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Fantasy Island

„Fantasy Island“ ist die Blumhouse-Horrorversion der Seventies-Serie. Maggie Q, Lucy Hale, Ryan Hansen, Jimmy O. Yang und Austin Stowell geraten auf die titelgebende Insel, die Fantasien wahr macht. Dummerweise wenden sich diese früher oder später ins Negative, müssen aber bis zum Ende durchgestanden werden. So wird die Wunscherfüllung zum Überlebenskampf.

Originaltitel: Fantasy Island__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Jeff Wadlow__Darsteller: Michael Peña, Lucy Hale, Maggie Q, Ryan Hansen, Jimmy O. Yang, Austin Stowell, Portia Doubleday, Michael Rooker, Kim Coates, Charlotte McKinney, Parisa Fitz-Henley u.a.
Fantasy Island

In der Blumhouse-Horror-Version von “Fantasy Island” gerät unter anderem Maggie Q auf die titelgebende Insel

Der Output der Blumhouse-Schmiede mag insgesamt mit Hit-and-Miss ganz gut umschrieben sein, doch eines muss ihnen auf jeden Fall lassen: Sie stehen für variantenreichen Horror, oft mit politischem Unterton und doppeltem Boden, egal ob Rassismusparabel („Get Out“), Gewaltdystopie („The Purge“ plus Sequels) oder Menschenjagdfilm („The Hunt“). So ist auch die Neuinterpretation der Seventies-Serie „Fantasy Island“ als Horrorstoff sicher nicht alltäglich.

Nach all den Comedy-Reboots von „Starsky & Hutch“ über „21 Jump Street“ bis „Baywatch“ nun also mal ein seichter Abenteuer-Drama-Stoff im neuen Horrorgewand, wenn auch eher für das breitgefächerte (Teenie-)Publikum, weniger für die beinharten Gorehounds. Wobei die Marschrichtung schon von der Eingangsszene vorgegeben wird, in der Sloane Maddison (Portia Doubleday) von maskierten Männern gejagt und im Büro von Mr. Roarke (Michael Peña) gestellt wird. Die Blumhouse-Version unter der Regie von Jeff Wadlow („Kick-Ass 2“) orientiert sich dabei mehr an den späteren Staffeln der Serie und baut einen klar übernatürlichen Aspekt ein – es arbeitet weniger das Personal und mehr die Insel selbst, deren Verwalter der undurchsichtige Roarke ist.

Seinen neuen Gästen gegenüber tritt er freundlich auf, welche die Erfüllung der jeweiligen Fantasien gewonnen haben. Die ungleichen, angeheirateten Brüder Brax (Jimmy O. Yang) und J.D. Weaver (Ryan Hansen) wollen „es alles haben“ und eine extravagante Riesenparty mit Musik, Models, Beach Boys, Alk und Drogen feiern, mit sich selbst als wohlhabenden Gastgebern. Gwen Olsen (Maggie Q) will eine Fehlentscheidung gutmachen, als sie den Heiratsantrag ihres Freundes ablehnte. Patrick Sullivan (Austin Stowell) will an einem Militäreinsatz teilnehmen, im Andenken an seinen Soldatenvater, der verstarb, als Patrick noch ein Kind war. Und Melanie Cole (Lucy Hale) will Rache an Sloane nehmen, die sie in der Highschool-Zeit quälte. Sie alle glauben zu diesem Zeitpunkt noch, dass die Fantasien im wörtlichen Sinne Fantasie bleiben, also Täuschung und Spezialeffekt – der Zuschauer weiß es spätestens mit Sloanes Auftauchen besser.

Doch nicht nur sind die Fantasien unheimlich real, mal auf angenehme, mal auf unangenehme Weise, sie scheinen sich auch immer mehr ins Negative zu wandeln. Da die Bedingung von Mr. Roarke jedoch jene war, dass jeder seine Fantasie konsequent bis zum Ende durchleben muss, wird die Wunscherfüllung zum Überlebenskampf…

Fantasy Island

Was hat Mr. Roarke (Michael Peña) mit Melanie Cole (Lucy Hale) und Patrick Sullivan (Austin Stowell) vor?

„Fantasy Island“ ist gewissermaßen der zweite Lauf eines erprobten Teams: Blumhouse produziert, Jeff Wadlow führt Regie und schreibt das Drehbuch zusammen mit Jillian Jacobs und Christopher Roach, Lucy Hale spielt eine Hauptrolle und nach der PG-13-Fassung im Kino gibt es auf den Medien für daheim den längeren Unrated-Cut – alles wie bei „Wahrheit oder Pflicht“. So wirkt „Fantasy Island“ dann auch weniger wagemutig als manch andere Blumhouse-Produktion. Eine ergraute Serie, an die sich kaum jemand erinnert, zum Horrorstoff umzudeuten, ist kein revolutionärer Akt und das progressive Profil der Firma scheint bestenfalls in der Aussage durch, dass auch lockere Partyboys offen schwul sein können ohne in Klischees zu verfallen. Klischeehaft sind dafür die Messages und die Lehren, die am Ende sogar fast wörtlich von Figuren vorgetragen werden: Lerne mit Fehlentscheidungen zu leben. Lebe nicht in der Vergangenheit. Vergebung ist besser als einen Groll hegen.

