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Free Willy 2 – Freiheit in Gefahr

Originaltitel: Free Willy 2: The Adventure Home__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1995__Regie: Dwight H. Little__Produktion: Richard Donner u.a.__Darsteller: Keiko, Jason James Richter, Francis Capra, Mary Kate Schellhardt, August Schellenberg, Michael Madsen, Jayne Atkinson, Mykelti Williamson, Elizabeth Peña, Jon Tenney, M. Emmet Walsh u.a.
Free Willy 2 Freiheit in Gefahr mit Michael Madsen von Dwight H. Little und Richard Donner

In “Free Willy 2” steigt dank mehr Geld von Richard Donner der Spektakelfaktor, den Dwight H. Little umsetzen darf. Derweil wird Michael Madsen deutlich zurückgenommen.

Während in „Free Willy“ noch der Ruf der Freiheit ertönte, ist selbige für Killer… äh Schwertwal Willy in „Free Willy 2“ schon wieder in Gefahr. Theoretisch könnte ich hier das gleiche Klagelied anheben, wie ich es bei Teil 1 getan habe. Aber selbiger entpuppte sich ja letzten Endes als gar nicht mal sooo übel. Verhalten optimistisch ging ich also ans Werk. Und das alles für Michael Madsen.

Es sind ein paar Jährchen ins Land gezogen, seit Willy in die Freiheit gehuppt ist und seitdem wieder mit seiner Familie durch die Ozeane dieser Welt pflügt. Jesse ist derweil zum stattlichen Teenager herangewachsen, der jedem Rockzipfel hinterherjagt. Da erfährt er, dass seine leibliche Mutter aufgefunden worden sei. Allerdings war sie da schon tot. Zurückgelassen hat sie nicht mehr und nicht weniger als einen Halbbruder für Jesse. Dessen Name: Elvis.

Die Greenwoods, die Jesse in „Free Willy“ adoptiert hatten, beschließen, den Jungen zumindest übergangsweise aufzunehmen, um zu sehen, ob die Chemie stimmt und man ihn vielleicht ebenfalls adoptiert. Immerhin gehört er dank der Verbindung zu Jesse ja beinahe zur Familie. Jesse findet das nicht sonderlich prall, denn Elvis hat wie er einen gewaltigen Anteil an Arschlochgenen in seiner Ursuppe herumschwimmen. Vermutlich irgendeine Familiensache.

Doch Jesse kann gar nicht groß lamentieren, denn es steht ein Familienausflug an die Küste an. Genau da wurden in regelmäßigen Abständen Willy und seine Familie gesehen. Und wirklich: Kaum ist Jesse vor Ort, werden die Freunde wiedervereint. Doch es droht Ungemach. Der böse Kapitalismus zwingt den Kapitän eines Supertankers, eine ungewohnte Route zu nehmen. Sein Schiff strandet, schlägt leck und zig Tonnen Öl strömen ins Meer und gefährden Flora und Fauna – und freilich auch Willy.

Schaut in den Tierfilm mit Michael Madsen hinein

Nach dem gewaltigen Erfolg des Vorgängers war Teil 2 schnell ausgemachte Sache. Und da man mit „Free Willy“ ordentlich Kohle gescheffelt hatte, erhöhte man für die Fortsetzung den Einsatz sichtlich. So profitiert „Free Willy 2“ von der ersten Minute an von dem größeren Budget, das unter anderem wieder Richard Donner („Lethal Weapon“) beisteuerte. Denn Regisseur Dwight H. Little („Mord im Weißen Haus“) kann hier direkt aus den Vollen schöpfen und prächtige, ja teils majestätische Bilder von spielenden und tollenden Schwertwalen in ihrer natürlichen Umgebung präsentieren.

Auch so kann er den Schauplatz erweitern: Etwa tolle Küstenabschnitte präsentieren und allgemein extrem hochwertige Bilder generieren, fernab von dem betont öden Aquarium des Originals. Zudem ist „Free Willy 2 – Freiheit in Gefahr“ gefühlt beständig in Bewegung. Ständig rennt oder fährt irgendwer irgendwo hin oder kommt irgendwer anders von irgendwoher an und bleibt garantiert nicht lange vor Ort. Die Kamera schwebt neben Radfahrern, Autofahrern und Schifffahrern. Und auch Willy ist immer in Bewegung und in Action.

Wo es „Free Willy 2“ vergeigt – wortwörtlich

Das größer, schneller und mehr Fortsetzungsprinzip greift also vollends für diesen Film. Doch nicht überall funktioniert es wie gewünscht. So legte Michael Jackson auch für diesen Film einen Song auf. Während der Titelsong zum ersten Teil noch Ohrwurmqualitäten hatte (die irgendwann in nerviges Gefiepe übergingen), ist „Childhood“ hingegen eine der verunglücktesten Balladen, die Michael Jackson je verbrochen und intoniert hat.

