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Gladiator

Originaltitel: Gladiator__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2000__Regie: Ridley Scott__Darsteller: Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed, Richard Harris, Derek Jacobi, Djimon Hounsou, David Schofield, John Shrapnel, Tomas Arana, Ralf Moeller, Spencer Treat Clark, David Hemmings, Tommy Flanagan, Sven-Ole Thorsen, Tony Curran, Michael Sheen u.a.
Gladiator

Russell Crowe wird in Ridley Scotts „Gladiator“ zum Arenakämpfer und findet unter anderem in Ralf Moeller einen Mitstreiter

„Gladiator“ belebte das Sandalenfilmgenre im Jahr 2000 wieder und erweist sich als fesselndes Epos des Regie-Virtuosen Ridley Scott („Alien“).

Zur Zeit des Imperators Marcus Aurelius (Richard Harris), der fast die gesamte bekannte Welt beherrscht: Im antiken Germanien bahnt sich die Entscheidungsschlacht zwischen den Barbaren und den Legionen unter Führung des Feldherren Maximus (Russell Crowe) an. Doch die Germanen unterliegen in einem furiosen Gefecht dem römischen Heer, was auf der Leinwand fantastisch anzuschauen ist. Da surren die Pfeilen und klirren die Schwerter in Schlachtszenen, die zum Besten gehören, was es in dieser Hinsicht gibt, aber auch Maximus einführen; sowohl als knallharte Kämpfernatur als auch als findigen Taktierer, welcher die Kontrahenten durch geschickten Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel bezwingen kann.

Wenig später trifft Marcus’ Sohn Commodus (Joaquin Phoenix) ein: Ein geschickter Schwertkämpfer, aber hinterhältig, feige und zudem mit inzestuösen Neigungen seiner Schwester Lucilla (Connie Nielsen) gegenüber gesegnet. Da Marcus ihm die Herrschaft über Rom nicht geben will, ernennt er im Stillen Maximus zu Statthalter, der die Überführung des Reiches in eine Republik überwachen soll. Aber bevor er es verkünden kann, rastet Commodus bei dieser Nachricht aus, ermordet seinen eigenen Vater und gibt den Befehl Maximus zu töten, nachdem dieser ihm die Gefolgschaft. Was sich recht kurz liest, ist im Film eine ausführliche und dennoch nicht langweilige Einführung der Charaktere, ehe der Film dann bei Marcus’ Ermordung an Tempo zunimmt.

Allerdings kann Maximus die Männer töten, die ihn exekutieren sollen und flieht verletzt zu seinem Landgut – allerdings hat Commodus hier bereits alles niederbrennen und Maximus’ Frau und Sohn ermorden lassen. Nachdem Maximus seine Familie begraben hat, bricht er aufgrund seiner Verletzung und der Trauer zusammen und wird von einer Sklavenkarawane aufgelesen. Von nun an soll er sein Leben als Gladiator fristen – was dem kampferfahrenen Krieger sogar eine Chance zur Rache bietet…

Gladiator

Maximus (Russell Crowe) muss sich in einem gefährlichen Kampf bewähren

Bildgewaltig inszeniert Ridley Scott die Rückkehr des Monumentalepos auf die große Leinwand, nachdem das Genre infolge einiger kostenschwerer Flops in den 1960ern mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden war. Für „Gladiator“ wurden keine Kosten und Mühen gescheut, in einer beispielhaften Symbiose aus aufwändigen Setbauten und digitaler Unterstützung erweckt Scott das antike Rom zum Leben, mit besonderem Augenmerk auf das Kolosseum, in dessen Arenen und Kellergeschossen sich große Teile der Handlung abspielen, aber auch die Senatsräume, die Gladiatorenschule des früheren Champions Proximo (Oliver Reed) oder andere Kampfplätze sind mit famosen Setdesign und wahrhaft pompöser Ausstattung imposant hergerichtet und werden von Scott entsprechend episch in Szene gesetzt, wobei der Film seine volle Wirkung am besten im Kino entfaltet.

Und allem Pomp zum Trotz ist „Gladiator“ dennoch vor allem eines: Ein gradliniger Rachefilm, der seinem Helden besonders viele Steine in den Weg legt: Maximus muss sich nicht nur verschiedenster Gegner erwehren, auch das Herankommen an seinem mittlerweile zum Imperator aufgestiegenen Widersacher ist quasi unmöglich, weshalb am Ende das Drehbuch die entsprechende Situation etwas angestrengt herkonstruieren muss, auch wenn der Film sich sichtlich müht Maximus Anstrengungen auf der einen Seite und politische Ränkespiele auf der anderen als Begründung heranzuziehen, damit dieser Moment noch glaubwürdig genug erscheint.

