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Fast & Furious 6

Originaltitel: Fast & Furious 6__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Justin Lin__Darsteller: Vin Diesel, Paul Walker, Jason Statham, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Gina Carano, Jordana Brewster, Luke Evans, Elsa Pataky, Gal Gadot, Sung Kang, Tyrese Gibson u.a.
Fast & Furious 6

Vin Diesel, Michelle Rodriguez, The Rock und Jason Statham rocken in “Fast & Furious 6”

Nachdem Justin Lin das Fast & Furious Franchise übernommen und mit „Fast Five“ und der darin gebotenen Tresor-Verfolgungsjagd alle Kinnladen gen Kinoboden donnern ließ, war die Vorfreude auf Teil 6 der einstigen Ein- und Auspark-Prollsaga, die sich mit jedem Teil mehr zum veritablen und unterhaltsamen Actionfranchise mausert, schon ziemlich groß. Zumal der Epilog von „Fast Five“ bereits einen interessanten Handlungsschlenker ankündigte, denn die todgeglaubte Letty schien demnach quicklebendig zu sein …

Und genau an diese letzte Szene des furiosen Actionhammers „Fast Five“ knüpft „Fast & Furious 6“ an und strickt eine funktionale, wenngleich nicht sonderlich aufregende Geschichte darum. In dieser taucht Hobbs bei Dom und Brian auf, die vor dem Zugriff der amerikanischen Behörden ins Ausland geflohen sind und im Ausland ihren Traum von Freiheit leben. Brian ist inzwischen Vater und lässt es wie Dom deutlich gemächlicher angehen. Immerhin hat man dank dem Coup in Brasilien auch keine finanziellen Sorgen mehr. Doch Hobbs, die Dampframme im Dienste der Verbrechensbekämpfung, will beide wider Erwarten nicht einbuchten. Vielmehr braucht er ihre Hilfe. Er ermittelt gegen Owen Shaw, einen Söldner, der mit seiner Crew rund um den Globus spektakuläre Überfälle durchführt und aktuell die Einzelteile einer „Technobombe“ zusammenklaut, die die Kommunikation eines Staates für entscheidende Stunden ausschalten könnte. Unterstützung erhält er ausgerechnet von Letty. Es steht freilich außer Frage, dass Dom und Brian ihr altes Team zusammentrommeln, um Shaw das Handwerk zu legen, Letty zurück in die Familie zu holen und sich eine Begnadigung für frühere Taten zu verdienen…

Fast & Furious 6

Dom und sein neuer “Kumpel” Shaw wechseln ein ernstes Wörtchen.

Und der Rest ist Action. Nun gut, nicht ganz, aber zu einem gewissen Teil schon. Und Justin Lin macht da weiter, wo er in „Fast Five“ aufhörte: Er schert sich einen Dreck um Plausibilität, Logik oder Physik und versucht stattdessen, jede Actionszene mehr knallen zu lassen, als jene davor. Alles beginnt mit einer Autoverfolgungsjagd in Londons Straßen, bei der sogenannte Ramp-Cars zum Einsatz kommen, die für spektakulärste Stunts und Überschläge sorgen und schon klar machen, dass sich „Fast & Furious 6“ nicht mit Blechschäden zufrieden geben wird, sondern stattdessen auf großformatige Zerstörung setzt. Das unterstreicht dann die zweite große Actionszene, in der man mit einem Panzer auf einer Autobahn einfach alles platt macht. Gerade in dieser Szene sollte man lieber nicht fragen, wie viele Kollateralschäden hier die Folge wären, denn während mancher Autobesitzer sichtlich vor der herannahenden Kriegsmaschine flüchten darf, sieht es für manch anderen deutlich finsterer aus. Hier erreicht „Fast & Furious 6“ ein ähnliches Zynismusniveau wie „Fast Five“ in der spektakulären Tresorszene. Glücklicherweise erreicht „Fast & Furious 6“ in diesen Momenten aber auch spielend die Wucht und Intensität der Tresorszenerie, was die zweite große Actionszene im Film einfach nur genial knallen lässt.

