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Gate – Die Unterirdischen

Originaltitel: The Gate__Herstellungsland: Kanada / USA__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Tibor Takács__Darsteller: Stephen Dorff, Louis Tripp, Kelly Rowan, Jennifer Irwin, Andrew Gunn, Carl Kraines, Ingrid Veninger, Christa Denton u.a.

Gate II - Das Tor zur Hölle

Gate - Artwork

Artwork zu “Gate – Die Unterirdischen”

Jung, naiv und an jeder erdenklichen Art von Film interessiert war mein jüngeres Ich, als es vor knapp 15 Jahren zu seinem insgesamt 275. Versuch ansetzte, eine Filmrezension auf die Beine zu stellen. Die Wahl sollte an jenem leicht bewölkten Mittwoch während der heimischen Fußball-Weltmeisterschaft auf die Sparte des paranormalen B-Horrorfilms treffen. Die Sunfilm-DVD von Tibor Takács’ „The Gate“ hatte den Weg in meinen getreuen Pioneer gefunden, projiziert auf einen altgedienten Röhrenfernseher aus längst vergangenen VHS-Tagen. Als der Play-Button getätigt wurde, hingen entsprechende Erwartungen in der Luft; schließlich hatte die DVD-Ankündigung zu dem „Mini-Poltergeist“ in hiesigen Foren zuvor einen gewissen Hype erfahren. Doch vertraue niemals dem Hype. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt.

An jeder erdenklichen Art von Film interessiert bin ich auch rund 4.000 Filme später noch; das jedenfalls hat sich nicht geändert. Das ist eben das Schöne an diesem Medium; man hat nie genug davon gesehen. Aber vielleicht lässt sich so manche frühe Sichtung mit etwas mehr Erfahrung anders einordnen. Anlässlich der Blu-ray-Veröffentlichung gilt es nun herauszufinden, ob die damalige Einschätzung zu „The Gate“ heute immer noch gültig ist.

Gate

Der große Vorstadtgarten bietet viel Platz zum Verstecken für die unterirdischen Plagegeister.

“The Gate” ist wie die in ihm zur Schau getragene Mode der Achtziger, nämlich schrill, bunt, cheesy und uncool. Etwas von Intelligenz, wie zum Beispiel ein Konzept, ist einfach nicht da; statt dessen ist der Ungare Tibor Takács darauf erpicht, Steven Spielbergs Gruselproduktion “Poltergeist” nachzueifern und ihn stilistisch zu kopieren, wo es nur geht. Dass man dazu aber eine halbwegs originelle Ausgangslage braucht, war wohl niemandem so recht klar.

Typische 00er-Jahre-Attitüde der Generation X: Ablästern über Spielberg-Imitatoren und uncoole 80er-Jahre-Klamotten. Tja, wäre ich damals von meiner 2020er-Version besucht worden und die hätte mir erzählt, dass die 80er in der Zukunft wieder voll im Trend liegen, hätte ich mir wohl selbst einen Vogel gezeigt. Und dann muss man sich erst einmal mein Gesicht vorstellen in dem Moment, als ich mir verrate, dass das Nachfolgemedium der DVD, die Blu-ray („Die hat echt gegen die HD-DVD gewonnen? Du machst Witze!“), auch noch in einer VHS-Replika-Verpackung verkauft wird („VHS-Edition? Jetzt verarschst du mich aber wirklich, oder?“).

Gate - Die Unterirdischen

Louis Tripp bringt als Metal-Kid reichlich Farbe in die Handlung und empfiehlt sich schon mal für die Fortsetzung.

Die kanadische Produktion entstand im Fahrwasser Dutzender Nachzügler einer Welle gepflegter Grusel-Familienunterhaltung, die das (momentan wieder auflebende) Slasher / Terrorkino rund um Carpenters “Halloween” und Hoopers “Texas Chainsaw Massacre” (und letzterer führte ja ironischerweise ausgerechnet auch bei “Poltergeist” Regie) ablöste und statt Mord und Totschlag in all seiner Rohheit lieber auflockernden Entertainment-Grusel und poppige Spezialeffekte bot.

