etwas zuzulegen versteht und immer wieder von dem überflüssigen Condor-Geschwafel konterkariert wird. Erstaunlicherweise wird das Tempo der Handlung durch diese Störfeuer und eine gewisse Ereignislosigkeit kaum beeinträchtigt. Dennoch hätte der Film definitiv zwei bis drei Actionszenen mehr sehr gut vertragen können. Vor allem eine feine Fight-Szene von Frau Carano wäre eigentlich Pflicht gewesen. Die vorhandenen Actionmomente sehen jedoch toll aus, wurden stark choreographiert und machen richtig Laune.

Die englische DVD zum Film erschien bei dem Label Kaleidoscope und ist mit einer Freigabe ab 15 ungeschnitten. Die deutsche Ausgabe erscheint am 6. Oktober 2016 von New KSM und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: Kaleidoscope__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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