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Godzilla kehrt zurück

Originaltitel: Gojira no gyakushû / Godzilla Raids Again__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 1955__Regie: Motoyoshi Oda__Darsteller: Hiroshi Koizumi, Setsuko Wakayama, Minoru Chiaki, Takashi Shimura, Masao Shimizu, Seijiro Onda, Sonosuke Sawamura, Yoshio Tsuchiya, Mayuri Mokushô, Minosuke Yamada, Yukio Kasama, Senkichi Ômura u.a.

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Godzilla kehrt zurück Poster

Das Poster zu “Godzilla kehrt zurück”

„Was ist das für ein Untier?“
„Das ist ein Godzilla.“

Das kompromisslose Ende von Ishirō Hondas Monsterfilm-Klassiker „Godzilla“ hätte zu der irrigen Annahme verleiten können, der Mensch könne die von ihm selbst erschaffene globale Bedrohung aus eigener Kraft ein für allemal wieder beseitigen. Wo das Militär noch versagte, war es schließlich die Erfindung eines Wissenschaftlers, die den Giganten aus den Untiefen der Meere unwiederbringlich in seine Atome zersetzte. Godzilla war tot, kein Zweifel. Sein Skelett am Grund des Meeres bezeugte den Triumph der Japaner, die eine vollständige Zerstörung Japans gerade noch abwenden konnten, bevor es zu spät war.

Die Realität jenseits filmischer Fiktion ließ sich nach der ersten Katastrophe jedoch nicht so einfach bändigen. Nur drei Tage nach dem Bombenfall auf Hiroshima breitete sich am 9. August 1945 auch über Nagasaki ein Atompilz aus. Die Geschichte hatte damit bereits gelehrt, dass die Bedrohung längst nicht vorbei sein muss, nur weil eine Bombe bereits explodiert ist. Wäre es bei einem einzigen „Godzilla“-Film geblieben, die Zeit hätte ihn wohl zu einem düsteren Märchen mit fatalistischem Ausgang werden lassen. Stattdessen folgte eine Fortsetzung und holte die Geschichte ein.

Godzilla kehrt zurück

Stell dir vor, du erzählst eine Lagerfeuergeschichte und plötzlich wird sie hinter deinem Rücken Wirklichkeit…

Ironischerweise führte der Erfolg des ersten Leinwandauftritts Godzillas zu seiner schnellen Rückkehr. Gezwungenermaßen ist es nicht mehr die originale Kreatur, die nun Angst und Schrecken verbreitet, sondern einfach ein weiteres Exemplar derselben Gattung. Vielleicht rüttelt diese Tatsache am Gott-Status des ersten Wesens, nichts jedoch an der grundsätzlichen Bedrohlichkeit seiner Art. So wird der mit heißer Nadel gestrickte „Godzilla kehrt zurück“ zum Äquivalent der Nagasaki-Bombe und gleichzeitig zum Musterbeispiel einer Filmfortsetzung: Größer, spektakulärer, noch mehr Chaos, noch mehr Sprengkraft. Auf „Little Boy“ folgt „Fat Man“ – das unumstößliche Gesetz der Seriendramaturgie.

Dabei setzt die Narrative ganz bescheiden bei der eingegrenzten Perspektive zweier Piloten an, die von Hiroshi Koizumi und Minoru Chiaki mit einer gewissen Leichtigkeit gespielt werden, immer noch allerdings geprägt vom düsteren Anstrich des Originals und ohne Gewahrsein dafür, in welch absurde Regionen die Reihe sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln würde. Für einen der Beiden ist sogar eine Liebesgeschichte vorgesehen, die das Menschliche inmitten von Terror noch einmal betont. Nicht nur wegen des erneut omnipräsenten Militärs festigt sich der Eindruck, dass man einen Kriegsfilm sieht, dessen Narrative sich an den subjektiven Blickwinkel eines Soldaten klammert.