Ach, stimmt. Ich erinnere mich vage. Mitte der 00er Jahre schwebte man ja noch im Dunst des Terror-Kinos und versuchte, alles und jeden dazu in einen Kontext zu setzen. Man wollte sich damals lieber eine Kettensäge über das Gesicht ziehen als die neuen Songs von Pink und Justin Timberlake zu hören. Man verglich den neuesten Uwe Boll mit einer Folter im Saw-Keller. Selbst Familiengruselfilme mit Kindern als Hauptdarstellern hatten irgendwie etwas mit Terror zu tun. Apropos Kinder:

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Weichzeichner-Geister-Mums gehören zum vielfältigen Monster-Repertoire eines Films, der weit mehr zu bieten hat als nur ein paar ausgebüxte Kartoffelknollen.

Damit gekoppelt war leider auch ein sich zunehmend verjüngender Cast. Aus den Twens des “Texas Chainsaw Massacre” wurden im Laufe der Achtziger oft Teenies (“Lost Boys”) oder im schlimmsten Fall sogar Kinder, die gruselige Abenteuer bestehen mussten. Politisch unkorrekte Überlebensgleichheit zwischen Kindern und Erwachsenen blieben die Ausnahme (“Der Blob”, 1988), und so ging mit den jüngeren Hauptdarstellern auch die Unvorhersehbarkeit flöten… fortan war der Ausgang der Handlung schon immer vorherbestimmt. Die Kinder würden überleben, darauf sollte man besser seine Wetten abschließen.

Hier erleben wir einen frühen Versuch des Autoren, filmhistorische Entwicklungen nachzuzeichnen, gebündelt allerdings mit einer gehörigen Portion Vorurteilen gegen Kinder in Lead-Rollen. Not fair. Ich war zugegeben nie ein echter „Goonies“-, „E.T.“- oder „Stand by Me“-Verehrer; selbst im eigentlichen Identifikationsalter habe ich lieber mit Schwarzenegger oder Stallone mitgefiebert, als mich in meine Altersgenossen zu versetzen. Erst retrospektiv haben aus Kinder-Perspektive erzählte phantastische Stoffe für mich doch noch an Wert gewonnen, sofern sie eben gut umgesetzt waren, d.h. sofern sie es verstanden, überzeugend mit kindlichen Ängsten und Interessen zu spielen. So wird dem Erwachsenen eben ein Tunnel zurück in die Vergangenheit geschaffen. Das kommt auch dem Alterungsprozess von „The Gate“ zugute.
Was allerdings den kleinen Stephen Dorff angeht:

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Klein-Stephen kapiert das Erwachsenenspiel nicht so richtig.

“The Gate” ist leider so ein “Kinder gegen böse Mächte”-Nonsens, in all seiner Pracht. Die Eltern machen sich schnell aus dem Staub Richtung Urlaubsparadies und lassen eine nicht ganz 16-Jährige und ihren kleinen Bruder zu Hause alleine. Den Bruder spielt Indie-Held Stephen Dorff in seinem Filmdebüt als ziemlicher Knirps, noch etwas pausbäckig und mit einer potthässlichen 80’s-Matte auf dem Kopf, die allerdings von den bizarren Frisuren der Teengirls im Film locker getoppt wird (der beste Filmmoment: Diejenige mit der hässlichsten Frisur überhaupt rollt nach einem Streit mit dem frechen Stephen die Augen und sagt: “Ist der uncool!”). Dass Stephen für seine Performance gleich zweifach als bester Jungdarsteller nominiert wurde, erschreckt mich zutiefst, denn so sehr ich seine späteren Darbietungen auch mag, in seinem ersten Film spielt er wie ‘ne Pflaume, und wann immer das Drehbuch ihm einen zynischen Spruch auf die Lippen legt, versandet dessen Wirkung in dem Moment, in dem Stephen seinen Mund öffnet.

Da lag meine 06er-Ausgabe vielleicht in der Ersteinschätzung gar nicht so falsch. Die Filmgeschichte hat fürwahr bessere Jungdarsteller zu Tage gebracht als diesen stets trotzigen, motzigen, eingeschnappten Blag, der es sogar schafft, dass man sich mit den hip frisierten Teenies gegen ihn verbrüdern möchte. Louis Tripp hingegen, den ich bei der Erstbetrachtung nicht einmal registriert zu haben scheine, trägt ein Stück Leben in den Film. Als Nachwuchs-Kuttenträger bringt er ein wenig exotische Metal-Subkultur in das ansonsten recht neutrale Geschehen und weiß die Sympathien als erstaunlich selbstbewusster Loser-Typ auf sich zu bündeln. Außerdem trägt er dazu bei, die alles in allem ziemlich zähe erste Filmhälfte halbwegs erträglich zu gestalten. Das lässt den Gedankengang, ihn zum Hauptdarsteller der Fortsetzung zu erklären, durchaus nachvollziehbar erscheinen.

