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Ghost Rider: Spirit of Vengeance

Originaltitel: Ghost Rider: Spirit of Vengeance__Herstellungsland: USA / Vereinigte Arabische Emirate__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Mark Neveldine/Brian Taylor__Darsteller: Nicolas Cage, Idris Elba, Violante Placido, Ciarán Hinds, Christopher Lambert, Johnny Whitworth, Fergus Riordan, Alin Panc, Sorin Tofan u.a.
Ghost Rider 2

Nicolas Cage und Christopher Lambert in “Ghost Rider: Spirit of Vengeance”.

Beginnen wir mit dem, was sich wohl insgeheim alle von Nicolas Cages neuestem Film erwarten: Dem Verriss. Da wäre zunächst einmal die hirnrissige, eigentlich quasi gar nicht existente “Story”. Johnny Blaze hat sich aus für den Zuschauer nicht  wirklich nachvollziehbaren Gründen aus den USA in den Ostblock zurückgezogen, bejammert hier sein dämonisches Schicksal, versinkt in Selbstmitleid und saftet den Zuschauer mit pathetischen Off-Kommentaren zu, die dieser gar nicht hören will. Da schaut eines Tages ein Franzose vorbei, der erklärt, er arbeite im Auftrag eines Mönchordens, der einen Jungen suche, der dem Deibel – eben jener, der Johnny Blaze einst übertölpelte und zum Rider machte – als Gefäß dienen solle, damit dieser erstarkt auf der Erde wüten könne. Das gelte es natürlich zu verhindern! Johnny ist das ziemlich egal, bis der Franzose erklärt, dass wenn Johnny den Jungen herbeischafft, der Mönchsorden ihm den Riderdämon austreiben will! Damit schnellt das Interesse bei Johnny in Sekundenbruchteilen von Null auf Hundert und er macht sich auf die Suche nach dem Jungen.

Diese wird angetrieben von Zufällen, haarsträubenden Storyelementen, richtig richtig miesen Dialogen, chargierenden Darstellern und soviel unfreiwilliger Komik, dass man irgendwann meinen könnte, diese humorigen Einlagen seien wirklich als spaßig geplant gewesen. Das ganze verortet man in langweiligen Ostblockgefilden, adaptiert die zugehörige miesepetrige Optik, die man aus diversen Seagalbrechern schon hinreichend kennt, und fertig ist der Superflop … oder sagen wir der hochbudgetierte Megatrash. Und wie das mit Trash manchmal so ist, erlebt man auch hier echte kleine Überraschungen, denn der Rider rockt die Scheiße! Zumindest, solange der Rider eben wütet …

Ghost Rider 2

Nicolas Cage gibt den Rider in “Ghost Rider 2”

Und sobald das geschieht, gerät der Hochglanzvorgänger “Ghost Rider” vollkommen in Vergessenheit. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht: Neveldine/Taylor, die aktuell anscheinend so gar nichts so hundertprozentig verkacken können, selbst wenn manche es ihnen nur zu gerne gönnen. Was die beiden an Ideen in die Riderauftritte packen, reicht manch anderem Franchise für drei Filme. Sobald sie den Rider von der Leine lassen, brennt die Kinoleinwand und wird ein What the Fuck Moment nach dem anderen generiert. Das erreichen sie zunächst durch ihre unglaublich energetische Inszenierung. Ultraschräge Perspektiven, wilde Reißschwenks, unvermittelte Zooms, Zeitraffer, Zeitlupen, Splitscreen, heftige Bildverfremdungen, Animationssequenzen und Tempo, Tempo, Tempo. Obendrein deuten sie den Rider, den man aus Teil 1 kennt, etwas um. Sie machen ihn zu etwas Getriebenem, zu etwas instinktiv Handelndem, etwas zutiefst Ambivalentem, dem egal ist, ob ein “Opfer” gut oder böse ist. Auch optisch rücken sie der Figur zu Leibe. Der neue, deutlich organischere Look des Skelettschädels rockt unglaublich und die zugehörigen Effekte stecken jene aus Teil eins mühelos in die Tasche. Auch die Oneliner Momente fuhr man deutlich zurück und so gerät der “neue” Rider zu einem anarchischen Antihelden, der in seinem Wahnsinn fast an den Joker aus “Dark Knight” erinnert.

Ghost Rider 2

Der Rider beim Wüten!