Die abschließende große Showdownactionsequenz in und um ein Transportflugzeug setzt dann noch einmal einen drauf und punktet mit der längsten Startbahn der Filmgeschichte, einigen netten Fights, einem genialen Big Bang zum Abschluss und coolen Ideen, die die eigene Vorstellungskraft in Sachen Stuntarbeit immer wieder mühelos übertreffen. Zwischen den drei Highlightszenen steigen diverse kleinere Scharmützel: Seien es nette Keilereien, in denen der „The Raid“ Darsteller Joe Taslim und „Haywire“ Mimin Gina Carano die Glanzpunkte setzen, kleinere Autoverfolgungsjagden oder Ballereien, die ordentlich Druck machen, gleichzeitig aber auffällig blutleer bleiben. Überhaupt tut sich „Fast & Furious 6“ schwer, Figuren endgültig aus dem Spiel zu nehmen/zu töten. So wird schon mal Ewigkeiten herumgeballert, ohne dass auch nur eine Figur getötet oder verwundet wird.

Fast & Furious 6

Das ganze “Fast & Furious 6” Team um Dom und Brian.

Derartige Schönheitsfehler in der Fast & Furious Königsdisziplin Action stehen echten Problemen in der Kategorie Story gegenüber. Denn hier stottert es diesmal deutlicher als im Vorgänger. „Fast & Furious 6“ fokussiert sehr stark auf Dom und dessen Beziehung zu Letty. Dabei gehen diverse andere Charaktere ziemlich unter. Allgemein verliert Lin diesmal sein Ensemble aus dem Blick. Manche werden zu bloßen Gagmaschinen (Roman und Tej), andere machen krampfig auf emotional (Gisele und Han), wieder andere werden uncharmant aus dem Film gedrängt (Mia und Elena) und vor allem die Bösewichter dürfen nie so recht böse sein. So liefert Luke Evans als Shaw zwar eine durchaus gute Leistung ab, wird aber irgendwie nie als echte Bedrohung wahr genommen. Seine Kompagnons erwischt es da ungleich schwerer. Und auf Seiten der Helden weiß Lin nicht viel mit Neuzugang Gina Carano anzufangen. Deshalb dreht er sich ihren Charakter hin, wie er ihn braucht. Und wenn Charmebolzen wie Paul Walker und The Rock plötzlich wirken, als stünden sie eigentlich nur in der Gegend rum und schauten sich an, was passiert, ist das schon ein echter Verlust für den Film.

Der leistet sich dann auch noch ein paar echte Tempohänger und versteift sich auf seltsam konstruierte, überflüssige Szenen, wie Brians Besuch in den USA als eingeschmuggelter Häftling. Ein sinnbefreiter Ausritt, von dem er zurückkehrt, als sei er erleuchtet wurden, obwohl man als Zuschauer all seine Erkenntnisse schon vor seinem Ausflug kannte. Und so verzettelt sich Lin diesmal mehrmals mit sinnlosen Füllszenen, highlightartig abgerundet von wirklich peinlichen Dialogzeilen Doms, der hier einen Fremdschämmoment nach dem anderen erzeugt, wenn er von Familie labert oder in pathetischen Endlosgesängen seinen Nimbus als schweigsame Muskelmaschine verspielt. Das ist gerade deshalb so schade, weil „Fast & Furious 6“ abseits dieser Szenen ein paar tolle Momente für Dom bereithält. Absolutes Highlight ist das wie ein flirtender Tanz wirkende Autorennen mit Letty, das in einem irre coolen Werbungsgespräch zwischen beiden Figuren mündet und Dom ziemlich faszinierend rüberkommen lässt. Leider wird dieser Moment ein wenig von der arg auf Autopilot agierenden Michelle Rodriguez geerdet. Ihr geht in dem Film jegliche Subtilität zugunsten seltsamen Machogehabes ab.