Aber hier geht es auch weniger um Botschaften und Subtexte, hier ist Eye Candy angesagt. Nicht nur die Insel-Location ist schön anzuschauen, auch die jeweiligen Fantasien sorgen für Eye Candy und Ausflüge in verschiedene Genres. Gwen bekommt nüchterne Romantik, Brax und J.D. den Partyfilm mit Jetskis im Pool, Patrick den bleihaltigen Kriegsactionfilm und Melanie den düsteren Torture Porn. Das läuft eine Weile etwas nebeneinander her, auch wenn eine verbrannte Gestalt und eine unheimliche schwarze Flüssigkeit zu den Konstanten in jeder Fantasie gehören. Zur Mitte zieht „Fantasy Island“ dann an, wenn nicht nur die Fantasien eskalieren, sondern sich auch Querverbindungen auftuen. Die einzelnen Fäden werden mehr und mehr miteinander verknüpft, bis zur Auflösung, deren komplizierten Konstruktion man vielleicht besser nicht allzu doll auf Logik hin abklopft.

Fantasy Island

Gwen Olsen (Maggie Q) möchte den größten Fehler ihres Lebens rückgängig machen

Der Showdown in einem Höhlensystem unter der Insel ist leider auch inszenatorisch eher mäßig mitreißend. Man schleicht durch die Gänge, jeder begegnet den üblichen Hui-Buh-Spukgestalten persönlicher Prägung und nach dreifachem Twist kommt dann die Wende zum Besseren, zumindest für jene, die es bis dahin geschafft haben. Das ist etwas schade, denn bis zum Finale spielt „Fantasy Island“ mit den Erwartungen der Zuschauer, auch was mögliche Schurken angeht. Ist Roarke gut oder böse? Handelt er im Auftrag der Insel, wird von ihr beherrscht oder treibt er das Geschehen? Gibt es noch einen anderen Hintermann? Und hat der zauselige Damon, die Truppe aus dem Unterholz beobachtet, Gutes im Schilde?

Michael Rooker („Das Belko Experiment“) schüttelt die Rolle als besagter Damon aus dem Ärmel, bleibt aber eine Randnotiz. Auch Portia Doubleday („Youth in Revolt“) kommt trotz größerem Part nicht so richtig im Film an. Im Gegensatz zu Kim Coates („Officer Downe“) in einer Nebenrolle: Jedes Mal, wenn er auftritt, dann klaut er fast den Film. Der gehört aber den unterschiedlich guten Hauptdarstellern. Jimmy O. Yang („Crazy Rich“) und Ryan Hansen („Veronica Mars“) als Party-Brüder sowie Maggie Q („Three Kingdoms“) als einfühlsame Stimme der Vernunft überzeugen auf ganzer Linie. Austin Stowell („12 Strong“) als Möchtegern-Soldat mit Vaterkomplex und Lucy Hale („Scre4m“) als Social-Media-besessene Millenial-Vertreterin fallen dagegen eher in die Kategorie so lala. Spitze ist dafür Michael Peña („Ant-Man and the Wasp“), der Roarke als charismatischen und charmanten Kerl anlegt, bei dessen ausgesuchter Höflichkeit man sich aber nie sicher ist, ob sie nur Fassade oder Ausrede ist, wenn seine Gäste durch die Hölle gehen.

Fantasy Island

Melanie, Gwen und Patrick kommen mit den Party-Brüdern Brax (Jimmy O. Yang) und J.D. Weaver (Ryan Hansen) auf der Insel

Denn kein Wunsch erweist sich als das, was er sein sollte – diese Häme kennt man aus dem Horrorfilm „Wishmaster“ ebenso wie aus der Komödie „Teuflisch“. Mit denen teilt „Fantasy Island“ die Schadenfreude, etwa wenn sich geile Villa, in der Brax und J.D. feiern, als Domizil eines Kartellbosses erweist, was unliebsame und schwer bewaffnete Zeitgenossen anlockt. Wobei der Humor in „Fantasy Island“ eher dezent ist, ebenso wie der Horror. Denn gruselig ist Wadlows Film nur selten und auch nicht sonderlich gewalttätig. Selbst die Unrated-Version bietet zwar ein paar ansatzweise blutige Einschüsse und kleinere Nickeligkeiten, ist aber immer noch recht zahmes Futter für den Teenie-Videoabend. Wobei es dann wohl eher um Schauwerte geht, wenn Gwen eine „Backdraft“-würdige Feuersbrunst durchschreitet, schwer bewaffnete Soldaten sich Feuergefechte liefern oder Wendy und Sloane von einem illustren Schurken namens Dr. Torture verfolgt werden. Aber das ist auch das Konzept von „Fantasy Island“: Viele bunte Schauwerte aus verschiedensten Genres, hübsch zusammengesetzt, aber konsequent an der Oberfläche.

Genauso gestaltet sich dann auch der ganze Film: Es ist ordentlich was los, gerade im Mittelteil, und das Ganze hat ordentlich Tempo, wartet aber auch mit Klischees und Holzhammerbotschaften auf, gerade im Abgang. Es gibt ein paar nette Jokes, etwa wenn sich das Ganze am Ende als Prequel zur TV-Serie erweist (und erklärt, warum diese wenig horrormäßig ausfiel). Die Suche nach den Querverbindungen der Fantasien ist anfangs nett, aber dafür ist der Showdown konventionell und die Auflösung reichlich konstruiert. „Fantasy Island“ ist ein okayer Genremix, aber ohne jede Nachhaltigkeit.

„Fantasy Island“ wurde von Sony am 20. Februar 2020 in die deutschen Kinos gebracht und läuft wegen der Corona-Krise manchmal immer noch. Im Kino lief die PG-13-Fassung mit FSK 16, für den Heimkinomarkt wurde die Unrated-Fassung mit der gleichen Freigabe geprüft. Diese soll sowohl auf der deutschen DVD und Blu-Ray enthalten sein, die eigentlich am 20. Juni erscheinen sollten. Wahrscheinlich aufgrund der Corona-Krise wurde das Release inzwischen auf den 1. Oktober verschoben. In den USA sind DVD und Blu-Ray des Films schon erhältlich.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja (ab 1. Oktober 2020)

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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