Und dass man zur Abdeckung aller Zielgruppen wieder einen sehr jungen Charakter einführte, der im Grunde die undankbare Aufgabe hat, noch einmal den Vollidioten-Jesse aus Teil 1 aufleben zu lassen, gerät ebenfalls zur katastrophalen Fehlentscheidung. Immer wieder rutscht „Free Willy 2“ bei den Szenen um Elvis in die Infantilität ab. Auch weil das Drehbuch den Jungen gefühlt nicht ernst nimmt. So gerät er in seinen besten Szenen zu einer Art Comic Relief, in allen anderen Szenen geht er einem einfach nur formvollendet auf die Eier.

„Free Willy 2“ oder: Wo ist nochmal die Story?

Und so ist „Free Willy 2“ immer dann am besten, wenn er sich auf die Beziehung zwischen Jesse und Willy besinnt. Wobei Willy/Keiko nach wie vor Jesse/Jason James Richter mühelos an die Wand klatscht, was Charisma und Rocker-Qualitäten angeht. Obschon eine Liebelei von Jesse immer mal wieder unangenehm von der Paarung Jesse/Willy wegführt, wirkt diese erstaunlich feinfühlig in Szene gesetzt und ist eine echte Stärke des Filmes. Die Art und Weise, wie die damals gerade vermehrt aufkommenden Umweltverschmutzungsdebatten beinahe subtil bebildert werden, überzeugt ebenfalls.

Das Pacing ist hingegen keine Stärke des Filmes. Der erzählt zu Beginn ein bisschen zu trutschig. Und merkt dann am Ende, dass ihm noch eine echte Geschichte fehlt. Diese wird dann eilig nachgeschoben, wirkt nicht so richtig zwingend und hat ein paar seltsame neue Figuren zur Folge. Etwa einen kuscheligen Superkapitalisten, der sich dann doch – oh Wunder – als Arschloch entpuppt.

Oder ein von M. Emmet Walsh („Retroactive“) gegebener Walfänger-Lump, bei dem man Walsh anmerkt, dass er keinerlei Ahnung hat, wie er den Charakter anlegen oder fassen soll. Einfach weil er ihm vom Drehbuch komplett unfertig vor die Füße gerotzt wurde oder wichtige Szenen auf dem Boden des Schneideraumes gelandet sind.

So rumpelt „Free Willy 2“ immer ein wenig unbeholfen wirkend zu seinem Ende, bei dem dann zumindest Dwight H. Little aufzeigen darf, dass er ein mehr als guter Actionregisseur ist. Verunglückte Supertanker, Explosionen, brennende Ölteppiche, Rettungen per Hubschrauber, waghalsige Bootsmanöver,… von dieser Actiondichte konnte „Free Willy“ nur träumen. Und auch in Sachen Willy höchstselbst lässt die Fortsetzung den Vorgänger unbedingt alt aussehen. Denn in „Free Willy 2“ geht die Kombination aus Tierdressur, CGI-Modellen und Animatronics noch einen weiteren Schritt in Richtung Perfektion. Wo hier was zum Einsatz kommt, ist nicht mehr ersichtlich.

„Free Willy 2“ schwimmt nicht ganz rund

In vielen Punkten weiß „Free Willy 2“ das erfolgreiche Original zu übertrumpfen. Vor allem in Sachen Technik und Optik lässt Dwight H. Little nichts anbrennen. Dafür läuft die Geschichte nicht ganz rund. Will zu viele Zielgruppen bedienen und führt zu viele uninteressante Charaktere ein, die die bereits etablierten Figuren ungünstig an den Rand drängen. Das erwischt auch Michael Madsen („Nictophobia“) hart, der von ein oder zwei „Coolster Dad der Welt“-Momenten abgesehen nichts mehr zum Film beizutragen hat. Die Darstellerin seiner Frau trifft es sogar noch härter.

Spätestens gegen Ende fällt dann auf, dass das Drehbuch lange Zeit das Erzählen vergessen hat und das in kürzester Zeit nachholen will. Das sorgt zwar für einen actionreichen Abgang, fühlt sich aber irgendwie nicht wirklich gut an. Und was sich die Macher bei der Figur des Elvis und dem Song von Michael Jackson gedacht haben… man weiß es nicht. Das Ergebnis ist erneut weitaus besser als befürchtet, schlägt aber beim Zuschauer nie so ein, wie das Original.

Das sprach sich wohl auch bei den Fans von Teil 1 rum und so ging „Free Willy 2 – Freiheit in Gefahr“ an den Kinokassen im Vergleich zum Vorgänger ziemlich unter. Spielte gerade einmal sein 31 Millionen Dollar Budget wieder ein. Das verhinderte zwar nicht einen dritten Teil (dankenswerterweise für mich ohne Madsen), der geriet aber zum formvollendeten Box-Office-Fiasko. Teil 4 ging darum direkt DtV und für alle, die dann immer noch nicht genug hatten, gab es sogar eine Serie.

04 von 10

Teil 2 um Orca Willy erschien in Deutschland bislang nur auf DVD von Warner Bros., aufgrund der intensiveren Action mit einer Freigabe ab 6 Jahren.

In diesem Sinne:
freeman

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