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Frankensteins Höllenbrut

Originaltitel: Chikyū kogeki meirei: Gojira tai Gaigan / Godzilla vs. Gaigan__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 1972__Regie: Jun Fukuda__Darsteller: Hiroshi Ishikawa, Tomoko Umeda, Yuriko Hishimi, Minoru Takashima, Zan Fujita, Toshiaki Nishizawa, Kunio Murai, Gen Shimizu, Kuniko Ashihara, Zeko Nakamura, Akio Muto, Haruo Nakajima, Kenpachiro Satsuma, Koetsu Omiya, Kanta Ina u.a.

Frankensteins HöllenbrutFrankensteins Höllenbrut

Der Stachel der Enttäuschung muss tief gesessen haben bei Tōhō-Boss Tomoyuki Tanaka. Von Yoshimitsu Bannos Arbeit an „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ (1971) war er so entgeistert, dass man retrospektiv den Eindruck bekommt, der zugegebenermaßen eigenwillige Eintrag in die Godzilla-Franchise um den Kampf gegen ein „Müll-Monster“ sollte so schnell wie möglich vergessen gemacht werden. Da wundert es nicht, dass ein Jahr später mit „Frankensteins Höllenbrut“ ein Monster Clash mit „Super“-Kategorisierung in Auftrag gegeben wurde, der in gewisser Weise an das DC-Chaos „Justice League“ erinnert: Egal wie, Hauptsache, es werden jede Menge Superkreaturen in einen Topf geworfen und so viele Atomstrahlen über Kreuz gelegt, dass jedem Parapsychologen schlecht wird vom Zusehen.

Die mit Fabrikgebäuden besetzte Bucht Sagami, die dem versmogten Vorgänger noch als Schauplatz diente, wird zwar noch einmal kurz von einem der Monster besucht, spielt aber im Grunde kaum eine Rolle mehr. Die schnelle Abfertigung dieser kleinen Referenz könnte man sogar beinahe als Verhöhnung bewerten. Statt Banno sitzt nun folgerichtig wieder Jun Fukuda auf dem Regiestuhl und der leitet lieber mit einem Blick zurück auf die Monsterinsel Sollgell Island ein, auf der er 1967 „Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn“ drehte. Binnen Sekunden werden kurze Blicke auf allerhand Ungetüme gewährt, von Monsterspinne Spiega über Gottesanbeterin Kamacuras bis hin zu Godzillas Sohnemann. Im Laufe der Handlung kristallisiert sich dann aber eine Tag-Team-Konstellation heraus: Godzilla und sein alter Weggefährte Anguirus (eine an den Ankylosaurus angelehnte Igel-Mutation) treten an gegen Erzfeind King Gidorah (jener dreiköpfige Drache, den Hollywood in diesem Jahr erstmals für sich entdecken wird) und Newcomer Gigan, der die Franchise noch ganz gehörig aufmischen würde.

Der Wunsch nach spektakulären Monsterkämpfen fand jedoch im Budget keine Entsprechung. Fukuda, der bislang sehr gemäßigte, fast märchenhaft anmutende Filme innerhalb der Reihe drehte, stand damit vor einem großen Problem: Wie sollte er den aufflammenden Hunger nach Action und Spezialeffekten stillen, ohne allzu viel Geld auszugeben? Die Antwort fand man leider einmal mehr im Stock Footage, das man dem Giganten-Wanken mit Zeitlupengeschubse in so hoher Dosis beimischte, dass Kontinuitätsfehler und andere Inkonsistenzen zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung wurden. Weil drei der vier beteiligten Monster bereits auf eine längere Filmografie zurückblicken konnten, eröffnete sich viel Experimentierraum für Zusammenschnitte, wann immer zumindest Godzilla, Anguirus oder Gidorah aufeinandertrafen. Das Ergebnis sind sichtbar abgewetzte Second-Hand-Kostüme, fliegende Tag-Nacht-Wechsel, Andeutungen der Präsenz von Monstern, die gar nicht mitspielen und ständig wechselnde Erscheinungsbilder. Gidorah beispielsweise kommt mal goldfarben daher oder eher gräulich, mal steif wie eine Actionfigur oder schlaff wie gekochte Spaghetti, mal fast haarlos, dann mit einer Sturmfrisur wie Rasputin. Zu Bruch gehen unter den tonnenschweren Elefantenbeinen nicht nur Monorail-Bahnen und Hochhäuser, sondern auch Brücken, Küstenanlagen und Gebirge – was immer gerade passt. Es ist ein regelrechter Raubzug durch die Vergangenheit, der ohne Sinn und Verstand montiert wird, und das nicht nur auf bezogen auf die Monster (oder Kulissen, Fahrzeuge…). Auch Komponist Akira Ifukube (Krieg im Weltenraum) machte es sich bequem, indem er einfach ein Mixtape seiner früheren Arbeiten unter den Godzilla-Schrei mischte.