Fast & Furious 6

Die beiden menschlichen Dampframmen The Rock und Gina Carano

In technischer Hinsicht kann man sich bei dem Film nicht beschweren. Justin Lin inszeniert in fettesten Bildern und höchst dynamisch. Vor allem diverse Kameraflüge und Kamerafahrten machen ein ums andere mal staunen und erzeugen im Zuschauer fast schon erhabene Gefühle. Die Action kommt mit aller denkbaren Wucht und Kraft daher. Wollte Lin ein neuer Michael Bay werden, dieser Film wäre ein ideales Bewerbungsvideo. Denn Lin macht nicht einfach nur Sachen kaputt, nein, er zerstört sie und zelebriert dies mit einer geradezu kindlichen Verspieltheit. Da verzeiht man auch kleine Anschlussfehler – etwa The Rocks Bart, der mal da ist, dann wie von Geisterhand verschwindet, um nur Sekunden später wieder da zu sein. Auch wirken ein zwei CGI Shots nicht hundertprozentig gelungen (das Panzerfinale sei genannt), doch sich daran aufzuhängen, wäre schon ein wenig kleinlich. Ordentlich Power pumpt auch der Score in den Film und vor allem die ausgewählten Songs passen gut ins Fast & Furious Universum (weshalb wir auch direkt einmal den Soundtrack verlosen!).

Am Ende steht wieder eine Art Cliffhanger in Richtung eines weiteren Teils der Franchise. Hier darf Jason Statham mal ganz nebenbei ein Mitglied der Fast & Furious „Familie“ aus dem Spiel nehmen und den eiskalten Hund geben. Was den Anschein erweckt, als sei klar, in welche Richtung Teil 7 gehen könnte. Rache wird auf dem Programm stehen, denn niemand vergreift sich an der Familie. Und vielleicht erweist sich ein solcher, noch persönlicherer Ansatz als ein idealerer Storyantrieb als die Familienrückführung von Letty in vorliegendem „Fast & Furious 6“? Denn auch wenn selbige zu wahrhaft gigantischen Actionszenen führt, so hat sie die eine oder andere Fehlzündung in Sachen Story zu verzeichnen. Was bleibt, ist ein Actionbrett mit fantastischen Schauwerten, das in Sachen Action das Pedal durchs Bodenblech tritt, in Sachen Story aber ziemlich schwächelt. Dankenswerterweise verfolgt „Fast & Furious 6“ aber den eingeschlagenen Weg konsequent weiter und setzt auf spektakuläre Action statt auf Tunergewäsch und reine Autorennen. Das Ergebnis ist besser als „Fast & Furious“ (sowie die drei Vorgänger), dafür aber schwächer als der in meinen Augen absolut spektakuläre „Fast Five“.

In diesem Sinne:
freeman



Weg vom Autorenn- und Tunerfilm, stattdessen ein Heist Movie mit Karren: „Fast Five“ hatte der Franchise einen neuen Anstrich gegeben und wurde auch überraschend gut aufgenommen. Kein Wunder, dass „Fast & Furious 6“ da an gleicher Stelle weitermacht.

Dominic ‘Dom‘ Toretto (Vin Diesel) und seine neue Flamme Elena (Elsa Pataky), seine Schwester Mia (Jordana Brewster) und ihr Mann Brian (Paul Walker) sowie das Team aus Gisele (Gal Gadot), Han (Sun Kang), Roman (Tyrese Gibson) und Tej (Ludacris) sind alle nach den Geschehnissen des fünften Teils untergetaucht, allein oder in den jeweiligen Partnerkonstellationen, schwerreich, aber als in ihrer Heimat gesuchte Verbrecher. Luke Hobbs (Dwayne ‘ The Rock‘ Johnson) hat mit Riley (Gina Carano) eine neue Partnerin bei der internationalen Verbrechensbekämpfung. Nur Teo und Santos fehlen, ihr Wegbleiben wird mit einem Satz erwähnt, doch vermisst werden sie nicht: Die Hauptattraktion, das waren schon vorher die anderen.

Was diese Crew wieder an den Start bringt, hatte bereits der Cliffhanger am Ende von „Fast Five“ gezeigt: Doms große Liebe Letty (Michelle Rodriguez) ist doch nicht tot, sondern erfreut sich bester Gesundheit – als Teil des Teams von Owen Shaw (Luke Evans). Der dreht mit seiner Crew aus Fahrern, Scharfschützen und Nahkämpfern ganz große Dinger, die ihm eine wertvolle Waffentechnologie beschaffen soll, die er wiederum verkaufen will. Die ganz einfach wie dämlich „Technobombe“ genannte Erfindung bleibt ein mehrteiliger MacGuffin, um den man sich prima käbbeln kann, mehr Bedeutung ist da nicht.