Und in diesem Umfeld macht dann plötzlich auch das Overacting von Nicolas Cage wieder verdammt viel Sinn, denn der ist mit deutlich mehr Spielfreude als beim Vorgänger bei der Sache. Und gerade die Momente, wenn er gegen den auszubrechen drohenden inneren Dämon ankämpft, können die irren Cagemomente mal wirklich gelungen in einen Film integriert werden! Dem Affen so richtig Zucker gibt dann der kaputte Score, bei dem man häufiger denkt, schon mehr als genug Schräges präsentiert bekommen zu haben, nur um dann noch einen drübergebraten zu bekommen. Der absolute Wahnsinn ist dann eine Sequenz in einem Bergwerk, in dem endlich auch mal offenbart wird, dass ALLE Gefährte, die der Rider besteigt, zu Höllengeräten mutieren. In dieser Sequenz steht dann ein ganzer Schaufelradbagger (von den Dimensionen her einem Braunkohlebagger mit Fördereinheit nicht unähnlich) in Flammen und macht der Rider irre lachend das gesamte Bergwerk komplett platt. Nebenbei wird er in die Luft gesprengt, von Lenkflugkörpern gen Himmel gerissen und mit blauen Bohnen eingedeckt, nur um irgendwann horizontal in der Luft zu schweben und sein Werk zu genießen. Wahnsinn pur …

Ghost Rider 2

Nic Cage beim Overacten …

Zudem wird in diesem Film auch ein würdigerer Gegner für den Rider installiert, der einem König Midas gleich zwar durch Berührung kein Gold dafür Zerfall der schlimmsten Sorte generiert. Das hat zwar auch ein paar hübsche Logikfehler zur Folge, immerhin müsste ihm jegliches Gefährt unterm Arsch wegrosten, aber derartige Kinkerlitzchen passen zu dem Trashfest wie Arsch auf Eimer. Das gilt auch für das teils relaxte, teils überzogene Spiel von Hochkarätern wie Idris Elba (“Luther”) oder Ciarán Hinds (“Rom”), die auch die enttäuschend aufspielende “The American” Schönheit Violante Placido und ihren blassen Filmsprössling mitzuziehen vermögen. Einen für den Film leider recht zwecklosen, dafür schön seltsamen Auftritt hat Christopher Lambert als Mönch abbekommen, dem man aber irgendwie anmerkt, dass er mit DIESEM Film nicht wirklich zurande kommt.

Ghost Rider 2

Der Rider dreht in “Spirit of Vengeance” deutlich mehr auf als im Vorgänger.

Das Ergebnis ist ein wirklich irres Ding. Sobald Neveldine/Taylor den Rider von der Kette lassen, ist “Ghost Rider II” ein unerhört unterhaltsamer, irre abgedrehter Zeitvertreib, der optisch und ideentechnisch nur so brennt. Doch zwischen diesen leider rar gesäten Glanzlichtern fällt der Film brutal in sich zusammen, machen doch weder die Figuren noch die Dialoge oder die Story insgesamt irgendeinen rechten Sinn. Kann man sich mit diesem Mix aus Hochs und Tiefs anfreunden und hat einen kleinen Platz im Herzen für Gigatrash, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er sich nun selbst ernst nehmen oder sich doch über sich selbst lustig machen soll, dann (und nur dann!) kann man dem Rider eigentlich gar nicht böse sein. Ganz im Gegenteil, es wäre schön gewesen, der Rider wäre von Anfang an so überdreht gezeichnet wurden. Er wäre schon in Teil 1 ein hübscher Gegenentwurf zu manch anderen langweiligen Heldengesocks aus der Marvelschmiede gewesen. So kann man eigentlich nur hoffen, dass Neveldine/Taylor beim nächsten Mal noch mal randürfen und dann einfach so richtig auf die Kacke hauen und das Drehbuch gleich vor den Dreharbeiten verbrennen. Der Rider im Crankmodus und das Superheldengenre stünde Kopf. Doch dann BITTE nicht in 3D. Denn ganz ehrlich, wer kam auf die hirnrissige Idee, den Stil der beiden Regiederwische NACHTRÄGLICH in 3D zu wandeln? Blitzschnelle Schnitte, Wackelkamera, 3D … Liebe Filmgeldsäcke, was passt hier nicht rein?

Der Rider ist ab 10. August 2012 auf DVD und Blu Ray von Universum Film im deutschen Handel erhältlich. Die Datenträger sind jeweils ab 12 freigegeben und uncut.

Zum Start gewährt Universum Film einen Blick auf eines der Bonus Features:

In diesem Sinne:
freeman

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