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Future World

Originaltitel: Future World__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2018__ Regie: James Franco & Bruce Thierry Cheung__ Darsteller: Jeffrey Wahlberg, Suki Waterhouse, James Franco, Margarita Levieva, Milla Jovovich, Snoop Dogg, Lucy Liu, Scott Haze, George Lewis Jr., Clifford ‘Method Man’ Smith, Rumer Willis, Ben Youcef, Wilmer Calderon, Carmen Argenziano, …

Future World

Das dt. Covermotiv von “Future World”…

Future World

…und die stimmigere US-Variante.

“Future World” (2018) – nicht zu verwechseln mit dem ähnlich geschriebenen “Westworld”-Sequel aus dem Jahr 1976 – ist eine weitere interessante Veröffentlichung des “arbeitswütigen” Regisseurs, Produzenten, Drehbuchautors, Schriftstellers, Musikers, Dozenten, Künstlers und Schauspielers James Franco (“Mother, may I sleep with Danger?“), der inzwischen ja dafür bekannt (manche würden auch sagen: berüchtigt) ist, sich immer wieder “experimentellen Projekten” (á la “Interior. Leather Bar.” oder diverse Literatur-Verfilmungen) anzunehmen bzw. diese losgelöst ihres “Kommerzialitäts-Grads” zu realisieren. Meist sind das kleinere, zwar mit eingeschränkten finanziellen Ressourcen umgesetzte, aber nicht selten erstaunlich namhafte Beteiligte vorweisende “Indies” – etwas, das angesichts Franco´s Ruf, seiner Persönlichkeit und gebotenen “Leidenschaft” durchaus nachvollziehbar ist. Er ist keiner, der sich davor sträubt, Wagnisse einzugehen, und bringt sich im Rahmen der Entstehungs-Prozesse stets voll ein – wobei ihm das fertige Resultat an sich jedoch (im Sinne einer “abgerundeten finalen Qualität”) bisweilen geradezu “nebensächlich” erscheint…

Im Vorliegenden haben wir es mit nichts in der Richtung seiner Faulkner-, McCarthy- und Steinbeck-Adaptionen zutun – sondern mit einem post-apokalyptischen Flick, der einem so vorkommt, als habe Franco nach einer Sichtung von “Mad Max: Fury Road” spontan “die Lust gepackt”, einfach mal selbst ein B-Movie jener “cineastischen Gattung” zu stemmen: Quasi ein Werk in der Tradition der zig billigen, oft aus Italien oder den Philippinen stammenden “the Road Warrior”-Ripoffs, die in den ’80ern regelmäßig in den Videotheken-Regalen Platz einnahmen. Auf einem von seinen beiden “Wegbegleitern” Bruce Thierry Cheung (“In Dubious Battle“) und Jay Davis (“Blood Heist”) gemeinsam mit Newcomer Jeremy Cheung verfassten Skript basierend, ging es im Mai/Juni 2016 “vor die Kameras” – und das mit einer reizvollen Besetzung sowie mit ersterem und Franco sich den Regie-Posten teilend. Im Einklang mit der Mehrheit seiner Vorbilder war es offenkundig nie ein Ziel, mit dem Streifen einen Kino-Hit anzustreben: Nein, hierbei handelt es sich ganz klar um klassische “trashy DtV-Kost” abseits des Mainstreams…

“Future World” eröffnet wie so viele Filme dieser Art – nämlich in Gestalt einer mit einem Voiceover unterlegten Montage-Sequenz, welche dem Zuschauer anschaulich darbreitet, dass es irgendwann in der Zukunft zu einem fatalen Atom-Krieg gekommen war, nachdem sich die Technik im Bereich der “künstlichen Intelligenzen” im Vorfeld zunehmend weiterentwickelt hatte. Unzählige starben – die Welt, wie man sie bis dato kannte, existiert nicht mehr; ist nur noch ein einziges Ödland. Seither kämpfen die verbliebenen Menschen ums blanke Überleben – gegen die harschen Bedingungen (Klima, Rohstoff- und Nahrungsmittel-Mangel etc.) sowie nicht selten auch gegeneinander. Eine Bande, die auf ihren Motorrädern plündernd, mordend und vergewaltigend umherzieht, nennt sich “the Raiders” und wird von dem sadistisch-irren Warlord (Franco) angeführt: Unmittelbar an die Einleitung anknüpfend, überfällt die Truppe ein Camp friedlicher, kaum bewaffneter Leute, die ihnen durchweg relativ zügig zum Opfer fallen. Wie es sich herausstellt, befanden sich jene im Besitz eines weiblichen Androiden (Suki Waterhouse als Ash) – eines der letzten funktionstüchtigen Exemplare überhaupt…

