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Fast & Furious 9

Originaltitel: F9__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Justin Lin__Darsteller: Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Charlize Theron, Helen Mirren, Michael Rooker, Jordana Brewster, Nathalie Emmanuel, Kurt Russell, Jason Statham, John Cena, Finn Cole, Lucas Black, Martyn Ford, Sung Kang u.a.
Fast & Furious 9 mit Vin Diesel, Kurt Russell und Jason Statham Poster

Kurt Russell, Jason Statham, Michelle Rodriguez und Vin Diesel geben sich in “Fast & Furious 9” die Ehre.

Zu Beginn von „Fast & Furious 9“ sitzt man ein wenig verwundert vor der Leinwand: Wieso fährt Universal Pictures denn das eigene Logo im mit Drop-outs übersäten Oldie-Look? Kurz darauf ist klar warum: Der aktuelle Teil im „Fast & Furious“-Franchise blickt direkt zu Beginn zurück. Zeigt uns, woher Dominic Toretto seine Lust an salbadernden Weisheiten hat. Sie kommt von seinem Vater.

Nebenbei hatte auch der schon einen Bleifuß und fuhr Rennen. Immer an seiner Seite: Dominic und sein jüngerer Bruder Jakob. Ein tragischer Vorfall wird einen Keil in die Familie treiben. Vor allem zwischen Jakob und Dominic kommt es zum alles trennenden Zwist.

In der Gegenwart ist Mr. Nobody mit einem Geheimdienstflugzeug in einem lateinamerikanischen Land abgestürzt. An Bord des Flugzeugs war ein Teil einer Apparatur versteckt, die es im Gesamten möglich macht, die Kontrolle über alle Waffensysteme unserer Welt zu erlangen. Wie Dominic alsbald erfahren muss, steckt sein Bruder Jakob hinter dem Absturz. Und er hat sich fiese Unterstützung geholt, die mit Dom ebenfalls noch ein Hühnchen zu rupfen hat: Cipher.

Schaut in „Fast & Furious 9“ mit Vin Diesel, Kurt Russell und Jason Statham hinein

Viel wurde über die Querelen zwischen Vin Diesel und Dwayne „The Rock“ Johnson am Set der „Fast & Furious“-Filme bereits berichtet. Die Konsequenz: The Rock bekam ein eigenes Spin-off und klemmte sich auch noch Jason Statham unter den muskelbepackten Arm, als er von dannen zog (zumindest um Jason Statham gibt es kleine Überraschung im neuen Film). Genau das tut „Fast & Furious 9“ nicht wirklich gut. Denn The Rock und The Stat hatten in den letzten Teilen für gehörig Abwechslung gesorgt.  Nebenbei hatten sie den brutal pathetischen Vin Diesel in seiner Screentime ordentlich beschnitten. Das bleibt nun leider aus.

Der neueste Bleifuß-Actioner fokussiert voll und ganz auf Vin Diesels Charakter – um den es nicht mehr wirklich viel zu erzählen gibt. Okay, er hat einen bislang verschwiegenen Bruder. Und der ist genauso ein Brocken wie Dom. Um diesen Bruder reichlich spät im Franchise zu verorten, gibt es zahlreiche, schlecht getimte Rückblenden in die gemeinsame Vergangenheit, die den ohnehin viel zu langen Film zusätzlich zerdehnen. Zudem geraten die Rückblenden total vorhersehbar und sind eher schwach gespielt.

Fast & Furious 9 mit Michelle Rodriguez

Michelle Rodriguez offenbart in Teil 9 der Bleifußsaga ungeahnte Motorradfahrkünste.

Erschwerend kommt hinzu, dass die bislang etablierten Sidekicks um Dominic, von Michelle Rodriguez abgesehen, hier noch stärker zu Stichwortgebern degradiert werden, als ohnehin schon. Und sogar die zuletzt eingeführten, größeren Namen wie Kurt Russell („The Hateful 8“) als Nobody, Helen Mirren („R.E.D. 2“) als Queenie oder Charlize Theron („Mad Max: Fury Road“) als Cipher verkommen zu bloßen Randfiguren, die definitiv nicht länger als einen oder zwei Drehtage vor Ort waren.

Sogar ein bereits in den Trailern verratener Clou um einen scheinbar toten Charakter wird hier derart lapidar mit einem „Is halt so“ und einem egalen Schulterzucken abgefrühstückt, dass man schon relativ ratlos in seinem Kinosessel hockt. Auch und vor allem, weil dieser Clou die Handlungen vorhergehender „Fast & Furious“-Streifen total egalisiert. Auch andere wieder ins Franchise zurückkehrende Figuren wie Lucas Blacks Sean haben keinerlei Impact auf das große Ganze.

Fast & Furious 9 mit Vin Diesel und Tyrese Gibson

Roman und Dom lassen es krachen.

Es dreht sich alles um die Familienzusammenführung der Torettos. Und zwar ausschließlich der männlichen, denn das Jakob ja auch Mias Bruder ist, juckt hier kaum jemanden. Blöderweise wird Jakob von John Cena („Der Sex Pakt“) genauso angelegt, wie Vin Diesel („Fast & Furious 8“) seinen Dom spielt: Cool, maulfaul, ein wenig prollig. Wenn man die zahllosen Rants Cenas bei WWE sieht und wie er diese genießt, kann man nur bedauern, dass er seinem Jakob kein richtiges Feuer mitgeben darf. Obendrein kommt er auch niemals bedrohlich oder gar gefährlich rüber. Wenn Charlize Theron ihn in einer gemeinsamen Szene mit wirklich minimalstem Einsatz darstellerisch an die Wand klatscht, ist alles zu dem Bösewicht Jakob gesagt.