Mischt euch ein in den Kampf von “Frankensteins Höllenmonster”

Natürlich passt derart zur Schau gestellte Pragmatik auch wieder in gewisser Weise zu Trash wie diesem. Wenn man schon so genau erkennt, dass ein armer Irrer unter dem Anguirus-Kostüm die ganze Zeit auf allen Vieren durch die Pampa krabbeln muss (geht’s eigentlich noch entwürdigender?), dann sollte man meinen, dass so ein bisschen Zerfahrenheit in der Choreografie des Monsterballetts auch keinen Aufreger mehr wert ist. Wer sich trotzdem daran stört, für den retten es immerhin wieder ein, zwei grandiose Momente klassischer Godzilla-Komik. Vor allem Godzillas Sprechblasendialoge mit seinem stacheligen Kumpel sind aufgrund ihrer Nutzlosigkeit schon legendär hirnrissig. Wenn Kreaturen das Sprechen lernen und dadurch anthropomorphe Züge seitens der Kreativen in Kauf genommen werden, dann hat so etwas normalerweise einen triftigen Grund. Hier jedoch fordert der Große von seinem kleinen Begleiter lediglich zur Eile auf, was dieser mit einer brillanten Antwort kontert, die den Kommunikationswissenschaftler Grice vor Freude vom Stuhl hüpfen lassen würde: „OK!“ sagt er. Ein Zitat, das man gerne in einem gerahmten Poster verewigt hätte.

Das Team der „guten Monster“ wirkt durch solche Einwürfe (und den insgesamt renovierungsbedürftigen Gesamtzustand) auch ein wenig hilf- und planlos, was im Umkehrschluss die Gefährlichkeit Gidorahs, vor allem aber des Neuzugangs (und laut Originaltitel „Gojira tai Gaigan“ Hauptgegners) unterstreicht. Um die Stärken und Schwächen des dreiköpfigen Weltall-Drachens weiß man ja inzwischen, aber Gigan lässt sich über all seine Auftritte hinaus unheimlich schwer einschätzen. Mit seiner birnenförmigen, trägen Silhouette und seinem rot leuchtenden Visier wirkt er auf den ersten Blick noch alberner als seine Konkurrenten; auf den zweiten Blick könnte er mit seinen bizarren Hakenklauen und dem durch die komplette Bauchdecke führenden, auf Wunsch rotierenden Sägeblatt aber auch den Hirnwindungen eines Clive Barker entsprungen sein. In der Originalfassung wird Gigan außerdem als Alien-Cyborg geführt, eine Kategorisierung, um die sich die deutsche Synchronisation drückt, was die Zuordnung noch schwerer werden lässt: Denn dieses ursprüngliche Design trägt ebenso viel Mechanisches wie Biologisches in sich. So überzeugt der neue Gigant trotz seiner trägen Erscheinung vor allem dadurch, dass er jedem Vergleichswert aus dem Tierreich spottet. Schließlich erweist er sich auch noch als einer der härtesten Gegner Godzillas, bringt er das längst zum Helden avancierte Titelmonster doch erstmals zum Bluten (während sein Kompagnon von King Gidorah gefühlt kurz vor den Herzstillstand gebracht wird).