In einer etliche Meilen entfernt gelegenen Oase bangt der Teenager Prince (Jeffrey Wahlberg) derweil um seine schwerkranke Mutter Queen (Lucy Liu). Als er von einem Ort hört, an dem es ein Heilmittel geben soll, brechen er und zwei Kameraden kurzerhand nach “Paradise Beach” auf: Eine gefährliche Reise mit ungewisser Aussicht auf Erfolg. In einem von Love Lord (Snoop Dogg) gemanagten “Strip-Schuppen” (samt Bordell und Bar) treffen sie und die “Raiders” schon bald aufeinander: Per Einsatz Ashs, welche Warlord infolge ihrer “Erweckung” nun als “Sex-Sklavin” und “Vollstreckerin” befehligt, wird der junge Mann binnen kürzester Zeit gefangen genommen – seine Kumpel sterben. Wenig später beginnt sich bei Ash jedoch so etwas wie ein “eigener Wille” herauszubilden – worauf sie sich der Kontrolle Warlords widersetzt, Prince befreit und mit ihm hinaus in die Wüste flieht. Zusammen erreichen sie schließlich den besagten See, an einem dessen Strände sie auf eine kleine “Kommune” voller Junkies stoßen: Dort ist die gesuchte Medizin tatsächlich zu finden – doch ob sie sie erhalten, darüber entscheidet der örtliche Drug Lord (Milla Jovovich)…

“Future World” ist weder ein Film “für die breite Masse” noch “für Kritiker” – sein Score bei “Rotten Tomatoes” beträgt weiterhin 0% – sondern eher einer für “Freunde” von Streifen wie “Cherry 2000” sowie Regisseuren á la Cirio H. Santiago oder Albert Pyun. Anstatt Originalität “großzuschreiben”, hat man sich bei dem Werk hemmungslos bei typischen Versatzstücken des Genres “bedient” – inklusive einzelner “Exploitation”-Elemente und einer Reihe evidenter Logik-Schwächen (bspw. warum scheinbar noch eine Menge Benzin zum Verfahren verfügbar ist und wo die “Raiders” zwischendurch denn eigentlich nachtanken). Es lässt sich “gratuitous Nudity and Violence” verzeichnen, Namen sind prominent mit der Stellung, Position oder einer markanten Eigenschaft der jeweiligen Person verbunden (vgl. Warlord, Prince, Queen, Love Lord, Old Traveler, Bodyguard usw.), verschiedene “Gemeinschaften” (Clans, Banden, Siedlungen) mit unterschiedlichen “Gesinnungen” sind entstanden und Munition ist zu einem raren Gut geworden – was zugleich (von mir positiv registriert) bedeutet, dass innerhalb der Geschehnisse keine Shootouts (oder Explosionen, btw.) vorkommen…