Dennoch ist auch „Godzilla kehrt zurück“ ein Film brennender Landstriche und ohrenbetäubender Schreie, eingefangen in der Regel aus der Ferne, um das ganze Ausmaß der Apokalypse zu zeigen. Flammen züngeln an den Fassaden der Miniaturgebäude entlang, während am Himmel Staffeln aus Kampfjets Formationen fliegen und dem „Tod von Oben“ ein symmetrisches Gesicht geben. Sichtbar ist Regisseur Motoyoshi Oda darum bemüht, auf Hondas Vorlage noch einen draufzusetzen. Die Schlüsselbilder von Feuerregen und schmelzendem Stahl gemahnen weiterhin an die schrecklichen Auswirkungen der Atombombe, doch die Fortsetzung möchte noch tiefer unter die Haut der Stadt dringen, zeigt ihre Straßen ebenso wie ihre U-Bahn-Schächte.

Godzilla kehrt zurück

Da sag noch einer, die Darsteller müssten in ihren Monster-Suits nur blöd rumstehen.

Sie erreicht mit ihrer Zerstörungswut jedoch bei weitem nicht so ikonische Bilder wie ihr grimmiger Vorgänger. Die Geschehnisse wirken gehetzt, verzweifelt und wie vom Zufall gelenkt. Die Hilflosigkeit der Befehlshaber wird zum Spiegelbild der Filmemacher, binnen eines Jahres einen zweiten Überfall Godzillas auf das Festland mit möglichst viel Krawumms orchestrieren zu müssen. Das Verlangen nach noch mehr Spektakel führte letztlich erstmals zu der berüchtigten Konstellation, die inzwischen absolut unverzichtbar für die Franchise ist: Monster gegen Monster.

Der Versus-Umstand bringt erstmals Anguirus auf den Plan, Godzillas ältesten Rivalen und späteren Freund. Während die stimmungsvollen Schwarzweiß-Bilder und die Kriegsfilm-Ästhetik immer noch einen seriösen Ton zu wahren versuchen, werden in der Konfrontation zweier Gummiberge vielleicht zum ersten Mal die Wurzeln gepflegten japanischen Monster-Trashs freigelegt, von dem man zu jener Zeit noch gar keine genaue Vorstellung haben konnte. Nicht grundlos fiel die Wahl für Godzillas ersten Widersacher auf einen Artverwandten der Dinosaurier, eine Abwandlung des Ankylosaurus aus der Kreidezeit. Man folgte immer noch den Spuren amerikanischer Trickanimationen von Effektspezialisten wie Willis O’Brien, mit denen Jahrmillionen der Erdgeschichte in die Gegenwart transportiert werden sollten. Die Zeit für außerirdische Invasoren und Titanium-Nachbildungen war noch nicht gekommen.

Natürlich wird Anguirus von den Dino-Experten im Film zunächst stark gesprochen, um die Vorfreude beim Publikum zu steigern, obwohl man ja eigentlich schon an den König der Monster gewöhnt war; ein simpler rhetorischer Kniff, der nicht zuletzt auch in „Jurassic Park 3“ genutzt wurde, als der Spinosaurus nach der Krone des Tyrannosaurus griff. Letztlich ist Katsumi Tezuka im Anguirus-Kostüm aber schon anatomisch dazu gezwungen, als Vierbeiner vor Godzilla im Staub zu kriechen. Dieser wird dabei erneut von Haruo Nakajima verkörpert. Obwohl die Person unter dem Kostüm dieselbe bleibt, hat sich seine Anmutung dennoch verändert: Das massige, schwerfällige Ungetüm weicht einer schlankeren, agileren Version, die es dem Darsteller erlaubt, auf die neuen Herausforderungen zu reagieren – denn erstmals gilt es nicht bloß, Häuser zu zertrampeln und Zugwaggons ins Maul zu stopfen, sondern mit einem Widersacher gleicher Größe in den Ring zu steigen.

Während das erste Aufeinandertreffen der Beiden im 2014er Stil noch vornehm hinter den Felsbergen einer Insel versteckt wird, geht es schließlich an der Küste von Osaka vor aller Augen zur Sache. Bedenkt man jedoch, dass sich die Welt inzwischen im Klammergriff der Großmächte USA und Russland befand, die untereinander den Kalten Krieg ausfochten, so scheint hinter Anguirus vielleicht mehr zu stecken als ein sinnlos in die Manege geworfenes zweites Monster. Wer sich fragt, weshalb die Giganten der Urzeit sich offenbar nicht gut leiden können, muss vielleicht bloß einmal mehr den Blick auf das Verhältnis zwischen Kapitalisten und Kommunisten richten.

