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Generation der Verdammten

Originaltitel: The Passing Bells__Herstellungsland: Großbritannien, Polen__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Brendan Maher__Darsteller: Patrick Gibson, Jack Lowden, Ben McGregor, Matthew Aubrey, Felix Auer, Adam Long, Wilf Scolding, Charles Furness, Simon Kunz, Johnny Gibbon, Jordan Murphy u.a.
Generation der Verdammten deutsches DVD Cover

“Generation der Verdammten” folgt einem Engländer und einem Deutschen durch die Wirren des 1. Weltkrieges.

Zum 100. Jahrestag des Ausbruches des ersten Weltkrieges beschloss die BBC, dass es an der Zeit sei, ein neues Schlaglicht auf eines der düstersten Kapitel des letzten Jahrtausends zu werfen. Das Ergebnis war eine 5-teilige Miniserie namens „The Passing Bells“…

Der junge Michael lebt dank seiner ihn liebenden Familie ein behütetes Leben in einem kleinen Dorf. Er entdeckt gerade das andere Geschlecht und liebt es, der hübschen Katie hinterher zu steigen. Auch Thomas lebt ein schönes Leben. Sein Interesse gehört den Vögeln, die er zu gerne zeichnet. Thomas und Michael könnten durchaus Freunde sein.

Doch dazu soll es nicht kommen, denn Michael ist Deutscher und Thomas ist Brite. Beide werden sich auf den Schlachtfeldern des soeben ausgebrochenen 1. Weltkrieges gegenüberstehen. Beide haben sich freiwillig für den Dienst gemeldet. Beide voller Enthusiasmus und mit einer gewaltigen Portion Naivität. Beides werden sie schnell verlieren, denn der 1. Weltkrieg entpuppt sich als eine vollkommen neue Art Krieg. Er ist nicht nach wenigen Wochen beendet. Er gehorcht keinen Regeln. Und er bringt Leid und Verderben. Nicht nur über die Soldaten, sondern auch über deren daheimgebliebenen Familien.

Der Trailer zur Mini-Serie „Generation der Verdammten“

„Generation der Verdammten“ folgt seinen beiden Hauptcharakteren durch die Kriegsjahre. Im Original widmete sich jede der Episoden einem Kriegsjahr, in der deutschen Fassung hat man die fünf Folgen auf vier eingedampft, weshalb nun mitten in den Episoden in ein anderes Jahr übergegangen wird. Was allerdings nicht stört, vor allem, wenn man die Serie wie einen großen Film am Stück genießt.

Der Ansatz, den Krieg durch die Augen zweier normaler Soldaten zu zeigen, bietet an und für sich nicht viel Neues. Dieser Erzählkniff wird gerade im Antikriegsfilmgenre häufiger genutzt. Allerdings aus einem guten Grund: Weil er funktioniert. Weil er den Zuschauer ins Geschehen hineinzieht. So auch hier. Richtig interessant wird der Ansatz hier dadurch, dass „Generation der Verdammten“ zu gleichen Teilen auf einen deutschen und einen britischen Soldaten fokussiert und dabei komplett auf ein Gut-Böse-Schema verzichtet.

Es gibt nicht die bösen Deutschen und die glorreichen Engländer. Nicht für eine Sekunde. Mehr noch, es gibt großartige Szenen, in denen das Bild vom Krieg zweier erbitterter Feinde, die sich gegenseitig abschlachten, komplett aufgebrochen wird. Beispielsweise in einer Szene rund um eine Waffenruhe nach einer Schlacht, wenn Deutsche und Briten sich gegenseitig helfen, Verletzte und Tote von dem anonymen Acker in Nordfrankreich zu holen. Wenn britische Ärzte verletzte Deutsche behandeln und diese danach einfach ihres Weges ziehen können.

Generation der Verdammten Michael

Michael und seine Katie vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges.

Dadurch, dass „Generation der Verdammten“ auf beiden eine Seiten eine starke Identifikationsfigur installiert, verkommt zudem keine Seite zur gesichtslosen Masse. Auf beiden Seiten standen Menschen mit Ängsten, Wünschen und Hoffnungen, die von der Bestie Krieg aus ihrem Alltag gerissen wurden und nun unvorstellbares Leid erleben. „Die sind ja wie wir“, hört man einmal von Figuren des Filmes. Oder:

„Ist ein komischer Krieg, wenn wir uns nicht einmal hassen.“

Unterfüttert werden derartige, fast schon unglaubwürdig klingende Episoden (wenngleich der Film „Merry Christmas“ derartige Momente der Fraternisierung während des ersten Weltkrieges ebenfalls beschwor) von Zeitzeugen. Immer wieder wird der Fluss der Handlung von Originalaufnahmen aus dem ersten Weltkrieg unterbrochen. Dazu hören wir die Stimmen von Veteranen, die teils erschütternde und teils eben sehr erstaunliche Geschichten zu berichten haben.

Diese Stimmen sind es dann aber auch, die deutlich machen, was „Generation der Verdammten“ ein wenig fehlt: Wucht. Wenn die Zeitzeugen von den Gräueln des ersten Weltkriegs berichten, wird einem ganz flau im Magen. Vor allem die Berichte von der Front gehen im Zusammenspiel mit den grobkörnigen Schwarz-Weiß-Originalaufnahmen von im Matsch versunkenen toten Körpern durch Mark und Bein. Da kann die Serie, von einem großen TV-Sender fürs familienaffine TV realisiert, nicht ganz mithalten. Es klingt sicher seltsam, wenn man im Zusammenhang mit einem Antikriegsfilm von Blutleerheit spricht, aber genau das ist hier der Fall. Die Serie spart die Gräuel weitgehend aus. Zwar sterben die Charaktere zu Hunderten, aber all das geschieht seltsam sauber. Das gerät in manchem Moment beinahe grotesk, wenn Figuren im Gewehrfeuer „tanzen“ und bar jedes Tropfen Blutes zu Boden sinken.