Hobbs wendet sich an Dom, der an den Rest und gemeinsam will man die Bande dingfest machen. Neben dem Heimholen von Letty in die Familie winkt die Begnadigung als Belohnung, doch man muss sich anstrengen, da Shaw und seine Crew mit allen Wassern gewaschen sind…

Fast & Furious 6

Paul Walker und Vin Diesel hoffen auf Begnadigung, …

Nachdem Teil 4 und 5 große Box-Office-Erfolge waren, ist die „Fast & Furious“-Serie zu einem attraktiven Projekt geworden, was man auch an der Besetzung sieht. Natürlich sind die alten Hasen alle wieder dabei, Vin Diesel als cooles Großmaul und Paul Walker als energischer Jungvater spielen sich die Bälle zu, Ludacris und Tyrese Gibson albern rum, während Sun Kang und Gal Gadot als Verbrecherpaar die wohl emotionalsten Momente des Films haben. Denn Jordana Brewster und Elsa Pataky werden schnell aufs Abstellgleis verfrachtet und nur noch für ein paar Szenen hervorgeholt, während Michelle Rodriguez fast nur als toughe Actionbraut auf Autopilot agieren darf und erst am Ende etwas auftaut. Gina Carano ist vor allem zur Demonstration ihrer aus „Haywire“ und ihrer MMA-Karriere bekannten Kampfkünste da, während Dwayne ‘The Rock‘ Johnson den harten, ach was, unkaputtbaren Hund ohne viel Mimik gibt, aber das mit einigem Charisma. Etwas blass die Schurkenriege: Luke Evans hat Ausstrahlung, aber komplett bedrohlich wirkt er nie, „The Raid“-Fighter Joe Taslim ist auch nur fürs Kloppen da und der Rest der Crew bekommt zwar ein Profil für jedes Teammitglied zugesprochen, kann aber dies nicht groß entwickeln.

Allerdings scheint sich das Team ein wenig auf dem Lob für den Vorgänger ausgeruht zu haben, scheint diesen einfach nur neu zu erzählen und toppen zu wollen, jedoch mit weniger Elan und Sorgfalt, was man dem Film leider schreiberisch anmerkt. Die Plottwists sind oft hanebüchen und aus der Luft gegriffen, mit den Verrätern und vorausgeplanten Schritten der jeweiligen Gegenpartei regelrecht unlogisch, aber Hauptsache überraschend, ganz egal ob nachvollziehbar oder nicht. Im Gegensatz zum Vorgänger macht sich die Überlänge teilweise unangenehm bemerkbar, gerade in den Szenen zwischen den Teammitgliedern, die das Thema der (Ersatz)Familie weiterentwickeln sollen, findet sich einiges an Füllmaterial, das vielleicht irgendwann mal nett gemeint war, aber doch nur schlecht geschrieben wie unnötig daherkommt.

Fast & Furious 6

… diese soll ihnen Superposer “The Rock” verschaffen. Doch …

War das Finale von „Fast Five“, in dem die Helden Sach- und unter Umständen (nicht explizit gezeigte) Kollateralschäden unter Zivilisten in Kauf nahmen, schon zwiespältig aufgenommen worden, da bietet „Fast & Furious 6“ gleich das Äquivalent dazu: In einer Actionszene auf Spaniens Straßen kommt gegen Ende ein Panzer zum Einsatz und walzt über diverse entgegenkommende Fahrzeuge einfach hinüber, deren Insassen man hin und wieder flüchten sieht, die es oft aber gar nicht können. Sicher, es sitzen Bösewichte am Steuer, aber wenn die kurz vor der obligatorischen Läuterung stehende Letty ihrem Boss nicht mehr als ein „Ist das wirklich nötig?“ an den Kopf wirft, dann wirkt das doch reichlich zynisch. Da können Dom und Brian zwar betonen, sie müssten die Leute schützen, bei der Begeisterung des Films für das Spektakel und die angerichtete Zerstörung wirken solche Argumente doch nur fadenscheinig.

