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Fighting With My Family

Originaltitel: Fighting With My Family__Herstellungsland: Großbritannien, USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Stephen Merchant__Darsteller: Florence Pugh, Lena Headey, Nick Frost, Jack Lowden, Dwayne Johnson, Vince Vaughn, Stephen Merchant, Kim Matula, Stephen Farrelly, Hannah Rae u.a.
Fighting with my Family deutsches Poster

“Fighting With My Family” bebildert die Karriere von WWE-Wrestlerin Paige.

Der englischen Familie Knight liegt das Wrestling im Blut. Das geht zurück auf das Familienoberhaupt Ricky. Der Kriminelle hat es dank des Wrestlings und seiner Flamme Julia geschafft, sein Leben in geregelte Bahnen zu lenken. Gemeinsam gründeten sie die WAW – die World Association Of Wrestling. Die beschert beiden ein reguläres Einkommen. Was es ihnen möglich macht, gleich drei Kinder großzuziehen und mit dem Wrestling-Virus zu infizieren.

Für den Größten platzten die Träume einer großen Wrestling-Karriere schnell. Die WWE, das El Dorado für alle Profi-Wrestler, hat kein Interesse an ihm. Der hat fortan kein Interesse mehr an der Gesellschaft, wird kriminell und fährt ein. Sein kleiner Bruder Zak hält derweil eisern an dem Traum, ein WWE-Wrestler zu werden, fest und schafft es so, auch die Jüngste der Knights, seine Schwester Saraya, für das Wrestling zu begeistern.

Die stolzen Eltern schicken ständig Tapes der beiden Nachwuchshoffnungen an die WWE, während sie mit ihnen durch die englische Provinz tingeln und mit ihren Wrestling-Shows das dringend benötigte Kleingeld einnehmen. Als die WWE in London gastiert, bestellt sie Zak und Saraya für ein Probetraining ein. An dessen Ende hat sich Saraya zu einem weiteren Testlauf für NXT, der WWE-Nachwuchsliga, qualifiziert. Nur ihrem Bruder Zak will das nicht gelingen. Dennoch gönnt er Saraya ihren Erfolg.

Für die fängt die Arbeit nun erst an. Bei NXT muss sie unter ihrem neuen Kampfnamen Paige beweisen, dass sie bereit ist für große WWE-Shows wie „RAW“ oder gar „Wrestlemania“. Doch vor eventuellen Erfolgen kommen selbst bei der „Soap in Strumpfhosen“, wie Wrestling in „Fighting With My Family“ auch genannt wird, viel Schweiß und vor allem Versagensängste.

Schaut in “Fighting With My Family” mit Dwayne Johnson hinein

„Fighting With My Family“ basiert auf der Karriere der WWE-Wrestlerin Paige. Die durfte dank ihres unangepassten Wesens und ihres rockig rotzigen Auftretens als Anti-Diva einen echten Raketenstart bei WWE hinlegen – fernab vom bis dahin typischen Arsch- und Tittengewackel manch anderer Wrestlerin. Dieser Aufstieg erfolgte freilich nicht gar so rasant, wie in „Fighting With My Family“ angedeutet. Beispielsweise war Paige drei Jahre im Roster von NXT und gewann hier den entsprechenden Titel der Damen. So unbedarft, wie vom Film mehrfach behauptet, war die echte Paige also weiß Gott nicht.

Aber natürlich passt die vom Film präsentierte, idealisierte Version ihrer Karriere im „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Schema hervorragend auf das Selbstbild der WWE. Die darf sich hier wie in ihren Shows wenig subtil als eine der wenigen verbliebenen Wiegen des amerikanischen Traumes abfeiern. Kritische Fragen zum Wrestling-Business darf man sich also keine erwarten. Wobei es freilich interessant ist, wie ungeniert in dem Film klargemacht wird, wie schnell man in der WWE auch wieder abgemeldet sein kann. Und dass dies durchaus ein Prinzip der Liga ist. Kritischer als das wird der Film aber nie.

Saraya alias Paige mit ihren Eltern

Saraya mit ihren wrestlingverrückten Eltern.

Muss er allerdings auch nicht. Denn dass er keine kritische Reflexion über einen Millionen-Dollar-Entertainment-Betrieb sein will, macht er im locker charmanten Ton von Minute eins an klar. „Fighting With My Family“ will nie mehr als eine sympathische Underdog-beißt-sich-durch-Geschichte sein. Und hier trifft der Film von Regisseur und Drehbuchautor Stephen Merchant (als Schauspieler, etwa in „Logan: The Wolverine“, deutlich bekannter) dank flotten Erzähltempos, sympathischen wie einnehmenden Figuren und einer stimmigen Dramaturgie immer genau den richtigen Ton.

Leider fehlt es „Fighting With My Family“ durchweg an Spannung. Auch weil sich viele dramatische Momente zu vorhersehbar auflösen. Wie auch der gesamte Film in seiner ganzen Anlage sehr vorhersehbar ist. Langweilig wird es jedoch nie. Das liegt auch daran, dass Merchant um durchaus authentische Figuren bemüht ist. So ist beispielsweise Sarayas Familie einfach nur ein köstlicher Haufen an liebenswerten Losern und Opportunisten, die mit allem, was sie haben, um ihre Träume kämpfen, trotzdem aber nie zum reinen Klischee verkommen.