Als schwierig empfand ich zudem die Szenen abseits der Schlachtfelder. Die ersten 30 Minuten dahingehend stellten kein Problem dar. Hier wird zwar mit etwas zu viel Zuckerguss das unbeschwerte Leben vor dem Krieg gezeichnet, die Beweggründe hinter diesem Ansatz sind allerdings klar und nachvollziehbar: Man will den Kontrast zum Kriegsalltag so krass wie möglich zeichnen. Das funktioniert super. Doch der Film behält diese Hinwendungen zum Kitsch weiter bei.

Generation der Verdammten Thomas

Thomas verliert schnell seine Begeisterung am “Abenteuer Krieg”.

Wenn die Soldaten Urlaub haben oder sich in sie behandelnde Krankenschwestern verlieben, wird es doch wieder arg zuckrig. Dazu kommt die allgemein ein wenig zu seifige Filmmusik, die irgendwann auch in den Schlachtenszenen zu allgegenwärtig wird und die Wirkung der Bilder durchaus auch mal ein wenig behindert. Und die bereits erwähnte Liebe eines Soldaten zu einer Krankenschwester muss sich so oft des Faktor Zufalles bedienen, dass sie schlicht unglaubwürdig wirkt. Unter diesen Voraussetzungen empfindet man schnell jede Szene abseits der Kriegsschauplätze als echte Showstopper.

Dabei haben auch die ihre Momente. Großartig wird es zum Beispiel, wenn offengelegt wird, wie sich die Soldaten und ihre Familien den ganzen Krieg hinweg gegenseitig belügen. Und bei einem nicht so krassen Fokus auf die Hauptfiguren hätte man sicher auch das Leid der Daheimgebliebenen besser darstellen können. Das kommt in der jetzigen Form leider zu kurz und wäre mit Sicherheit interessanter gewesen als beispielsweise die Bebilderung einer Heirat.

In Sachen Technik bin ich sehr zwiegespalten, was „Generation der Verdammten“ angeht. Zum einen sieht man dem Film extrem an, dass er ein Fernsehfilm ist. Er wirkt ab und an richtiggehend altbacken und steif in seiner Bebilderung. Andererseits passt genau diese schmucklose Inszenierung bei den Kriegshandlungen wieder wie die Faust aufs Auge. Wirkt teilweise fast dokumentierend. Und dann gibt es da Szenen wie jene, in der der zunehmende Wahn eines Soldaten dargestellt wird und tropfende Wassertropfen zu ratternden Maschinengewehren mutieren. Genau in solchen Momenten wird „Generation der Verdammten“ unglaublich intensiv, greifen Bilder und Musik auf unvermutet geniale Weise ineinander. Aufgrund der eingewobenen Originalaufnahmen wirkt die Miniserie aber häufiger wie eine dieser Dokus, bei der verbal dargereichte Fakten und Originalaufzeichnungen mit Spielszenen angereichert werden.

Generation der Verdammten Schlachtfeld

Thomas begegnet auf dem Schlachtfeld dem puren Grauen.

In der Folge wirkt die „Generation der Verdammten“ immer mal wieder leicht trocken und verschenkt auch Szenen, die anders dargereicht vermutlich noch mehr mitgenommen hätten. Doch zum Glück hat „Generation der Verdammten“ seine beiden Hauptdarsteller Patrick Gibson (Thomas) und Jack Lowden (Michael). Was das Drehbuch ab und an liegen lässt, nehmen die beiden voll mit. Die beiden spielen ihre Rollen absolut überzeugend. Sei es der Wechsel von den naiven Jungspunden zu den überforderten Soldaten, die ihre erste Attacke durchführen müssen. Oder die weitere Entwicklung zu den abgeklärten und irgendwann desillusioniert über die Kriegsfelder wankenden Kriegsversehrten. Die beiden füllen ihre Rollen absolut überzeugend mit Leben und machen so vor allem die letzten Minuten der Miniserie zu einem wirklich krassen Tränenzieher.

Was am Ende bleibt, ist ein in vielen Aspekten enorm interessanter Antikriegsfilm. Alleine die Tatsache, dass er vollkommen auf eine Schwarz-Weiß-Zeichnung verzichtet, macht ihn zu etwas Besonderem im Genre. Dazu gesellen sich herausragende Darsteller, einige fantastisch inszenierte und montierte Einzelszenen sowie ein paar emotional enorm beeindruckende Momente. Demgegenüber steht eine etwas altbacken wirkende Inszenierung, nicht so gelungene Szenen abseits der Frontlinien und eine irgendwann alles zukleisternde, immer etwas zu seifig anmutende Filmmusik. Und obwohl dem Film letzten Endes das nötige Quäntchen Wucht abgeht, macht „Die Generation der Verdammten“ eindrücklich klar, welchem sinnlosen Leid die Soldaten im ersten Weltkrieg ausgesetzt waren. Und wie sinnlos Krieg an und für sich ist. Leider ist der Mensch nur ein begrenzt lernfähiges Wesen. Kriege bis in die heutige Zeit legen eindrucksvoll Zeugnis davon ab.

6 von 10

„Generation der Verdammten“ ist seit dem 25. August 2017 auf DVD und Blu-ray von Pandastorm Pictures zu erstehen. Die Datenträger tragen eine Freigabe ab 16 und haben bis auf einen Trailer und knapp drei Minuten an geschnittenen Szenen nichts an Extras zu bieten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Pandastorm Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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