Und auch sonst kann man moralisch sicher an dem Film herummotzen: Das Frauenbild ist oft rückständig bis sexistisch, Verbrechen wird gut geheißen und beim Barbecue der Hauptfiguren steht kein einziges vegetarisches Hauptgericht auf dem Tisch. Doch bei alledem muss man „Fast & Furious 6“ eines lassen: Er ist unglaublich ehrlich in seiner Dummheit und Prolligkeit. Dauernd platzierte Oneliner schwankender Qualität, übersteigerte Machposen (vor allem durch Hobbs) sowie ironische Brechungen (bei einem Anruf Hobbs‘ steht bei beispielsweise „Samoan Thor“ in Tejs Handydisplay) peppen den Film auf, der gewollt gaga daherkommt und schon bald keinen Zweifel mehr lässt, dass er eher in einen knallig-prolligen Parallelwelt spielt.

Fast & Furious 6

… der bringt sie und ihre Kumpels eher immer wieder in höchste Gefahr.

Dementsprechend wird die physische Glaubwürdigkeit noch stärker mit Füßen getreten als in jedem Vorgängerfilm, etwa wenn Hobbs aus einem fahrenden Auto auf ein anderes Auto hüpft, das auf einer mehrere Meter tiefer liegenden Straße fährt, dabei genauso wenig verletzt wird wie beim Abschütteln durch den Fahrer und dann noch im Fallen seine Knarre zieht. Bisweilen ist das Ganze zwar zu bunt getrieben, etwa beim Sprung vom Panzer oder dem Finale, das auf der wohl längsten Startbahn der Welt stattfindet, doch dafür haben sich die Macher Gedanken gemacht, was man dem Publikum noch bieten kann: Ein Rennen alter Schule gibt es für die Fans der Ursprungsfilme, bei den Autoszenen kommen als Schanzen fungierende Rennwagen, Panzer und Transportflugzeuge zum Einsatz, hier und da wird ein wenig geballert und für Freunde des Kampfsportkinos gibt es auch ein paar wohl gewählte Martial-Arts-Einlagen: Jah (Joe Taslim) gegen mehrere Gegner, Letty vs. Riley sowie Dom und Hobbs gegen Klaus (Kim Kold), ein überzüchtetes Muskelpaket, neben dem selbst die beiden schmächtig wirken. Der CGI-Einsatz ist merklich, aber es gibt noch genug handgemachte Crashs, Stunts und Fäusteleien und so erweist „Fast & Furious 6“ vor allem actionseitig als spaßiger Dienst am Kunden.

Insofern ist der neueste Teil der Reihe ein zweischneidiges Schwert: Das mit reichlich Füllmaterial und saudummen Plottwists aufwartende Drehbuch ist keine Freude, vor allem wenn es manche Figur gegen Ende recht lieblos herausschreibt, dafür darf man sich über die vertraute Crew und über den Film verteilte, gigantomanisch-exzessive Actionszenen ohne viel Logik, aber mit reichlich Schauwerten freuen. Das unterhält durchaus, doch wenn das Auftauchen von Ian Shaw (Jason Statham) den siebten Teil ankündigt, dann kann man nur hoffen, dass der die Qualitäten von „Fast Five“ wieder mehr berücksichtigt.

© Nils Bothmann (McClane)



Es gibt nicht viele Filmreihen, die es in der heutigen Kinolandschaft auf 5 Sequels bringen. “The Fast and the Furious” ist nun eine davon. Die Lachgas-getränkten Geschichten um eine Verbrecher-Community in der illegalen Straßenrennszene faszinieren ihre Anhängerschaft seit nun mehr 12 Jahren und werden in der Regel von Kritikern rigoros abgestraft. Das Franchise kleidet sich seit jeher in den transparenten Hauch einer Story und garniert diese mit mehr oder weniger spektakulären Effekten, prolligen Dialogen an der Grenze zur Lächerlichkeit (meist frei von ironischer Brechung) und einem mehr als fragwürdigen Frauenbild. Die Ziel-Klientel rennt den Kinos dennoch die Türen ein und macht die oft an der Grenze zur Lächerlichkeit operierende PS-Hatz um Freiheit, Ehre und Familie zu einer der erfolgreichsten Filmreihen überhaupt.