Unterhaltsamer als die eigentlichen Kaiju-Prügel sind in den frühen Filmen aber oft die kleinen Geschichten am Boden, wobei diejenige von „Frankensteins Höllenbrut“ ähnlich konfus ist wie die Action. In gewisser Weise wird die kindliche Perspektive des Vorgängerfilms mit dem Comiczeichner Gengo Kotaka (Hiroshi Ishikawa) wieder aufgegriffen, da dieser trotz seiner von den Gegnern unterstellten Intelligenz offenbar die Denkmuster eines Heranwachsenden bewahrt hat, möchte er doch die Mangafiguren Shukra (ein Schulaufgaben-Monster) und Mamagon (ein Monster der übellaunigen Mütter) einem Verlag verkaufen. Die rotweiß karierte Haut des Mamagon entspricht dabei wenig schmeichelhaft sogar dem Outfit seiner Freundin, womit ein flapsiger Humor etabliert wird, den in der deutschen Fassung Thomas Danneberg erfolgreich auf allerhand Gelegenheiten abklopft. Ishikawa erweist sich als sympathisch bodenständiger Held, dem noch zwei ähnlich sympathische Sidekicks (Tomoko Umeda als Rebellin und Minoru Takashima als ihr treuer Gefährte) zur Seite gestellt werden. Das ist auch nötig, denn die Story um außerirdische Mistkäfer aus dem Jägernebel stellt irdische Belange bezüglich Umwelt & Co. auf eine mehr als abstrakte Stufe zurück. In der Tatsache, dass die außerirdischen Besucher ihre Zentrale im Kopf der Godzilla-Statue eines Vergnügungsparks aufschlagen und immer wieder ihre Fähigkeiten betonen, unter ungünstigsten Umweltbedingungen überleben zu können, werden zwar Meta-Referenzen erzeugt und indirekte Bezüge zu einer möglichen Zerstörung des Planeten bis zur Unbewohnbarkeit hergestellt. Diese Schlussfolgerungen gleichen im Endeffekt aber der Gedankenführung eines Kindes mit zu viel Fantasie, ebenso wie diverse irrwitzig bescheuerte Einfälle innerhalb der Handlung, etwa dass eine Zeichnung in Lebensgröße die Aliens täuschen kann.

Schon aufgrund der Stock-Footage-Kollateralschäden, die billigend in Kauf genommen werden, kann man bei „Frankensteins Höllenbrut“ nicht gerade von einem der besten Filme der Reihe sprechen. Allerdings begegnet Fukuda der unübersichtlichen Kaiju-Action und der chaotischen Story mit der gebührenden Selbstironie und beobachtet das zusammengekleisterte Wrestling-Match Seite an Seite mit seinen zugänglichen Figuren in aller Ruhe durch das Fernglas. Noch dazu feiert Gigan sein viel beachtetes Debüt an der Seite von Fan-Favorit King Gidorah und verpasst Godzilla eine der heftigsten Abreibungen seiner Karriere.

5 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Frankensteins Höllenmonster”

Frankensteins Höllenbrut

“Frankensteins Höllenbrut” erscheint auf Blu-ray im Keep Case mit Wendecover.

King Gidorah, der dreiköpfige Drache, würde sich über diese Offensive von Anolis freuen: Drei Godzilla-Klassiker wurden Ende 2018 endlich auf Blu-ray veröffentlicht, und zwar zeitgleich. Eine für jedes Drachenmaul. „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ sowie „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ haben wir bereits besprochen, als Dritter im Bunde folgt nun „Frankensteins Höllenbrut“, Jun Fukudas insgesamt dritte Godzilla-Regiearbeit und die zwölfte der Reihe.

Die Veröffentlichungshistorie gleicht in etwa derjenigen der anderen beiden Filme. CinePlus/VCL veröffentlichten bereits vor rund 20 Jahren eine Videokassette, später dann auch eine erste DVD-Auflage, und zwar in der gekürzten deutschen TV-Fassung, ohne Originalton und im falschen Bildformat. Anolis schafften Anfang 2016 mit ihrer „Kaiju Classics“-Metalpak-Reihe Abhilfe und veröffentlichten den Film erstmals im originalen 2,35:1 Bildformat, mit deutschem und japanischem Mono-Ton, Booklet und diversen Extras, so etwa drei deutsche Audiokommentare und die Super-8-Fassung. Später wurde noch eine Zweitauflage auf den Markt gebracht, ebenso wie Hartbox-Sets mit verschiedenen Covermotiven, doch auf diesen fehlten bereits fast alle Extras.