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Schlimmer als eine Rattenpest: Minions auf Erkundungstour.

Was sich Drehbuchautor Michael Nankin, inzwischen als Autor und Regisseur diverser TV-Serien tätig, hierbei allerdings gedacht hat, will mir nicht in den Kopf. Die Geschehnisse wirken vollkommen affektiert und darauf gerichtet, eine Gruselszene nach der anderen im Poltergeist-Lichte zu inszenieren, komme was wolle. Da die Monster irgendwoher kommen mussten, wählte Nankin wohl einfach mal die Erde (die ihm neben der Luft und dem Wasser als dritte Option offenstand), und nun gibt es nach einer unheimlich zähen Anfangsphase, in der rein gar nichts passiert, unzusammenhängende Monsterattacken zu sehen, die rein biologisch überhaupt nicht miteinander im Zusammenhang stehen – hier krabbeln mal Miniteufel aus dem Erdloch, da fliegen ein paar Motten herum, hier taucht mal eine adrige Monsterhand unter dem Bett auf, da ein Zombie, hier eine Spiegelillusion, da falsche Eltern aus Biomasse. Wenn überhaupt, wären solche unvereinbaren Angriffe eher auf eine unsichtbare Macht zurückzuführen – eben auf den Poltergeist-Ansatz. Aber es geht nun mal nicht ums Haus und einen Geist, sondern um ein Loch im Vorgarten und darin hausende Erdteufel… was eine Hand unter dem Bett damit zu tun hat, weiß ich auch nicht.

Den TV-Serien ist Michael Nankin übrigens weiter treu geblieben. Ist aber ja, wie man inzwischen weiß, nicht mehr unbedingt ein Makel im Arbeitszeugnis. Aus heutiger Sicht würde ich ihm aber eher die erste als die ereignisreiche zweite Hälfte um die Ohren hauen. Man ist bereits drauf und dran, geistig halb abzuschalten, da entwickelt sich auf dem Bildschirm plötzlich ein erfrischendes Chaos aus unvereinbaren Genre-Zutaten, deren vogelwilde Zusammenstellung mein jugendliches Hirn damals offenbar überforderte. Als hätte jemand den Inhalt sämtlicher Schubladen im Laufe der Zeit auf dem Fußboden verteilt und eines Tages wegen Mädchenbesuch hastig wieder in eine Schublade zurück gestopft, wo nun ein seltsamer Murks aus unterschiedlichsten Kreaturen und Spezialeffekten vor sich hin gärt. Krude, aber angesichts der öden ersten Filmhälfte auch völlig faszinierend.

Gate

Da muss der Parkettverleger aber noch mal ran.

Es gibt aber ein großes Aber, und das buchstabiert sich “Spezialeffekte”. Die häufen sich zumindest ab dem zweiten Filmdrittel zunehmend in einer bewundernswerten Sorgfalt. Randall William Cook gelang es, die Miniteufel schön flüssig zu animieren, so dass sie wie eine Mischform von Stop Motion und CGI daherkommen. Es fehlt ihnen zwar alleine durch ihre verhältnismäßig kurze On-Screen-Zeit der ironische Charme der Critters und erst recht der Gremlins, die manchmal unberechtigterweise als zentrale Inspirationsquelle genannt werden, ansonsten sind das aber nette Biester. Der Riesenerdteufel am Ende ist aus effektetechnischer Sicht das Highlight, das Harryhausen hätte neidisch machen sollen. Ansonsten sorgen hübsche Matte Paintings, eine zerfasernde Hauskulisse und akzeptable Make Up-Effekte für visuelle Schauwerte, die sich vor niemandem verstecken müssen.