Das macht das “The Fast and the Furious”-Franchise wirtschaftlich zu einem der interessantesten und unvorhersehbarsten in der jüngeren Geschichte Hollywoods. Mit einem weltweiten Einspiel von 208 Millionen Dollar wurde der erste Teil von Rob Cohen 2001 zu einem Überraschungserfolg und Trendsetter, initiierte er mit seiner sympathisch-prolligen PS-Hatz doch einen gewaltigen Tuning-Boom, der versprach, die stilisierte, illegale Renn-Szene L.A.’s in die heimische Garage zu bringen. Auch Videospiele-Gigant Electronic Arts reagierte schnell und modelte die angestaubte Need for Speed-Serie auf das von Lachgas-beschleunigte und von Nachtrennen dominierte Tuning-Feuerwerk Need for Speed Underground um, welches prompt das erfolgreichste Spiel der Reihe wurde.

Fast a& Furious 6

Die Familie geht Dom über alles …

Kein Wunder, dass Universal möglichst schnell ein Sequel nachschieben wollte, für das Vin Diesel aber nicht zur Verfügung stand. Aufgrund des massiven Studiodrucks sprang auch Rob Cohen ab, was John Singleton ins Spiel brachte, welcher dann trotz schlechter Vorzeichen “2 Fast 2 Furious” im Jahr 2003 in die Kinos stemmte und weltweit 236 Millionen Dollar einspielte. Von hier steuerte das junge Franchise plötzlich direkt in Richtung Direct-to-Video, denn mit dem zweiten Sequel “Tokyo Drift” verlagerte man die effektreiche Viertelmeilen-Hatz ins ferne Japan und musste durch die Abwesenheit von Paul Walker und Vin Diesel notgedrungen einen komplett neuen Cast etablieren. Die aggressive Vorgehensweise des Studios, ohne Rücksicht auf Verluste Geld aus dem Franchise zu pressen, kritisierte auch sein Schöpfer Rob Cohen: „The first couple sequels though, what I hated about them was that it was just for money, the studio was just milking the cash cow. It’s a miracle they didn’t kill it“ Betrachtet man das Box Office, war “Tokyo Drift” in der Tat gar nicht so weit davon entfernt, die noch junge Reihe gegen die Wand zu fahren, nahm er doch „nur“ noch 158 Millionen Dollar weltweit ein.

Spätestens hier fangen Hollywoods Analysten in der Regel an zu rechnen und entscheiden über die Zukunft eines einst gewinnträchtigen Franchises, ein Schicksal welches zum Beispiel auch “American Pie” erlitt, dessen dritter Teil mit einem verhältnismäßig hohen Budget von 55 Millionen Dollar und erheblichen Marketingkosten 28% weniger Box Office-Einnahmen als seine Vorgänger vorweisen konnte. Was früher das Aus einer Filmreihe oder einen stark limitierten Kino-Release bedeutete, wird heute dank dem boomenden DVD-Markt anders gelöst: Im Falle von „American Pie“ sattelte Universal auf günstigere, mit billigerem Cast und von den Originalen in Location oder Figuren-Interieur abweichende Ableger um, die dann DVD-exklusiv produziert wurden. Auf dem Papier ist diese Vorgehensweise auch schon bei “Tokyo Drift” ersichtlich, doch im Falle von “The Fast and the Furious” kam entgegen aller Prognosen alles anders.

Justin Lin, der Regie-Mann, der das PS-Franchise in Richtung Direct-to-Video-Sumpf manövrieren sollte, bekam – entgegen aller Gesetze Hollywoods – die Chance einen vierten Teil mit der Originalbesatzung zu drehen und konnte das Ruder sprichwörtlich rumreißen. Das Box-Office-Ergebnis war mit 363 Millionen Dollar das Beste der Reihe und stellte die Weichen für weitere Fortsetzungen.

2011 schlug “Fast Five” dann regelrecht ein wie eine Bombe, begeisterte sowohl Fans als auch Kritiker des Franchises und spielte sagenhafte 626 Millionen Dollar ein. Was den fünften Teil der bis dahin sehr auf eine Klischee-belastete Lifestyle-Gruppe fokussierten Reihe aber wirklich herausstechen ließ, war die komplette Umstrukturierung des Franchise-Genres. Aus den mit MTV-Optik aufgebohrten Hochglanz-Rennen mitsamt peinlich-protziger Poser-Attitüde wurde ein waschechtes Heist-Movie um den erstmals komplett zusammengeführten Quadrilogie-Cast – gewürzt mit Leinwand-füllender Bombast-Action.