Godzilla kehrt zurück

Sieht vielleicht kalt aus, aber jede Wette, Haruo Nakajima hat unter seinem Kostüm trotzdem geschwitzt wie ein Büffel.

Zittern muss unter dem unkoordinierten Getrampel der Hünen letztlich das Eiland, das sie als Bühne missbrauchen: Japan. Die Unzulänglichkeiten in der Inszenierung können dabei fast schon als Zutat zur Spannungssteigerung verstanden werden, ist es doch gerade die Handlungsunfähigkeit und die Ungewissheit, die nicht direkt beteiligte Nationen vor den Erschütterungen der Großmächte bangen ließ. Und Unzulänglichkeiten, derer gibt es unzählige vor sowie hinter der Kamera. So war bei der Koordination des Kampfes beispielsweise darauf zu achten, die Schwachstellen der Kostüme (etwa die frei liegenden Fußsohlen beim Anguirus-Kostüm) stets vor der Linse zu verbergen. Zudem lief eine der drei Effektkameras versehentlich mit nur 18 Bildern pro Sekunde, so dass wir im fertigen Film einen kruden Mix aus Realtime- und Speedup-Sequenzen zu sehen bekommen, mit denen sich die Kontrahenten in wechselndem Tempo auf die Hörner geben. Zwischendurch wird in Nahaufnahmen auf Godzillas Visage geschnitten, die mit ihrem fransigen, nach außen gewölbten Gebiss Flüssigkeit versprüht, die sinnbildlich für den patentierten Atomstrahl steht, der diesmal aber eher an Schlangengift erinnert. Der Kampf selbst ähnelt einem unspektakulären Ringkampf, der im höchsten Maße naturalistisch mit einem Biss in den Nacken beendet wird. Weil auch alles nicht mehr ganz so sehr in rabenschwarze Düsternis getunkt ist, fällt umso mehr auf, wie albern die Suitmation-Technik ist, wenn man zu genau hinschaut, auch wenn sich die Darsteller die ganz üblen Kampfgesten der späteren Teile noch sparen.

So ist das Duell Godzilla vs. Anguirus nur eine Zwischenepisode auf dem Weg zum Finale „Godzilla vs. Japan“, für das man sich eine alpine Insel bedeckt mit Schnee und Eis als Austragungsort ausgedacht hat. In einem konfusen, lauten Film ist dies vielleicht die beste Idee, die den Autoren für die insgesamt recht durchwachsene Fortsetzung eingefallen ist. In weiser Voraussicht zeigt sie nämlich auf, dass der Krieg immer nur auf Eis gelegt und niemals völlig ausgelöscht werden kann – eine wichtige Erkenntnis in einer Zeit, als der Zweite Weltkrieg beendet war, der Konflikt zwischen den West- und Ostmächten jedoch im vollen Gange. Und letztlich würde niemand Geringerer als Godzilla nach seinem siebenjährigen Winterschlaf die Spannungen lösen… mit zahllosen Trash-Fortsetzungen von nuklearer Schmelzkraft.

5 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Godzilla kehrt zurück”

Als „Godzilla“ 2004 in der 50th Anniversary-Edition veröffentlicht wurde, fehlte “Godzilla kehrt zurück” in der Box – möglicherweise, weil die Rechte bei Marketing lagen. Die veröffentlichten nämlich im gleichen Zeitraum eine DVD, die einiges an Extras bot, aber keinen japanischen Originalton. Erst 2009 folgte auch über Splendid eine DVD-Auswertung mit deutscher und japanischer Sprache – zumindest was die japanische Langfassung angeht, denn auf der gleichen Disc befand sich zusätzlich die deutsche Fassung nur mit deutschem Ton.

Schaut in den Trailer zu “Godzilla kehrt zurück”

Inzwischen gibt es den Film auch auf Blu-ray, wahlweise einzeln oder auch in der 11- bzw. 12-Disc-Collector’s Edition mit dem Original sowie diversen Fortsetzungen aus den 90er und 00er Jahren. Allerdings scheinen alle Blu-ray-Editionen aktuell out of print zu sein.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja / Ja

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