Dazu gesellen sich einige echte Logikprobleme, bei denen man sich wahrlich etwas mehr Sorgfalt für das Drehbuch gewünscht hätte. Klar, Logik spielt spätestens seit Teil fünf keine Rolle mehr im Franchise, aber normalerweise beschränkten sich die Momente der Idiotie meistens auf die Action und nicht auf die simplen Handlungen. Um diese Logikprobleme in der Handlung zu überspielen, sah sich Regisseur Justin Lin diesmal genötigt, die Regeln der Physik noch derber auszuhebeln als jemals zuvor.

Fliegendes Auto in F9

Na klar fliegen die Karren in Teil 9.

Schon in der ersten großen Actionszene rasen unsere Helden mit 80 Meilen pro Stunde durch ein Minenfeld, weil sie so schnell genug seien, um nicht die volle Wucht der Minen abzubekommen. Vorher wurde ein Charakter laut eigenen Aussagen 14 mal angeschossen, ohne Schaden zu nehmen. Und irgendwann fliegt dann ein Auto und ein anderes schwingt sich an einer Art Liane wie weiland Tarzan über eine Schlucht. What the Fuck? Der begeisterndste Moment steigt aber direkt zu Beginn der länger ausgewalzten Verfolgungsjagd, wenn Tyrese Gibson („Vier Brüder“) als Roman mit seinem Amphibienfahrzeug mitten durch einen Gegner durchfährt und diesen förmlich auseinanderreißt.

Die zweite große Actionszene präsentiert eine schlitzohrige Einlage um sexy Nathalie Emmanuel („Titan“) als Ramsey. Die darf hier beweisen, dass sie NICHT Autofahren kann. Dabei bekommt sie hinreichend Gelegenheit, einiges an Sachschaden zu generieren. Währenddessen dürfen Roman und Ludacris’ Tej zu einer coolen und witzigen Choreographie auf der Ladefläche des Wagens von Ramsey ein paar Lumpen zusammenfalten. In dieser Szene wird dann der große Clou für die finale Actionszene bereits installiert: Unfassbar wirksame Magnete.

John Cena in Fast & Furious 9

John Cena ist leider ein waschlappiger Fieswicht.

Diese Magnete sorgen im Finale für Bilder, die man noch nie gesehen hat. Autos werden angezogen oder mit umgekehrter Polarität weggeschleudert. Magnetisierbare Objekte werden als Hindernisse für Gegner angezogen und irgendwann werden die Gegner sogar wortwörtlich mit Autos „beschmissen“. Keine Ahnung, wo Justin Lin („Star Trek: Beyond“) derart irre Ideen immer herzaubert, aber der gute Mann macht hoffentlich noch lange weiter so.

Parallel scheißt das Franchise dann vollends auf jedwede Erdverbundenheit und schickt zwei Charaktere in einem Pontiac ins All. Jawoll, richtig gelesen: Ins All. Das sei alles eine Frage von Zahlen und Berechnungen. In Wirklichkeit ist es der pure Irrsinn und einfach nur ein fetter Mittelfinger für jeden halbwegs bei Verstand seienden Zuschauer. Und der sitzt trotzdem giggelnd in seinem Kinosessel und grüßt mit einem Mittelfinger zurück. Was ein köstlicher Schwachfug.

„Fast & Furious 9“ oder der zweigeteilte Film

Und so ergibt sich eben ein total zweigeteilter Film. Sobald Justin Lin seine von den Actionlegenden J.J. Perry und Spiro Razatos angeführte Second Unit von der Kette und Action machen lässt, dreht „Fast & Furious 9“ total frei. Pfeift auf alles und präsentiert purstes Entertainment, bei dem man als Zuschauer nur zu gerne mitgeht, beziehungsweise sich abholen lässt. Sobald die Action aber verraucht ist und Film, Drehbuch und Regisseur wieder auf die Handlung fokussieren, wird’s in Teilen richtiggehend öde und zäh wie Kaugummi. Zudem fehlt auf die lange Laufzeit heruntergebrochen mindestens eine weitere große Actioneskalation.

Die überstarke Konzentration auf Vin Diesels Dom ist wenig erquickend, die komischen Figuren werden zu stark an den Rand gedrückt und die eigentliche Story um die Waffenkontroll-Apparatur ist austauschbar und egal, wird uninspiriert abgespult, hat einen luschigen Bösewicht und ist außer Stande Spannung aufzubauen.

Was gefällt, sind die zahlreichen Verweise auf frühere Teile und deren Figuren. Und auch die Art und Weise, wie man zumindest die Gegenwart von Paul Walker spüren lässt, zeigt, dass die Macher das Herz einfach am rechten Fleck haben. So kann man auch dem neunten Teil der Actionreihe nicht so wirklich böse sein. Aber mithin ist er seit der Neuausrichtung der Reihe durch Teil vier definitiv der schwächste Film.

5 von 10

„Fast & Furious 9“ ist seit dem 15. Juli 2021 in den deutschen Kinos zu sehen. Kommt uncut mit einer FSK 12 von Universal Pictures.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures__FSK Freigabe: 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit dem 15.7.2021 in den deutschen Kinos

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