Eine weitere Gegebenheit, die mir gefiel, war dass nur selten auf CGI-Effekte zurückgegriffen wurde: Von einigen überzeugend animierten Szenen der nuklearen Zerstörung unmittelbar am Anfang abgesehen, beschränkten sich die “digitalen Ergänzungen” im Verlauf primär auf ein paar in die Shots integrierte “Details” (wie z.B. leuchtende Augen oder ein Wrack im Hintergrund) – plus den einen oder anderen verströmten, punktuell gar quasi “im Grindhouse-Stil die Kamera-Linse besudelnden” Blut-Spritzer. Als Locations diente dem Team eine ersprießlich ausgekundschaftete und stimmig hergerichtete Auswahl an verlassen-kaputten alten Gebäuden, Parks und Industrie-Anlagen – ebenso wie diverse Canyons und Wüsten-Flächen in Kalifornien (maßgeblich in der Region rund um den Saltonsee). Häufig werden einem Warlord und seine Männer gezeigt, wie diese auf ihren Bikes durchs Ödland heizen: Fraglos hätte man die Zahl eben jener Einstellungen insgesamt getrost verringern können – allerdings zeugen sie zugleich (auf ihre Weise) von dem Spaß, welchen die Beteiligten nicht allein bloß an diesem Aspekt der Dreharbeiten hatten…

“Future World” serviert seinem Publikum eine schlicht gestrickte, sich “sprunghaft” entfaltende Geschichte, einfallsarm-stereotyp ausgestaltete Charaktere sowie Dialoge, von denen einige durchaus improvisiert klingen. Klischees gibt´s zig auszumachen – schauspielerische Glanz-Leistungen dagegen keine. In Sachen Casting hat Franco indes mal wieder seine “Zugkraft” bewiesen: Ohne seinem Zutun hätte sich sicher kaum einer der namhafteren Mitwirkenden ernsthaft für ein solches Projekt (auf der Basis eines Skripts wie dieses) interessiert. Als der sich nobel für andere einsetzende Prince wurde Mark´s und Donnie´s Neffe Jeffrey Wahlberg (“Toyed”) verpflichtet, der aber deutlich zu unerfahren und ausdrucksschwach daherkommt, um im Kontext der Story den nötigen “emotionalen Eindruck” des Parts heraufzubeschwören. Was aus ihm (und seiner Mutter) wird, ist einem schon bald “egal” – nicht unerheblich da er mit zu den “blassesten” und “unreizvollsten” Protagonisten des Streifens gehört und Lucy Liu (“Domino“) ihre eingeschränkte Screen-Time vorwiegend krank im Bett liegend oder (in den Gedanken und Erinnerungen ihres Sohnes) schweigsam in die Kamera blickend verbringt…

Ash ist ein per Sprach-Anweisungen via eines Walkie-Talkie-ähnlichen Geräts kontrollierter synthetischer Androide, der sich seitens einer “Fehl-Funktion” (oder etwas in der Art) genau davon “loszulösen” in der Lage ist sowie im Folgenden u.a. “Unabhängigkeit erlangt”, ein eigenes Bewusstsein entwickelt und sich obendrein angeregt mit philosophischen, religiösen und psychologischen Themen-Bereichen bzw. Konzepten (á la “Menschlichkeit” und “Seele”) beschäftigt. Soweit ihr das Material überhaupt eine Gelegenheit dazu gab, meistert Suki Waterhouse (“the Bad Batch“) die sich wandelnden Facetten der Rolle (Konfusion, Toughness, Sehnsucht etc.) ordentlich. Amüsant fand ich es, dass man sie mehrfach (selbst mitten in einem Kampf) “wie ein Model” laufen ließ – was Suki natürlich perfekt beherrscht. Prince ist überaus angetan von Ash – so wie es unzählige Jugendliche wohl von einer solchen Schönheit wären – doch Gefühle sowie eine Chance auf eine “hoffnungsvolle Zukunft” bietet ihr außerdem noch die Mechanikerin Lei (Margarita Levieva aus “Knights of Badassdom”), welcher sie im finalen Drittel begegnet…