Das ändert sich auch mit der Blu-ray nicht: Wer sich hier auf die Suche nach Bonusmaterial macht, findet lediglich den Trailer vor. Zweck dieser Veröffentlichung ist also vor allem ein technisches Update; wer die Erstauflage besitzt, sollte diese auf jeden Fall in Ehren halten.

Während „Frankensteins Ungeheuer aus dem Meer“ über ein meist brillantes Bild verfügte, war die Qualität von „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ etwas wechselhafter. Letzteres muss auch für „Frankensteins Höllenbrut“ gelten, was angesichts der vielen Einsätze von Stock Footage dann auch weniger überrascht. Auffällig ist, dass die meisten Szenen mit Wasser besonders gut funktionieren, ebenso wie einige Modellaufnahmen. Die vielen Tag- und Nachtwechsel sorgen für sehr unterschiedliche Eindrücke mit verschiedenen Stärken und Schwächen; mal kommen die Farben besonders gut zur Geltung, dann sind einzelne Einstellungen grobkörniger als andere; mal ist der Schwarzwert kräftiger als in anderen Sequenzen. In den Dialogszenen mit den Darstellern hingegen fällt manchmal eine Weichzeichnung des Bildes auf. Überwiegend sind das Probleme, die durch die unterschiedlichen Produktionsbedingungen auftreten. Trotzdem weist das Bild insgesamt eindeutig HD-Eigenschaften auf.
Der 2.0-Monoton überzeugt mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Dialogen, Effekten und Musik. Alles tönt kraftvoll aus den Boxen, ohne zu übersteuern oder einzelne Details zu verschlucken. In der deutschen Fassung wird eine längere Sequenz im Originalton abgespielt, da hier keine Synchronisation zur Verfügung steht. In diesen Passagen werden deutsche Untertitel abgespielt. Für die japanische Komplettfassung sind weiterhin zusätzliche Untertitel an Bord.

Verpackt ist das Ganze einheitlich zu den anderen Teilen in einer handelsüblichen Amaray mit Wendecover ohne FSK-Logo. Das Motiv entspricht der 2017 veröffentlichten Hartbox Cover A. Es trifft das Chaos, das im Film herrscht, entsprechend gut – man kann hier wirklich nach Motiv zugreifen, denn man bekommt genau das, was es verspricht. Der Etikettenschwindel bleibt somit auf den alten deutschen Verleihtitel beschränkt, denn natürlich kommt auch dieser Godzilla-Streifen ganz ohne Beteiligung Frankensteins aus – selbst wenn die Außerirdischen bei der Steuerung der außerirdischen Monster gewisse Charaktermerkmale Frankensteins annehmen.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “Frankensteins Höllenbrut”

Frankensteins Höllenbrut

Manga-Autor Gengo Kotaka (Hiroshi Ishikawa) wird vorstellig beim Oberfiesling.

Frankensteins Höllenbrut

Und wie wir in diesem Bild sehen, ist Gengo ganz schön hartnäckig. Wenn man’s sich recht überlegt, geht er dem Fiesling den ganzen Film über mächtig auf den Sack…

Frankensteins Höllenbrut

Gaigan lässt es bei seinem Debüt mächtig krachen.

Frankensteins Höllenbrut

Ein Monument zu Ehren einer Ikone. Den Aufzug hätte sich Godzilla aber sicher auch gerne an sein Maul bauen lassen. So müsste er sich für sein Fresschen nicht mehr umständlich bücken.

Frankensteins Höllenbrut

Godzilla nimmt während der Drehpause eine Mütze Schlaf.

Frankensteins Höllenbrut

Moment… fehlen da nicht zwei Köpfe?

Frankensteins Höllenbrut

Nein, nein, ich bin OK!

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Copyright aller Filmbilder/Label: Anolis__FSK Freigabe: FSK12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja (Release 2018) / Ja (Release 2015/2017)

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