Fast & Furious 6

Erweist sich als erstaunlich lebendig: Letty!

Genau 2 Jahre später soll sich diese Erfolgs-Story nun fortsetzen, erneut unter der Regie von Justin Lin, der das Franchise vor der Direct-to-Video-Hölle bewahrt hat und ihm ganz neue Impulse entlocken konnte. “Fast & Furious 6” heißt der neue Streich und vereint erneut den gesamten Cast für eine automobile Hetzjagd, diesmal durch ganz Europa. Dazu etabliert man gleich 2 MacGuffins, „ein von Alfred Hitchcock geprägter Begriff für Objekte oder Personen, die in einem Film dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne selbst von besonderem Interesse zu sein“.

Einerseits versucht man die totgeglaubte Letty wieder in die unaufhörlich gepredigte „Fast and Furious“-Familie zu integrieren und gleichzeitig ist man auf der Suche nach der „Technowaffe“, die aus einem Militärkonvoi in Russland gestohlen wurde. Was genau sich hinter dieser hirnrissigen Namensgebung verbirgt, wird nur sehr oberflächlich angerissen…Hitchcock würde sich im Grabe umdrehen! Beide MacGuffins sind gewissermaßen miteinander verknüpft und so muss FBI-Spezialist Hobbs Vin Diesels Charakter Dom nicht lange überreden, denn der Zusammenhalt der Familie ist etwas, was dieser bis zum Erbrechen predigen kann und dies im Film auch nicht müde wird zu tun, egal ob dem FBI-Mann, seiner Crew, dem Bad Guy Owen Shaw oder der mysteriös verschollenen Letty. Die offensichtliche Hommage an klassische Mafia-Filme ist dabei viel zu penetrant, peinlich und hölzern, als das es die Verbindung zum eindimensionalen Figuren-Interieur stärken würde. Im Gegenteil: Eine emotionale Verbindung baut man zu keinem der Protagonisten auf und das obwohl man sie unter Umständen durch 5 Vorgänger-Filme begleitet hat. Das liegt zum großen Teil daran, dass dem Film seine Figuren vollkommen egal zu sein scheinen, werden die Konstellationen doch vollkommen willkürlich hin und hergeschoben, um dann immer wieder zur One-Liner-dominierten Besprechungen kurz zusammenzukommen, bevor die nächste Actionszene zündet. Das gleiche Schicksal kommt den Karossen zuteil, den angeblichen heimlichen Hauptdarstellern. Auch wenn der Film versucht, ein geradezu romantisches Verhältnis zwischen Mann und Maschine zu forcieren, scheitert er daran mit platten Charakteren und einfallslosen Hochglanz-Shots der Männer-Träume. Der erzeugte Pseudo-Mythos, dass klassische Autos mit Seele gebraucht werden, um die Mission erfolgreich abschließen zu können, ist nicht mehr als ein amateurhafter Kniff, um ein paar exotische Muscle Cars einfallslos im Film zu platzieren. Vielleicht sollte man nochmal Clint Eastwood fragen, wie sowas richtig funktioniert…wobei selbst Michael Bay es besser kann als Justin Lin in diesem Fall.

Die Geschichte ist also diesmal noch hauchdünner als sonst und mit erschreckend wenig Finesse, ja geradezu schlampig um mehrere wahrlich spektakuläre Action-Höhepunkte geschrieben, die allerdings selbst in der Film-internen Logik zu riesigen schwarzen Kabumm-Löchern verkommen. Exemplarisch sei hier die Autobahn-Verfolgungsjagd in Spanien samt einem Panzer genannt, die in keinem nennenswerten Zusammenhang zur Motivation der sie ausführenden Protagonisten steht. Die generierten Schauwerte sind bombastisch und ein Großteil der Hochgeschwindigkeits-Action ist außerordentlich souverän umgesetzt, aber zu der inhaltlichen Leere gesellen sich einige höchst fragwürdige Momente, wenn Shaw’s Crew in der vollkommen sinnfreien Verfolgungsjagd mit dem Panzer auf die Gegenfahrbahn rollt und bewusst den Gegenverkehr unter sich zermalt. Im “Fast and Furious”-Franchise wird seit jeher sauber und off-screen gestorben, so werden die willkürlichen Kollateralschäden auch hier nicht explizit bebildert, aber das trügt nicht über die Tatsache hinweg, dass hier vollbesetzte Familien-Autos von einem nur um der Action Willen Amok laufenden Panzer frei jeglicher Logik überrollt werden – ohne das es Film oder Charaktere auch nur in irgendeiner Weise weiterbringt. Kollateralschaden um des Kollateralschadens Willen.