“Future World” wurde veröffentlicht, nachdem Franco im Frühjahr 2018 negativ in den Fokus der “MeToo-Bewegung” geriet. Hier verkörpert er einen sadistisch-brutalen Psychopathen mit ekelig gelben Zähnen, der Frauen vorrangig als “Bitches” bezeichnet, Ash als “Sklavin” hält und sowie gern ein Etablissement besucht, in welchem den Prostituierten und Stripperinnen Elektroschock-Halsbänder angelegt wurden. Eigentümer des Ladens ist Love Lord – merklich gut gelaunt dargeboten von Hip-Hop-Ikone Snoop Dogg (“Training Day“) – während Rumer Willis (“Sorority Row”) – älteste Tochter von Bruce Willis und Demi Moore – als eine seiner Kellnerinnen mit von der Partie ist. In diesem Zusammenhang zu erwähnen: Eine Mid-Credits-Szene greift diesen (sich um die Mädels in dem “Club” rankenden) Plot-Abschnitt noch einmal auf – also nach Einsetzen des Abspanns einfach ein klein wenig weiter dranbleiben (oder entsprechend vorspulen). Franco selbst lässt als viel Leder (plus sporadisch eine behörnte Maske) tragender Widerling Warlord unterdessen des Öfteren ungeniert-unsubtil “die Sau raus” – im Grunde exakt so, wie es von ihm bei einer solchen Figur zu erwarten war…

Prince´s Odyssee führt ihn schließlich nach “Drug Town”: Dort, wo einst “Paradise Beach” zum Baden, Flanieren und Relaxen einlud, tummeln sich nun allerlei Junkies am Ufer des toten Gewässers. Mit ihrem “Stoff” versorgt die Süchtigen eine “manische” Dame, welche den naiven Teen sogleich in Empfang nimmt und ihm das erhoffte Heilmittel in Aussicht stellt: Ihre Bedingungen dafür sind bloß, dass er selbst mal Drogen konsumiert, einen unerbittlichen “Gladiatoren-Fight” in einem leeren Pool überlebt sowie (bei einem für ihn erfolgreichen Ausgang) ohne Ash den Heimweg antritt. Im “Overacting-Modus” agierend, liefert ausgerechnet Milla Jovovich (“Survivor“) die “Highlight-Performance” aus den Reihen der versammelten Akteure ab – schlichtweg weil sie den Part so herrlich “aufgedreht” zum Besten gibt. Darüber hinaus lassen sich u.a. noch Carmen Argenziano (“the Institute“), Scott Haze (“Venom“), “Wu-Tang Clan”-Mitglied Method Man (“Sinners and Saints“), Ben Youcef (“13 Hours“), Wilmer Calderon (“Annapolis“) sowie Rapper “Twin Shadow” George Lewis Jr. (“Mississippi Requiem”) erspähen. Ein klassisches “Franco-Ensemble”, könnte man sagen…

“Future World” wartet mit in regemäßigen Abständen eingestreuten Action-Momenten auf, die keine ausgefeilten Choreographien besitzen und in erster Linie aus einzelnen Kämpfen bestehen. Der “Härte-Grad” ist nicht sonderlich hoch – das Tempo (zumindest phasenweise) ebenfalls nicht. Spannung: Fehlanzeige. Gelangweilt habe ich mich allerdings nie – was mit an dem (für mich) reizvollen Setting lag. Die Bebilderung des aktuellen Werner Herzog Stamm-Cinematographers Peter Zeitlinger (“Rescue Dawn”), welchen Franco offenbar beim “Queen of the Desert”-Dreh kennenlernte, verfügt über diverse ansprechende Steadicam-Shots, der “pulsierende” Elektro-Score des “Toydrum”-Duos Pablo Clements und James Griffith erfüllt seinen Zweck und die Regie-Arbeit kommt einem so “uneben” wie nicht gerade selten bei Franco und seinen Kollaborations-Partnern vor – doch wie ja bereits ausgeführt: Wer sich generell ab und an mal einen post-apokalyptischen Low-Budget-Trash-Flick anschaut, der kann ruhig mal einen Blick riskieren. Schade halt nur, dass das Ergebnis keinen ausgeprägteren “Fun-Faktor” aufweist…

knappe

Hierzulande erscheint “Futur World” im November 2018 auf DVD und BluRay…

Stefan SeidlFuture World

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Future World

Copyright der “Future World” Cover- und Postermotive sowie der Pics: AMBI Group / Black Sparrow Films / Dark Rabbit Productions / Premiere Picture / Lionsgate (US) / Sony Pictures Home Entertainment (D)__ Infos zur dt. VÖ:__ Freigabe: FSK-16__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/ja

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