Die Darsteller machen durch die Bank einen tollen Job. Allen voran Florence Pugh („The Commuter“) als Saraya/Paige, die es schafft, sich durchaus auch ein wenig von ihrem realen Vorbild abzuheben. Denn durch die beschleunigenden Abwandlungen in deren Geschichte, muss Pugh den Charakter von Paige deutlich zweifelnder und passiver anlegen, als man das von der Kunstfigur Paige bei WWE kennt. Sehr stark agiert auch Jack Lowden („Dunkirk“) als Sarayas Bruder, der für die dramatischsten Momente im Film zuständig ist. Denen verleiht er mit viel Understatement und geerdetem Spiel eine angenehm realistische Note.

Fighting With My Family Florence Pugh als Paige

Saraya macht als Paige Karriere bei der WWE.

Lena Headey („Dredd“) und Nick Frost („Tomb Raider“) sind als Eltern von Saraya ein niemals versiegender Quell köstlicher Momente und ebensolchen Wortwitzes. Als Trainer und väterlicher Mentor macht auch Vince Vaughn („Brawl in Cell Block 99“) einen tollen Job und hätte durchaus noch mehr Screentime verdient. Dwayne Johnson („Rampage“), der den Film auch produzierte, darf als „The Rock“ drei längere, durchaus witzige Auftritte hinlegen. Und wo The Rock ist, darf natürlich etwas mehr WWE-Glamour nicht fehlen. WWE-Stars wie The Miz („The Marine 4“), Sheamus („Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“) oder The Big Show („Vendetta“) dürfen ebenfalls vor den Kameras herumlaufen. John Cena, Tripple H und noch viele mehr sind auf diversen Bildschirmen zu sehen.

In technischer Hinsicht ist festzuhalten, dass Merchant den realistisch geerdeten, fast schon ein wenig trostlosen Bildern aus Englands Provinz die volle Breitseite eines sonnendurchfluteten Hochglanzlooks in Amerika entgegensetzt. Dass Saraya hier in eine andere Welt aufbricht, ist mehr als offensichtlich. Davon abgesehen inszeniert der Regisseur mit ruhiger Hand und verfällt selbst bei den präsentierten Fights niemals in Hektik.

Fighting with my Family mit Dwayne Johnson und Vince Vaughn

Dwayne Johnson hat Vince Vaughn in “Fighting With My Family” einiges zu verdanken.

Allerdings darf man sich trotz des Sujets nicht viele Wrestling-Szenen von „Fighting With My Family“ erwarten. Im Grunde gibt es aus Paiges Profikarriere nur einen Fight zu sehen. Dazu gesellen sich ein paar Fights in der Heimat mit ihrem Bruder. Diese sind weder choreographisch irgendwie außergewöhnlich noch sonderlich ausladend. Was natürlich auch ein wenig schade ist. Denn mittels ein paar perfekt choreographierter Fights wäre es vielleicht auch gelungen, ein wenig deutlicher zu machen, was die Leute eigentlich am Wrestling fasziniert. Genau das kam für mich den ganzen Film über viel zu kurz.

Man erfährt ab und an, was Wrestling für die eine oder andere Figur bedeutet. Aber was den Reiz ausmacht, sich das Ganze anzuschauen, mitzufiebern, mitzuleiden, mitzujubeln und mitzubuhen, dass erschließt sich leider nie. So bleibt Wrestling auch nach dem Film irgendeine Show für eine freakige Randgruppe. Kaum mehr. Eine wirklich verschenkte Chance, wie ich finde.

“Fighting With My Family” ist unterhaltsam, aber leider auch sehr belanglos

Was am Ende bleibt, ist ein durch und durch sympathischer, schwer unterhaltsamer, amüsanter und von wundervollen Figuren durchzogener Film, der von tollen Schauspielleistungen getragen wird und einen gelungenen Eintrag ins „Aufsteiger in irgendeiner Sportart“-Genre darstellt. Während so manche Botschaft durchaus beim Zuschauer verfängt (Glaub an dich! Sei du selbst!), kratzt „Fighting With My Family“ in vielen anderen Belangen nur an der Oberfläche. Weder stellt er kritische Fragen zum Wrestlingszirkus beziehungsweise zur WWE noch nutzt er die Möglichkeit, richtig Werbung für seinen Sport und dessen Faszination zu machen. So tut der Film einerseits freilich niemandem weh, fühlt sich andererseits aber auch reichlich belanglos an.

Letzteres liegt auch daran, dass der Film alles Negative um seine Hauptfigur ausblendet: Gescheiterte Verlobungen, geleakte Sextapes, Sperrungen wegen Dopings. Anti-Diva Paige machte ihrem Beinamen – ab und an unfreiwillig – alle Ehre. Auch ihre teils schweren Verletzungen, von denen eine gar zum vorzeitigen und viel zu frühen Ende ihrer Wrestling-Karriere im Jahre 2018 führte, spart der Film seltsamerweise komplett aus.

6 von 10

„Fighting With My Family“ läuft seit dem 1. Mai 2019 in den deutschen Kinos, kommt von Metro-Goldwyn-Mayer und Universal Pictures und ist mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. / Universal Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Nein, seit 1.5.2019 in den deutschen Kinos

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