Immerhin war man anno 2006 auch schon dazu in der Lage, die Stop-Motion-Arbeit als Handwerkskunst wertzuschätzen… auch wenn man an dem CGI-Kommentar sieht, dass zu jener Zeit nicht nur eine Terrorfilmwelle den Rundgang machte, sondern auch Computereffekte jedes Vergleichsdenken in Beschlag genommen hatten. Tatsächlich liegt in der fast nahtlosen Verkettung aus Trickanimation, Handpuppen, Kostümen, Make-Up und prothetischen Effekten der besondere Reiz, mit dem Klein-Stephen, sein bester Buddy und seine große Teenie-Schwester permanent vom Regen in die Traufe wandern. Takács punktet auf dem Regieposten vor allem durch die Auswahl effektiver Perspektiven und Übergänge. Das geräumige, leer wirkende und dadurch irgendwie präpariert erscheinende Haus nutzt er als Set optimal aus und gewinnt ihm atmosphärisch einiges ab. Die eigentlichen Stars gehören aber zur Effekte-Unit: Was die da in einzelnen Einstellungen gebastelt haben (zum Beispiel der abgehackte Arm eines Erdgnoms, der beim Aufprall auf den Boden zu einem Dutzend spermienförmiger Kriechtiere zerfällt, die aus dem Licht wuseln wie Silberfische während der Morgentoilette; oder die nächstgrößere Variante desselben Tricks, als aus einem großen Körper viele kleine Mini-Teufel purzeln), würde in jeder Horror-Doku als Clip dafür sorgen, dass man unbedingt den zugehörigen Film sehen möchte.

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Kuckuck!

Die Art und Weise, wie das “Endmonster” schließlich zur Strecke gebracht wird, ist Humbug hoch drei, und davon, was passiert, als das Monster besiegt ist, will ich lieber gar nicht reden; in solchen Momenten wünscht man sich wieder das konsequente Terrorkino zurück. Aber die letzten rund 40 bis 50 Minuten sind abzüglich des Epilogs ohne Zweifel kurzweilig genug, um unterhaltend zu wirken, weil gerade das Visuelle betreffend viel Abwechslung geboten wird – auch wenn die wie gesagt im Drehbuch nicht nachvollziehbar gemacht wird. Unabhängigkeit von der Logik, hässliche Outfits, die Killer Dwarfs und versteckte Botschaften auf Heavy Metal-Alben, Stop Motion, der Weltuntergang und die Rettung durch einen kleinen Bub – das macht nicht immer einen guten Film, ist aber meistens eine Mordsgaudi. Obwohl “The Gate” nie seine Vorbilder erreicht und mehr als einmal total hirnrissig wird, wäre so ein dummes Filmchen heutzutage vielleicht mal wieder ein Riesenspaß.

Oh-oh-oh, Moment mal. Selbst ein Jahrzehnt später wünscht sich kaum jemand das Terrorkino zurück; wir würgen immer noch das rohe Fleisch runter, das uns von damals im Hals steckt. Geblieben ist aber die damals bereits existierende Sehnsucht nach altmodischen Monster-unter-den-Dielen-Filmen, die mit viel Liebe zur Handarbeit zum Leben erweckt werden. Es ist eigentlich ein Trauerspiel, dass der lodernde Hunger nach klassischen Effekten noch immer kaum gestillt wird, obwohl er immer lauter wird. Und das, obwohl sich mit „Stranger Things“ und Artverwandten inzwischen sogar ein Markt entwickelt hat, der gerne entsprechende Bedürfnisse befriedigen würde, jedoch nicht dazu in der Lage ist, auch nur einen Film lang völlig clean zu bleiben vom Aufputschmittel CGI.

Gate

Das Opus Magnum der Effektleute: Der gar nicht so kleine Ober-Minion.

„The Gate“ ist sicher nicht die Referenz, der diese über Jahre aufgebaute Sehnsucht gelten sollte; es ist ein bisweilen äußerst zähes, konfuses Creature Feature aus der zweiten Garde, das dank seiner äußerst sehenswerten Effekte-Arbeit noch im soliden Mittelfeld landet. Kein Grund, einen Kult daraus zu konstruieren. Aber es ist eben eine Exemplar einer ausgestorbenen Gattung, die angesichts gestiegener technischer Möglichkeiten im Film unwiederbringlich verloren scheint.

5 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Gate – Die Unterirdischen”

Gate + Gate II - VHS Edition

Für notorische Zurückspuler: Die VHS-Version von “Gate – Die Unterirdischen” im Paket mit der Fortsetzung “Gate II”.