Fast & Furious 6

Wenn im Auto kein Platz mehr ist, lenkt man halt von außen …

Ein weiterer Kritikpunkt ist der CGI-getränkte Abschluss der Sequenz, der in seiner Konzeption ein Schlag ins Gesicht eines jeden denkenden Menschen ist. “The Fast and the Furious” war nie zu sehr um Realismus bemüht, aber abenteuerliche Sprünge von Klippen und waghalsige Tanker-Überfälle sind nicht mal ansatzweise vergleichbar mit der Dimension, die man dem zahlenden Publikum hier auftischen will. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Over-the-top-Action und Comic-esker, unverschämter Übertreibung, die jeglichen Gesetzen der Physik widerspricht, was ein enttäuschter Aufschrei des gesamten Kinosaals bestätigte.

Ein ähnliches Problem zerstört das Finale, welches um eine langsam startende Transport-Maschine gestrickt ist. Dabei kann man das langsam ruhig wörtlich nehmen, denn die Antonov verbringt eine geschlagene Viertelstunde damit, auf der scheinbar unendlich langen Rollbahn die zum Starten nötige Geschwindigkeit zusammen zu kriegen. Die Zeit um den ermüdend langen Startweg verbringt die “Fast and Furious”-Crew mit automobilen Angriffen auf das Cargo-Monster, von denen gut und gerne die Hälfte im chaotischen Schnitt-Wust untergeht. Was wer wo und wann hier mit seinem Auto anstellt, um den Giganten am Start zu hindern, geht in einem unkoordinierten, schlecht ausgeleuchteten Action-Gewusel komplett unter. Nach den spektakulären, druckvoll inszenierten Szenen aus dem Vorgänger ist der vorliegende Showdown ein perfektes Anti-Beispiel für eine gelungen konzipierte Action-Sequenz, die in fast allen Belangen gnadenlos durchfällt und stellenweise schon amateurhafte Trash-Züge aufweist. Da stellt sich die Frage, wie das passieren konnte, ist doch ein Großteil der Crew mit der von “Fast Five” absolut identisch. Ein Blick in die Zukunft gibt Aufschluss darüber, denn Justin Lin gibt mit dem sechsten Teil das Regie-Zepter ab, obwohl die mittlerweile siebte Fortsetzung für 2014 schon fest von Universal eingeplant ist mit Drehstart im Sommer 2013. Insider-Informationen zufolge wollte Lin diesem aggressiven Zeitplan nicht zustimmen, um die Qualität des sechsten, als auch siebten Teils nicht zu gefährden:

“Heat Vision is reporting that Lin has informed the studio that he won’t direct the seventh Fast and the Furious movie, on the basis that its “aggressively accelerated [production] timetable” won’t allow him the proper time to finish editing Fast & Furious 6 and complete pre-viz work on the followup – without having to rush both processes and be satisfied with sloppy results, that is.“1

Dies wirft auch ein gänzlich neues Licht auf Teil 6, der oft holprig zusammenmontiert und unfertig wirkt und das qualitativ zwischenzeitlich aufstrebende Franchise wieder seinem schlechten Ruf zuordnet. Erschreckenderweise hat man aus der Vorgehensweise der ersten beiden Sequels scheinbar nichts gelernt…aber warum auch? Schließlich entwickelt sich auch der sechste Teil am Box Office zur Goldgrube. Während “Fast Five” ein durchaus solides, von der Konzeption gar mutiges und enorm druckvoll-spektakuläres Stück Popcorn-Kino war, ist “Fast & Furious 6” wieder eine zerfahrene, schlecht geschriebene, oft geradezu peinliche Luft-Blase für das Film-Konsumer-Proletariat.

© Hannibal

Der Film ist ab 23. Mai 2013 regulär in den deutschen Kinos zu sehen. Diverse Previews starten schon um den 20. Mai.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures International __FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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