Gladiator

Proximo (Oliver Reed) leitet die Gladiatorenschule, in der neben Maximus auch Hagen (Ralf Moeller) und Juba (Djimon Hounsou) ihr Dasein fristen

Abseits der Arena jongliert „Gladiator“ verschiedene Subplots, die einfache, aber durchaus effektive Rachegeschichte anreichern: Während Commodus an der Imperatorenkarriere werkelt, arbeiten demokratischere Kräfte an der von Marcus‘ gewünschten Republik, Lucilla muss in den Ränkespielen ihren Platz finden, da die Avancen ihres Bruders immer offensiver werden. Dabei wird Scotts Epos aber nicht zum antiken Politthriller, sondern beschäftigt sich damit wie die verschiedenen Parteien den (situationsbedingt) in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkten Maximus für ihre Zwecke nutzen wollen, womit diese den Hauptplot gekonnt unterstützen. Ähnlich sieht es mit Maximus‘ Gladiatorenkumpanen aus: Proximo ist Mentor und Spiegelbild des Ex-Generals, Juba (Djimon Hounsou) sein engster Vertrauter und Waffenbruder, Hagen (Ralf Moeller) Kampfsau und gleichzeitig für etwas komödiantische Auflockerung zuständig – alle tragen in ihrer Interaktion vor allem zum Vervollständigung des Bildes von Maximus bei.

Die Figur des Maximus trägt den Film schlussendlich auch. Russell Crowe ist fast so überragend wie in „L.A. Confidential“, auch wenn Maximus weit weniger komplex als Bud White ist. Doch er gibt eine eindrucksvolle Figur ab als rechtschaffener Mann, der alles verloren hat, nur noch Hass getrieben wird, todesmutig nur deshalb kämpft und überlebt, weil er noch etwas zu erledigen hat. Unterstützt von einem starken Soundtrack aus der Feder von Hans Zimmer hält die passenden epischen Reden und Monologe, lädt zum Mitfiebern ein, wenn man seinem zu allem entschlossenen Ex-General immer härtere Prüfungen auferlegt, immer stärkere Widersacher entgegenschickt.

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Ungutes Verlangen: Commodus (Joaquin Phoenix) begehrt seine Schwester Lucilla (Connie Nielsen)

Auch Joaquin Phoenix („Walk the Line“) gibt einen tollen Fiesling ab, der ebenso böse wie charismatisch daherkommt und viele Widersprüche zu vereinen weiß: Ein Killer und Schwertkämpfer, aber doch zu feige für die Schlacht, gleichzeitig grausames Kind im Mann und gewiefter Taktiker. In den Nebenrollen kann „Gladiator“ ebenfalls glänzen, u.a. mit Richard Harris („Die Stunde der Patrioten“), dem herrlichen aufgelegten Oliver Reed („Meister des Grauens“), Connie Nielsen („3 Days to Kill“) und Djimon Hounsou („Guardians of the Galaxy“). Überraschend gelungen ist die Darbietung des Hollywooddeutschen Ralf Moeller („Best of the Best 2“), der als (wie könnte es anders sein?) germanischer Gladiator auftritt. Der langjährige Actiondarsteller und Stuntman Sven-Ole („Harte Ziele“) tritt als Gladiator Tigris auf.

Natürlich gibt es Zuge von Maximus‘ Rachefeldzug und seiner Erfahrung als Feldherr auch diverse Kampfszenen in „Gladiator“ zu bestaunen, von denen es im Mittelteil vielleicht etwas mehr hätte geben können. Doch die die Kämpfe, meist in der Arena, bieten Auseinandersetzungen in den buntesten Variationen: Einzeln oder in Gruppen, mit den unterschiedlichsten Waffen, mit Streitwagen, mit Tigern etc. Das größte Highlight dürfte dabei die Nachtstellung der Schlacht um Kathargo (neben der Eingangsschlacht auch wohl die längste Actionszene des Films) sein, bei der sich Maximus und seine Getreuen gegen eine übermächtige Streitmacht in der Arena wehren müssen. Die Kämpfe sind allesamt wunderbar und temporeich choreographiert wie inszeniert, trotz schneller Schnitte nie unübersichtlich, deftig und mit viel Gespür für Raum inszeniert, sodass sie jederzeit nachvollziehbar bleiben. Das sind antike Fights der Spitzenklasse.

„Gladiator“ ist ein fesselnder, epischer Rachefilm, der im Gegensatz zu manch anderem Breitwandepos weniger Wert auf große Gefühle und opulente Langsamkeit legt, sondern sein Figurenensemble, seine prunkvolle Ausstattung und seinen historisch wenig korrekten Rahmen in den Dienst seiner im Grunde einfachen, aber extrem effektiv erzählten Rachegeschichte stellt, die über zweieinhalb Stunden zu packen weiß, der famosen Kampfszenen und Russell Crowes Darbietung sei Dank.

Die DVDs und Blu-Rays aus dem Hause Universal sind allesamt ungeschnitten. Neben der ungekürzten Kinofassung gibt es auch noch eine Extended Version auf manchen Auflagen, von der Ridley Scott aber selbst in der Anmoderation durch die Blume abrät: Die Kinofassung sei sein Director’s Cut. Je nach Auflage bekommt man auch einen Haufen interessantes Bonusmaterial wie Making Ofs und entfallene Szene zu sehen.

© Nils Bothmann (McClane)

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