Während ich mich mit der filmischen Rezeption meiner 00er-Jahre-Version befasst habe, wurde ich übrigens von meinem Alter Ego des Jahres 2030 besucht und darum gebeten, doch bitte auch gleich das zugehörige Medium vorzustellen; schließlich sei der physische Markt inzwischen auf einen absoluten Liebhaberkreis zusammengeschmolzen und die digitalen Archive, an die nun jeder Haushalt angeschlossen sei, führten kaum noch Filme aus dem 20. Jahrhundert. Da sei es schon etwas Besonderes, wenn noch jemand eine unbearbeitete Originalfassung eines B-Horror-Kleinods als Datenträger in seinem Archiv hat…

Außen VHS, innen Blu-ray

Na dann will ich mal nicht so sein. Die verblassten Erinnerungen an „The Gate“ wurden aufgefrischt mit der „VHS-Edition“ aus dem Hause Wicked-Vision, die am 11. Oktober 2019 auf dem deutschen Markt erschien und beide Teile erhält. Als im Juni 2018 „The Gate II“ einzeln in der „Collector’s Edition“-Reihe erschien, hieß es, dass für den ersten Teil die Lizenz fehlte und deswegen nur Teil 2 erscheinen würde. Und in der Tat, die VHS-Edition entsteht in Kooperation mit NSM Records, die „The Gate“ im Oktober 2018 ihrerseits einzeln als Blu-ray/DVD-Set veröffentlichen. So mancher Käufer wird also bereits die Mediabooks der beiden Anbieter einzeln im Regal stehen haben; für wen das nicht gilt, der kann hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen..

Nachdem Media- und Steelbooks längst zu den altgedienten Verpackungsformen gehören, nutzten findige Geschäftsmänner die zuletzt aufkeimende Nostalgie für die 80er Jahre, um mit den „Tape-Editionen“ an die begehrten Sammler-Geldbörsen zu gelangen. Warners „Ready-Player-One“-Spezialausgabe gehörte zu den ersten ihrer Art und überzeugte von außen einerseits mit schickem Retro-Design und einem recht überzeugenden Detailprint einer originalen VHS-Kassette, doch bei näherem Hinsehen wurde im Design geschludert: So zeigt die Verpackung auf Vorder- und Rückseite genau das gleiche Motiv, nämlich die Kassettenfront mit Spulbändern und Filmetikett, was die Illusion zerstört, dass man es mit einer echten Kassette zu tun hat – wobei allerdings auch der Hochglanzdruck nicht hilfreich ist. Das im Vergleich zur Original-Kassette etwas größere Volumen der Verpackung ist leider dem fest definierten Radius einer Blu-ray zuzuschreiben und lässt sich somit nicht verhindern. Von Innen warteten ein paar Goodies, ansonsten steckte die Disc aber seltsam verlassen und alleine in einer insgesamt viel zu aufgeplusterten Box. Pandastorm machten es da z.B. mit ihrer VHS-Edition zu „Summer of ’84“ schon besser, indem sie Vorder- und Rückseite authentisch abbildeten, den Verschluss elegant mit einem Magneten lösten und auch das Innenleben dank einiger Goodies sowie einer Stecktasche auf der linken Innenseite lebendiger wirkte..

Die VHS-Edition zu „The Gate + The Gate II“ ähnelt in Design und Mechanik zum Glück den schickeren Varianten auf dem Markt. In diesem Fall ist die Vorderansicht einer selbst bespielten und beschrifteten Custom-VHS nachempfunden. Ebenso findet man auf dem dicken Spine den Print eines Beschriftungsstickers und auch die Rückansicht entspricht der eines originalen VHS-Rohlings. Ein paar Spiegelungseffekte bei den feinen Rillen der Materialoberfläche hätten die Illusion noch optimieren können, aber zumindest die beiden Sichtfenster des aufgerollten Bands sind noch einmal mit Klarlack überzogen, so dass sich ein schönes Zusammenspiel mit der matten Restoberfläche ergibt. Das Gleiche gilt für die mit Gloss-Effekt versehenen weißen Kunststoff-Drehelemente auf der Rückseite..

Ein dickes Ding

Die Außenhülle besteht wie bei allen bisher bekannten Editionen aus dünnem Karton (eine originale Kunststoffhülle wie in guten alten Zeiten, das wäre natürlich nochmal die Krönung) und ist in zwei Ausführungen zu bekommen (jeweils limitiert auf 500 Stück): Cover A zeigt das bekannte weiße Cover mit einem Erdloch in Form des Filmtitels, aus dem eine Kreatur an die Oberfläche krabbelt. Das hier zur Verfügung stehende Cover B entspricht dem Cover B aus Wicked Visions Mediabook-Ausgabe zum zweiten Teil. Ein Gremlin-artiges Augenpaar blickt hier von einem dunkelblauen Vollmondhimmel herab, der von einem Blitz erleuchtet wird, während sich im Vordergrund eine Kralle in die tonfarbene Erde krallt, die man im Gegensatz zu Cover A aus der Perspektive des Monsters betrachtet. Auf dem Spine werden beide Titel in sattem Rot auf Schwarz mit einem „+“ verknüpft, hinten gibt es zu jedem Teil einen Screenshot, eine kurze Inhaltsangabe und die Spezifikation der jeweiligen Disc. Der Schuber ist nach unten hin geöffnet. Das Volumen entspricht mit 3cm Dicke (Spine), 20,7cm Höhe und 13,5cm Breite ziemlich genau jenem von Pandastorms „Summer of ’84“ – möglicherweise handelt es sich auch um den gleichen Hersteller, zumindest lässt der identische Aufbau das vermuten..

Wenn es übrigens in der originalverpackten Box klappert, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass die Discs aus der Halterung geflogen sind – obwohl das theoretisch möglich wäre, weil sie versetzt übereinander jeweils auf einem Gummistopfen stecken, was erfahrungsgemäß gegenüber der gewöhnlichen Tray-Verankerung im Keep Case etwas weniger gut funktioniert. Die Klappergeräusche werden aber im Normalfall verursacht von fünf freiliegenden Postkarten, darunter je zwei Postermotive pro Film und die Nahaufnahme eines Erdgnoms in Gefangenschaft. Die kann man natürlich auch verschicken, aber ob der Empfänger sie genauso zu schätzen wissen wird wie der Besitzer dieser Box?.

Auf der linken Seite steckt in einem schön bedruckten Schubfach außerdem noch ein doppelseitig bedrucktes Poster (ca. 42cm x 29,6cm) mit den beiden VHS-Box-Motiven von Cover A und B. Was leider fehlt, sind die Booklet-Texte aus den Mediabooks. Auch die DVD-Beigaben bleiben den Mediabook-Käufern vorbehalten, auch wenn diese ja keine zusätzlichen Inhalte boten..

Schaut in den Trailer zu Tibor Takács’ Creature Feature hinein

Da die Discs inhaltlich grundsätzlich identisch sind mit den vorherigen Veröffentlichungen und die Wicked-Vision-Scheibe zu Teil 2 bereits hier besprochen wurde, soll es an dieser Stelle ausschließlich um die Disc von NSM gehen..

Dreckbuddeln in HD

Die Blu-ray zu „The Gate“ ist jedenfalls bis zum oberen Rand vollgepackt mit allerhand Features, die es auf locker drei Stunden schaffen. Dazu kommen insgesamt satte fünf Tonspuren, allesamt im DTS HD Master Audio Stereo-Format. Zwei davon gehören dem Film selbst: Die englische und deutsche Spur genügen jeweils den hier geforderten Ansprüchen. Die Dialoge stehen jeweils im Mittelpunkt des Geschehens, doch wenn mal wieder ein Sturm aufzieht und die Trolle auf dicke Hose machen, wird es auch mal recht unangenehm im heimeligen Wohnzimmer. Erstaunlich, dass dann auch noch die Bildqualität bei all diesen Speicherfressern so überzeugend aussieht. Unter B-Horrorfilmen der 80er, die meist im Halbdunkeln spielen, sieht man nicht oft welche mit einer derart präzisen Bildschärfe. HD-Gefühl kommt zweifellos auf, wenn dich die hässlichen Zwerge durch das Treppengeländer hindurch blöd anglotzen oder wenn sich der Riesen-Dämon aufbäumt und dabei vom Blitz in unheilvolles Licht getaucht wird. In den Dauerwellen-Frisuren der Teenager ist jede gelockte Strähne einzeln zu erkennen, verfremdet bloß durch dezente Körnung. Ihre eigenwillige Mode erstrahlt in all den Farben, mit denen die Waschmittelwerbung alte Kleidung als neu erklärt. Ja, das kann sich in Anbetracht des Alters des Ursprungsmaterials absolut sehen lassen..

Deutsch, Englisch, Soundtrack… oder geselliges Miteinander?

Was die Extras angeht, kann man bereits in den Audiokommentaren und Extra-Spuren mehr als vier Stunden versinken. Spezialeffekt-Künstler Randall William Cook ist in beiden Kommentaren vertreten. Einmal vertreibt er sich die Zeit mit Regisseur Tibor Takács und Drehbuchautor Michael Nankin; eine sicherlich sehr ergiebige Kombination, stecken doch hier die treibenden kreativen Köpfe hinter diesem Werk zusammen. Der andere Kommentar ist neben Cook mit den Maskenbildnern und Effektleuten Craig Reardon, Frank Carere und Bill Taylor noch stärker spezialisiert; hier konzentriert man sich folglich aufs Wesentliche, das dem Film auch über 30 Jahre später immer noch Lorbeeren einbringt. Als dritte Spur kommt dann für jene, denen die Musik zu kurz kommt, auch noch der Soundtrack mit eingebettetem Audio-Interview hinzu. Wermutstropfen: auch wenn der Hauptfilm über englische und deutsche Untertitel verfügt, so gilt das leider nicht für die Zusatzkommentare. Man sollte also des Englischen mächtig sein, wenn man sich hinter die Kulissen begeben will..

Gate + Gate II VHS-Box unboxed

Die VHS-Box mit “Gate – Die Unterirdischen” und “Gate II” bietet neben einer extravaganten Verpackung ein doppelt bedrucktes Poster und fünf Postkarten.

Die volle Packung Extras

Wer aber auf Untertitel angewiesen ist, geht aber zumindest bei den ausufernden Video-Extras nicht aus. Die Protagonisten der beiden Kommentare spielen auch in dem reichhaltigen Angebot an Interviews und Making Ofs die Hauptrolle. So schwelgen die Macher in den ursprünglich für Lionsgate produzierten neuen Features in HD-Bildqualität in seligen Erinnerungen; allen voran Tibor Takács und Randall William Cook im fast halbstündigen Doppel-Interview „Unlocked“. Auch dem „Minion Maker“ Craig Reardon werden mehr als 20 Minuten eingeräumt, um über seine Arbeit an den Kartoffelzwergen zu sprechen. Dem ungarischen Ko-Produzenten Andras Hamori wiederum gebühren die 13 Minuten von „From Hell It Came“, die er dazu nutzt, zu erläutern, wie es ihn zum Film geschlagen hat. Carl Kraines wiederum steckte hinter der Zombie-Maske, wie er in „The Workman Speaks“ erklärt. Und das nicht zum ersten Mal, hat er doch auch bereits das hässliche Ungetüm aus J.S. Cardones Video Nasty „The Slayer“ verkörpert..

„Made in Canada“ wiederum ist ein Zusammenschnitt aus einer Serie von Interviews, die mit sechs Beteiligten des Films aufgenommen wurden. Zur Sprache kommen dabei Produktionsmanager Robert Wertheimer, Minion-Performer Jonathan Llyr, Scott Denton, der Stephen Dorffs Vater spielte, H. Gordon Woodside in der Funktion des Post Production Supervisors, Trysha Bakker aus dem Kostümdesign sowie Regieassistentin Kathleen Meade. Das ergibt in einer weiteren knappen halben Stunde ein recht vollständiges Bild von den Produktionsumständen..

Die Herrschaften Cook und Reardon haben aber weiteren Redebedarf, also führen sie auch noch das viertelstündige Feature „From Hell: The Creatures and the Demons of the Gate“ an. Man sieht, der Fokus liegt bzw. lag schon immer verstärkt auf den Spezialeffekten, denn gemessen am Erscheinungsbild der Herrschaften und der Bildqualität scheint dieses Extra schon etwas älter zu sein. Das gilt ebenso für „Gatekeepers“ mit Drehbuchautor Michael Nankin und wiederum Regisseur Takács, das eine weitere Viertelstunde verschlingt. Und wer dann immer noch nicht genug hat, schaut sich noch das 23-minütige Werbe-Making-Of aus der Entstehungszeit an..

Hinzu gesellen sich zwei Bildergalerien (einmal Storyboard, einmal Behind-the-Scenes, je ca. 10 Minuten) und selbstverständlich diverse Trailer und TV-Spots..

Wer sich also die Mediabooks bisher gekniffen hat und auf Booklets und DVDs verzichten kann, bekommt hier die volle Packung Film und Bonusmaterial in einer schicken Sonderedition für Nostalgiker. Dafür muss man zwar ordentlich Platz im Regal freiräumen, aber mehr als die beiden Medienbüchlein nebeneinander ist es dann auch wieder nicht….

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision / NSM / Lionsgate / MGM__FSK Freigabe: FSK16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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